Ferdinand Hodler – Wegbereiter des Expressionismus

 

Mit der Schau „FERDINAND HODLER - WAHLVERWANDTSCHAFTEN VON KLIMT BIS SCHIELE“ zeigt das Leopold Museum in Wien im MuseumsQuartier bis zum 22. Jänner 2018 die bislang umfangreichste Retrospektive des Schweizer Malers in Österreich. Mit Exponaten von 26 leihgebenden Institutionen und zahlreichen Privatsammlungen in der Schweiz sowie weiteren Museen und Sammlungen in Deutschland und Frankreich, präsentiert Kurator Hans-Peter Wipplinger einen spannungsreichen Einblick in die großen Themenkreise Hodlers (1853–1918)  und seinen Einfluss auf die Künstler der Wiener Moderne. Als Exponent von Symbolismus und Jugendstil, als Wegbereiter des Expressionismus und nicht zuletzt als Erneuerer der Monumentalmalerei, war der Schweizer Maler Impulsgeber für Gustav Klimt (1862–1918), Koloman Moser (1868–1918), Albin Egger-Lienz (1868–1926), Oskar Kokoschka (1886–1980) und Egon Schiele (1890–1918), wie 30 ausgewählte Werke anschaulich belegen. Rund 100 Gemälde und über 50 Arbeiten auf Papier aus allen Schaffensphasen Ferdinand Hodlers umfasst die Ausstellung.

Neben die Werkgruppe der Selbstporträts, werden die zunächst naturalistischen, dann formal stilisierten und zuletzt der Abstraktion zustrebenden Landschaften gezeigt. In ihnen bringt Hodler „das ewige Element der Natur, die Schönheit“ zum Ausdruck und schafft damit Werke, die zu den bedeutendsten der modernen Landschaftsmalerei zählen.

 

Zur Ausstellung ist ein reich ausgestatteter Katalog in deutscher und englischer Sprache erschienen, herausgegeben von Hans-Peter Wipplinger (Verlag der Buchhandlung Walther König).

Kuratorenführungen gibt es am Donnerstag, 07.12.2017, 18 Uhr und Donnerstag, 18.01.2018, 18 Uhr mit Hans-Peter Wipplinger. Mit gültigem Museumsticket ist die Führung kostenlos. Überblicksführungen finden jeden Sonn- und Feiertag um 15 Uhr statt um € 3,- Führungsbeitrag.  Anmeldung an der Kassa ab einer Stunde vor Führungsbeginn empfohlen (begrenzte TeilnehmerInnenzahl).

Weitere Informationen unter  www.leopoldmuseum.org

(JT Okt. 2017)

Fotos:

SELBSTBILDNIS, Februar 1912 Öl auf Leinwand 38,5 × 29,5 cm Kunstmuseum Basel, Vermächtnis Max Geldner, Basel, 1958 Photo: Kunstmuseum Basel/Martin P. Bühler

BILDNIS GERTRUD MÜLLER, 1911 Öl auf Leinwand 175 × 132 cm Kunstmuseum Solothurn, Dübi-Müller-Stiftung, 1980 Photo: Kunstmuseum Solothurn

DIE DENTS DU MIDI VON CAUX AUS, 1917 Öl auf Leinwand 60 × 80 cm Privatsammlung Tessin | Photo: Privatsammlung Schweiz

THUNERSEE MIT SYMMETRISCHER SPIEGELUNG, 1909 Öl auf Leinwand 67,5 × 92 cm Musée d’art et d’histoire, Photo: Bettina Jacot-Descombes

GENFERSEE MIT MONT-BLANC BEI SONNENAUFGANG, 1918 Öl auf Leinwand 57,5 × 85,5 cm Kunstmuseum Solothurn, Dübi-Müller-Stiftung, 1980 Photo: SIK-ISEA, Zürich | Zurich/Philipp Hitz

MuseumsJuwel

 

Bereits seit 125 Jahren gibt es das Österreichische Pharma- und Drogistenmuseum. Seit 15 Jahren ist es am Standort Währinger Straße 14 in 1090 Wien beheimatet (www.drogistenmuseum.at) – ein durchaus zu feierndes Doppeljubiläum! 

In den liebevoll renovierten Räumlichkeiten im 9. Bezirk hat das Museum einen würdigen Rahmen gefunden um die Raritäten und Kuriositäten der über 10.000 Exponate und Kuriositäten wirkungsvoll zu präsentieren.

 

Die Entwicklung des Berufes „Drogist“ hat eine lebhafte Vergangenheit: Aus Quacksalbern und fahrenden Heilkünstlern, die ihre Waren gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf Jahrmärkten verkauften, entwickelte sich mit der Zeit ein geregelter Drogenhandel. Der Begriff „Droge“ war damals noch positiv besetzt. Aus den Drogenkleinhandlungen entstanden im Laufe der Zeit die Drogerien. Die Drogerie hatte die Aufgabe, Drogen (= getrocknete Kräuter, pflanzliche Arzneimittel) und Chemikalien zu vertreiben. Industriell gefertigte Markenartikel gab es praktisch noch nicht. Auch Fotografie, Farben und Lacke sowie Pflanzenschutz hatten in der Drogerie ihre Kinderstube. Drogisten sind übrigens die einzige Berufsgruppe Österreichs, die über die gesetzliche Erlaubnis verfügt, Gifte abzugeben. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts etablierte sich die Drogerie als Fachgeschäft für Gesundheit, Schönheit und Wellness, wie wir sie heute kennen. Das Personal der Fachdrogerie steht für qualifizierte Kundenberatung, die den Konsumenten hilft, sich in der Vielzahl der am Markt angebotenen Produkte zurechtzufinden.

 

Im Drogistenmuseum finden monatlich auch Vorträge von Fachleuten statt. Der Schwerpunkt liegt bei gesundheitsbezogenen Themen aus Sicht der Schul- und Alternativmedizin, Ernährung, Aromatherapie, Kräuter und Gewürze, alte Hausmittel, um nur einige zu nennen. Dazu kommen spannende Reise-Erlebnisberichte und faszinierende Vorträge des Historikers Mag. Georg Hamann. Der Museums-Vortragsraum kann auch für kleine externe Veranstaltungen gemietet werden.

Die Finanzierung des Museums erfolgt überwiegend durch Sponsoren, Einnahmen von Führungen und Vorträgen sowie Eigenleistungen der gegenwärtig 10 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sind besonders zu erwähnen, denn ohne ihren Einsatz wäre ein Aufrechterhalten des Museumsbetriebes nicht möglich.

 

Der Leitgedanke im Drogistenmuseum: Alle Besucher sind herzlich willkommen! Sie sollen das Museum mit mehr Freude, Begeisterung, Wissen und dem Wunsch, wiederzukommen und das Museum weiterzuempfehlen, verlassen.(JT Okt. 2017)

Illustration: Gil Elvgren, Fotos © Drogistenmuseum, Niki Lappas

MännerMaler

Das Leopold Museum im MuseumsQuartier Wien präsentiert vom 22. September 2017 bis zum 8. Jänner 2018 eine umfassende Ausstellung zum Werk des österreichischen Künstlers Anton Kolig (1886-1950). Kuratiert wird die Schau von Franz Smola. Zur Ausstellung ist ein umfassender Katalog erschienen im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln. Weitere Informationen zur Schau und zum Rahmenprogramm finden sich auf www.leopoldmuseum.org

Kolig, ein Hauptvertreter der frühen Avantgarde, zählt zu den bedeutendsten Malern in Österreich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hauptthemen seiner Gemälde sind Porträts, Stillleben und Allegorien – und großartiger Akte von jungen Männern. Die Ausstellung im Leopold Museum ist nach über fünfzig Jahren die erste große Personale, die in Wien stattfindet. Das Museum verfügt mit über 20 Gemälden über den umfangreichsten musealen Bestand von Werken dieses Künstlers. Gezeigt werden rund 60 Gemälde und 50 Arbeiten auf Papier.

Gemeinsam mit den Malerkollegen Sebastian Isepp, Franz Wiegele und Anton Mahringer gehörte der Künstler zum bedeutenden Nötscher Kreis. Anton Kolig war ein dynamischer, expressiver Maler, dessen Virtuosität sich am besten in den Aktbildern junger Männer entfaltet hat. Kolig, verheiratet mit Katharina Wiegele, hatte 4 Töchter und einen Sohn, die von ihm häufig als Motive für seine Gemälde herangezogen wurden. Er liebte seine Familie, aber fühlte sich sichtlich zu jungen Männern hingezogen.

Anton Koligs Schaffen entsprach nicht der nationalsozialistischen Kunstdiktion, er war Schikanen ausgesetzt, und bei einem Bombenabwurf auf Nötsch wurde er 1944 schwer verletzt. Körperlich schwer gezeichnet arbeitete er nach dem Weltkrieg noch an Entwürfen für ein Glasfenster des Stephansdomes und für den Eisernen Vorhang des Salzburger Festspielhauses.

Der Maler schuf ein vielschichtiges Werk, dessen Facetten man nun näher kennenlernen kann.

 (JT Sep. 2017)

Fotos © Bildrecht, Wien, 2017

Sitzender Jüngling („Am Morgen“), 1919. Öl auf Leinwand 152x93,1 cm, Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger

Die Familie des Künstlers, 1928. Öl auf Leinwand 180x201 cm, Belvedere, Wien 

Großer Spiegelakt, 1926. Öl auf Leinwand 177,4x80 cm, Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger

Raffael – ästhetischer Idealist und Meister der Renaissance

 

Vom 29. September 2017 bis 7. Jänner 2018 zeigt die Albertina Wien (www.albertina.at) in Kooperation mit dem Ashmolean Museum Oxford die Ausstellung „Raffael“, die man auf gar keinen Fall versäumen darf!

Raffael bildet mit Leonardo da Vinci und Michelangelo das große Dreigestirn der Renaissance. Mit seinen weltberühmten Zeichnungen zählt der allzu jung verstorbene Meister Raffaello Santi (1483 – 1520) aus Urbino darüber hinaus zu den größten Zeichnern der Kunstgeschichte.

 

Die Albertina präsentiert 150 Gemälde und Zeichnungen aus den eigenen bedeutenden Beständen, ergänzt um die schönsten und wichtigsten Zeichnungen bedeutender Museen wie den Uffizien, der Royal Collection der britischen Königin, dem British Museum, dem Louvre, den Vatikanischen Museen und dem Ashmolean Museum in Oxford.  

Ob als Maler und Architekt in Florenz und Rom oder im Auftrag von Päpsten und Fürsten – Raffael ist ein wahres Universalgenie der Hochrenaissance, stets auf der Suche nach dem Equilibrium zwischen Naturnachahmung und Idealität. Die Ausstellung umfasst Werke der frühen umbrischen Periode (bis 1504) über die Jahre des Florenz-Aufenthaltes (1504/1505–1508) bis hin zur römischen Zeit (1508/1509–1520) aus allen Schaffensphasen. Die Schau reicht von den ersten spontanen Ideenskizzen, virtuosen Detailstudien, über Kompositionsstudien bis zu den ausgeführten Gemälden.

 

(JT Aug. 2017)

Abbildungen:

Maria mit dem Kind (Madonna Colonna), 1508, Gemäldegalerie Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz Foto: Jörg P. Anders

Selbstporträt, 1506, Galleria degli Uffizi Florenz, Gabinetto Fotografico delle Gallerie degli Uffizi

Heilige Familie mit dem Lamm, 1507, Museo del Prado, Madrid: © Joseph S.Martín – ARTOTHEK

Pieter Bruegel d.Ä. – schonungsloser Realist

 

Die Albertina Wien (www.albertina.at) widmet vom 8. September bis 3. Dezember 2017 Pieter Bruegel dem Älteren, dem bedeutendsten Zeichner des 16. Jahrhunderts, die umfassende Ausstellung „Das Zeichnen der Welt“.

Mit rund 100 Werken präsentiert die Schau das gesamte Spektrum von Bruegels zeichnerischem und druckgrafischem Schaffen und beleuchtet seine künstlerischen Ursprünge anhand der Gegenüberstellung mit hochkarätigen Werken bedeutender Vorläufer wie Bosch oder Dürer. Die Ausstellung zeigt rund 20 der schönsten Handzeichnungen des Niederländers aus dem hauseigenen Bestand sowie aus internationalen Sammlungen – teilweise werden Arbeiten zum ersten Mal gezeigt.

 

Bruegel ist in seinen Bildern humorvoll und volksnah, scharfsinnig und zutiefst kritisch in der Reflexion der gesellschaftlichen Verhältnisse. Als Moralist thematisiert er die Tragik und Größe, Lächerlichkeit und Schwäche des Menschen. Sein derb-volkstümliches, ungeschöntes Werk zeigt Bauern bei der Feldarbeit oder pittoreske Landschaften,  Alpengipfel und Flusstäler – teils auf Naturbeobachtung beruhend, teils parodistisch zugespitzt.

In seiner berühmtesten Zeichnung „Maler und Käufer“, einem der Hauptwerke der Albertina, macht Bruegel die Kunstproduktion selbst zum Thema: Er konfrontiert Betrachtende mit der ernsten, intellektuellen Arbeit des Malers, der ein vorgeblicher Kunstkenner nichts als ratloses Staunen und den Griff nach seinem Geldbeutel entgegenzuhalten hat. Kunst trifft in diesem Werk auf das Unverständnis des Käufers und der Gesellschaft im Allgemeinen.

 

(JT Aug. 2017)

Abbildungen:

Pieter Bruegel d. Ä. Der Alchemist, 1558, bpk / Kupferstichkabinett, SMB / Jörg P. Anders 

Pieter Bruegel d. Ä. Maler und Käufer, um 1565, © Albertina, Wien

Pieter Bruegel d. Ä. (Stecher: Jan und Lucas van Duetecum), Der Jahrmarkt von St. Georg, um 1559, © Albertina, Wien

Fantastisches in Tulln

 

Im Minoritenkloster Tulln zeigt der Meister des Fantastischen Realismus, Arik Brauer, vom 27. September  bis 5. November 2017 eine Auswahl seiner Werke unter dem Titel „Fantastisch-realistisch“.

Die Ausstellungsreihe Kunst im Tullnerfeld ist ein gemeinsames Projekt der Stadtgemeinde Tulln und der MVM Donaukultur sowie deren Geschäftsführer Franz Müllner.  

 

Der Künstler feierte nicht nur als Maler Erfolge, sondern auch als Autor und Liedermacher, Bühnenbildner und Haus-Gestalter. Er erhielt 1979 den Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst, 2002 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, 2011 das Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien und 2015 den Amadeus Austrian Music Award für das Lebenswerk. Aber: immer sprechen seine Werke für sich!

2014/2015 widmete das Leopold Museum im Wiener MuseumsQuartier dem "Gesamt.Kunst.Werk" Arik Brauer eine Retrospektive.

 

Die Ausstellung am Minoritenplatz 1, 3430 Tulln, ist von Montag bis Freitag während der Amtszeiten, und Samstag und Sonntag von 14.00 bis 17.00 Uhr zu besichtigen. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei. Weitere Informationen unter www.donaukultur.com/brauer-tulln

 

Timna Brauer, die Tochter des Künstlers, wird mit ihrem Partner Elias Meiri am Mittwoch, 25. Oktober 2017, um 19.00 Uhr im Rahmen der Ausstellung ein Konzert gibt. Die Karten kosten 25 € bei freier Platzwahl. Karten sind ab sofort unter www.oeticket.com erhältlich.

(JT Aug. 2017)

Fotos: donaukultur.com, brauer-meiri.com

Rubens‘ opulentes Werk

 

Vom 17. Oktober 2017 bis zum 21. Jänner 2018  präsentiert das Kunsthistorische Museum Wien den berühmten Barockmaler Peter Paul Rubens im Kontext mit seinen Inspirationsquellen und Vorbildern. Die große Sonderausstellung „Rubens – Kraft der Verwandlung“ zeigt anhand von Werken aus der eigenen Sammlung des KHM sowie rund 70 Leihgaben aus den großen Sammlungen der Welt, wie Rubens bei anderen Künstlern – in Werken seiner Zeitgenossen ebenso wie in Gemälden bedeutender Renaissancemaler sowie Skulpturen aus Antike und Renaissance – Inspiration fand und wie ihm seine außergewöhnlichen Kunstwerke gelangen. 

 

Peter Paul Rubens (1577 Siegen - 1640 Antwerpen) war seinerzeit ein Star – und ist es bis heute! Das gewaltige Lebenswerk dieses Genies umfasst großformatige Altarbilde und sinnliche Akte. Zu den berühmtesten zählt etwa „Das Pelzchen“ im Kunsthistorischen Museum. Die Darstellung ist eine Liebeserklärung des Malers an seine zweite Gemahlin, die junge Hélène Fourment.

 

Die Werkauswahl, darunter etwa 70 Leihgaben aus dem Prado in Madrid, der Eremitage in St. Petersburg oder der National Gallery of Art in Washington D.C. ist dabei so getroffen, dass Gegenüberstellungen verdeutlichen, wie Rubens arbeitete. Es ist damit der spannendste Aspekt seines Schaffens thematisiert: die Auseinandersetzung des Malers mit Quellen und Vorbildern.

(JT Aug. 2017)

Fotos:

Peter Paul Rubens. Helena Fourment ("Das Pelzchen") um 1636/1638, Eichenholz 176 x 83 cm © KHM-Museumsverband

Peter Paul Rubens. , Das Parisurteil, 1638. Öl auf Leinwand 199 x 381 cm ©Museo Nacional del Prado

Peter Paul Rubens. Detail aus "Die vier Flüsse des Paradieses", um 1615. Leinwand, 110 cm x 85,5 cm x 2,4 cm. © KHM-Museumsverband

 

Herbst in der Kunsthalle Wien

 

Es gibt bereits eine erste Vorschau auf die Ausstellungen im Herbst in der Kunsthalle Wien (www.kunsthallewien.at).

 

Die Ausstellung „Was ist Loos?“ vom 28. September bis 12. November 2017 am Standort Karlsplatz, kuratiert von Juliane Bischoff, gibt einen Überblick über Arbeiten von Ineke Hans und geht Fragen nach dem aktuellen Zustand und der Zukunft des Designs nach. Mit ihren Entwürfen reagiert Ineke Hans damit auf gesellschaftliche Bedürfnisse unserer Zeit und entwickelt Objekte, die auch soziale Aspekte einbeziehen. 

 

Vom 3. November 2017 bis 28. Jänner 2018 erkundet das Projekt „Publishing as an Artistic Toolbox: 1989–2017“ die Potenziale von Druckwerken – in Form von Büchern, Zeitschriften, Zeitungen, künstlerischen Interventionen, Websites – als Kontext und Medium, in dem Informationen und Wissen vermittelt und letztlich auch Kunst produziert wird. Die Ausstellung von Kurator Luca Lo Pinto ist in der Kunsthalle Museumsquartier zu sehen.

 

Ebenfalls im Museumsquartiert bilden vom 17. November 2017 bis 14. Jänner 2018 Bildende Kunst und (elektronische) Musik bei Florian Hecker eine Einheit. Skulpturale Elemente können zugleich Soundquellen sein und der Modifizierung, Verstärkung oder Lenkung akustischer Sensationen im Raum dienen. Hecker wird für die Kunsthalle Wien eine eigene „synthetische“ Komposition erstellen und einen szenografischen Raum für deren Aufführung entwerfen. Wie bei den Ausstellungen von Tony Conrad oder Charlemagne Palestine erwartet den/die Besucher/in ein synästhetisches Abenteuer: der Versuch, Klang sichtbar und fühlbar zu machen. Kuratorin ist Vanessa Joan Müller.

(JT Sommer 2017)

Fotos beigestellt von der Kunsthalle Wien

Alles neu in Krems

 

Die Kunsthalle Krems hat sich in den vergangenen 20 Jahren im Bereich der zeitgenössischen Kunst zu einer Institution mit nationaler und internationaler Strahlkraft entwickelt. Nach erfolgter Generalsanierung und Wiedereröffnung am 1. Juli 2017 wird Florian Steininger als neuer künstlerischer Direktor diesen Weg konsequent weitergehen.

Die erste große Themenschau „Abstract Painting Now! Gerhard Richter, Katharina Grosse, Sean Scully ...“ bildet dabei den Ausgangspunkt für seine Programmlinie. Das Augenmerk von Florian Steininger liegt auch auf einem erweiterten Kunstvermittlungsprogramm.

Mit der Dominikanerkirche gewinnt die Kunsthalle Krems 2017 noch einen zusätzlichen Ausstellungsort. Der Fokus liegt hier auf raumbezogenen Projekten in der gotischen Sakralarchitektur. Als erstes wird dort ein Installations-Projekt des in Österreich lebenden französischen Künstlers Sébastien de Ganay zu sehen sein.

 

Die Schau „Abstract Painting Now! Gerhard Richter, Katharina Grosse, Sean Scully ... „ ist bis 05.11.2017 in der Kunsthalle Krems zu sehen. Die Abstraktion gilt in der Moderne als eine der signifikanten formalen Artikulationen und ist insbesondere mit der Malerei aufs Engste verbunden. Die Ausstellung wird mit etwa sechzig künstlerischen Positionen ihren Schwerpunkt auf die aktuelle internationale Situation des ungegenständlichen Tafelbildes legen und das weite Feld einer immer noch bedeutenden malerischen Praxis auffächern. Historische Basis der Schau ist die Entwicklung im Anschluss an den Abstrakten Expressionismus.

Für die Zentrale Halle der Kunsthalle Krems realisiert Tobias Pils eine Malerei-Installation: Untitled, ebenfalls bis 05.11.2017 zu sehen.In freimütiger Verschränkung von abstrakten und figurativen Passagen sind seine malerischen und zeichnerischen Setzungen ein Gefecht zwischen der Logik der nächsten Schritte und ihrer Aushebelung.

Sébastien de Ganay zeigt Transposition and Reproduction bis 15.10.2017 in der Dominikanerkirche. Im Zentrum seiner Auseinandersetzung steht die Transformation des sakralen in einen säkularisierten Ort. Im heutigen Ausstellungsraum fehlen zwar alle Elemente der christlichen Liturgie, seinen spirituellen Charakter hat sich der architektonisch starke Raum aber bewahrt.

 

Weitere Infos: www.kunsthalle.at

(JT Juli 2017)

Fotos:

Martha Jungwirth. Ohne Titel (aus der Serie „Richard Gerstl, Bildnis der Schwestern Frey“), 2016. Öl auf Papier auf Leinwand 215x140cm, Courtesy Galerie Krinzinger und die Künstlerin. © Bildrecht Wien, 2017. Foto: Lisa Rastl  

Ross Bleckner. Loons to Sandpipers, 1996, Öl auf Leinwand 212 x 183 cm, Sammlung Siegfried und Jutta Weishaupt. Courtesy Galerie Nikolaus Ruzicska, Salzburg. Foto: Ulrich Ghezzi

Charline von Heyl. Cluster,  2015. Acryl auf Leinwand 152,5 x 127 cm. Sammlung Stolitzka, Graz. Foto: Butcher Walsh

Was wäre Österreich ohne Sobieski?

 

Vom 7. Juli bis 1. November 2017 widmet sich die Ausstellung „Jan III. Sobieski  - Ein polnischer König in Wien“ im Winterpalais in der Himmelpfortgasse 8 in der Wiener City dem polnischen König Jan III. Sobieski (1629–1696), der untrennbar mit der Geschichte der Stadt verbunden ist. 

Als Oberbefehlshaber des vereinten Entsatzheeres befreite er 1683 die Stadt aus der mehrwöchigen Belagerung durch die Osmanen. Mit diesem Sieg sicherte er sich einen Platz in der Weltgeschichte und im kollektiven Gedächtnis der Österreicher.

 

Erstmals im deutschsprachigen Raum wird nun die Gelegenheit geboten, die Person Sobieski und seine Zeit näher kennen und verstehen zu lernen. Sein Leben und sein Wirken werden anhand von Gemälden, Preziosen, kunstgewerblichen Objekten, Militaria und Memorabilien umfassend und lebendig vermittelt. In Polen hat Sobieski bis heute die Funktion einer nationalen Identifikationsfigur. Neben dem Entsatz von Wien wird auch auf sein Interesse für Kunst und Wissenschaft eingegangen. Hier liegen schließlich auch die Parallelen zu Prinz Eugen, dem Errichter des Winterpalais. Die Ausstellung, kuratiert von Maike Hohn, ist eine Kooperation zwischen dem Belvedere und den vier bedeutenden polnischen Residenzen – dem Wawel Royal Castle in Krakau, dem Royal Castle in Warschau sowie dem Museum of King Jan III’s Palace in Wilanów und dem Royal Łazienki Museum in Warschau.

 

Weitere Infos unter www.belvedere.at

(JT Juli 2017)

Fotos:

Daniel Schultz d.J., Jan III. Sobieski (1629–1696), polnischer König, 1677–1680. National Museum in Warsaw © National Museum in Warsaw. Öl auf Leinwand 139,5 x 113 cm

Anonymer Maler, Porträt von König Jan III Sobieski, 18. Jahrhundert. Warschau, Museum Schloss Wilanów, Foto: Zbigniew Reszka. Öl auf Eichenholz

Porträt Jans III. zu Pferd, um 1704. © Warschau, Königsschloss – Museum. Öl auf Leinwand

Wie kommt die Maus in die Albertina?

 

Zum ersten Mal zeigt die Albertina eine Ausstellung - Look! New Acquisitions - auf zwei Ebenen des Museums: Auf über 2.500 Quadratmetern gibt das Haus einen Einblick in die Sammlungsstrategie zur zeitgenössischen Kunst unter der Direktion von Klaus Albrecht Schröder. Aus über 10.000 Werken, die in den letzten 18 Jahren an zeitgenössischer Kunst erworben wurden, haben Prof. Dr. Klaus Albrecht Schröder und Kuratorin Dr. Antonia Hoerschelmann rund 350 Werke von 55 Künstlerinnen und Künstlern ausgewählt. Deutlich erkennbar wird die Absicht, nach Möglichkeit nicht isolierte Einzelwerke zu erwerben, sondern Werkgruppen, um ein komplexes Verständnis für die künstlerischen Ideen und Gestaltungsprinzipien eines Schaffens zu erhalten.

Die Ausstellung ist bis 8. Oktober 2017 in der Bastei der Albertina zu sehen. 

Klaus Albrecht Schröder und Antonia Hoerschelmann nehmen mit ihrer Auswahl ausdrücklich keine Wertung vor. Teil der Sammlungsstrategie ist es, sich mit einzelnen Künstlerinnen und Künstlern über Jahre kontinuierlich zu befassen, das unterscheidet ein Museum von einer Kunsthalle.

 

Ebenfalls bis zum 8. Oktober ist die Schau „Fotografie 1970–2000“ zu sehen. Wie sieht Österreich im Fokus der eigenen, heimischen Linse aus? Dieser Frage geht erstmals diese umfassende Fotoausstellung der Albertina nach. Österreichische Fotografinnen und Fotografen beleuchten das eigene Land und seine kulturellen Identitäten – auch soziale Milieus werden dabei durch teilweise schonungslose wie direkte Bilder dokumentiert. Der Blick nach innen offenbart oftmals Aspekte, die im Begriff waren, zu verschwinden. Ins Licht gerückt werden das Land, die politische Vergangenheit, soziokulturelle Identitäten und urbane Räume.

 

Ein SommerAusstellungsProgramm, das sich sehen lassen kann!

(JT Juli 2017)

 

Fotos:

Gottfried Helnwein. Pink Mouse 2, 2008. Albertina, Wien © Bildrecht, Wien, 2017

Sigmar Polke. Ohne Titel, 1999. Albertina, Wien © Bildrecht, Wien 2017

Jack Pierson. TWILIGHT: trUsT – aus einer 14-teiligen Serie, 2011. Albertina, Wien © Jack Pierson und Galerie Sabine Knust München

Seiichi Furuya. Rattersdorf, 1981 (aus der Serie <em>Staatsgrenze</em> ), 1981-1983, Abzug 2016. Albertina Wien, Erwerbung aus Mitteln der Galerienförderung des BMUKK 2016

Bernhard Fuchs. Frau K., St. Margareten, 1999. Albertina, Wien

Elfriede Mejchar. Ohne Titel (aus der Serie "Simmeringer Heide und Erdberger Mais", 1967–1976. Österr. Fotogalerie, Museum der Moderne Salzburg

Klimt und die Erotik

 

Bis zum 8. Oktober 2017 ist in der Orangerie im Unteren Belvedere die Ausstellung „KLIMT UND DIE ANTIKE Erotische Begegnungen“  zu sehen, die sich dem Dialog zwischen Gustav Klimts Werk und der antiken Kunst widmet.

 

In einem interdisziplinären Ansatz verschränkt die von Tobias G. Natter kuratierte Schau Archäologie und Kunstgeschichte. Ausgewählte Belege aus dem Schaffen des Jugendstilkünstlers zeigen den zentralen Wandel in seinem Antikenverständnis. Die Antike bildete für Gustav Klimt während seiner gesamten künstlerischen Laufbahn eine wichtige Inspirationsquelle. Die Ausstellung veranschaulicht seine Entwicklung zu einem freieren Umgang mit der Antike durch die Gegenüberstellung mit antiken Vorbildern, die der Künstler aus der Vasenmalerei oder den Abgüssen nach antiken Skulpturen bezog. Ein prominentes Beispiel für die freiere Auslegung der Antike in Klimts Werk stellt auch das Beethovenfries (1902) dar, dessen Replika als Referenz in der Ausstellung gezeigt wird.

 

Ein Herzstück der Ausstellung bildet die von den Wiener Werkstätten gestaltete, mit Zeichnungen Gustav Klimts illustrierte Neuauflage der Hetärengespräche des Lukian. In der Orangerie werden insgesamt 13 Luxuseditionen des Erotikons zu sehen sein, das zu den schönsten Büchern des europäischen Jugendstils zählt.

 

Die 82 Werke umfassende Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Kunsthistorischen Museum, Wien.

(JT Juni 2017)

Foto © Belvedere, Wien

Das Werk der Künstlerin Maria Biljan-Bilger – fast vergessen, doppelt präsent

 

Als Bildhauerin, Keramikerin und Textilkünstlerin schuf Maria Biljan-Bilger (1912-1997) ein unverwechselbares Werk zwischen Archaik und Moderne. Ihr Wirken ist in der zeitgenössischen Öffentlichkeit in Vergessenheit geraten und es ist ihrem Mann, dem Architekten Friedrich Kurrent, und dem Verein der Freunde der Maria Biljan-Bilger-Ausstellungshalle in Sommerein zu verdanken, dass man die absolut großartigen, beeindruckenden Kunstwerke von Biljan-Bilger heute noch besichtigen kann – und unbedingt sollte!

 

Die Ausstellungshalle, von Kurrent an einem ehemaligen Steinbruch errichtet, in der Hauptstraße 61 in 2453 Sommerein am Leithagebirge in Niederösterreich, wo es die Künstlerin 1962 hinzog, ist vom 1. Mai bis Ende Oktober jeden Samstag, Sonntag und Feiertag von 10.00 bis 12.00 und von 14.00 bis 18.00 Uhr (Eintritt € 3, Kinder frei) für Besucher offen.

 

Biljan-Bilger war Mitbegründerin des Art-Clubs und hatte 1952 ihre erste Personalausstellung im legendären „Strohkoffer“, dem Wiener Ausstellungslokal des Art-Clubs, der Wiener Avantgarde. 1965 war sie Gründungsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Architektur. Von 1978 bis 1982 war sie Professorin für Keramik an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Im Jahr 2006 wurde in Wien-Donaustadt die Biljan-Bilger-Gasse nach ihr benannt.

Die Künstlerin erhielt 1972 den Österreichischen Kunstpreis für Bildende Kunst, 1982 das Silberne Ehrenzeichen der Stadt Wien und den Burgenländischen Kulturpreis und 1992 den Kulturpreis für bildende Kunst des Landes Niederösterreich. Ihre Ausstellungen führten sie nach Rom, Turin, Venedig, Sao Paulo, Mailand, Istrien oder München, wo sie am 1. Mai 1997 stirbt. Ihre Grabstätte ist am Ortsfriedhof in Sommerein.

 

Der Just Tampier-Geheimtipp: verbinden Sie einen Besuch der Ausstellungshalle in Sommerein, das von Wien über Schwechat, Schwadorf und Trautmannsdorf ganz schnell zu erreichen ist (weitere Informationen unter www.maria-biljan-bilger.at) mit einem Mittagessen im ortsansässigen Landgasthaus zum Grünen Baum von Gerhard Schiller.

 

(JT Mai 2017)

Fotos: www.maria-biljan-bilger.at, Margherita Spiluttini