Die Kunst des modernen Wohnens
Charlotte Perriand (24.10.1903-27.10.1999) gilt als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Architektur- und Designgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Schon früh entwickelte sie eine eigenständige, minimalistische Formensprache. Sie verwendete neue,
unübliche Materialien und kam dank Erfindungsreichtum und Esprit zu Lösungen, die ästhetisch, praktisch, funktional und darüber hinaus auch noch bequem waren. Mit nur 24 Jahren begann sie im Studio von
Le Corbusier und Pierre Jeanneret als Leiterin der Abteilung Inneneinrichtung zu arbeiten. Dort war sie für zahlreiche Möbel- und InteriorProjekte verantwortlich – viele davon zählen heute zu den Ikonen des
modernen Designs.
Die Ausstellung "Charlotte Perriand. Moderne leben: Design, Fotografie, Architektur" im
Museum der Moderne Salzburg Mönchsberg zeigt bis 13. September 2026 über die Sommerfestspielzeit hinweg das visionäre Werk, kuratiert von Katharina Ehrl und Barbara Herzog, bei freiem Eintritt.
Perriand verband Architektur, Design, Kunst und Fotografie zu einem umfassenden Gestaltungskonzept –
diese Synthese der Künste entwickelte sich als Leitmotiv ihres gesamten Schaffens.
Ihr Nachlass wird von ihrer Tochter Pernette Perriand-Barsac verwaltet, die sich gemeinsam mit ihrem
Ehemann Jacques Barsac um die Pflege der Archives sowie um die authentische Produktion der Möbelentwürfe – exklusiv hergestellt von Cassina – kümmert.
Weitere Informationen unter http://www.museumdermoderne.at/
(JT Juni 2026)
Abbildungen:
Charlotte Perriand auf der Chaise Longue Basculante von Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand, 1928 © Archives Charlotte Perriand / FLC, Bildrecht Wien, 2026
Charlotte Perriand. Moderne leben: Design, Fotografie, Architektur, Ausstellungsansicht, Museum der Moderne Salzburg, 2026, © Archives Charlotte Perriand / FLC, Bildrecht Wien, 2026, Museum der Moderne Salzburg, Foto: wildbild, Herbert Rohrer
Alte Meister mit Rüsseltier
Otto Waalkes zählt zu den bekanntesten Comedy-Größen des deutschsprachigen Raums. Generationen
haben gelacht über seinen Wortwitz und seine Parodien. Mit seinen Ottifanten erobert er seit Jahrzehnten
Herz und Zwerchfell von Jung und Alt.
Als Maler lässt er seine Kultfigur längst durch die Kunstgeschichte spazieren. Während seiner Zeit in der Künstler-WG mit Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen studierte OTTO an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Die Albertina und ihre Sammlung faszinieren ihn seit jeher und nun hat er
mit einer Intervention in den Habsburgischen Prunkräumen des Hauses sein Ziel erreicht: einmal in Wien auszustellen.
Zum 250-jährigen Jubiläum seiner Gründung lädt das Museum ihn ein, ausgewählte Meisterwerke der
grafischen Sammlung neu zu sehen und zu kommentieren – natürlich nicht ohne Augenzwinkern.
So bekommt zum Beispiel Egon Schiele's Schwägerin Adele unverhofft ein neues Schoßtier.
"OTTO Meets Albertina", kuratiert von Ralph Gleis, zeigt bis 10. Jänner 2027 12 Werke von
Otto Waalkes und 12 Faksimiles von Werken der grafischen Sammlung der ALBERTINA – in einem Dialog
der außerfriesischen Art!
Weitere Informationen unter http://www.albertina.at/
(JT Juni 2026)
Abbildungen:
Egon Schiele. Adele Harms, die Schwägerin des Künstlers, 1917. 43,8 × 28,5 cm, Schwarze Kreide, Pinsel, Deckfarbe auf Japanpapier. ALBERTINA, Wien
Otto Waalkes. Schwägerin mit Haustier, 2025. 48 × 36 cm, Acryl, gehärtete Kohle und Buntstift auf Papier. © 2026
Otto Waalkes
Zwischen Literatur und bildender Kunst
Greta Schödl zählt zu den bemerkenswerten Vertreterinnen der „Visuellen Poesie“, einer Kunstform zwischen Literatur und bildender Kunst.
Die 1929 in Hollabrunn in Niederösterreich geborene Künstlerin lebt seit den 1950er-Jahren in Bologna.
Lange blieb ihr Werk in Österreich wenig beachtet, erfährt jedoch seit der Biennale von Venedig 2024
verstärkte Aufmerksamkeit.
Die Landesgalerie Niederösterreich zeigt nun mit "Greta Schödl. Spuren meines Lebens"
ihre erste Museumsausstellung im Heimatland bis 8. November 2026 und gibt mit rund 200 Werken,
unter anderem Zeichnungen, Malereien, Skulpturen, Objekten und Performancefotografien, einen
umfassenden Einblick in ihr über Jahrzehnte gewachsenes Œuvre.
Gerda Ridler, künstlerische Direktorin der Landesgalerie Niederösterreich, ist die Kuratorin.
In akribischer Wiederholung schreibt Greta Schödl Wörter auf unterschiedliche Träger: von Papier, Pergament und Leinwand bis hin zu Alltagsgegenständen oder Stein. Die Wörter verdichten sich zu rhythmischen,
nahezu meditativen Bildstrukturen. Ergänzt wird dieses Prinzip durch den Einsatz von Blattgold, das die Oberflächen durchzieht und ihnen eine vibrierende Leuchtkraft verleiht.
Neben den Schriftbildern zeigt die Ausstellung zentrale Werkgruppen wie die „Traumbilder“ und die „Fantasmi“,
in denen Schödl innere Erfahrungswerte in visuelle Formen übersetzt. In den sogenannten asemischen Schriften löst sich die Künstlerin von lesbarer Sprache und entwickelt Zeichen, die zwischen Schreiben und Zeichnen oszillieren. Auch Arbeiten, die den Körper als Spur begreifen, sowie performative und feministische Positionen
der 1960er- und 1970er-Jahre werden erstmals in diesem Umfang präsentiert.
Weitere Informationen unter https://www.kunstmeile.at/de/institutionen/landesgalerie
(JT Juni 2026)
Abbildungen:
Greta Schödl. Bücherwurm (Buchkassette und Stoffsackerl mit Wurm). 1970-2024.
Greta Schödl. Aus der Schuh-Serie. 1980er Jahre.
Beide: Courtesy Richard Saltoun Gallery, London, Rome and New York. Foto: Lodovico Pignatti Morano
Tabubrüche
Mit der Ausstellung „Touch! Kunst berührt“ setzt das Forum Frohner in Krems-Stein bis 18. Oktober 2026 einen bewusst sinnlichen Schwerpunkt. Kunst soll hier nicht nur betrachtet, sondern, entgegen gängigen Museumsregeln, vielfach auch berührt und aktiv erlebt werden. Die Schau, kuratiert von der künstlerischen Direktorin Elisabeth Voggeneder, definiert die Rolle der Besucher neu und rückt das Zusammenspiel von
Körper, Material und Wahrnehmung in den Mittelpunkt rückt.
Arbeiten, die Berührung thematisieren, provozieren oder konkret ermöglichen, wurden versammelt - von
den materialbetonten Werken Adolf Frohners bis hin zu interaktiven Installationen und performativen Positionen. Handlungsanweisungen wie „Berühre mich sanft!“ oder „Stoß mich an!“ machen die Besucher selbst zu
Akteuren des künstlerischen Geschehens.
Ausgehend von den Umbrüchen der 1960er-Jahre führt die Ausstellung durch zentrale Strömungen, in denen
der Körper als künstlerisches Medium an Bedeutung gewinnt. Bei Adolf Frohner spielt der physische Entstehungsprozess eine zentrale Rolle. Werke von VALIE EXPORT, Renate Bertlmann oder Gudrun Kampl thematisieren Berührung als sozialen und politischen Akt und machen Fragen von Nähe, Macht und Begehren sichtbar.
Gleichzeitig eröffnen interaktive Arbeiten, etwa von Cornelius Kolig, Tone Fink oder Stefan Glettler,
neue Erfahrungsräume, die erst durch das aktive Mitwirken des Publikums ihre Wirkung entfalten.
Weitere Informationen unter http://www.kunstmeile.at/
(JT Mai 2026)
Abbildungen:
Adolf Frohner. AMXV, 1963. Landessammlungen NÖ.
Renate Bertlmann. Glasherz, 1986. Landessammlungen NÖ. Bildrecht, Wien 2025.
Querschnitt der österreichischen Kunst
Das Leopold Museum im Wiener Museumsquartier zeigt mit der Ausstellung "PREMIERE! Die Sammlung
der Oesterreichischen Nationalbank" bis 11. Oktober 2026, kuratiert von Chiara Galbusera und Hans-Peter Wipplinger, die beeindruckende Vielfalt dieser Kunstsammlung.
Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) leistete 1994 einen entscheidenden finanziellen Beitrag zur
Gründung der Leopold Museum-Privatstiftung und ermöglichte damit die Entstehungs- und Erfolgsgeschichte
des Museums. Die Ausstellung „Premiere!“ würdigt diese langjährige Verbindung und präsentiert 114 Werke
von 79 Künstlern für einen umfassenden Einblick in die hochkarätige Sammlung. Die für die Präsentation ausgewählten Arbeiten geben einen lebendigen Überblick über zentrale Strömungen aus rund einhundert
Jahren heimischen Kunstschaffens.
Seit den späten 1980er-Jahren sammelt die OeNB österreichische Malerei und Skulptur von 1918 bis heute,
mit Schwerpunkten auf Kunst der Zwischenkriegszeit – insbesondere der Neuen Sachlichkeit und des Post-Expressionismus – sowie auf Arbeiten im Bereich der geometrischen und gestischen Abstraktion nach 1945.
Die Präsentation eröffnet einen Querschnitt durch zentrale Tendenzen österreichischer Kunst.
Sie zeigt Werke von bekannten neusachlichen Künstlern, wie Rudolf Wacker und Franz Sedlacek, sowie eigenständige Positionen der Zwischenkriegszeit, wie bei Greta Freist und Max Oppenheimer.
In der zeitgenössischen Kunst nach 1945 werden spannende Parallelen zwischen den Künstlergenerationen sichtbar, etwa zwischen Maria Lassnig und Tobias Pils oder Svenja Deininger und Ernst Caramelle. Ebenso werden die vielfältigen Zugänge zur Abstraktion in der Malerei – von Martha Jungwirth bis Herbert Brandl – erfahrbar.
Auch skulpturale Werke, etwa von, Fritz Wotruba, Josef Pillhofer oder Julia Haugeneder, sind wesentlicher Bestandteil der Sammlung.
Durch ihre Kunstsammlung, die Sammlung historischer Streichinstrumente, das Geldmuseum und das Bankhistorische Archiv unterstützt die OeNB die österreichische Kunst- und Kulturlandschaft.
Weitere Informationen unter www.leopoldmuseum.org
(JT April 2026
Abbildungen:
MAXIMILIAN REINITZ, Waidhofen an der Ybbs, 1927 © Oesterreichische Nationalbank/Kunstsammlung | Foto: OeNB/Graphisches Atelier Neumann
GRETA FREIST, La danseuse (Die Tänzerin), 1938 © Oesterreichische Nationalbank/Kunstsammlung | Foto: OeNB/Graphisches Atelier Neumann
ALFONS WALDE, Sonntag, um 1924 © Oesterreichische Nationalbank/Kunstsammlung | Foto: OeNB/Graphisches Atelier Neumann © Bildrecht, Wien 2026
Dynamisch
Die ALBERTINA Wien widmet bis 20. September 2026 der Künstlerin Helga Philipp (1939–2002) eine Ausstellung, kuratiert von Elsy Lahner. "Helga Philipp - Bewegungsräume" zeigt Philipp als zentrale Vertreterin der österreichischen Konkreten Kunst und der Op-Art.
Bereits in den 1960er-Jahren entwickelt sie eine präzise, konzeptuell fundierte Bildsprache, die Wahrnehmung und Bewegung in den Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens stellt.
Ihr Werk steht im Spannungsfeld zwischen visueller Erfahrung, geometrischer Abstraktion und kinetischer Formensprache, wobei sie mit mathematischen Prinzipien, seriellen Strukturen und Interaktivität experimentiert.
Die Schau präsentiert rund 50 der wichtigsten Arbeiten der Künstlerin aus mehreren Jahrzehnten und zeigt
die Vielfalt ihres Werkes in unterschiedlichen Medien wie Malerei, Zeichnung, Druckgrafik und Objektkunst.
Weitere Informationen unter http://www.albertina.at/
(JT April 2026)
Abbildungen:
Helga Philipp. Ohne Titel, 1968. 95 × 95 cm, Acryl auf Hartfaserplatte. Privatsammlung, Wien © Nachlass Helga Philipp. Foto: Axel Schneider, Frankfurt am Main
Helga Philipp. Ohne Titel (Kinetisches Objekt), 1962–1963. 40 × 40 × 6 cm, Siebdruck, Glas, Holz.
Privatsammlung, Verona © Nachlass Helga Philipp. Foto: Mattia Mognetti, Courtesy 10
A.M. ART Gallery, Milan
Helga Philipp. Ohne Titel (Kinetisches Objekt),
1966–1968. 115 × 115 cm, Lack, Glas, Holz. Privatsammlung © Nachlass Helga Philipp. Foto: Nachlass Helga
Philipp
Max Pechstein's Kunst macht Station in Linz
Von zahlreichen Zeitgenossen als führendes Mitglied der Künstlergruppe Brücke gewürdigt, nahm
Max Pechstein mit seiner expressiven Bildsprache in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts eine
zentrale Stellung innerhalb der deutschen Avantgarde ein.
Die Retrospektive Max Pechstein. Abenteuer Expressionismus im Lentos Kunstmuseum Linz vereint Schlüsselwerke aus verschiedenen Schaffensphasen, kuratiert von Brigitte Reutner-Doneus. Über 100 Arbeiten sind bis 30. August 2026 erstmals in Österreich zu sehen, darunter viele Ostsee- und Südseelandschaften.
Die Präsentation in Linz ist Teil einer internationalen Tournee von Werken des Künstlers aus den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum. Hintergrund ist die mehrjährige Schließung des
Max-Pechstein-Museums aufgrund von Bauarbeiten.
Mit der Ausstellung wird ein zentrales Kapitel der klassischen Moderne beleuchtet.
Ein Schwerpunkt liegt auf Pechsteins Beziehung zu Wolfgang Gurlitt.
Während Hildebrand Gurlitt von 1925 bis 1930 als Direktor des damaligen König-Albert-Museums in Zwickau, dem heutigen Kern der KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max- Pechstein-Museum, maßgeblich zum Aufbau einer bedeutenden Sammlung moderner Kunst beitrug und früh Werke von Max Pechstein ankaufte, legte sein Cousin Wolfgang Gurlitt in Linz den Grundstein für die Sammlung der Neuen Galerie der Stadt Linz, aus der
das heutige Lentos Kunstmuseum Linz hervorging.
Weitere Informationen unter http://www.lentos.at/
(JT April 2026)
Abbildungen:
Max Pechstein, Einradfahrerinnen, 1928. Privatbesitz. © 2026 Pechstein – Hamburg / Berlin Foto © KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum
Max Pechstein, Am Garder See, 1924. Privatbesitz. © 2026 Pechstein – Hamburg / Berlin Foto © Foto-Atelier LORENZ, Zschorlau, KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum
Max Pechstein, Die Unterhaltung, 1920. Privatbesitz. Pechstein – Hamburg / Berlin, Bildrecht, Wien 2026
Die Bildwelten der USamerikanischen Alltagskultur
Richard Prince (*1949) zählt zu den bekanntesten zeitgenössischen Vertretern der Appropriation Art.
Seit den 1970er-Jahren entlarvt der in New York lebende Künstler mit Ironie, Witz und Scharfsinn die
Bilderwelt der Konsumgesellschaft.Durch die Aneignung vorhandener Bilder aus Werbung, Sub- und Massenkultur sowie durch deren Bearbeitung und Neukontextualisierung untersucht Prince Mythen und
Fiktionen, die massenmedialen Bildern zugrunde liegen.
Berühmt wurde er mit der legendären Serie Cowboys. Als Inbegriff von Freiheit und Männlichkeit gehört
der Cowboy zu den wirkungsmächtigsten Symbolfiguren der amerikanischen Kultur. Prince„refotografierte“ Marlboro-Werbungen mit vom Original abweichendem Bildausschnitt, so werden sie zur kritischen Reflexion
über Mythen, Männlichkeit und Medien
Die ALBERTINA Wien widmet dem Künslter die große Ausstellung "Richard Prince" in der Bastei
bis 16. August 2026, kuratiert von Walter Moser mit Assistenz von Alexandra Mae Hiebert.
Im Zentrum steht die Fotografie, Princes Leitmedium. Zu sehen sind ikonische Serien wie Fashion, Gangs und Cowboys – von seinen bahnbrechenden Refotografien von Werbeanzeigen über autobiografisch
gefärbte Aufnahmen aus dem ländlichen Bundesstaat New York bis hin zu komplexen Collagen aus
gefundenem Material.
Prince nähert sich dem Thema der Appropriation bis heute aus immer neuen Perspektiven an, deren Zusammenhänge und Wechselwirkungen im Zentrum der Präsentation stehen. An der Schnittstelle von Fotografie, Malerei und Skulptur zeigt die Schau anhand von rund 150 Arbeiten, wie konsequent sein Werk
von fotografischem Denken durchdrungen ist.
(JT April 2026)
Abbildungen:
Richard Prince. Untitled (Fashion), 1982-1984. 152,4 x 101,6 cm, C-Print. Courtesy of Richard Prince Studio © Richard Prince
Richard Prince. Untitled (Cowboy), 1999. 218,4 x 121,9 cm, Ektacolor-Fotografie. Courtesy of Richard Prince Studio © Richard Prince Richard Prince
Untitled (Cowboy), 1989. 121,9 x 184,8 cm, Ektacolor-Fotografie. Courtesy of Richard Prince Studio © Richard
Prince
Plakate der Wiener Festwochen
Seit 75 Jahren begleiten die Sujets der Wiener Festwochen das kulturelle Leben der Stadt.
Anlässlich dieses Jubiläums zeigt das MAK bis 20. September 2026 mit der Ausstellung
HYPE UND HOCHKULTUR. 75 Jahre Wiener Festwochen in Plakaten im MAK Plakat Forum rund
80 prägende Kampagnen aus der Sammlung der Wienbibliothek im Rathaus.
Kuratiert wurde die Schau von Peter Klinger, stellvertretender
Leiter MAK Bibliothek und Kunstblättersammlung, sowie Franz Gangelmayer und Manuela
Leutgeb, Wienbibliothek, als Gastkuratoren.
Die Auswahl aus über tausend Festwochen-Plakaten dokumentiert nicht nur die visuelle Entwicklung eines
der bedeutendsten europäischen Kulturfestivals, sondern entwirft zugleich ein Psychogramm der Stadt Wien –
von den kulturellen Aufbrüchen der
Nachkriegszeit bis zu den radikalen Gegenwartsentwürfen unter der Intendanz von Milo Rau.
In enger Kooperation mit den Wiener Festwochen | Freie Republik Wien und der Wienbibliothek im Rathaus beleuchtet die MAK Ausstellung die wechselvolle Geschichte des Festivals und schlägt
zugleich eine Brücke
zu aktuellen künstlerischen Grenzüberschreitungen.
Weitere Informationen unter http://www.mak.at/
(JT April 2026)
Abbildungen:
Josef Seger, Wiener Festwochen, 27.5.−25.6.1961. Wien: Paul Gerin, 1961. Wienbibliothek P-43531. © Josef Seger
Mariusz Jan Demner, Wiener Festwochen [Mozart-Sujet] 12.5.−18.6.2006. Agentur: Demner, Merlicek & Bergmann. Wienbibliothek P-251851. © DMB
Comics and Companions
Die Ausstellung KAWS. Art & Comix in der ALBERTINA MODERN, kuratiert von Angela Stief und
Florian Waldvogel, zeigt bis 27. September 2026 die Wechselwirkung von Comics, Bildergeschichten,
Cartoons und Kunst ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute.
Im Mittelpunkt steht der US-amerikanische Künstler KAWS - in einem Dialog mit ausgewählten Positionen
der Gegenwart. So wird die künstlerische Autonomie seiner grenzüberschreitenden Charaktere offenkundig,
die Pop-, kommerzielle und öffentliche Kunst miteinander verbinden.
KAWS, der in den 1990er-Jahren als Graffiti-Künstler arbeitete, übermalte Plakate und Werbung im
öffentlichen Raum, indem er die Gesichter auf Postern mit seinen typischen Markierungen, durchkreuzten
Augen, versah. Besonders bekannt ist er für seine überdimensionierten figurativen Skulpturen aus verschiedensten Materialien wie Bronze oder Holz. Seine COMPANIONs, wie er manche von ihnen nennt,
zeigt er selbstbewusst, schüchtern oder traurig. Manchmal umarmen sie sich, manchmal sitzen sie da und
halten die Hände über das Gesicht und schämen sich. Häufig sind sie allein, isoliert und melancholisch dargestellt, ein anderes Mal tauchen sie in einer Gruppe oder als Familie auf.
Die Ausstellung ist dialogisch aufgebaut. KAWS wird historischen Ikonen der Kunst wie Roy Lichtenstein,
Öyvind Fahlström, Red Grooms, Mimi Gross & The Ruckus Construction Company, ebenso gegenübergestellt wie Katherine Bernhardt, Raymond Pettibon, Cosima von Bonin und Isolde Maria Joham. Sie alle greifen unterschiedliche stilistische Elemente des Comics auf,
Comics zeichnen sich durch große Unmittelbarkeit aus und sind eine alltagskulturelle Erscheinung –
eine demokratische Kunstform, die für alle existiert.
Weitere Informationen unter http://www.albertina.at/
(JT April 2026)
Abbildungen:
KAWS. SHARE, 2021. 177,8 x 84 x 62 cm, Bronze,
Farbe.
© KAWS. Foto: Courtesy KAWS
Studio
Isolde Maria
Joham.
Puzzle-Panda,
2008.
310 × 270 cm, Öl und Acryl
auf Leinwand. Prof. Gottfried Höllwarth © Isolde
Maria Joham.
Foto: Nicole
Wiedenbeck
KAWS. SPACE, 2023. 116 x 183 x 96 cm, Rostfreier
Stahl.
Privatsammlung ©
KAWS.
Foto: Courtesy KAWS
Studio
Das Beziehungsgeflecht Mensch-Tier im Wandel der Zeit
Mit der Ausstellung Animalia. Von Tieren und Menschen untersucht die Heidi Horten Collection
bis 30. August 2026 anhand von rund 90 Tierdarstellungen aus dem 20. und 21. Jahrhundert
das vielschichtige Verhältnis von Mensch und Tier.
Kuratiert wurde die Schau von Véronique Abpurg und Annkathrin Weber.
In der Kunst offenbart sich das Beziehungsgeflecht Mensch-Tier in unterschiedlichsten Ausdrucksformen
und zeigt seinen Wandel im Laufe der Zeit. So machen Tierdarstellungen ein Gefüge sichtbar, das von
Nähe und wechselseitiger Abhängigkeit ebenso geprägt ist wie von Hierarchie und Dominanz.
Einen zentralen Impuls für die Ausstellung stellt der aus der Biologie entlehnte Begriff Animalia dar.
Abgeleitet von anima – Atem oder Seele –, bezeichnet er im Sinne des Naturforschers Carl von Linné
(1707–1778) eine Ordnung, die Mensch und Tier gleichrangig zusammenfasst. Linnés Modell steht somit
der absoluten Grenzziehung zwischen Mensch und Tier – der sogenannten „anthropologischen Differenz“ – entgegen. Die aus dieser Trennung hervorgehende Hierarchie, in der sich der Mensch über das Tier stellt,
wird in der Ausstellung kritisch hinterfragt. Der biologischen Gleichrangigkeit von Linnés Modell steht ein
kulturell tief verankertes Denken und Handeln gegenüber, in dem sich der Mensch dem Tier überordnet
und ihm ambivalente Rollen zuweist.
In sechs Kapiteln und unterschiedlichen medialen Ausdrucksformen von Malerei über Skulptur bis Video
spannt die Ausstellung den Bogen von der Idealisierung zum „besten Freund des Menschen“ über die Vermenschlichung und Verdinglichung des Tieres bis hin zu seiner Aneignung und Ausbeutung.
Künstler der Ausstellung sind: Karel Appel, Cory Arcangel, Miquel Barceló, Georg Baselitz, Dominika Bednarsky, Cosima von Bonin, Rembrandt Bugatti, Marc Chagall, Selva de Carvalho, George Condo, Mark Dion, Jean Dufy, Gerhart Frankl, Helene Funke, Matthias Garff, August Gaul, Gelatin, Flaka Haliti, Lena Henke, Damien Hirst, Edgar Honetschläger, Hörner/Antlfinger, Anna Jermolaewa, Birgit Jürgenssen, Sanna Kannisto, Gülsün Karamustafa, Erika Giovanna Klien, Gustav Klimt, Stanislaw Kubicki, François Xavier Lalanne, Maria Lassnig, Maria Legat, Fernand Léger, Roy Lichtenstein, Angelika Loderer, Constantin Luser, Franz Marc, Sarah Morris, Alois Mosbacher, Ulrike Müller, Meret Oppenheim, Michèle Pagel, Yan Pei-Ming, Mimmo Paladino, Pablo Picasso, Lili Reynaud Dewar, Corinne L. Rusch, Kristof Santy, Anne Speier, Margherita Spiluttini, Curt Stenvert, Melanie Thöni, Philipp Timischl, Wilhelm Trübner, Not Vital, Raphaela Vogel, Kay Walkowiak, Andy Warhol.
Weitere Informationen und das gesamte Rahmenprogramm unter https://hortencollection.com/programm
(JT März 2026)
Abbildungen:
Roy Lichtenstein, Forest Scene, 1980, Heidi Horten Collection, © Estate of Roy Lichtenstein / Bildrecht Wien, 2026
François-Xavier Lalanne, Singe Avisé (très grande), 2005/2008 Heidi Horten Collection, © Bildrecht Wien, 2026
Marc Chagall, L'âne vert, ca. 1936, Heidi Horten Collection, © Bildrecht Wien, 2026
Kunst, der Care-Arbeit gewidmet
Die ALBERTINA zeigt bis 28. Juni 2026 in der Tietze Galerie die Schau CARE MATTERS.
Diese Ausstellung der SAMMLUNG VERBUND, kuratiert von deren Gründungsdirektorin Gabriele Schor,
mit rund 50 Werken von 33 österreichischen und internationalen Künstlern dreht sich um das gesellschaftspolitisch relevante Thema der Care- und Sorgearbeit.
Die SAMMLUNG VERBUND wurde 2004 vom österreichischen Energieunternehmen VERBUND gegründet
und umfasst über tausend Werke von rund zweihundert Künstlern.
Die engagierte Gruppenausstellung, in der viele Werke erstmals in Österreich zu sehen sind, veranschaulicht
in fünf Räumen den künstlerischen Wandel von der Feministischen Avantgarde der 1970er-Jahre bis zu zeitgenössischen Positionen. Sie rückt jene Tätigkeiten ins Zentrum, die unseren Alltag bestimmen, sich
häufig im Verborgenen ereignen und mehrheitlich von Frauen verrichtet werden. Viele dieser Werke wurden
erst jüngst von der SAMMLUNG VERBUND erworben.
Teilnehmende Künstler in der Ausstellung sind Renate Bertlmann, Elizabeth Catlett, Hannah Cooke, Sandra Eleta, VALIE EXPORT, Sophie Gogl, Marlene Haring, Lena Henke, Natalia Iguiñiz Boggio, Birgit Jürgenssen, Kirsten Justesen, Anna Kutera, Mierle Laderman Ukeles, Christine Lederer, Karin Mack, Małgorzata Markiewicz, Kelly O’Brien, Frida Orupabo, Letícia Parente, Margot Pilz, Maria Pinińska-Bereś, Margaret Raspé, Laura Ribero, Martha Rosler , Hansel Sato, Anna Schölß, Mary Sibande, Lorna Simpson, Annegret Soltau, Rosemarie Trockel, Nicole Wermers und Akihito Yoshida.
Weitere Informationen unter http://www.albertina.at/
(JT März 2026)
Abbildungen:
Nicole Wermers. Reclining Female #6, 2024. 197,2 × 188,2 × 103 cm, Gips, Pigment, Styropor, Stoff, Metall, Holz, Hauswirtschaftswagen, verschiedene Materialien. Courtesy SAMMLUNG VERBUND, Wien und Produzentengalerie Hamburg © Nicole Wermers / Bildrecht, Wien 2026
Mary Sibande. They don’t make them like they used
to, 2008.
104,5 × 69,5 cm,
Farbfotografie
Courtesy SAMMLUNG VERBUND,
Wien © Mary Sibande
Birgit
Jürgenssen.
Hausfrauen-Küchenschürze,
1975.
39,3 × 27,5 cm,
Schwarz-Weiss-Fotografie
SAMMLUNG VERBUND, Wien und
Galerie Hubert Winter © Estate Birgit Jürgenssen / Bildrecht, Wien 2026
Die ALBERTINA KLOSTERNEUBURG öffnet wieder ihre Tore
Das 250-Jahr-Jubiläum der ALBERTINA steht auch in Klosterneuburg ab dem 27. März 2026 im Mittelpunkt
der Neupräsentation.
Die Ausstellung "Donated with Love", kuratiert von Constanze Malissa, zeigt bis 15. November 2026
einen Ausschnitt aus den vielfältigen Schenkungen der jüngsten Zeit und ist als großes Dankeschön an
Künstler und Unterstützer konzipiert, die zur zeitgenössischen Sammlungserweiterung beitragen.
Die Schau verleiht rezenten Neuerwerbungen Sichtbarkeit und zeigt sowohl eine Auswahl größerer
Konvolute von Roy Lichtenstein oder Sean Scully
als auch einzelne Werke von Katharina Grosse.
Schenkungen sind
unverzichtbar, um die Sammlung des Museums zu ergänzen, Lücken zu schließen,
neue Akzente zu setzen und am Puls der Zeit zu bleiben.
Weitere Informationen unter http://www.albertina.at/
(JT März 2026)
Abbildungen:
Alex Katz. 10:30, 2017. 140 × 190 cm,
Siebdruck.
ALBERTINA, Wien - Ada und
Alex Katz
Katharina
Grosse.
O.T.,
2019.
119 × 89 cm, Zeichnung,
Acryl auf Papier. ALBERTINA, Wien - Schenkung Katharina
Grosse 2022
Xiyao Wang. No one knows when we will arrive no. 3, 2023. 200 × 190 cm, Oil Stick, Kohle auf Leinwand. ALBERTINA, Wien
Poesie des Lichts
Die Landesgalerie Niederösterreich in Krems zeigt bis 10. Jänner 2027 die Ausstellung
"Inge Dick. Vom Licht berührt", kuratiert von Gerda Ridler.
Die Künstlerin Inge Dick (*1941 in Wien) gehört zu den herausragenden Vertreterinnen im Bereich der zeitgenössischen experimentellen Fotografie und des Films.
Ihre Kunst entfaltet sich als eine stille, aber radikale Untersuchung des Lichts, seine subtilen Veränderungen, seine Wirkung auf Farbe und Raum sowie seine Wahrnehmung durch das menschliche Auge.
Mit Malerei, Fotografie und Film macht sie die sanfte Veränderung des Tageslichts mit den Stunden,
durch Wetterlagen oder Jahreszeiten sichtbar.
Die Retrospektive führt anlässlich Dicks 85.Geburtstags erstmals alle Schaffensphasen ihres vielschichtigen Lebenswerks zusammen. Frühe Zeichnungen aus den 1960er-Jahren, ihre Malerei, Arbeiten mit
Polaroid-Kameras und Digitalfilm sind in der Schau vereint. Das Werk führt vor Augen, wie kostbar jeder
einzelne Lichtmoment sein kann.
Weitere Informationen unter http://www.kunstmeile.at/
(JT März 2026)
Abbildungen:
Inge Dick. Naschmarkt, 1964. Copyright: Inge Dick/Bildrecht, Wien 2026
Inge Dick. blau unendlich, 2018/12. Copyright: Inge Dick/Bildrecht, Wien 2025
Kunst - neu aufgestellt in Linz
Mit rund 3.600 Gemälden und Skulpturen, etwa 16.000 Grafiken sowie rund 1.800 Beispielen künstlerischer Fotografie verfügt das Lentos Kunstmuseum Linz über einen umfangreichen Sammlungsbestand.
Einen wesentlichen Beitrag zu dieser Entwicklung leistet die 2024 erfolgte Dauerleihgabe von rund
3.000 Werken aus der Sammlung Erwin Hauser, die den Bestand signifikant erweitert hat.
Die Sammlung ist Herzstück und identitätsstiftender Kern des Lentos. Die 2026 schrittweise umgesetzte Neuaufstellung führt die chronologische Struktur vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart weiter und vertieft zugleich die Auseinandersetzung mit der eigenen Sammlungsgeschichte. Museumsdirektorin Hemma Schmutz entwickelte die neue Sammlungspräsentation "Die Sammlung: Neuaufstellung" im Obergeschoß gemeinsam mit dem hausinternen kuratorischen Team.
Die aktuelle Präsentation erstreckt sich über eine Fläche von rund 1.400 m² und vereint 232 Werke von
178 Künstlern. Rund ein Viertel der ausgestellten Arbeiten stammt aus der Sammlung Hauser.
Gleichzeitig wurde im Zuge der Neuaufstellung die stärkere Sichtbarkeit von Künstlerinnen gezielt verfolgt –
rund 30 Prozent der gezeigten Positionen stammen von Frauen. Auch internationale Perspektiven spielen
eine wichtige Rolle. Knapp 30 Prozent der vertretenen Künstler sind international positioniert.
Weitere Informationen unter http://www.lentos.at/
(JT März 2026)
Abbildungen:
Paula Modersohn-Becker, Landschaft mit drei Kindern und Ziege, 1902
Egon Schiele, Doppelbildnis Heinrich und Otto Benesch, 1913
Wolfgang Hollegha, Ohne Titel, 1969. Dauerleihgabe Sammlung Erwin Hauser
Natur pur
Die Ausstellung "FERDINANd georg Waldmüller - Nach der natur gemalt" im Unteren Belvedere in Wien rückt bis 14. Juni 2026 erstmals die Naturdarstellung im Œuvre von Waldmüller in den Fokus.
Kuratorin der Schau ist Arnika Groenewald-Schmidt.
Die Landschaftsmalerei gelangte im 19. Jahrhundert europaweit zur Blüte. Ferdinand Georg Waldmüller
(1793–1865), zentraler österreichischer Maler der Biedermeierzeit, war Teil dieser Entwicklung und vermittelte
mit seinen intimen Baumstudien, weiten Wienerwald Landschaften und stilprägenden Ansichten des Salzkammerguts die Sehnsucht des Menschen nach der Natur.
Der Künstler war und ist vor allem für seine lebensnahen Bildnisse und Alltagsszenen bekannt. Mit seinen Genrebildern und Landschaften polarisierte er damals und heute die Kritik. Die reale Landschaft als Bildmotiv diente ihm in seinen Werken zunächst rein als Hintergrund. In den 1830er-Jahren rückte er die Natur auch in
den Vordergrund, und es entstanden zahlreiche in ihrer Wirklichkeitsnähe bestechende Ansichten.
Von da an spielte die Landschaft eine entscheidende Rolle in Waldmüllers Schaffen und begleitete ihn bis
an sein Lebensende.
Ausgewählte Werke europäischer Maler wie John Constable, Johan Christian Dahl und Jean-Baptiste Camille Corot liefern in der Ausstellung Impulse, Waldmüller im Kontext seiner Zeit zu sehen.
Weitere Informationen unter http://www.belvedere.at/
(JT März 2026)
Abbildungen:
Ferdinand Georg Waldmüller, Die Ruine Liechtenstein bei Mödling, 1848. Belvedere, Wien, Foto: Johannes Stoll
Ferdinand Georg Waldmüller, Der Notar Dr. Josef August Eltz mit seiner Gattin Caroline, geb. Schaumburg, und den acht Kindern in Ischl, Familie Eltz, 1835. Belvedere Wien, Foto: Johannes Stoll
Ferdinand Georg Waldmüller, Partie aus dem Prater, 1831. 2017 Dauerleihgabe aus Privatbesitz, Belvedere, Wien, Foto: Johannes Stoll
Courbet, der radikale Vertreter des Realismus
Mit der Retrospektive "GUSTAVE COURBET. REALIST UND REBELL" widmet das Leopold Museum auf
Ebene -1 bis 21. Juni 2026 dem französischen Ausnahmekünstler Gustave Courbet (1819–1877) die erste umfassende Einzelausstellung in Österreich, kuratiert von Hans-Peter Wipplinger und Niklaus Manuel Güdel.
Rund 130 Exponate – darunter 90 Gemälde und 20 Grafiken aus allen Schaffensphasen sowie zahlreiche Archivalien – bieten einen Gesamteindruck des malerischen und grafischen OEuvres des Begründers des Realismus.
Die Schau beginnt mit Courbets frühen Selbstporträts und führt über seine revolutionären Gemälde
zu Themen wie sozialem Realismus und künstlerischer Bohème bis hin zu seinen sinnlich aufgeladenen Frauenakten. Weitere Schwerpunkte bilden die Landschaftsbilder aus seiner Heimatregion Ornans, kraftvolle Meeresdarstellungen sowie seine Zeit im Schweizer Exil.
In seinen bahnbrechenden Porträts, Akten, Landschaften und Stillleben setzte sich Courbet radikal über die idealisierenden Konventionen des 19. Jahrhunderts hinweg.
Gustave Courbet gilt als bedeutendster Vertreter des Realismus. Er zeigt aber auch in Porträts, Landschaften
und Stillleben eine stille, nachdenkliche Welt, die konträr zu den hektischen – politischen wie industriellen – Umbrüchen seiner Zeit steht. Mit seiner Lust an Provokation sowie seiner revolutionären Malweise avancierte
er zum Rebellen der Kunstszene.
Jean-Désiré-Gustave Courbet wird am 10. Juni 1819 in Ornans, einem kleinen Ort in der Region Franche-Comté im Osten Frankreichs, geboren. Im Alter von 20 Jahren begibt sich der junge Maler nach Paris und besucht Privatakademien, wo er lernt, nach dem lebenden Modell zu arbeiten. Er erhält seine erste offizielle Auszeichnung auf dem Salon von 1849. Sein Gemälde "Nach dem Abendessen in Ornans" wird mit der Goldmedaille prämiert und von der Regierung angekauft. Beim Salon von 1853 wird der Kunstmäzen Alfred Bruyas auf Courbet aufmerksam und wird für Courbet nicht nur zu einem wichtigen Förderer, sondern auch zum engen Vertrauten. Zunehmend gewinnen internationale Ausstellungen für Courbet an Bedeutung.
Mit der Niederlage Frankreichs im Krieg mit Preußen wird in Paris die Dritte Republik ausgerufen und Courbet wird erstmals politisch aktiv. Er wird verhaftet wegen seiner Beteiligung an der Pariser Kommune – insbesondere seiner vermeintlichen Rolle bei der Zerstörung der Vendôme-Säule – und zu sechs Monaten Haft und einer Geldstrafe verurteilt.
Courbet flieht am 23. Juli 1873 ins Exil in die Schweiz. Er lässt sich am Genfer See in La Tour-de-Peilz nieder,
wo er fortan lebt und arbeitet. Am 31. Dezember 1877 stirbt der Maler und wird in La Tour-de-Peilz beigesetzt. 1919, zum hundertsten Jahrestag seiner Geburt, wird sein Leichnam nach Ornans überführt.
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Museum Folkwang in Essen und steht unter dem Ehrenschutz von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, sowie unter der Schirmherrschaft des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron und des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und
wird anschließend in einer zweiten Station im Museum Folkwang gezeigt.
Weitere Informationen unter http://www.leopoldmuseum.org/
(JT Feb. 2026)
Abbildungen:
GUSTAVE COURBET 1819–1877 La Sœur Juliette | Die Schwester Juliette, um 1840 Öl auf Leinwand | 22 × 27 cm Von der Heydt-Museum Wuppertal Foto: Von der Heydt-Museum Wuppertal/Medienzentrum Wuppertal
GUSTAVE COURBET 1819–1877 Le sommeil | Die Schläferinnen, 1866 Öl auf Leinwand | 135 × 200 cm Petit Palais, musée des Beaux-Arts de la Ville de Paris Foto: Paris Musées/Petit Palais, musée des Beaux-Arts de la Ville de Paris
GUSTAVE COURBET 1819–1877 Femme nue au chien | Weiblicher Akt mit Hund, 1861/62 Öl auf Leinwand | 65,5 × 81 cm Paris, musée d’Orsay Foto: GrandPalaisRmn (musée d’Orsay)/Hervé Lewandowski
GUSTAVE COURBET 1819–1877 Paysage côtier | Küstenlandschaft, 1866 Öl auf Leinwand | 46,2 × 55,6 cm Leopold Museum, Wien Foto: Leopold Museum, Wien
Die aufregende neue Bildsprache am Beginn des 20. Jahrhunderts
Die Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau in München zeigt bis Ende 2027 die Ausstellung
"Über die Welt hinaus. Der Blaue Reiter" - im Rahmen der Jubiläums "100 Jahre Lenbachhaus
1929 / 2029". Kuratiert wird die Schau - eine Kooperation des Lenbachhauses und der Gabriele Münter-
und Johannes-Eichner-Stiftung, mit Unterstützung vom Förderverein Lenbachhaus e.V. von Melanie Vietmeier und Matthias Mühling mit Assistenz von Johannes Michael Stanislaus.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts formierte sich in München ein Kreis von Künstlerinnen und Künstlern mit der Vision, die Kunst zu erneuern und die Gesellschaft zu verändern.
Besonders wichtig in diesem Unterfangen waren die beiden Ausstellungen der Redaktion Der Blaue Reiter
in München 1911–12. Der Titel nahm explizit Bezug auf das Vorhaben des Almanachs. Dieses programmatische Jahrbuch etablierte den Blauen Reiter als Teil eines weltweiten, epochen- und gattungsüberschreitenden Kunstschaffens. Der Blaue Reiter war jedoch mehr als das. Er schuf neue Bildsprachen für eine sich wandelnde Welt. Der Blaue Reiter verstand Kunst als Botschaft und nicht als bloßes Problem der (schönen) Form.
Die Ausstellung mit Werken von Albert Bloch, Erma Bossi, Wladimir Burljuk, Heinrich Campendonk,
Robert Delaunay, Elisabeth Epstein, Maria Franck-Marc, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky,
Paul Klee, Emmy Klinker, Moissey Kogan, Else Lasker-Schüler, August Macke, Franz Marc,
Wilhelm Morgner, Gabriele Münter, Jean Bloé Niestlé und Marianne von Werefkin rückt wegweisende Errungenschaften der Künstler in den Mittelpunkt – von Franz Marcs symbolischer Farbtheorie bis
Wassily Kandinskys Abstraktionen. Besonderes Augenmerk gilt den Künstlerinnen, die – für ihre Zeit ungewöhnlich sichtbar – eine zentrale Rolle in der Bewegung spielten. Neben Gabriele Münters expressiver Malerei sind ausdrucksstarke Selbstporträts von Elisabeth Epstein, die dramatischen Gemälde der Kosmopolitin Marianne von Werefkin und Maria Franck-Marcs hintergründige Stillleben und utopische Kinderwelten zu sehen.
Mit über 150 Arbeiten eröffnet die Schau neue Perspektiven auf eine der bedeutendsten Bewegungen der europäischen Avantgarde und zeigt, wie aktuell ihre Fragen nach Emanzipation, ästhetischer Praxis und gattungsübergreifenden Innovationen auch heute sind.
Weitere Informationen unter http://www.lenbachhaus.de/
(JT Feb. 2026)
Abbildungen:
Franz Marc, Kühe, rot, grün, gelb, 1911, Öl auf Leinwand, 62 cm x 87,5 cm, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Gabriele Münter, Sinnende, 1917, Öl auf Leinwand, 66 cm x 99,5 cm, Städtische Galerie im Lenbachhaus und
Kunstbau München, Gabriele Münter Stiftung 1957, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
2027 - Ein Jahr im Zeichen von Gabriele Münter
Die UNESCO Generalkonferenz übernimmt anlässlich des 150. Geburtstags von Gabriele Münter
am 19. Februar 2027 die Schirmherrschaft für ein internationales Gedenkjahr zu Ehren der Künstlerin.
Mit Gabriele Münter würdigt die UNESCO eine Malerin, die die Moderne und ihre Rezeption entscheidend geprägt hat. Münter war eine Wegbereiterin der Gleichberechtigung in der Kunst und Mitbegründerin
des Blauen Reiter.
Seit 6. November 2025 läuft im Solomon R. Guggenheim Museum, New York, die Ausstellung
"Gabriele Münter: Contours of a World" - eine Kooperation des Guggenheim Museum mit der
Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung und dem Lenbachhaus München.
Zum 150. Geburtstag Münters präsentiert das Lenbachhaus 2027 die Ausstellung "Die Blauen Reiterreiterinnen", eine Kooperation mit dem Museum Wiesbaden, dem Paula Modersohn-Becker Museum Bremen und der Fondazione Marianne Werefkin Ascona.
Gabriele Münter wird darin als
zentrale Figur der künstlerischen Netzwerke der Moderne vorgestellt.
Der Festakt zum Jubiläum
findet am 19. Februar 2027 in Murnau statt, organisiert von der Gabriele Münter-
und Johannes Eichner-Stiftung im Münter-Haus, das als Gedenkstätte neue Forschungsprojekte zu Leben
und Werk der Künstlerin vorbereitet.
Weitere Informationen unter http://www.lenbachhaus.de/
(JT Dez. 2025)
Foto: Wassily Kandinsky. Bildnis Gabriele Münter, 1905, Lenbachhaus, München