KopfArbeiten

 

Bis 18. August 2019 ist im Unteren Belvedere Wien in der Orangerie die Ausstellung „Talking Heads – zeitgenössische Dialoge mit F.X. Messerschmidt“ zu sehen und zeigt die faszinierende Darstellung psychischer Extremsituationen in den berühmten „Charakterköpfen“ von Franz Xaver Messerschmidt, die zu den Highlights der Belvedere Sammlung gehören. Der starke Ausdruck jedes einzelnen dieser Köpfe fasziniert seit Jahrhunderten immer wieder neu.

 

Ausgehend von diesen Meisterwerken des Barock fokussiert die Ausstellung auf den Kopf als Motiv in der Kunst bei Anna Artaker, Miriam Cahn, Douglas Gordon, Kurt Kren, Maria Lassnig, Mara Mattuschka, Lutz Mommartz, Bruce Nauman, Tony Oursler und Arnulf Rainer. Die Künstler treten direkt oder indirekt in einen Dialog mit Messerschmidt.

Die verwendeten künstlerischen Medien reichen von Malerei und Skulptur bis hin zu Film beziehungsweise Video oder Fotografie. Der Aufbau der Ausstellung stellt die „Charakterköpfe“ in den Mittelpunkt: An einer Wand werden neun von ihnen zentral präsentiert, alle weiteren sind auf Stelen im Raum verteilt.

 

Weitere Informationen unter www.belvedere.at

(JT März 2019)

Fotos:

Franz Xaver Messerschmidt, Der starke Geruch, 1777-83

© Belvedere, Wien, Foto: Johannes Stoll

Mara Mattuschka, Messerschmidt 3, 2018

Courtesy the artist © Bildrecht, Wien, Foto: Pixelstorm, Wien

Miriam Cahn, frau + mann oder umgekehrt, 13.12.1995, 1995

Courtesy des Künstlers und Galerie Meyer Riegger, Berlin/Karlsruhe

Attersee – so hot

 

Bis 18. August 2019 widmet das Belvedere 21 Christian Ludwig Attersee eine große Einzelausstellung, die sein Frühwerk in den Fokus rückt. Die Ausstellung „Attersee. Feuerstelle“ ist eine Rückkehr zu den Wurzeln des Künstlers und zugleich eine Zeitreise in die Gegenwart. Sie erinnert an die Sprengkraft seiner radikalen Bildsprache in den frühen Werkphasen. In seiner fast sechzigjährigen Künstlerkarriere wandert Attersee zwischen Pop und Moderne, zwischen freier und angewandter Kunst. Der 1940 in Pressburg als Christian Ludwig geborene Künstler wählt 1966 den Beinamen Attersee nach dem gleichnamigen See im Salzkammergut, an dem er aufgewachsen ist und zum Meistersegler wurde.

 

Er ist der Gegenpol zum Wiener Aktionismus mit seinen Objekterfindungen und der Atterseesprache“.

Er beschäftigt sich mit Bühnenausstattungen, tritt als Musiker auf (u. a. im heutigen Belvedere 21), kreiert Wandteppiche und Mosaike, verhüllt den Wiener Ringturm und schafft Produkte wie den Kräuterwermut namens Atterbitter und die Attersee-Wurst.

 

Attersee, der Künstler der Erotik und der Schönheit, kokettiert mit dem Kitsch und präsentiert sich selbst androgyn in Fotoserien der 1960er-Jahre. Britta Schmitz, Kuratorin der Ausstellung, sieht in ihm einen Einzelgänger, dessen Welt der Atterseeisierung seiner Umgebung in die Populärkultur eingegangen ist..

 

Weitere Informationen zur Ausstellung unter www.21erhaus.at

(JT März 2019)

Fotos:

Christian Ludwig Attersee, „Das Süßeste vom Süßen“, 1966

Privatbesitz. Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien © Bildrecht, Wien, 2019

Christian Ludwig Attersee, „Feuerstelle“, 2011

Privatbesitz. Foto: Johannes Stoll, © Belvedere, Wien; © Bildrecht, Wien, 2019

Mischtechnik mit Foto aus 1968 auf Karton, 36 x 48 cm

Christian Ludwig Attersee, "Schampferde Schönheit", 1968

 

Sammlung Klewan, © Bildrecht, Wien, 2019

Alte Meister in der Albertina

 

2019 ist für das Fürstentum und das Haus Liechtenstein ein wichtiges Gedenkjahr: Am 23. Jänner 1719 erhob Kaiser Karl VI. die Reichsherrschaft Schellenberg und die Reichsgrafschaft Vaduz zum Reichsfürstentum Liechtenstein. 

Dieses nun 300 Jahre zurückliegende Ereignis zelebriert die Albertina in Wien, der Stadt, wo die Familie bis 1938 lebte, mit der großen Ausstellung „Rubens bis Makart. Die Fürstlichen Sammlung Liechtenstein“ bis 10. Juni 2019.

Werke wie die Venus von Peter Paul Rubens, die lebensgroße Bronzeplastik des Christus im Elend von Adrian de Fries oder die erst jüngst erworbene Bronzebüste des Kaisers Marc Aurel stehen im Mittelpunkt der Schau, wie auch die auserwählten Kunstschätze der weltberühmten Biedermeiersammlung.

 

Der zweite Teil der Jubiläumsausstellung „Rudolf von Alt und seine Zeit. Aquarelle aus den Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein“ widmet sich dem Wiener Aquarell vom Biedermeier bis zum Realismus.

Weitere Informationen zu diesen spektakulären Ausstellungen unter www.albertina.at

 

(JT März 2019)

Fotos:
Quentin Massys der Ältere, Die Steuereintreiber, späte 1520er Jahre, Öl auf Holz
© LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna
Giovanni Antonio Canal gen. Canaletto, Ansicht der Mündung des Canale di Cannaregio, ca.1735-1742, Öl auf der Leinwand
© LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna

Friedrich von Amerling, Porträt der Prinzessin Marie Franziska von Liechtenstein im Alter von zwei Jahren, 1836, Öl auf Karton
© LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna

Rudolf von Alt, Ansicht von Schloss Eisgrub vor dem neugotischen Umbau, um 1830, Aquarell
© LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna
Rudolf von Alt, Salon im Palais Rasumofsky an der Landstraße in Wien, 1836, Aquarell
© LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna
Rudolf von Alt, Am Hafen von Santa Lucia in Neapel, 1835, Aquarell
© LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna

Tief gefallen – hoch geflogen

 

 „FLYING HIGH – Künstlerinnen der Art Brut“ ist die erste Ausstellung, die sich bis 23. Juni 2019 im Bank Austria Kunstforum Wien auf der Freyung „weltumspannend“ den weiblichen Positionen der Art Brut von 1860 bis in die Gegenwart widmet. Die Ausstellung, kuratiert von Ingried Brugger und Hannah Rieger, ist in jeder Hinsicht ein „Höhenflug“: Sie versammelt 316 Werke von 93 Künstlerinnen aus 21 Ländern, die inhaltlich und ästhetisch die Vorstellung, was Kunst ist, sprengen.

Sie nimmt den von Jean Dubuffet 1945 definierten Begriff „Art Brut“ für jene ursprüngliche, nichtakademische Kunst außerhalb des kulturellen Mainstreams als Ausgangspunkt. In der Vielfalt und Heterogenität der präsentierten Werke wird deutlich, dass der Art-Brut-Begriff heute längst über Arbeiten aus Psychiatrien hinausgeht und auch die Produktion von „mediumistischen“ (von einem Geist geführten) Künstlerinnen, „Einzelgängerinnen“ und Künstlerinnen mit Behinderungen umfasst.

 

Die Ausstellung zeigt Highlights aus den historischen Sammlungen der Psychiater Walter Morgenthaler (Stiftung Psychiatrie-Museum Bern) und Hans Prinzhorn (Universitätsklinikum Heidelberg) und Meisterinnenwerke aus der Sammlung von Jean Dubuffet (Collection de l’Art Brut, Lausanne), die Dubuffet zwischen 1945 und 1976 zusammentrug. Eine repräsentative Auswahl von Werken aus der Sammlung L’Aracine (LaM, Lille Métropole Musée d’art moderne, d’art contemporain et d’art brut, Villeneuve d’Ascq) schließt den Überblick über jene Sammlungen ab, die Entstehung und Geschichte der Art Brut entscheidend prägten. Darüber hinaus zeigt die Schau eine Vielzahl von Werken aus bedeutenden internationalen und österreichischen Privatsammlungen.

 

Die Geschichte weiblicher Art-Brut-Künstlerinnen spiegelt die Emanzipationsgeschichte von Frauen auf einer prekären Ebene wider: Diese sind bis heute „Außenseiterinnen der Außenseiter“. Die Art Brut, speziell jene von Frauen, hat nach wie vor keinen gleichberechtigten Platz neben der „Hochkunst“ gefunden.

 

Achtung: Das ist keine Ausstellung, die man einfach so im Vorübergehen bei einem Stadtspaziergang mitnimmt! Speziell dann nicht, wenn man sich noch nie mit Art Brut auseinandergesetzt hat. Die beeindruckenden Arbeiten zeigen die speziellen Lebensumstände von Frauen in Ausnahmesituationen. Wir empfehlen daher eine Führung durch die Schau.

 

Weitere Informationen unter www.kunstforumwien.at

(JT März 2019)

 

Foto: Aloise Corbaz, Brevario Grimani, um 1950 (Ausschnitt), Buntstift auf Papier, abcd/Bruno Decharme collection. Foto Copyright César Decharme

Blitzlicht

 

Die Albertina Wien widmet dem österreichischen Fotografen Manfred Willmann (*1952) bis zum 26. Mai 2019 in der Pfeilerhalle eine umfassende monografische Ausstellung, kuratiert von Dr. Anna Hanreich.

 

Willmann hält in seinen über mehrere Jahre hinweg aufgenommenen Serien alltägliche Szenen aus seinem unmittelbaren Lebensumfeld in Graz und der ländlichen Südsteiermark fest. Die Ausstellung umfasst sechs umfangreiche Werkgruppen, in denen sich seine sehr direkte, subjektive Sichtweise manifestiert. Die Fotografien lassen sich sowohl als autobiografische Introspektion als auch als Studie über soziale Strukturen im ländlichen Raum lesen.

 

Ende der 1970er-Jahre entwickelt Willmann ein spezielles visuelles Vokabular.

Sein Fokus auf Details und enge Bildausschnitte sowie der Einsatz von Blitzlicht. Manfred Willmann setzt seit 1979 in seinen Arbeiten Blitzlicht ein, obwohl es damals für die künstlerische Fotografie als verpönt gilt. Die dadurch bedingten gestalterischen Einflüsse integriert er bis heute in seine Arbeiten: Blitzlicht akzentuiert helle Oberflächen, erzeugt Reflexionen und betont unterschiedliche Texturen. Die Aufmerksamkeit der Betrachtenden wird auf Details gelenkt, die durch das Blitzlicht hervorgehoben werden. Durch die grelle Beleuchtung entstehen Schlagschatten, welche die Motive vom Umraum loslösen. Dies wird dadurch verstärkt, dass die angeleuchteten Objekte oder Personen heller, ihre Umgebung dunkler erscheint. Die Kontraste werden stärker, die Bildschärfe wird gesteigert. Durch seitliche Beleuchtung erhöht sich die Plastizität von Gegenständen. In Willmanns Farbfotografien verleiht Blitzlicht Farben eine höhere Intensität und übersteigerte Wirkung.

 

Die Albertina Wien beleuchtet zentrale Aspekte in Willmanns Schaffen und spannt einen Bogen über sein Werk vom Ende der 1970er-Jahre bis heute. Sämtliche Werke dieser Ausstellung stammen aus der Albertina selbst oder aus dem Besitz des Künstlers.

 

Weitere Informationen unter www.albertina.at

(JT Februar 2019)

Fotos:

Manfred Willmann. Ich träume nie!, Teil 3 aus der Serie „Schwarz und Gold“, 1979-1981. Silbergelatineabzug. Albertina, Wien. © Manfred Willmann
Manfred Willmann. Ohne Titel, aus der Serie „Die Welt ist schön“, 1981-1983. Lambda Print
Besitz des Künstlers. © Manfred Willmann
Manfred Willmann. Ohne Titel, aus der Serie „Das Land“, 1981-1993. Lambda Print. Albertina, Wien- © Manfred Willmann 

Der weibliche Körper in der Kunst

 

Aktuelle Debatten verhandeln die Darstellung des weiblichen Körpers in der Kunst. Immer wieder wird Kritik an sexualisierten Bildinhalten in Kunstinstitutionen laut. Auffällig ist, dass dabei stets der männliche Blick – sei es jener des Künstlers oder jener des Betrachters – im Fokus steht. Künstlerinnen, die Frauen ins Bild setzen, bleiben in den Diskussionen weitestgehend ausgespart.

 

Die achte Ausgabe des Ausstellungsformates „collected“ präsentiert im tresor im Bank Austria Kunstforum Wien ausgewählte Meisterinnenwerke aus der UniCredit Bank Austria Kunstsammlung. In den Medien Fotografie, Collage, Malerei und Zeichnung analysieren die Künstlerinnen die Objektivierung des weiblichen Körpers, die Normativität von Konzepten wie „Schönheit“ und gesellschaftlich geprägte, vermeintlich typisch weibliche Rollenzuschreibungen und legen damit einen individuellen Blick auf „die Frau“ und Formen von Weiblichkeit offen.

 

In der von Veronika Rudorfer kuratierten Ausstellung sind Arbeiten von Renate BertlmannVALIE EXPORTMartha JungwirthBirgit JürgenssenKiki KogelnikFriederike PezoldMargot PilzEva SchlegelNina Rike Springer,Gabi Trinkaus und eine Intervention von Agnes Prammer zu sehen.

Die Ausstellung „collected #8: Frauenbilder? Meisterinnenwerke aus der UniCredit Bank Austria Kunstsammlung“ ist von 21. Februar bis 31. März 2019 bei freiem Eintritt im tresor im Bank Austria Kunstforum Wien zu besichtigen.

 

Weitere Informationen unter www.kunstforumwien.at

(JT Feb. 2019)

Foto: Valie Export. Zwiespalt. 1982. Copyright: Valie Export. Bildrecht Wien.

Das etwas andere Ausstellungsprogramm der Kunsthalle Wien 2019

 

Das Programm der Kunsthalle Wien im Jahr 2019 widmet sich schwerpunktmäßig anderen, teilweise auch prozesshaft ausgerichteten Formaten des Ausstellens, die das Publikum direkt involvieren oder das Theatrale zum Modell kritischer Repräsentation unserer Gegenwart machen.

 

Den Auftakt machen gleich zwei Ausstellungen mit österreichischen Künstlern: „Heinz Frank. Der Winkel des Endes kommt immer von hinten“ ab 20. Februar thematisiert im gläsernen Ausstellungsraum der Kunsthalle Wien Karlsplatz die Winkel „des Endes“ beziehungsweise seiner vier Ecken ebenso wie die Doppelgesichtigkeit von Bildern an transluziden Grenzen zwischen Kunst- und Stadtraum. In der Kunsthalle Wien Museumsquartier konzentriert sich die Ausstellung „Peter Friedl. Teatro“ ab 22. März auf Modell, Sprache, Geschichte, Übersetzung, Theatralik.

Im Sommer startet zum dritten Mal die Vienna Biennale, die sich erneut den Herausforderungen der digitalen Moderne stellt. Mit dabei ist auch die Kunsthalle Wien mit der umfangreichen Gruppenausstellung „Hysterical Mining“ ab 29. Mai, die sich an beiden Standorten der Frage von Technologie und Geschlecht und insbesondere feministischen Positionen im Spiegel ästhetischer Praxis widmet. 

Ebenfalls im Sommer 2019 verwandeln Gelatin & Liam Gillick mit „Stinking Dawn“ ab 5. Juli die Kunsthalle Wien Museumsquartier in ein Filmset. Liam Gillick liefert das Filmmanuskript und Gelatin baut eine Installation nach Art einer Filmkulisse. Die Dreharbeiten beginnen am Eröffnungsabend und wer möchte, kann auch mitmachen.

Im Herbst begibt sich die Gruppenausstellung „Time is Thirsty“ ab 30. Oktober auf eine Reise durch Zeit und Raum im Gewand einer Ausstellung.

Den Jahresabschluss in der Kunsthalle Wien Karlsplatz bildet „Andreas Fogarasi. Nine Buiildings, Stripped“ ab 13. November. In einer Reihe höchst abstrakter und zugleich durch und durch realistischer Skulpturen dokumentiert der Künstler den Wandel von Gebäuden und der Stadt.

 

Weitere Informationen unter www.kunsthallewien.at

(JT Jänner 2019)

Foto: Kunsthalle Wien

Die Highlights des Kunsthistorischen Museums 2019

 

Zu den ProgrammHöhepunkten im Wiener Kunsthistorischen Museum im Jahr 2019 zählt die groß angelegt Schau über Mark Rothko, dessen Werk in Österreich noch nie gezeigt wurde.  Die Ausstellung vom 12. März bis 30. Juni wird mehr als vierzig wichtige Arbeiten aus Rothkos gesamtem Schaffen umfassen und Vorstellungen des Sakralen, Geistigen, Tragischen und Zeitlosen nachgehen. Rothkos Tochter Kate und sein Sohn Christopher, die von Anfang an in das Projekt eingebunden waren, werden für die Schau zahlreiche bedeutende Werke aus der Sammlung der Familie als Leihgaben zur Verfügung stellen.

 

Im Herbst – vom 15. Oktober 2019 bis 19. Jänner 2020 - widmet das Museum dann dem Maler Caravaggio und dem Bildhauer Bernini die erste große Ausstellung in Österreich. Ihre Meisterwerke werden von ausgewählten Arbeiten ihrer Zeitgenossen, darunter Nicholas Poussin, Orazio Gentileschi, Alessandro Algardi oder Simon Vouet, „kommentiert“. Mit rund 60 Hauptwerken – Malerei wie Skulpturen – wird die revolutionär-neuartige Kunst des beginnenden 17. Jahrhunderts vorgestellt: faszinierende Werke voller Dramatik, intensiver Leidenschaft, starker Bewegung und farbintensiver Theatralik.

 

Weitere Infos unter www.khm.at

(JT Jänner 2019)

Foto © KHM-Museumsverband

Koloman Moser's GesamtKunstwerk

 

Das Wiener MAK (www.mak.at) würdigt am Stubenring 5 bis 22. April 2019 anlässlich seines 100. Todesjahres das Werk von Koloman Moser (1868–1918), einen der großen Visionäre der Wiener Moderne, mit einer umfangreichen Personale. Die Ausstellung „KOLOMAN MOSER. Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann“ taucht tief in das Œuvre des Ausnahmekünstlers ein und zeigt auf, wie entscheidend Moser die Suche nach einer neuen, modernen Formensprache in Wien um 1900 mitgeprägt hat.

 

Viele der rund 500 Exponate werden erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Chronologisch aufgebaut, lässt die MAK-Schau jede Etappe von Mosers ungewöhnlichem Werdegang Revue passieren: vom Maler zum Allround-Gestalter und schließlich wieder zurück zur Malerei.

Bis heute übt sein Gesamtwerk eine nachhaltige Faszination aus. Als Universalkünstler beherrscht Moser die Disziplinen Malerei, Grafik, Kunstgewerbe und Innenraumgestaltung ebenso wie Mode und Bühnenbild.

Das von der Wiener Secession propagierte GesamtKunstwerk lebt Moser in beeindruckender Weise vor. Er gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter der Wiener Moderne, als einer der einflussreichsten Künstler des Wiener Jugendstils und zählt neben Gustav Klimt und Josef Hoffmann zu den führenden Künstlerpersönlichkeiten des Wiener Kunstfrühlings.

In fünf Kapiteln kontextualisiert die von Christian Witt-Dörring, Gastkurator, und Elisabeth Schmuttermeier, Kustodin MAK-Sammlung Metall und Wiener-WerkstätteArchiv, kuratierte MAK-Ausstellung Mosers Werk vor dem Hintergrund der kunsttheoretischen Entwicklung in Wien von 1860 bis 1918.

Gleichsam als roter Faden begleitet eine reich illustrierte Chronologie zu Mosers Schaffen durch die Ausstellung.

 

Besucher der MAK-Ausstellung erhalten mit ihremTicket ermäßigten Eintritt zur Ausstellung Anwendungen. Koloman Moser und die Bühne im Theatermuseum (bis 22. April 2019), die erstmals Mosers Theaterarbeiten in ihrer Gesamtheit zeigt – von der intimen Kabarettbühne bis zur großen Opernausstattung. Zur Schau erscheint der Katalog KOLOMAN MOSER. Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann, hg. v. Christoph Thun-Hohenstein, Christian Witt-Dörring und Elisabeth Schmuttermeier im Birkhäuser Verlag, Basel 2019. Erhältlich ist er im MAK Design Shop und unter MAKdesignshop.at

 

(JT Dezember 2018)

Fotos:

Koloman Moser, Plakat für die XIII. Secessionsausstellung, 1902

© MAK

Koloman Moser, Männlicher Akt (gelb und blau), um 1913, Privatbesitz,

© Belvedere, Wien/ Johannes Stoll

Koloman Moser, Schreibschrank für Berta Waerndorfer, 1903, Ausführung: Wiener Werkstätte,

© MAK/Nathan Murrell

Schönheit

 

Eine Ausstellung des MAK, Wien, und des Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main, zeigt vom 24. Oktober 2018 bis 31. März 2019 SAGMEISTER & WALSH (www.mak.at).

 

Mit ihrem faszinierenden Ausstellungsprojekt Beauty liefern Stefan Sagmeister und Jessica Walsh ein multimediales, höchst sinnliches Plädoyer für die Lust am Schönen.

Nahezu im gesamten 20. und 21. Jahrhundert war und ist Schönheit im Designdiskurs eher negativ besetzt. Dieser Antipathie setzen Sagmeister & Walsh beeindruckende Argumente entgegen und machen Schönheit als einen zentralen, funktionalen Aspekt ansprechender Gestaltung erlebbar. Die Schau spielt mit allen Sinnen der Besucher und zeigt deutlich auf: Schönheit ist mehr als eine rein oberflächliche Strategie. Unterstützt von Erkenntnissen aus der psychologischen Ästhetik treten Sagmeister & Walsh den Beweis an, dass schön gestaltete Arbeiten die menschliche Wahrnehmung stimulieren und damit besser funktionieren.

 

Ein Mix aus eigens für die Ausstellung produzierten Installationen und Beispielen aus Produktdesign, Stadtplanung, Architektur und Grafikdesign animiert in der MAKSäulenhalle, im MAK DESIGN LABOR, in der MAK GALERIE, im MAKKunstblättersaal und in der MAK-Schausammlung Gegenwartskunst zum Sehen, Riechen und Fühlen. Gegliedert in sechs Ausstellungsthemen – „Was ist Schönheit?“, „Die Geschichte der Schönheit“, „Im Auge des Betrachters“, „Schönheit erleben“, „Transformierende Schönheit“ und „Das Schönheitsarchiv“ – entfachen rund 70 Objektgruppen einen ästhetischen Diskurs zur Schönheit als Paradigma für hochwertige Gestaltung.

(JT Oktober 2018)

Fotos:

Sagmeister & Walsh, Logo SAGMEISTER & WALSH: Beauty, 2018 © Sagmeister & Walsh, New York

Stefan Sagmeister & Jessica Walsh, Porträt, 2013 © John Madere

Sagmeister & Walsh, Yes!, Unterführung, Brooklyn-Queens Expressway, 2016 © Maggie Winters Gaudaen for Pop! Wed Co.

MuseumsJuwel

 

Bereits seit 125 Jahren gibt es das Österreichische Pharma- und Drogistenmuseum. Seit 15 Jahren ist es am Standort Währinger Straße 14 in 1090 Wien beheimatet (www.drogistenmuseum.at) – ein durchaus zu feierndes Doppeljubiläum! 

In den liebevoll renovierten Räumlichkeiten im 9. Bezirk hat das Museum einen würdigen Rahmen gefunden um die Raritäten und Kuriositäten der über 10.000 Exponate und Kuriositäten wirkungsvoll zu präsentieren.

 

Die Entwicklung des Berufes „Drogist“ hat eine lebhafte Vergangenheit: Aus Quacksalbern und fahrenden Heilkünstlern, die ihre Waren gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf Jahrmärkten verkauften, entwickelte sich mit der Zeit ein geregelter Drogenhandel. Der Begriff „Droge“ war damals noch positiv besetzt. Aus den Drogenkleinhandlungen entstanden im Laufe der Zeit die Drogerien. Die Drogerie hatte die Aufgabe, Drogen (= getrocknete Kräuter, pflanzliche Arzneimittel) und Chemikalien zu vertreiben. Industriell gefertigte Markenartikel gab es praktisch noch nicht. Auch Fotografie, Farben und Lacke sowie Pflanzenschutz hatten in der Drogerie ihre Kinderstube. Drogisten sind übrigens die einzige Berufsgruppe Österreichs, die über die gesetzliche Erlaubnis verfügt, Gifte abzugeben. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts etablierte sich die Drogerie als Fachgeschäft für Gesundheit, Schönheit und Wellness, wie wir sie heute kennen. Das Personal der Fachdrogerie steht für qualifizierte Kundenberatung, die den Konsumenten hilft, sich in der Vielzahl der am Markt angebotenen Produkte zurechtzufinden.

 

Im Drogistenmuseum finden monatlich auch Vorträge von Fachleuten statt. Der Schwerpunkt liegt bei gesundheitsbezogenen Themen aus Sicht der Schul- und Alternativmedizin, Ernährung, Aromatherapie, Kräuter und Gewürze, alte Hausmittel, um nur einige zu nennen. Dazu kommen spannende Reise-Erlebnisberichte und faszinierende Vorträge des Historikers Mag. Georg Hamann. Der Museums-Vortragsraum kann auch für kleine externe Veranstaltungen gemietet werden.

Die Finanzierung des Museums erfolgt überwiegend durch Sponsoren, Einnahmen von Führungen und Vorträgen sowie Eigenleistungen der gegenwärtig 10 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sind besonders zu erwähnen, denn ohne ihren Einsatz wäre ein Aufrechterhalten des Museumsbetriebes nicht möglich.

 

Der Leitgedanke im Drogistenmuseum: Alle Besucher sind herzlich willkommen! Sie sollen das Museum mit mehr Freude, Begeisterung, Wissen und dem Wunsch, wiederzukommen und das Museum weiterzuempfehlen, verlassen.(JT 2017)

Illustration: Gil Elvgren, Fotos © Drogistenmuseum, Niki Lappas

Das Werk der Künstlerin Maria Biljan-Bilger – fast vergessen, doppelt präsent

 

Als Bildhauerin, Keramikerin und Textilkünstlerin schuf Maria Biljan-Bilger (1912-1997) ein unverwechselbares Werk zwischen Archaik und Moderne. Ihr Wirken ist in der zeitgenössischen Öffentlichkeit in Vergessenheit geraten und es ist ihrem Mann, dem Architekten Friedrich Kurrent, und dem Verein der Freunde der Maria Biljan-Bilger-Ausstellungshalle in Sommerein zu verdanken, dass man die absolut großartigen, beeindruckenden Kunstwerke von Biljan-Bilger heute noch besichtigen kann – und unbedingt sollte!

 

Die Ausstellungshalle, von Kurrent an einem ehemaligen Steinbruch errichtet, in der Hauptstraße 61 in 2453 Sommerein am Leithagebirge in Niederösterreich, wo es die Künstlerin 1962 hinzog, ist vom 1. Mai bis Ende Oktober jeden Samstag, Sonntag und Feiertag von 10.00 bis 12.00 und von 14.00 bis 18.00 Uhr (Eintritt € 3, Kinder frei) für Besucher offen.

 

Biljan-Bilger war Mitbegründerin des Art-Clubs und hatte 1952 ihre erste Personalausstellung im legendären „Strohkoffer“, dem Wiener Ausstellungslokal des Art-Clubs, der Wiener Avantgarde. 1965 war sie Gründungsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Architektur. Von 1978 bis 1982 war sie Professorin für Keramik an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Im Jahr 2006 wurde in Wien-Donaustadt die Biljan-Bilger-Gasse nach ihr benannt.

Die Künstlerin erhielt 1972 den Österreichischen Kunstpreis für Bildende Kunst, 1982 das Silberne Ehrenzeichen der Stadt Wien und den Burgenländischen Kulturpreis und 1992 den Kulturpreis für bildende Kunst des Landes Niederösterreich. Ihre Ausstellungen führten sie nach Rom, Turin, Venedig, Sao Paulo, Mailand, Istrien oder München, wo sie am 1. Mai 1997 stirbt. Ihre Grabstätte ist am Ortsfriedhof in Sommerein.

 

Der Just Tampier-Geheimtipp: verbinden Sie einen Besuch der Ausstellungshalle in Sommerein, das von Wien über Schwechat, Schwadorf und Trautmannsdorf ganz schnell zu erreichen ist (weitere Informationen unter www.maria-biljan-bilger.at) mit einem Mittagessen im ortsansässigen Landgasthaus zum Grünen Baum von Gerhard Schiller.

 

(JT 2017)

Fotos: www.maria-biljan-bilger.at, Margherita Spiluttini