Plakate pflastern unser Leben

 

Bis 1. März 2020 zeigt das MAK in Kooperation mit dem Verein 100 Beste Plakate e. V. im Kunstblättersaal am Stubenring 5, 1010 Wien, die Ausstellung

„100 BESTE PLAKATE 18. Deutschland. Österreich. Schweiz“.

 

Der klassische Werbeträger behauptet sich im Sinne der Wahrnehmung im öffentlichen Raum und ist nach wie vor eine beliebte Spielwiese für Gestalter: Insgesamt 2 353 Plakate gingen beim Verein 100 Beste Plakate e. V. beim Wettbewerb ein.

Die Ergebnisse des Wettbewerbs werden heuer bereits zum 14. Mal im MAK präsentiert und vereinen studentische Projekte gleichermaßen wie Arbeiten etablierter Grafikdesigner und Werbeagenturen.

Die 100 prämierten Plakate wurden von einer internationalen Fachjury, bestehend aus den renommierten Gestalterinnen Anette Lenz (Paris, Vorsitz), Anna Haas (Zürich), Astrid Seme (Wien), Johanna Siebein und Andrea Tinnes (beide Berlin) ausgewählt.

Nach Ländern gliedern sich die Sieger-Plakate und -Plakatserien in 42 aus Deutschland, 54 aus der Schweiz und 4 aus Österreich.

Die vier österreichischen Gewinnersujets lassen sich allesamt in der Reihe der Produktplakate verorten: Lukas Fliszar und Jonas Minnig vom Atelier 101 gingen mit ihrem Plakat zum Film Nevrland in den Bewerb. Nicht ohne Grund erscheint das Plakat im Katalog (304 Seiten, Verlag Kettler, Dortmund 2019, erhältlich im MAK Design Shop um EUR 30,80) an der prominenten ersten Stelle.

 

Die Gewinnerplakate des Wettbewerbs gehen auch heuer als Neuzugänge in die MAK Kunstblättersammlung ein.

Weitere Infos unter www.mak.at

(JT Nov. 2019)

Fotos:

Atelier: 101. Grafik: Lukas Fliszar, Jonas Minnig. Nevrland. Auftraggeber: ORBROCK Filmproduktion GmbH. Druck: Onlineprinters GmbH. Drucktechnik: Digitaldruck. Österreich.

© 101/100 Beste Plakate e. V.

Grafik: Claude Kuhn. Mitarbeit: Mark Hohn (Datenaufbereitung). Tierpark Bern. Auftraggeber: Tierpark Bern. Druck: Serigraphie Uldry AG. Drucktechnik: Siebdruck. Schweiz.
© Kuhn/100 Beste Plakate e. V.

Atelier: Studio Es. Grafik: Verena Panholzer (Art Direction), Paul Katterl (Design), Carina Stella (Design) unter Verwendung einer Illustration von Bráulio Amado. Fine / Medium / Coarse

PURPUR, Austrian Alpine Salt. Auftraggeber: PURPUR Salt. Druck: PerfectCut.at. Drucktechnik: Digitaldruck. Österreich
© Studio ES/100 Beste Plakate e. V. 

Japan im MAK

 

 

Anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der österreichisch-japanischen Freundschaft widmet sich die Ausstellung KUNIYOSHI + Design und Entertainment im japanischen Farbholzschnitt im MAK DESIGN LAB bis 16. Februar 2020 der Spätzeit des Ukiyoe.

Im Zentrum der Schau steht einer der wichtigsten und innovativsten Künstler des 19. Jahrhunderts, Utagawa Kuniyoshi (1797–1861). Ausgewählte Blätter aus der umfassenden Farbholzschnitt-Sammlung des MAK zeigen seine Arbeiten gleichsam als kreative Antwort auf die großen politischen und gesellschaftlichen Veränderungen Japans im 19. Jahrhundert. Thematisiert wird auch die Zusammenarbeit Kuniyoshis mit zeitgenössischen Künstlern wie Hiroshige und Kunisada sowie seine Wirkung auf Thematik und Stil der nachfolgenden Generationen zur Meiji-Zeit. In acht Kapiteln wird das vielfältige und innovative Werk Kuniyoshis dargestellt.

 

Zeitgleich rocken Kiss, Iron Maiden und David Bowie in der MAK GALERIE die Ästhetik des Ukiyoe: Die Ausstellung UKIYOENOW Tradition und Experiment eröffnet neue Dimensionen in der zeitgenössischen Auseinandersetzung mit der japanischen Kunstform und stellt die Frage, inwiefern die unterschiedlichen Produktionsformen – traditionelles Handwerk und digitaler Print – sowie der neue Kontext der globalen/transnationalen Popkulturen sich auf die Weiterentwicklung des Ukiyoe auswirken.

Erstmals in Europa werden Arbeiten von Masumi Ishikawa (geb. 1978 in Tokyo), Megumi Ōishi (geb. 1985 in Shizuoka) und Andrew Archer (geb. 1986 in Auckland) präsentiert, die Motive aus Popkultur und Sport in die Ästhetik des Ukiyoe übersetzen. Sie stehen für die Erneuerung der Bildsprache der Edo-Zeit und sind Wegbereiter der Globalisierung japanischer Kunst. Waren Thema, Stil und Technik des Ukiyoe bis ins frühe 20. Jahrhundert spezifisch japanisch, so ist hundert Jahre später daraus eine Kunstsprache geworden, der sich Künstler weltweit bedienen. Sowohl Ishikawa als auch Archer greifen auf traditionelle Motive und Techniken des japanischen Farbholzschnitts zurück, thematisieren jedoch die globale Musik- und Sportwelt.

 

Weitere Infos unter www.mak.at

(JT Okt. 2019)

Fotos:

Utagawa Kuniyoshi, Der Geist von Asakura Tōgo, 1851, © MAK/Georg Mayer

Utagawa Kuniyoshi, Die Edeldame Tokiwa aus der Serie Lebensgeschichten von weisen und tugendhaften Frauen, um 1842, © MAK/Georg Mayer

Utagawa Kuniyoshi, „Glocke des Miidera-Tempels“ aus der Serie Sammlung von gestreiften weiblichen Benkeis aus den Freudenvierteln, 1843/44, © MAK/Georg Mayer

Masumi Ishikawa, Kabuki Ukiyo-e, Tokyo, 2015, Farbholzschnitt, © UKIYO-E PROJECT

Masumi Ishikawa, David Bowie Shapeshifting Comparison „Takezawa Toji“ (Diamond Dogs)
Ukiyo-e
, Tokyo, 2018, Farbholzschnitt, © UKIYO-E PROJECT

Andrew Archer, Jared Leto – 30 Seconds To Mars, 2017, Giclée-Druck, © Andrew Archer, Melbourne

Portraits von urbanen Situationen

 

Andreas Fogarasis künstlerische Arbeit richtet den Blick auf die Berührungspunkte zwischen visueller Kultur – bildender Kunst, Design, Architektur – und sozialer Realität. Wie „sieht“ Gesellschaft, Politik oder Geschichte „aus“? Die Stadt mit ihren vielfältigen Oberflächen und ihrer Dichte an Phänomenen stellt dabei einen zentralen Beobachtungsgegenstand dar. In seinen zweidimensionalen Arbeiten, Skulpturen, Installationen und Videos untersucht Fogarasi den gebauten urbanen Raum und dessen Wandel in seinen politischen, ökonomischen, kulturellen und soziologischen Dimensionen.

 

Auch die Ausstellung „Nine Buildings, Stripped“ in der Kunsthalle Wien am Museumsplatz 1, 1070 Wien, vom 13. November 2019 bis zum 2. Februar 2020, kuratiert von Maximilian Geymüller, fokussiert auf urbane Transformationsprozesse und deren Manifestationen in Oberflächen, die sich wiederum exemplarisch in der jüngeren Bauhistorie des Präsentationsortes spiegeln.

Fogarasis Fragmentblöcke zeigen eine dauerhafte, attraktive Unruhe – zwischen Abstraktion und Konkretion, Oberfläche und Tiefe, Vergangenheit und Gegenwart, materieller Realität und bildlicher Bedeutung.

 

Weitere Infos unter www.kunsthallewien.at

(JT Okt. 2019)

Fotos:

Andreas Fogarasi, Stripping Franz Josef Kai 51, Wien, 2019, © Andreas Fogarasi & BILDRECHT GmbH, 2019, Courtesy der Künstler

Andreas Fogarasi, Sketch 6, 2017, © Andreas Fogarasi & BILDRECHT GmbH 2019, Courtesy der Künstler, Georg Kargl Fine Arts, Wien, Vintage Galéria, Budapest & Galerie Thomas Bernard, Paris

Andreas Fogarasi, Atelieransicht, 2019, © Andreas Fogarasi & BILDRECHT GmbH, 2019, Courtesy der Künstler, Foto: Kunsthalle Wien 

Wahrheit oder Fiktion?

 

Die Queen beim Selfie, Kim Kardashian und Kanye West bei der Hausgeburt, Lady Di mit ausgestrecktem Mittelfinger und Donald Trump im Clinch mit Miss Mexiko.

Haben wir das gerade wirklich gesehen? Ganz unwahrscheinlich ist es jedenfalls nicht. In Zeiten der allgegenwärtigen Rede über „Fake News“ wird die Unterscheidung von Wahrheit und Fiktion zunehmend schwieriger.

Die Arbeiten von Alison Jackson verwischen permanent die Grenzen zwischen dem gerade noch Möglichen und dem eigentlich Undenkbaren.

 

WestLicht zeigt die Fotografien der international vielfach ausgezeichneten, britischen Künstlerin (*1960) zum ersten Mal in Österreich. Rund 75 der großformatigen Prints, ergänzt um zahlreiche Videoarbeiten, sind bis 26. Jänner 2020 im Schauplatz für Fotografie in der Westbahnstraße 40, 1070 Wien, zu sehen.

 

Alison Jackson beschäftigt sich mit dem Voyeurismus der Öffentlichkeit, mit der verführerischen Macht von Bildern und dem Wunsch, ihnen Glauben zu schenken. Unterstützt von einem Team professioneller Lookalikes und mit enormem Produktionsaufwand inszeniert Jackson ihre Szenen. Ihre Arbeiten stehen dabei in der großen Tradition britischen Humors, in der schon immer klar war, dass geschmackvolle Zurückhaltung keine Kategorie von bissiger Satire ist.

Was sich die heutige Reality TV- und Homestory-geprägte Fantasie ausmalt, treiben ihre Bilder auf die Spitze. Sie geben einen grellen Vorgeschmack darauf, was passiert, wenn nur lange genug „Fake News“ gerufen wird: Am Ende glaubt man alles oder überhaupt nichts mehr.

 

Die Ausstellung Alison Jackson. Fake Truth ist in Zusammenarbeit mit Anke Degenhard entstanden.

Weitere Infos unter www.westlicht.com

(JT Okt. 2019)

Fotos:

Alison Jackson, Queen, Camilla, Kate, Hair Salon © Alison Jackson

Alison Jackson vor ihrer Arbeit “Diana Finger Up” © Peter Coeln 

Werke auf Papier

 

Seit Mitte der 1980er-Jahre widmen sich Florence und Daniel Guerlain gemeinsam der zeitgenössischen Zeichnung und haben sich so eine umfangreiche Sammlung mit Werken internationaler Künstler aufgebaut. Im Jahr 2012 übergaben sie einen Großteil als Schenkung an das Centre Pompidou in Paris.


Die ALBERTINA Wien präsentiert bis 26. Jänner 2020 die Highlights ihrer Sammlung in der Schau

„A Passion for Drawing. Die Sammlung Guerlain aus dem Centre Pompidou Paris“.

Die Arbeiten sind teils abstrakt und konzeptuell, bewegen sich narrativ zwischen Wirklichkeit und Fiktion, beziehen sich auf Mythologie, Kultur oder Kunstgeschichte, auf den Menschen und dessen Identität, sind gesellschaftskritisch und setzen sich mit Kategorisierungen und Systematisierungen auseinander.

 

Die Werke auf Papier stammen von den Künstlern Mark Dion, Marcel Dzama, Marcel van Eeden, Catharina van Eetvelde, Jana Gunstheimer, Erik van Lieshout, Robert Longo, David Nash, Cornelia Parker, Joyce Pensato, Chloe Piene, Pavel Pepperstein, Javier Pérez, Anne-Marie Schneider, Kiki Smith, Nedko Solakov, Renie Spoelstra, Aya Takano, Sandra Vásquez de la Horra und Jorinde Voigt.

 

Am 30. Oktober 2019 um 17.30 Uhr gibt es eine Kuratorenführung mit Elsy Lahner. Tickets sind am Tag der Führung an der Kasse erhältlich. First come, first served – begrenzte Teilnehmerzahl.

Weitere Infos unter www.albertina.at

 

Facettenreich!

(JT Okt. 2019)

Fotos:

Sandra Vasquez de la Horra, La Fresca, 2006, Donation de la Collection Florence et Daniel Guerlain, 2012 Centre Pompidou – Musée National d’Art Moderne, Paris © Sandra Vasquez de la Horra © Adagp, Paris

Joyce Pensato, Flying Home, 2010, Kohle auf Papier, Donation de la Collection Florence et Daniel Guerlain, 2012 Centre Pompidou – Musée National d’Art Moderne, Paris © Joyce Pensato © Adagp, Paris
Javier Pérez, Primigenios I–X, 2007, Aquarell und Tusche auf Papier, Donation de la Collection Florence et Daniel Guerlain, 2012 Centre Pompidou – Musée National d’Art Moderne, Paris © Javier

Pérez © Adagp, Paris 

Pierre Bonnard's Dialog mit Farbe

Das Bank Austria Kunstforum Wien zeigt bis 12. Jänner 2020 eine Schau geholt, welche die spektakulär leuchtende Farbkraft eines der ganz großen Künstler des französischen Post-Impressionismus in den Mittelpunkt stellt: Pierre Bonnard – Die Farbe der Erinnerung, kuratiert von Evelyn Benesch (Bank Austria Kunstforum Wien) und Matthew Gale (Tate).

 

In Kooperation mit der Tate London und der Ny Calsberg Glyptotek Kopenhagen zaubert Ingried Brugger, die Direktorin des Hauses, einen Hauch von Côte d´Azur in den Kunsttempel auf der Wiener Freyung: 116 Leihgaben von 51 Leihgebern aus 11 Ländern zeigen Mittelmeerlicht at its best, immerhin hat Bonnard seit 1926 in Le Cannet, einer Kleinstadt oberhalb von Cannes gelebt.

Pierre Bonnard's (1867–1947) leise Radikalität zeigt sich darin, dass sein Werk keinen Zeitströmungen unterworfen wurde. In seinen Bildern offenbart sich die Erfahrung des Mittelmeerlichts mit den leuchtenden Farben des Südens.

 

Farbe ist das zentrale Ausdrucks- und Gestaltungsmittel des Künstlers. Nicht nur Stimmungen, sondern ganze Kompositionen entwickelt und modelliert Bonnard über Farbakkorde und -dissonanzen, über die Gegensätze und das Zusammenspiel warmer und kühler Töne.

Bonnard ist kein Avangardist, obwohl seine späten Bilder bis an die Grenzen der Abstraktion gehen, deshalb wurde er oft in Rezensionen als oberflächlicher und harmloser Chronist eines großbürgerlichen Alltags klassifiziert. Genau darin liegt aber die Poesie seines Werkes, das nun mit zahlreichen Leihgaben aus internationalen Museen, wie der Tate in London, dem Metropolitan Museum of Art in New York, der National Gallery in Washington, dem Musée d’Orsay in Paris oder der Ny Carlsberg Glyptotek in Kopenhagen, aber auch aus renommierten privaten Sammlungen präsentiert wird und das es nun neu zu entdecken gilt.

 

Der Just Tampier-Tipp: betrachten Sie die Bilder sowohl aus der Nähe als auch aus der Ferne, die veränderte Perspektive ist spektakulär!

Weitere Infos zur Ausstellung unter www.kunstforumwien.at

(JT Okt. 2019)

Fotos:

Akt in einem Interieur, um 1935, Nu dans un intérieur, Öl auf Leinwand, 134 × 69,2 cm © National Gallery of Art, Washington, Collection of Mr and Mrs Paul Mellon

Meeresufer, Rotes Feld, um 1939, Bord de la mer, champ rouge, Öl auf Leinwand, 34,5 × 50 cm © Privatbesitz

Der Kaffee, 1915, Le Café, Öl auf Leinwand, 73 × 106,4 cm , Tate. Presented by Sir Michael Sadler through the Art Fund 1941 © Tate, London 2019

Sonnenuntergang, 1912, Le Soleil couchant, Öl auf Leinwand, 63 × 53 cm © Kunsthaus, Zürich

Es wurde geknipst!

 

Die Fotogruppe Schwechat ist eine Runde von Fotobegeisterten, die ihr Hobby mit anderen teilen möchten. Die Gruppe besteht seit 2009, ist seit 2018 Teil der Naturfreunde, und möchte sowohl vom Anfänger bis hin zum sehr fortgeschrittenen Hobbyfotografen eine Plattform bieten.

 

Vom 10. bis 31. Oktober 2019 sind die neuesten Arbeiten der Fotografen rund um Irene Haslauer im Schwechater Rathaus im 1. Stock während der Öffnungszeiten zu besichtigen.

Die Vernissage der Ausstellung „Das Foto“ ist am Donnerstag, 10. Oktober 2019, um 19.00 Uhr.

 

Weitere Informationen unter http://www.fotogruppe-schwechat.at/

(JT Okt. 2019)

Richard Gerstl – verborgenes Genie

 

Bis zum heutigen Tag liegt ein Schleier des Ungewissen über Richard Gerstl – und das wäre auch vermutlich so geblieben, hätte Rudolf Leopold nicht die weltweit bedeutendste Gerstl-Sammlung zusammengetragen und das verborgene Werk dieses so großartigen Malers für nachfolgende Künstler und Kunstliebhaber zugänglich gemacht.

 

Der Wiener Richard Gerstl (1883–1908) stand am Beginn einer vielversprechenden Karriere, die aufgrund seines frühen Todes durch Selbstmord allerdings jäh abbrach. Die Frage, wie sich sein faszinierendes Œu­v­re weiter entwickelt hätte, ist daher ein „Was wäre wenn“-Spiel.

 

Eine zentrale Rolle in seinem viel zu kurzem Leben spielte sein enger Kontakt mit dem Musikerkreis um den Komponisten Arnold Schönberg. Die Freundschaft mit Schönberg fand im Sommer 1908 ihr Ende, als er Gerstls Liebesbeziehung mit seiner Frau Mathilde entdeckt und die beiden in flagranti erwischt. In der Folge verlor Gerstl alle Kontakte zum Schönberg-Kreis und stürzte, vereinsamt und isoliert, in eine Depression, die in der Nacht vom 4. zum 5. November 1908 mit Suizid in seinem Atelier endete.

Aufgrund von Gerstls beharrlichen Weigerung seine Werke in Ausstellungen zu zeigen, die auch nach seinem Tod für lange Zeit in einem Depot lagerten und erst 1931 durch Otto Kallir-Nirenstein präsentiert wurden, nimmt seine Kunst international betrachtet eine nach wie vor relativ unbekannte Außenseiterposition ein. Wenngleich die Personalen des eigenbrötlerischen, als launisch geltenden Einzelgängers 2017/18 in der Schirn Kunsthalle Frankfurt und in der Neuen Galerie in New York Aufsehen erregten.

 

Bis zum 20. Jänner 2020 widmet das Leopold Museum Richard Gerstl die umfassende Präsentation „Richard Gerstl. Inspiration – Vermächtnis“.

In den rund 70 Werken drückt sich eine zunehmende Absage des rastlosen Suchenden gegen jegliche akademische Maltradition aus. Gerstls radikale Arbeitsweise zeigt eine hohe Bereitschaft zu gestalterischen Experimenten, die ausgehend vom Pointillismus über eine ausdrucksstarke gestische Malweise bis hin zur Formauflösung führen. Mögliche Anregungen für seine Malweise lieferten u.a. die Werke von Edvard Munch, Vincent van Gogh, Pierre Bonnard oder Lovis Corinth. Der Bogen jener Schaffenden, die Gerstl bewundern – Gerstl ist ein KünstlerKünstler - reicht von Martha Jungwirth über Herbert Brandl bis Georg Baselitz, deren Bilder in der Schau zur Gegenüberstellung und Vertiefung ebenfalls gezeigt werden. Auf diese Weise tritt Gerstls Werk in einen Dialog mit wahlverwandten Bildwelten anderer Künstler.

 

Richard Gerstl ist wie ein Widerspruch, ein verschollenes Genie, ein Inspirator!

 

Zur Ausstellung, die in Kooperation mit dem Kunsthaus Zug entstand, gibt es einen Katalog, u.a. mit Beiträgen der Kuratoren Hans-Peter Wipplinger und Diethard Leopold. Am 17. Oktober und 19. Dezember um 18.30 Uhr gibt es Kuratorenführungen, öffentliche Führungen zur Ausstellung jeweils am Samstag, 15.00 Uhr.

 

Weitere Informationen unter www.leopoldmuseum.org

(JT Sep. 2019)

Fotos:

Selbstbildnis als Akt, 1908 Nude Self-Portrait Öl auf Leinwand | Oil on canvas 139,3 × 100 cm Leopold Museum, Wien | Vienna Foto | Photo: Leopold Museum, Wien | Vienna/Manfred Thumberger

Privatsammlung | Private Collection Foto | Photo: Privatsammlung | Private Collection

Mathilde Schönberg im Garten, 1908 Mathilde Schönberg in the Garden Öl auf Leinwand | Oil on canvas 171 × 61 cm Leopold Museum, Wien | Vienna Foto | Photo: Leopold Museum, Wien | Vienna/Manfred Thumberger

Selbstbildnis als Halbakt, 1902/04 Semi-Nude Self-Portrait Öl auf Leinwand | Oil on canvas 159 × 109 cm Leopold Museum, Wien | Vienna Foto | Photo: Leopold Museum, Wien | Vienna/Manfred Thumberger 

Die Erfahrung von Zeit

 

Die Kunsthalle Wien im MuseumsQuartier zeigt bis 26. Jänner 2020 die Schau „Time Is Thirsty“.Time Is Thirsty, kuratiert von Luca Lo Pinto (Kuratorenführung am 5. Dezember 2019 um 18.00 Uhr), präsentiert eine raumgreifende Installation aus Kunst, Sprache, Duft und Sound, Artefakten und Alltagsobjekten, in der die Zeitachsen sich verschieben und gegenwärtige Vergangenheit wie spekulative Zukunft fließend ineinander überzugehen scheinen

 

Die 1990er markieren jenen Punkt in der Geschichte, in der sich der Zeithorizont krümmt und Zukunft und Vergangenheit zum Loop werden. Von da an wird es nichts mehr geben, was es in leicht anderer Form nicht schon einmal gegeben hat – wie z.B. Sportswear als High Fashion, Unisex Mode, politischer Aktivismus im Zug der globalen AIDS Krise, die Neuordnung der Welt nach dem Ende des Kalten Krieges, Mobiltelefone oder Beginn der Verbreitung des Internets.

 

Time Is Thirsty ist eine Reise durch Zeit und Raum im Medium der Ausstellung: Ein komplexes Ensemble aus heutigen Kunstwerken und solchen aus dem Gründungsjahr der Kunsthalle Wien: 1992. Im Zentrum steht die Erfahrung von Zeit, ihrer Dynamik und ihres Stillstehens, geformt durch die Manipulation von Gegenwart und Vergangenheit, Erinnerung und Wahrnehmung.

Eine von der norwegischen Künstlerin und Geruchsforscherin Sissel Tolaas komponierte Nachbildung des spezifischen Aromas von Wien 1992 wird im Ausstellungsraum versprüht. Der britische Musiker Peter Rehberg und das italienische Elektronische-Musik-Duo Vipra stellen eine Playlist zusammen, die die Ausstellung akustisch untermalt. Der Designer Fabio Quaranta wählt für die Nineties charakteristische Kleidungsstücke aus und kleidet das Besucherservice der Kunsthalle Wien ein. Im Rahmen von Time Is Thirsty wird auch die wegweisende Ausstellung Tattoo Collection teilweise reaktiviert.

Die Ausstellung zeigt auch das historische Werk Untitled (It’s Just a Matter of Time) von Felix Gonzalez–Torres. Die Plakatwand wurde ursprünglich 1992 in Hamburg ausgestellt. Der Text auf schwarzem Hintergrund ist auf Deutsch in einer weißen, gotischen Schrift, die unweigerlich mit der deutschen Geschichte verbunden ist. Die Arbeit wird während der Schau auf vierzehn kommerziellen Werbetafeln in ganz Wien installiert.

 

Künstler der Ausstellung: Xavier Aballí, Lutz Bacher, Nick Bastis, Cara Benedetto, AnnaSophie Berger, Maurizio Cattelan, Claude Closky, Die Damen, Jason Dodge, Robert Flack, Felix Gonzalez-Torres, Adam Gordon, i ready made appartengono a tutti ®, Ann Veronica Janssens, Pierre Joseph, On Kawara, La Blonde, Dorothea Lasky, Eva Marisaldi, Franco Mazzucchelli, Matthew McCaslin, Elisabeth Mercier, Eileen Myles, Fabio Quaranta, Peter Rehberg, Willem de Rooij, Georgia Sagri, Julia Scher, Heji Shin, Mladen Stilinović, Sissel Tolaas, Gavin Turk, Vipra, Chris Wilder.

 

Weitere Infos unter www.kunsthallewien.at

(JT Sep. 2019)

Fotos:

Kunsthalle Wien 2019

Maurizio Cattelan, Project 1, 1992, © der Künstler und Air de Paris 

Arnulf Rainer – ein Kompromissloser wird 90

 

Am 8. Dezember feiert der Künstler Arnulf Rainer seinen 90. Geburtstag – diesen Anlass greift die ALBERTINA auf um ihn mit einer Hommage aus den reichen Beständen der eigenen Sammlung zu ehren.

In der Schau „Arnulf Rainer. Eine Hommage“ wird bis 19. Jänner 2020 eine Auswahl an Schlüsselwerken und richtungsweisenden Werkgruppen präsentiert. Rainer zählt international zu den einflussreichsten Künstlern der Gegenwart. Ein Einzelgänger, der sich keiner Bewegung wie Pop-Art, Minimal Art oder Konzeptkunst zuordnen lässt.

 

In seinen Bildern eröffnen sich Dialoge über ein Ausloten von Fläche und Raum, zwischen Farbe und reduziertem Schwarz-Weiß, zwischen Fülle und Leere, Ruhe und Bewegung, Stille und Aufregung, zwischen Abstraktion und Figuration. Einen Schwerpunkt bilden die Übermalungen beziehungsweise Zumalungen, die der Künstler ab Mitte der 1950er-Jahre gestaltet und mit denen er international identifiziert wird. Die Kreuzform, die das Vertikale und das Horizontale vereint, wird die für ihn typische und kennzeichnende Malfläche. Diese Form transportiert zahlreiche inhaltliche Bedeutungen wie Tod, Mysterium und Transitorik. Einen weiteren Schwerpunkt der Präsentation bilden Arbeiten ab den Jahren 1968/69, in denen Rainer seine Gesichtsmimik ins Zentrum stellt. Es entstehen die Face Farces und Body Poses, sein Beitrag zur Aktionskunst.

 

Die gut 40 Werke umfassende Präsentation in der ALBERTINA unterstreicht einmal mehr die Bedeutung Arnulf Rainers für die Kunstgeschichte nach 1945 weit über die Landesgrenzen Österreichs hinaus.

 

Weitere Infos unter www.albertina.at

Am Mittwoch, 11. Dezember 2019 um 17.30 Uhr gibt es eine Führung mit der Kuratorin, Dr. Antonia Hoerschelmann.

(JT Sep. 2019)

Fotos:

Schlaf, 1973-74. Albertina, Wien. © Arnulf Rainer

Ohne Titel, 1989-1991. Albertina, Wien. Sammlung Batliner. © Arnulf Rainer

Face Farces: Farbstreifen, 1972. Albertina, Wien. © Arnulf Rainer

Die Sprachzeichen des Josef Bauer

 

Das Belvedere 21 zeigt bis 12. Jänner 2020 mit der Schau „JOSEF BAUER Demonstration“ eine Personale des visionären oberösterreichischen Konzeptkünstlers. Kurator ist Harald Krejci.

 

Bauer entwickelt in seiner Kunst eine einzigartige skulpturale Sprache, die Körper, Objekte und Schrift zueinander in Beziehung setzt.

Seine Arbeiten kreisen um die Frage, was mit Kunst wie artikuliert werden kann. Den Bezug zu Wittgensteins Sprachkritik teilt Bauer mit der Neoavantgarde der 1950er- und 1960er-Jahre, der Wiener Gruppe und Vertretern der Konkreten Poesie in Deutschland. Anders als die angloamerikanische Concept Art entwickelt Bauer nicht nur Ideen, sondern auch sinnlich erfahrbare Werke. Der 1934 in Wels geborene Künstler bezeichnet einige Arbeiten als „taktile Poesie“. Seine Geschichten erzählen auf poetische Weise vom Wunsch nach Zusammenführung, nach poetischer Dichte und nach Versöhnung von Schrift und Objekt. Er kombiniert Sprachzeichen mit Objekten und setzt die einzelnen Elemente im Raum in Beziehung.

 

Die Doppelbedeutung des Ausstellungstitels Demonstration verweist zum einen auf die Geste des Präsentierens, zum anderen auf den Ausdruck politischen Protests – zwei Themen, die in Bauers Werk wesentliche Rollen spielen.

 

Weitere Infos unter www.belvedere.at

(JT Sep. 2019)

Fotos:

Josef Bauer, "Körpergalerie", 1974, Foto: Josef Bauer. Courtesy Josef Bauer; Krobath, Wien; Galerie Karin Guenther, Hamburg

Josef Bauer, "Serie mit Haupt- und Nebenbildern", 1980–2001 © Belvedere, Wien, Foto: Johannes Stoll. Courtesy Josef Bauer; Krobath, Wien; Galerie Karin Guenther, Hamburg

Josef Bauer, "Auswischungen", 2010–2018 © Belvedere, Wien, Foto: Johannes Stoll. Courtesy Josef Bauer; Krobath, Wien; Galerie Karin Guenther, Hamburg 

Albrecht Dürer – Genie der Renaissance

 

Die ALBERTINA in Wien bringt mit dem Werk Albrecht Dürers (1471–1528) eine spektakuläre Schau ins herbstliche Ausstellungsgeschehen.

Die Ausstellung rund um Ikonen der Zeichnung, darunter der Feldhase, die Betenden Hände und das Große Rasenstück, .präsentiert bis 6. Jänner 2020 über 200 Exponate.

 

Mit nahezu 140 Arbeiten besitzt die ALBERTINA den weltweit bedeutendsten Bestand an Zeichnungen Albrecht Dürers. Die Sammlungsgeschichte seines Œuvres in der ALBERTINA ist von besonderer Bedeutung: Seine Provenienz lässt sich lückenlos bis ins Jahr 1528 zurückverfolgen, und bildet damit ein seit fast 500 Jahren geschlossen erhaltenes Konvolut aus Dürers Werkstatt. Die Sammlung bietet daher wie keine andere den idealen Ausgangspunkt, um sich auch seiner persönlichen, vom Gedankengut des frühen Humanismus geprägten Kunstauffassung zu nähern.

 

Für die Jahrhundertausstellung konnten bedeutende internationale Leihgaben gewonnen werden: Die Anbetung der Könige aus den Uffizien, das erschütternde und schonungslose Selbstbildnis des nackten Albrecht Dürer aus Weimar, Die Marter der Zehntausend aus dem Kunsthistorischen Museum Wien, Jesus unter den Schriftgelehrten aus dem Museum Thyssen-Bornemisza und aus dem benachbarten Prado Dürers wohl schönstes Männerporträt. Sein malerisches Spätwerk der letzten niederländischen Reise, den Heiligen Hieronymus, präsentiert die ALBERTINA mit allen dazugehörigen Studien.

 

Der Dürer-Spezialist und Kurator der Ausstellung, Christof Metzger, hat in den vergangenen Jahren den Bestand der ALBERTINA einer Neubewertung unterzogen. Am überraschendsten sind seine Überlegungen zu den großen Naturstudien. Nicht Vor-Studien sind sie, sondern autonome Bilder, Virtuosenstücke, die das Können des Meisters demonstrieren.

Am Mittwoch, 25. September um 17.30 Uhr gilt es, mit Christof Metzger die Highlights der Ausstellung in einer einstündigen Tour zu entdecken. Führungsbeitrag pro Person € 4 (exkl. Eintrittsticket). Keine Anmeldung möglich - first come, first served.

 

Freitag, Samstag, Sonntag sowie an Feiertagen kann man sich bei einem köstlichen Frühstück verwöhnen lassen, bevor man im Rahmen einer Führung die Ausstellung genießt. Vom 20. September 2019 bis 6. Jänner 2020, Anmeldung erforderlich, € 37 für Frühstück, Eintritt & Führung bzw.

€ 25 Vorteilspreis für Freunde der Albertina.

Weitere Infos unter www.albertina.at

 

Auch wenn der Feldhase Dürers der berühmteste Hase der Welt ist, Albrecht Dürer ist viel viel „mehr“!

 

(JT Sep. 2019)

Fotos:

Albrecht Dürer, Feldhase, 1502, Aquarell und Deckfarben, Pinsel, mit Deckweiß erhöht, © Albertina, Wien
Albrecht Dürer, Anbetung der Könige, 1504, Öl auf Holz, Florenz, Gallerie degli Uffizi © Gabinetto Fotografico delle Gallerie degli Uffizi
Albrecht Dürer, Maria mit den vielen Tieren, um 1506, Feder in Schwarzbraun, Aquarell, © Albertina, Wien 

Paalen – ein Surrealist im Belvedere

 

Das Untere Belvedere zeigt mit der Ausstellung „WOLFGANG PAALEN (1905–59) Der österreichische Surrealist in Paris und Mexiko“ bis 19. Jänner 2020 Werke des lange Zeit wenig beachteten Künstlers und Denkers Wolfgang Paalen. Er war der einzige Österreicher im Kreis der Pariser Surrealisten und einer der wichtigen Impulsgeber der Kunst um die Mitte des 20. Jahrhunderts. Er beeinflusste die amerikanische Avantgarde der 1940er-Jahre maßgeblich.

 

Paalens originärer Beitrag zum Surrealismus waren neben suggestiven Assemblagen vor allem die sogenannten „Fumage-Bilder“. Mittels Kerzenrauch malte er auf leerer Leinwand, Holz oder Papier halluzinatorische Motive, die er teils mit Ölfarbe assoziativ fortsetzte und vollendete, teils für sich stehen ließ. Mit dieser ab 1936 entwickelten Technik erlangte der Wiener Künstler rasch internationale Berühmtheit.

Gemeinsam mit Marcel Duchamp, Man Ray und Salvador Dalí gestaltete Paalen 1938 die bahnbrechende Surrealismusausstellung in der Pariser Galerie Beaux-Arts.

Auf Einladung Frida Kahlos ging er 1939 nach Mexiko ins Exil.

 

Die Ausstellung, kuratiert von Andreas Neufert und Franz Smola, wurde ergänzt durch zahlreiche biografische Fotos, Briefe sowie eine umfassende Dokumentation der Zeitschrift DYN, die er herausgab.

 

Weitere Infos unter www.belvedere.at

(JT Sep. 2019)

Fotos:

Wolfgang Paalen, El Velorio, 1946. © Belvedere, Wien

Wolfgang Paalen, „Paysage totémique“, 1938, Privatsammlung Paris. © Succession Paalen, The Wolfgang Paalen Society e.V

Taches solaires, 1938 Kerzenrauch und Öl auf Leinwand 129,5 × 99 cm Sammlung Gary und Kathie Heidenreich, Courtesy Gallery Wendi Norris, San Francisco. Foto: akg-images © Succession Wolfgang Paalen et Eva Sulzer

Die Kunst der Maria Lassnig

 

Zum hundertsten Geburtstag würdigt die ALBERTINA Wien Maria Lassnig (1919–2014) mit einer umfassenden Retrospektive.

Die Ausstellung „Ways of Being“ bis 1. Dezember 2019 zeigt die Haupt- und Schlüsselwerke einer der bedeutendsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts.

 

Lassnig widmete sich zeitlebens dem Selbstportrait, der ScienceFiction, den Beziehungen zu Menschen, Tieren und Technik, dem Verhältnis zu Gewalt und Krieg. Als roter Faden dominiert in ihrem Schaffen das Sichtbarmachen ihres Körperbewusstseins.

Bereits ab Ende der 1940er Jahre machte Lassnig den eigenen Körper zum Mittelpunkt ihrer Kunst, lange bevor Körpergefühl, Körpersprache und das Verhältnis von Mann und Frau zentrale Themen der internationalen Avantgarde wurden.

Sie markierte damit einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte der modernen Kunst, dessen Nachhall bis heute spürbar ist. Humorvoll und ernst, sehnsuchtsvoll und gnadenlos bannt die Künstlerin ihre Selbstempfindung auf den Malgrund.

Nicht was sie sieht, sondern wie sie sich spürt, wird zum Bild.

 

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Stedelijk Museum Amsterdam.

(JT Aug. 2019)

Fotos:

Maria Lassnig
Mit einem Tiger schlafen, 1975, Öl auf Leinwand, Albertina, Wien – Dauerleihgabe der Oesterreichischen Nationalbank © Maria Lassnig Stiftung
Selbstporträt mit Stab, 1971, Öl auf Leinwand, Maria Lassnig Stiftung © Maria Lassnig Stiftung
Woman Power, 1979, Öl auf Leinwand, Albertina, Wien | Sammlung Essl © Maria Lassnig Stiftung, © Graphisches Atelier Neumann, Wien

Die Highlights des Kunsthistorischen Museums 2019

 

Zu den ProgrammHöhepunkten im Wiener Kunsthistorischen Museum im Jahr 2019 zählt die groß angelegt Schau über Mark Rothko, dessen Werk in Österreich noch nie gezeigt wurde.  Die Ausstellung vom 12. März bis 30. Juni wird mehr als vierzig wichtige Arbeiten aus Rothkos gesamtem Schaffen umfassen und Vorstellungen des Sakralen, Geistigen, Tragischen und Zeitlosen nachgehen. Rothkos Tochter Kate und sein Sohn Christopher, die von Anfang an in das Projekt eingebunden waren, werden für die Schau zahlreiche bedeutende Werke aus der Sammlung der Familie als Leihgaben zur Verfügung stellen.

 

Im Herbst – vom 15. Oktober 2019 bis 19. Jänner 2020 - widmet das Museum dann dem Maler Caravaggio und dem Bildhauer Bernini die erste große Ausstellung in Österreich. Ihre Meisterwerke werden von ausgewählten Arbeiten ihrer Zeitgenossen, darunter Nicholas Poussin, Orazio Gentileschi, Alessandro Algardi oder Simon Vouet, „kommentiert“. Mit rund 60 Hauptwerken – Malerei wie Skulpturen – wird die revolutionär-neuartige Kunst des beginnenden 17. Jahrhunderts vorgestellt: faszinierende Werke voller Dramatik, intensiver Leidenschaft, starker Bewegung und farbintensiver Theatralik.

 

Weitere Infos unter www.khm.at

(JT Jänner 2019)

Foto © KHM-Museumsverband

MuseumsJuwel

 

Bereits seit 125 Jahren gibt es das Österreichische Pharma- und Drogistenmuseum. Seit 15 Jahren ist es am Standort Währinger Straße 14 in 1090 Wien beheimatet (www.drogistenmuseum.at) – ein durchaus zu feierndes Doppeljubiläum! 

In den liebevoll renovierten Räumlichkeiten im 9. Bezirk hat das Museum einen würdigen Rahmen gefunden um die Raritäten und Kuriositäten der über 10.000 Exponate und Kuriositäten wirkungsvoll zu präsentieren.

 

Die Entwicklung des Berufes „Drogist“ hat eine lebhafte Vergangenheit: Aus Quacksalbern und fahrenden Heilkünstlern, die ihre Waren gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf Jahrmärkten verkauften, entwickelte sich mit der Zeit ein geregelter Drogenhandel. Der Begriff „Droge“ war damals noch positiv besetzt. Aus den Drogenkleinhandlungen entstanden im Laufe der Zeit die Drogerien. Die Drogerie hatte die Aufgabe, Drogen (= getrocknete Kräuter, pflanzliche Arzneimittel) und Chemikalien zu vertreiben. Industriell gefertigte Markenartikel gab es praktisch noch nicht. Auch Fotografie, Farben und Lacke sowie Pflanzenschutz hatten in der Drogerie ihre Kinderstube. Drogisten sind übrigens die einzige Berufsgruppe Österreichs, die über die gesetzliche Erlaubnis verfügt, Gifte abzugeben. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts etablierte sich die Drogerie als Fachgeschäft für Gesundheit, Schönheit und Wellness, wie wir sie heute kennen. Das Personal der Fachdrogerie steht für qualifizierte Kundenberatung, die den Konsumenten hilft, sich in der Vielzahl der am Markt angebotenen Produkte zurechtzufinden.

 

Im Drogistenmuseum finden monatlich auch Vorträge von Fachleuten statt. Der Schwerpunkt liegt bei gesundheitsbezogenen Themen aus Sicht der Schul- und Alternativmedizin, Ernährung, Aromatherapie, Kräuter und Gewürze, alte Hausmittel, um nur einige zu nennen. Dazu kommen spannende Reise-Erlebnisberichte und faszinierende Vorträge des Historikers Mag. Georg Hamann. Der Museums-Vortragsraum kann auch für kleine externe Veranstaltungen gemietet werden.

Die Finanzierung des Museums erfolgt überwiegend durch Sponsoren, Einnahmen von Führungen und Vorträgen sowie Eigenleistungen der gegenwärtig 10 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sind besonders zu erwähnen, denn ohne ihren Einsatz wäre ein Aufrechterhalten des Museumsbetriebes nicht möglich.

 

Der Leitgedanke im Drogistenmuseum: Alle Besucher sind herzlich willkommen! Sie sollen das Museum mit mehr Freude, Begeisterung, Wissen und dem Wunsch, wiederzukommen und das Museum weiterzuempfehlen, verlassen.(JT 2017)

Illustration: Gil Elvgren, Fotos © Drogistenmuseum, Niki Lappas

Das Werk der Künstlerin Maria Biljan-Bilger – fast vergessen, doppelt präsent

 

Als Bildhauerin, Keramikerin und Textilkünstlerin schuf Maria Biljan-Bilger (1912-1997) ein unverwechselbares Werk zwischen Archaik und Moderne. Ihr Wirken ist in der zeitgenössischen Öffentlichkeit in Vergessenheit geraten und es ist ihrem Mann, dem Architekten Friedrich Kurrent, und dem Verein der Freunde der Maria Biljan-Bilger-Ausstellungshalle in Sommerein zu verdanken, dass man die absolut großartigen, beeindruckenden Kunstwerke von Biljan-Bilger heute noch besichtigen kann – und unbedingt sollte!

 

Die Ausstellungshalle, von Kurrent an einem ehemaligen Steinbruch errichtet, in der Hauptstraße 61 in 2453 Sommerein am Leithagebirge in Niederösterreich, wo es die Künstlerin 1962 hinzog, ist vom 1. Mai bis Ende Oktober jeden Samstag, Sonntag und Feiertag von 10.00 bis 12.00 und von 14.00 bis 18.00 Uhr (Eintritt € 3, Kinder frei) für Besucher offen.

 

Biljan-Bilger war Mitbegründerin des Art-Clubs und hatte 1952 ihre erste Personalausstellung im legendären „Strohkoffer“, dem Wiener Ausstellungslokal des Art-Clubs, der Wiener Avantgarde. 1965 war sie Gründungsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Architektur. Von 1978 bis 1982 war sie Professorin für Keramik an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Im Jahr 2006 wurde in Wien-Donaustadt die Biljan-Bilger-Gasse nach ihr benannt.

Die Künstlerin erhielt 1972 den Österreichischen Kunstpreis für Bildende Kunst, 1982 das Silberne Ehrenzeichen der Stadt Wien und den Burgenländischen Kulturpreis und 1992 den Kulturpreis für bildende Kunst des Landes Niederösterreich. Ihre Ausstellungen führten sie nach Rom, Turin, Venedig, Sao Paulo, Mailand, Istrien oder München, wo sie am 1. Mai 1997 stirbt. Ihre Grabstätte ist am Ortsfriedhof in Sommerein.

 

Der Just Tampier-Geheimtipp: verbinden Sie einen Besuch der Ausstellungshalle in Sommerein, das von Wien über Schwechat, Schwadorf und Trautmannsdorf ganz schnell zu erreichen ist (weitere Informationen unter www.maria-biljan-bilger.at) mit einem Mittagessen im ortsansässigen Landgasthaus zum Grünen Baum von Gerhard Schiller.

 

(JT 2017)

Fotos: www.maria-biljan-bilger.at, Margherita Spiluttini