Der Weg des Fotos ins Buch

 

Die Ausstellung „Foto.Buch.Kunst“ - Umbruch und Neuorientierung in der Buchgestaltung in Österreich 1840–1940 - zeigt bis 22. September 2019 ein breites Spektrum früher Fotobände.

Die Albertina Wien präsentiert hier erstmals faszinierende Kombinationen aus überzeugender Fotografie, raffinierter Buchgestaltung und handwerklicher Perfektion.

 

Während die Fotografie heute fast jede Art von Publikation dominiert, gerieten die Ursprünge dieses Zusammenwirkens in Vergessenheit: Der Weg des Fotos ins Buch gestaltete sich lang und war von zahlreichen technischen Problemen begleitet, umso erstaunlicher sind die unterschiedlichen kreativen Lösungsvorschläge der Pioniere.

 

Originalfotografien, Probedrucke oder Buchmaquetten (originale Buchentwürfe) zum großen Teil aus den Sammlungen der Albertina eröffnen einen neuen Blick auf einen bisher unbeachteten Aspekt österreichischer Kulturgeschichte, der durch vielfältige Querverbindungen zwischen wissenschaftlicher Neugier, industriellen Interessen, künstlerischen Experimenten und einer dem Projekt Aufklärung verpflichteten Bildungspolitik gekennzeichnet ist.

In der Ausstellung mit rund 300 Exponaten entwickelt sich ein außergewöhnliches Panorama innovativer Leistungen entlang von Prachtbänden und Werbebroschüren, Reiseberichten und wissenschaftliche Atlanten, Künstlerentwürfen und Industriedokumentationen.

 

Weitere Infos unter www.albertina.at

(JT Juli 2019)

Fotos:

Umschlag von C. Angerer & Göschl Wien, Sechzig Jahre, 1932, Fotograf: Angerer & Göschl

Österreichische Staatsdruckerei, "Der Eisbär" und "Der Schimpanse", Aus: Die neue Arche. Dreißig Tierbilder nach photographischen Naturaufnahmen, Wien: Österreichische Staatsdruckerei, 1923,
Photoinstitut Bonartes
Bucheinband zu Alexander Niklitschek, Ratschläge für Amateurphotographen, Leipzig, Wien, Berlin: Steyrermühl, 1934, Albertina Wien, Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt

Entdecken Sie Edmund Kalb

 

Das intensive Werk von Edmund Kalb (1900–1952) von über eintausend Selbstbildnissen blieb der größeren Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Schonungslos und ohne Kompromisse arbeitete er als „Konzeptkünstler“ in Serien nach seinem eigenen Gesicht um alle Mittel der grafischen Darstellung auszuloten. Sein Ziel war es, den Vorgang des Denkens selbst sichtbar zu machen und schlussendlich nur noch abstrakte „Energie“ auf das Papier zu bringen um dann die bildende Kunst als reines Denken weiterzuführen.

Zeitlebens verkaufte er kein Werk, dokumentierte sein Schaffen jedoch fotografisch und korrespondierte auf Esperanto mit Künstlerkollegen weltweit.

 

Sein Widerstand gegen jede falsche Autorität führte während des Nationalsozialistischen Regimes zu einer Verurteilung wegen Befehlsverweigerung und einer mehrmonatigen Haft im Militärgefängnis. Auch in der Nachkriegszeit saß Edmund Kalb wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt und Beamtenbeleidigung mehrere Monate im Gefängnis. Die Folgen der Bestrafung mit verschärftem Kerker führten schließlich zu seinem frühen Tod im Jahr 1952.

Sein Schaffen wurde erst posthum entdeckt und gewürdigt.

 

Die Ausstellung im Leopold Museum im Wiener MQ, die bis 18. August 2019 läuft, zeigt neben rund einhundert Werken des Künstlers den Film „Erwachen aus dem Schicksal – Hommage to Edmund Kalb“ aus dem Jahr 2002 von Stephan Settele mit Interviews zahlreicher Zeitzeugen und Kunsthistoriker.

 

Weitere Informationen unter www.leopoldmuseum.org

(JT Juni 2019)

Selbstbildnis, 1929 Kohle auf Papier 49,7 × 32 cm Privatbesitz, courtesy Rudolf Sagmeister Foto: Privatbesitz, courtesy Rudolf Sagmeister

Selbstbildnis (Akt), um 1930 Kohle auf Papier 193 × 111 cm Privatbesitz, courtesy Rudolf Sagmeister Foto: Privatbesitz, courtesy Rudolf Sagmeister, Markus Tretter

Selbstbildnis, 1937 Tusche und Pinsel auf Papier 48 × 35,5 cm Privatbesitz, courtesy Rudolf Sagmeister Foto: Privatbesitz, courtesy Rudolf Sagmeister 

Der Kosmos der Kiki Smith

 

Die US-amerikanische Künstlerin Kiki Smith, eine der führenden Vertreterinnen der Gegenwartskunst, wurde 1954 in Nürnberg geboren; sie lebt in New York City und Upstate New York. Ihre Werke verhandeln Fragen zu Alter und Tod, Verwundung und Heilung, Geburt, Sexualität, Geschlecht, Gender und Erinnerung. In einer Fülle verschiedenster Materialien – wie Bronze, Gips, Glas, Porzellan, Papier, Pigment, Aluminium, Silber, Bienenwachs oder Stoff - und Techniken schafft Kiki Smith vor allem Skulpturen, aber auch Zeichnungen, Radierungen und Lithografien, sowie Künstlerbücher, Fotografien und Videos.

 

Das Untere Belvedere zeigt die Ausstellung KIKI SMITH. PROCESSION bis 15. September 2019. Kuratorin ist Petra Giloy-Hirtz. Die Künstlerin thematisiert in ihrem Werk die Bedingungen des Menschseins. Sie zeigt die Fragilität des Körpers und das Verhältnis des Individuums zum Tier und zur Umwelt. Procession im Unteren Belvedere fügt rund neunzig ihrer Arbeiten zu einem spirituellen, geistigen und mythischen Kosmos zusammen. Procession setzt einen Schwerpunkt auf Skulpturen, überdies werden Arbeiten auf Papier und Tapisserien gezeigt. Figuren und Erzählungen präsentieren sich wie in einem feierlichen Umzug.

 

Die Ausstellung, die zuvor am Haus der Kunst in München und im Sara Hildén Museum in Tampere zu sehen war, ist die bislang größte Überblicksschau zum Werk von Kiki Smith in Europa. Der Titel Procession leitet sich vom lateinischen „procedere“ ab – sich vorwärtsbewegen, handeln, Fortschritte machen. Die radikalen Bilderfindungen und die Vielfalt der eingesetzten Materialien machen das Œuvre von Kiki Smith einzigartig und prägend für eine jüngere Künstlergeneration.

 

Weitere Infos unter www.belvedere.at

(JT Juni 2019)

Photograph by Donald Farnsworth, courtesy Magnolia Editions © Kiki Smith, courtesy Magnolia Editions, Kiki Smith Cathedral 2013

Photograph by Richard Max Tremblay © Kiki Smith, courtesy Pace Gallery, Kiki Smith Born 2002

Photograph courtesy the artist and Magnolia Editions, Oakland © Kiki Smith, courtesy Pace Gallery, Kiki Smith Sky 2011 Jacquard-Tapisserie 287 x 190,5 cm

 

FlowerPower

 

Das Leopold Museum in Wien präsentiert bis 21. Oktober 2019 die erste umfassende Personale der Malerin Olga Wisinger-Florian. Die Ausstellung wird ergänzt mit Fotografien, Dokumenten und den akribisch geführten Tagebüchern der Künstlerin.

 

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelang es drei Frauen, sich als unabhängige Malerinnen Anerkennung und Ruhm zu erwerben. Neben Tina Blau und Marie Egner war es vor allem Olga Wisinger-Florian (1844–1926), deren künstlerisches OEuvre zur Avantgarde der Landschaftsmalerei gehörte. Vielseitig begabt, verfolgte die aus gutbürgerlichem Hause stammende Olga Florian zunächst eine Karriere als Pianistin, die sie 1874 wegen eines Handleidens abbrechen musste. Nach ihrer Heirat mit dem Wiener Apotheker Franz Wisinger wandte sie sich der Malerei zu, erhielt wie üblich Privatunterricht und gehörte schließlich ab 1880 zum engeren Kreis um Emil Jakob Schindler (1842–1892).

Neben Landschaften und Interieurs setzte sich die Malerin vor allem mit dem Motiv der Blume auseinander. Detailgenau, ungewöhnlich, wegweisend war und ist ihr wunderbarer Stil.

 

Wisinger-Florian, die sich auch engagiert für die Rechte der Frauen einsetzte, war eine der meist ausgezeichneten Künstlerinnen ihrer Zeit und zählte Adel und Kaiserhaus zu ihren Kunden. Ihre Werke befinden sich heute u.a. im Belvedere, im Leopold Museum, im Museum Niederösterreich, in der Neuen Pinakothek in München und in bedeutenden privaten Sammlungen in Österreich und Deutschland.

 

Weitere Infos unter www.leopoldmuseum.org

(JT Juni 2019)

Fotos:

Der Strand von Étretat (Normandie), 1893/94 Öl auf Karton 16 × 26 cm Privatsammlung Foto: Auktionshaus im Kinsky, Wien

Rosengarten in Grafenegg, 1904 Öl auf Karton 50 × 73 cm Sammlung Eisenberger, Wien Foto: Vera Eisenberger KG, Wien

Ulmenallee am Schwarzen Meer, 1911 Öl auf Leinwand 147,5 × 266 cm Privatsammlung, Oberösterreich Foto: Enzlmüller Fotografie, Pettenbach

Der Posthof in Karlsbad, 1895 Öl auf Holz 12,5 × 21,3 cm Leopold Museum, Wien Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger 

Von der Figuration zur Abstraktion und zurück

 

Sean Scully ist vor allem für seine ausdrucksstarken abstrakten Gemälde farbiger Streifen oder Rechtecke bekannt. Die ALBERTINA präsentiert nun erstmals eine Werkserie, die Scully von einer ganz neuen Seite zeigt. Die Serie Eleuthera  aus 2016/17 hat ein sehr privates Sujet zum Hauptthema: sie besteht aus 23 großformatigen Ölgemälden, die Oisín, den siebenjährigen Sohn Sean Scullys, beim Spielen am Strand von Eleuthera, einer Insel der Bahamas, zeigen. In der Ausstellung werden alle Ölgemälde sowie kleinere Pastelle, Zeichnungen und Fotoarbeiten zu sehen sein. Die Ausstellung ist von 7. Juni bis 8. September 2019 zu sehen.

 

Die neue figurative Serie Eleuthera stellt im Werk von Sean Scully einen bedeutenden Einschnitt dar. Zunächst mag es überraschen, dass Scully nach fünf Jahrzehnten der Abstraktion figurativ arbeitet. Tatsächlich ist es aber eine Rückkehr zur Gegenständlichkeit, denn der Künstler malte in seinen Anfängen obsessiv figurativ.

Die vielfältigen Möglichkeiten der Farbe ausschöpfend – vor allem unter dem Einfluss der Fauves und der deutschen Expressionisten −, begann er in den 1960er-Jahren, den Realismus hinter sich zu lassen, um sich fortan genauso obsessiv der Abstraktion zu widmen. Die Abstraktion beruht dabei immer in gewisser Weise auf der Erinnerung an die Figuration, wie der Künstler erläutert.

 

Die ALBERTINA und Sean Scully sind seit Jahrzehnten eng verbunden. Bereits im Jahr 1999 fand die viel beachtete Ausstellung Sean Scully − Das druckgraphische Werk statt. Heute befinden sich neben dem gesamten druckgrafischen Werk des Künstlers auch zahlreiche Zeichnungen, Aquarelle, Pastelle, Ölgemälde und Fotografien in der Sammlung der ALBERTINA.

 

Weitere Infos unter www.albertina.at

(JT Juni 2019)

Foto: Sean Scully, Eleuthera Triptychon, 2018, Öl und Ölkreide auf Aluminium, © Sean Scully, 2019

SchauWald - WaldSchau

 

Im Herbst 2019 wird im Klagenfurter Wörthersee Stadion das größte bisher in Österreich realisierte Kunstprojekt im öffentlichen Raum stattfinden. „For Forest“ ist einfach spektakulär!

 

Alles begann mit Max Peintner's Zeichnung „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ aus den beginnenden 1970iger Jahren, die im Laufe der Zeit zu einer Ikone für die Zurückdrängung der Natur durch den Menschen geworden ist.

Klaus Littmann wollte das Bild vor 30 Jahren kaufen, musste aber erfahren, dass es bereits im Besitz eines Kunstsammlers in den USA ist. Daraufhin wurde die Idee geboren, jenes kraftvolle Bild – wenn schon nicht als Betrachter an der Wand, so als Schöpfer in der Wirklichkeit - in die Realität umzusetzen.

Inspiriert von dieser Zeichnung bespielt Littmann Kulturprojekte Basel vom 9. September bis 27. Oktober 2019 nach langjähriger Vorbereitung das Stadion.

Der Zufall spielte Regie und ließ Klaus Littmann mit einer kleinen Künstlergruppe aus Klagenfurt – den Lendhauern – in Kontakt treten, die von einem Stadion wussten, das ideale Voraussetzungen bot um seine Idee endlich Wirklichkeit werden zu lassen. Nach mehreren Kontakten mit der Stadion-Gesellschaft und politischen Vertretern der Stadt Klagenfurt als Eigentümerin konnte 2017 grünes Licht zur Realisierung des Projekts gegeben werden.

 

Das Fußballfeld wird – so der Wunsch Peintners – gänzlich mit einem Mischwald überdeckt.

Das Projekt ist eine Kunstinstallation, eine riesige temporäre Skulptur, die es dem Betrachter erlaubt, sich dem Thema – im wahrsten Sinn des Wortes – anzunähern, es zu betrachten und sich damit auseinanderzusetzen. Von den Rängen aus können die Zuschauer das Baumspektakel Tag und Nacht (von 10.00 bis 22.00 Uhr) – bei Natur- oder Flutlicht – bei freiem Eintritt im Stadion bestaunen.          

Der Wald im Stadion ist allerdings kein Streichelzoo und kann nicht begangen werden. Das Projekt versteht sich auch als Mahnmal, dass die Selbstverständlichkeit der Natur eines Tages nur noch in ihr speziell zugewiesenen Gefäßen zu bestaunen sein könnte. Vielleicht werden die Menschen dann Wald nur noch wie ein vom Aussterben bedrohtes Tier im Zoo anschauen können.

Weitere Infos unter www.forforest.net

(JT Mai 2019)

Image credit Max Peintner, The Unending Attraction of Nature, pencil drawing, 1970/71, hand-coloured by Klaus Littmann in 2018, unique print from series

Portrait of Klaus Littmann 2019, Photo credit Emmanuel Fradin, Courtesy For Forest

For Forest Modell

Die Kunst – ein Mysterium

 

Für Hermann Nitsch stellt die Malerei eine der Disziplinen seines Orgien Mysterien Theaters dar. Sie ist zutiefst in Aktionismus, Performance, in der Multimedialität verankert. Die Malerei ist der Ursprung seiner Aktionen und zugleich deren Ergebnis.

Mit der Ausstellung „NITSCH. Räume aus Farbe“ bis 11. August 2019 sollen nun des Künstlers Bilder in der ALBERTINA Wien (www.albertina.at) erstmals nicht als Teil eines größeren Ganzen, sondern als Malerei für sich betrachtet werden.

 

Nitschs Malerei sprengt die Dimensionen des Tafelbilds, erobert flächendeckend die Wand und greift als umfassende Installation in den Raum ein. Die Schau zeigt einen Künstler, der seine Malerei seit den 1960er Jahren kontinuierlich weitergedacht und für jede Malaktion, jede Gruppe an Werken eine eigene spezifische Herangehensweise entwickelt hat, deren Resultate nun als Farbräume und Schüttinstallationen begehbar und erfahrbar sind.

 

Am Mittwoch, 12. Juni um 17.30 Uhr führt die Kuratorin Elsy Lahner durch die Ausstellung. Sie präsentiert die Entwicklung von Nitschs Œuvre: Dominiert in einem Raum das Rot, Schwarz oder Gelb der monochromen Arbeiten, so kommt es im nächsten zu regelrechten Farbexplosionen.
Führungsbeitrag € 4 exkl. Eintritt. Keine Anmeldung möglich | first come, first served

(JT Mai 2019)

Fotos: Albertina

Hermann Nitsch, Schüttbild, 2012, Acryl auf Jute, © Bildrecht, Wien, 2019

Hermann Nitsch, Bodenschüttbild, 2009, Acryl auf Jute © Bildrecht, Wien, 2019

Hermann Nitsch, Schüttbild, 2018, Acryl auf Jute, © Bildrecht, Wien, 2019 

Gotische Meisterwerke

 

Der Stephansdom im Herzen Wiens birgt bedeutende mittelalterliche Werke der Steinmetzkunst. Sechs der eindrucksvollsten Skulpturen, die berühmten Fürstenfiguren der Westfassade und des Hohen Turms, werden ab 14. Mai 2019 im Prunkstall des Unteren Belvedere gezeigt.

 

Die gotischen Meisterwerke der Ausstellung „Wiener Fürstenfiguren“ - Kuratorin ist Veronika Pirker-Aurenhammer - stammen aus der Zeit des Erweiterungsbaus unter Herzog Rudolf IV. um 1359 bis 1365.

Im Zuge der Restaurierung in den Jahren 1858 und 1870/71 wurden sie durch Kopien ersetzt und dem Städtischen Museum übertragen.

Heute zählen sie zu den zentralen Werken des Wien Museums. Während dessen Umbau werden sie als Leihgaben im Belvedere präsentiert.

 

Künstlerisch bemerkenswert sind unter anderem die sinnliche Präsenz und der lebensnahe Ausdruck der hochgewachsenen, modisch gekleideten Gestalten, die in eleganter Bewegung auf symbolträchtigen Löwen stehen.

Wie kein österreichischer Landesfürst vor ihm wusste der ehrgeizige junge Herzog Rudolf IV. Bildkünste zur Selbstdarstellung zu nutzen. Mit seiner Gattin Katharina von Böhmen bildet er den thematischen Mittelpunkt des Figurenensembles. Ihnen zugeordnet finden sich die Elternpaare Herzog Albrecht II. und Johanna von Pfirt sowie Kaiser Karl IV. und Blanche de Valois.

Diese Reihung mit seinen habsburgischen Ahnen und dem in Prag residierenden kaiserlichen Schwiegervater verdeutlicht den hohen politischen Anspruch Rudolfs. Die von ihm „erfundene“ Zackenkrone kennzeichnet ihn im Rang eines Erzherzogs, den er sich durch die Urkundenfälschung des Privilegium Maius selbst zuschrieb.

Als Rudolf IV. nach siebenjähriger Regierung mit 26 Jahren starb, steckte der Ausbau des Langhauses und des Südturms der Stephanskirche noch in den Anfängen. Offen bleibt daher, ob die Figuren tatsächlich für die Standorte geschaffen wurden, an denen sie über Jahrhunderte standen.

 

Weitere Infos unter www.belvedere.at

(JT Mai 2019)

Fotos: Johannes Stoll © Belvedere, Wien 

Change is our only Chance

 

Die VIENNA BIENNALE FOR CHANGE 2019: SCHÖNE NEUE WERTE. Unsere Digitale Welt gestalten (29. Mai – 6. Oktober 2019, Eröffnung: 28. Mai 2019, 18:00 Uhr) lenkt den Blick auf die Werte, auf deren Basis die Utopie einer ökonomisch und sozial gerechten sowie ökologisch nachhaltigen Zukunft Realität werden könnte. Künstler, Designer und Architekt aller Kontinente beziehen Position zu einer Zukunft, die wir wirklich wollen.

Neun Ausstellungen, eine übergreifende Konferenz und zahlreiche weitere Projekte und Veranstaltungen fordern mutige Visionen zum Umgang mit künstlicher Intelligenz und neuen Technologien, zur Gestaltung innovativer (städtischer) Arbeitsmodelle, zu neuen Formen des (Zusammen-)Lebens und zu verantwortungsvollem Konsum.

 

Die internationale Mehrspartenbiennale findet heuer bereits zum dritten Mal statt und wird vom MAK, der Universität für angewandte Kunst Wien, der Kunsthalle Wien, dem Architekturzentrum Wien und der Wirtschaftsagentur Wien sowie dem Slovak Design Center als Associate Partner und dem AIT Austrian Institute of Technology als außeruniversitärem Forschungspartner veranstaltet.

 

UNCANNY VALUES. Künstliche Intelligenz & Du (Eine Ausstellung des MAK) erforscht als eines der Herzstücke der VIENNA BIENNALE eines der wichtigsten Themen der kommenden Jahrzehnte, das auf alle Bereiche unseres Lebens folgenreiche Auswirkungen hat: künstliche Intelligenz (KI).

Um die materiellen Welten, die wir durch Technologie schaffen, und die Rolle der Technologie in der Ausbildung lokaler und globaler Konfigurationen von Macht, Identitätsformen und Lebensweisen geht es in HYSTERICAL MINING (Eine Ausstellung der Kunsthalle Wien).

Im Rahmen von Change Was Our Only Chance (Ein Projekt der Universität für angewandte Kunst Wien) gestaltet das KünstlerInnenkollektiv Time's Up in der titelgebenden Installation unter Beteiligung der Angewandten eine Welt im Jahr 2047.

In der Neuaufstellung des MAK DESIGN LABOR (Ein Projekt des MAK in Kooperation mit dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung) schlagen sich die Themen und Ansätze einer Biennale erstmals auf die Konzeption eines permanenten Museumsangebots nieder. Das neu gedachte MAK DESIGN LABOR präsentiert unter vielschichtigen Aspekten ausgewählte Positionen und Projekte, die belegen, dass Design verstärkt als Motor des Wandels agiert.

Mit dem Ausstellungsprojekt KLIMAWANDEL! Vom Massenkonsum zur nachhaltigen Qualitätsgesellschaft (Eine Kooperation des MAK und des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus) umkreist das bekannte Wiener Designstudio EOOS (Martin Bergmann, Gernot Bohmann und Harald Gruendl) den Beitrag, den Transformationsdesign für den notwendigen Turnaround des Klimawandels leisten kann.

Immer mehr Menschen drängen auf der Suche nach Jobs und Zukunftsperspektiven in die Zentren: Städte stehen damit vor der Herausforderung, BewohnerInnen Wohnraum, Arbeit und Erholung zu bieten. FUTURE FACTORY. Urbane Produktion neu denken (Ein Projekt der Wirtschaftsagentur Wien in Zusammenarbeit mit dem MAK und in Kooperation mit der Ottakringer Brauerei) geht der Frage nach: Was macht die Future Factory in einer Future City aus?

Wenn sich Werte in einem Wandel befinden, hat dies Einfluss auf unsere Vorstellungen von Lebensqualität und auf die Anforderungen an Architektur. SPACE AND EXPERIENCE. Architektur für ein besseres Leben (Eine Ausstellung des MAK in Kooperation mit Wienerberger) veranschaulicht durch eine markante Auswahl von realisierten Projekten, welchen Mehrwert Architektur schon heute für ein besseres Leben zu schaffen vermag.

Als Associate Partner der VIENNA BIENNALE zeigt das Slovak Design Center in Bratislava die Ausstellung Human by Design (Eine Ausstellung des Slovak Design Center). Sie präsentiert Konzepte, Methoden, Modellsituationen, Fallstudien und innovative Lösungen, die dieses dringende Bedürfnis nach Veränderung und Nachhaltigkeit zum Ausdruck bringen.

 

Laufend aktualisierte Informationen zu den weiteren Projekten sowie zum Rahmenprogramm finden sich unter www.viennabiennale.org

(JT April 2019)

Fotos:

Logo Vienna Biennale 2019 © buero bauer

UNCANNY VALUES. Künstliche Intelligenz & Du. Heather Dewey-Hagborg und Chelsea E. Manning, Probably Chelsea, 2017. © Heather Dewey-Hagborg, Courtesy of the Artist und Iliya Fridman Gallery New York

HYSTERICAL MINING Frauen präsentieren Teile der ersten vier Armeecomputer. v.l.n.r: Patsy Simmers (Mathematikerin/Programmiererin), hält ENIAC; Frau Gail Taylor, hält EDVAC; Frau Milly Beck, hält ORDVAC; Frau Norma Stec (Mathematikerin/Programmiererin), hält BRLESC-I, 1962
Aus den Archiven der Technischen Bibliothek der ARL. Historische Computerbilder
Foto © U.S. Army Photo

SPACE AND EXPERIENCE Architektur für ein besseres Leben. ecoLogicStudio (Claudia Pasquero und Marco Poletto). H.O.R.T.U.S. XL Astaxanthin.g, 2019. © NAARO

 

Aufbruch in die Moderne

 

Die neue Dauerpräsentation „Wien 1900“ im Leopold Museum im MQ Wien (www.leopoldmuseum.org) präsentiert unter der kuratorischen Ägide von Hans-Peter Wipplinger seit Mitte März 2019 den Glanz und die Fülle künstlerischer und geistiger Errungenschaften einer Epoche, die geprägt war vom Aufbruch der Secessionisten bis hin zum Untergang der Monarchie und dem Tod herausragender Künstler der Wiener Moderne wie Gustav Klimt, Egon Schiele, Koloman Moser oder Otto Wagner im Jahr 1918.

Die Neupräsentation zeigt nicht nur Meisterwerke aus der Sammlung des Leopold Museums, sondern auch nationale und internationale Dauerleihgaben jener pulsierenden Zeit.

 

Die Donaumetropole war gleichermaßen die Stadt des Hochadels und der liberalen Intellektuellen, der prachtvollen Ringstraße und endloser Armenviertel, des Antisemitismus und des Zionismus, des starren Konservatismus und der einsetzenden Moderne. Glanz und Elend, Traum und Wirklichkeit, Selbstauflösung und Neuaufbruch bezeichnen den ästhetischen Pluralismus und markieren das Wien jener Zeit als Ideenlaboratorium einer turbulenten Erneuerungsbewegung. In diesem heterogenen Milieu – Arnold Schönberg sprach von der „Emanzipation der Dissonanz“ – fand jene Verdichtung an Kulturleistungen statt, die uns heute von Wien um 1900 als einem Quellgrund der Moderne sprechen lässt. Dieser Aufbruch war in den unterschiedlichsten Disziplinen, von der Malerei und den grafischen Künsten, über Literatur, Musik, Theater, Tanz und Architektur bis hin zu Medizin, Psychologie, Philosophie, Rechtslehre und Ökonomie.

 

Nach einer Ouvertüre zur Makart-Zeit und zu den Ausformungen des Realismus und Stimmungsimpressionismus österreichischer Provenienz, stehen in der Präsentation die Secessionisten (Gustav Klimt, Koloman Moser, Carl Moll etc.) im Fokus der vierten Ausstellungsebene. In der dritten Etage wird die Überwindung der Stilkunst durch die Vertreter des österreichischen Expressionismus (Richard Gerstl, Oskar Kokoschka, Egon Schiele etc.) gezeigt. Den Schlussakkord setzen im Erdgeschoß die facettenreichen künstlerischen Ausformungen, die zwischen abstrahierend- expressionistischem Stil (Anton Kolig, Herbert Boeckl, Marie-Louise von Motesiczky etc.) und Positionen der Neuen Sachlichkeit (Rudolf Wacker, Otto Rudolf Schatz, Greta Freist etc.) oszillieren.

(JT März 2019)

Foto: Sujet Wien 1900, Leopold Museum, Wien

KopfArbeiten

 

Bis 18. August 2019 ist im Unteren Belvedere Wien in der Orangerie die Ausstellung „Talking Heads – zeitgenössische Dialoge mit F.X. Messerschmidt“ zu sehen und zeigt die faszinierende Darstellung psychischer Extremsituationen in den berühmten „Charakterköpfen“ von Franz Xaver Messerschmidt, die zu den Highlights der Belvedere Sammlung gehören. Der starke Ausdruck jedes einzelnen dieser Köpfe fasziniert seit Jahrhunderten immer wieder neu.

 

Ausgehend von diesen Meisterwerken des Barock fokussiert die Ausstellung auf den Kopf als Motiv in der Kunst bei Anna Artaker, Miriam Cahn, Douglas Gordon, Kurt Kren, Maria Lassnig, Mara Mattuschka, Lutz Mommartz, Bruce Nauman, Tony Oursler und Arnulf Rainer. Die Künstler treten direkt oder indirekt in einen Dialog mit Messerschmidt.

Die verwendeten künstlerischen Medien reichen von Malerei und Skulptur bis hin zu Film beziehungsweise Video oder Fotografie. Der Aufbau der Ausstellung stellt die „Charakterköpfe“ in den Mittelpunkt: An einer Wand werden neun von ihnen zentral präsentiert, alle weiteren sind auf Stelen im Raum verteilt.

 

Weitere Informationen unter www.belvedere.at

(JT März 2019)

Fotos:

Franz Xaver Messerschmidt, Der starke Geruch, 1777-83

© Belvedere, Wien, Foto: Johannes Stoll

Mara Mattuschka, Messerschmidt 3, 2018

Courtesy the artist © Bildrecht, Wien, Foto: Pixelstorm, Wien

Miriam Cahn, frau + mann oder umgekehrt, 13.12.1995, 1995

Courtesy des Künstlers und Galerie Meyer Riegger, Berlin/Karlsruhe

Attersee – so hot

 

Bis 18. August 2019 widmet das Belvedere 21 Christian Ludwig Attersee eine große Einzelausstellung, die sein Frühwerk in den Fokus rückt. Die Ausstellung „Attersee. Feuerstelle“ ist eine Rückkehr zu den Wurzeln des Künstlers und zugleich eine Zeitreise in die Gegenwart. Sie erinnert an die Sprengkraft seiner radikalen Bildsprache in den frühen Werkphasen. In seiner fast sechzigjährigen Künstlerkarriere wandert Attersee zwischen Pop und Moderne, zwischen freier und angewandter Kunst. Der 1940 in Pressburg als Christian Ludwig geborene Künstler wählt 1966 den Beinamen Attersee nach dem gleichnamigen See im Salzkammergut, an dem er aufgewachsen ist und zum Meistersegler wurde.

 

Er ist der Gegenpol zum Wiener Aktionismus mit seinen Objekterfindungen und der Atterseesprache“.

Er beschäftigt sich mit Bühnenausstattungen, tritt als Musiker auf (u. a. im heutigen Belvedere 21), kreiert Wandteppiche und Mosaike, verhüllt den Wiener Ringturm und schafft Produkte wie den Kräuterwermut namens Atterbitter und die Attersee-Wurst.

 

Attersee, der Künstler der Erotik und der Schönheit, kokettiert mit dem Kitsch und präsentiert sich selbst androgyn in Fotoserien der 1960er-Jahre. Britta Schmitz, Kuratorin der Ausstellung, sieht in ihm einen Einzelgänger, dessen Welt der Atterseeisierung seiner Umgebung in die Populärkultur eingegangen ist..

 

Weitere Informationen zur Ausstellung unter www.21erhaus.at

(JT März 2019)

Fotos:

Christian Ludwig Attersee, „Das Süßeste vom Süßen“, 1966

Privatbesitz. Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien © Bildrecht, Wien, 2019

Christian Ludwig Attersee, „Feuerstelle“, 2011

Privatbesitz. Foto: Johannes Stoll, © Belvedere, Wien; © Bildrecht, Wien, 2019

Mischtechnik mit Foto aus 1968 auf Karton, 36 x 48 cm

Christian Ludwig Attersee, "Schampferde Schönheit", 1968

 

Sammlung Klewan, © Bildrecht, Wien, 2019

Das etwas andere Ausstellungsprogramm der Kunsthalle Wien 2019

 

Das Programm der Kunsthalle Wien im Jahr 2019 widmet sich schwerpunktmäßig anderen, teilweise auch prozesshaft ausgerichteten Formaten des Ausstellens, die das Publikum direkt involvieren oder das Theatrale zum Modell kritischer Repräsentation unserer Gegenwart machen.

 

Den Auftakt machen gleich zwei Ausstellungen mit österreichischen Künstlern: „Heinz Frank. Der Winkel des Endes kommt immer von hinten“ ab 20. Februar thematisiert im gläsernen Ausstellungsraum der Kunsthalle Wien Karlsplatz die Winkel „des Endes“ beziehungsweise seiner vier Ecken ebenso wie die Doppelgesichtigkeit von Bildern an transluziden Grenzen zwischen Kunst- und Stadtraum. In der Kunsthalle Wien Museumsquartier konzentriert sich die Ausstellung „Peter Friedl. Teatro“ ab 22. März auf Modell, Sprache, Geschichte, Übersetzung, Theatralik.

Im Sommer startet zum dritten Mal die Vienna Biennale, die sich erneut den Herausforderungen der digitalen Moderne stellt. Mit dabei ist auch die Kunsthalle Wien mit der umfangreichen Gruppenausstellung „Hysterical Mining“ ab 29. Mai, die sich an beiden Standorten der Frage von Technologie und Geschlecht und insbesondere feministischen Positionen im Spiegel ästhetischer Praxis widmet. 

Ebenfalls im Sommer 2019 verwandeln Gelatin & Liam Gillick mit „Stinking Dawn“ ab 5. Juli die Kunsthalle Wien Museumsquartier in ein Filmset. Liam Gillick liefert das Filmmanuskript und Gelatin baut eine Installation nach Art einer Filmkulisse. Die Dreharbeiten beginnen am Eröffnungsabend und wer möchte, kann auch mitmachen.

Im Herbst begibt sich die Gruppenausstellung „Time is Thirsty“ ab 30. Oktober auf eine Reise durch Zeit und Raum im Gewand einer Ausstellung.

Den Jahresabschluss in der Kunsthalle Wien Karlsplatz bildet „Andreas Fogarasi. Nine Buiildings, Stripped“ ab 13. November. In einer Reihe höchst abstrakter und zugleich durch und durch realistischer Skulpturen dokumentiert der Künstler den Wandel von Gebäuden und der Stadt.

 

Weitere Informationen unter www.kunsthallewien.at

(JT Jänner 2019)

Foto: Kunsthalle Wien

Die Highlights des Kunsthistorischen Museums 2019

 

Zu den ProgrammHöhepunkten im Wiener Kunsthistorischen Museum im Jahr 2019 zählt die groß angelegt Schau über Mark Rothko, dessen Werk in Österreich noch nie gezeigt wurde.  Die Ausstellung vom 12. März bis 30. Juni wird mehr als vierzig wichtige Arbeiten aus Rothkos gesamtem Schaffen umfassen und Vorstellungen des Sakralen, Geistigen, Tragischen und Zeitlosen nachgehen. Rothkos Tochter Kate und sein Sohn Christopher, die von Anfang an in das Projekt eingebunden waren, werden für die Schau zahlreiche bedeutende Werke aus der Sammlung der Familie als Leihgaben zur Verfügung stellen.

 

Im Herbst – vom 15. Oktober 2019 bis 19. Jänner 2020 - widmet das Museum dann dem Maler Caravaggio und dem Bildhauer Bernini die erste große Ausstellung in Österreich. Ihre Meisterwerke werden von ausgewählten Arbeiten ihrer Zeitgenossen, darunter Nicholas Poussin, Orazio Gentileschi, Alessandro Algardi oder Simon Vouet, „kommentiert“. Mit rund 60 Hauptwerken – Malerei wie Skulpturen – wird die revolutionär-neuartige Kunst des beginnenden 17. Jahrhunderts vorgestellt: faszinierende Werke voller Dramatik, intensiver Leidenschaft, starker Bewegung und farbintensiver Theatralik.

 

Weitere Infos unter www.khm.at

(JT Jänner 2019)

Foto © KHM-Museumsverband

MuseumsJuwel

 

Bereits seit 125 Jahren gibt es das Österreichische Pharma- und Drogistenmuseum. Seit 15 Jahren ist es am Standort Währinger Straße 14 in 1090 Wien beheimatet (www.drogistenmuseum.at) – ein durchaus zu feierndes Doppeljubiläum! 

In den liebevoll renovierten Räumlichkeiten im 9. Bezirk hat das Museum einen würdigen Rahmen gefunden um die Raritäten und Kuriositäten der über 10.000 Exponate und Kuriositäten wirkungsvoll zu präsentieren.

 

Die Entwicklung des Berufes „Drogist“ hat eine lebhafte Vergangenheit: Aus Quacksalbern und fahrenden Heilkünstlern, die ihre Waren gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf Jahrmärkten verkauften, entwickelte sich mit der Zeit ein geregelter Drogenhandel. Der Begriff „Droge“ war damals noch positiv besetzt. Aus den Drogenkleinhandlungen entstanden im Laufe der Zeit die Drogerien. Die Drogerie hatte die Aufgabe, Drogen (= getrocknete Kräuter, pflanzliche Arzneimittel) und Chemikalien zu vertreiben. Industriell gefertigte Markenartikel gab es praktisch noch nicht. Auch Fotografie, Farben und Lacke sowie Pflanzenschutz hatten in der Drogerie ihre Kinderstube. Drogisten sind übrigens die einzige Berufsgruppe Österreichs, die über die gesetzliche Erlaubnis verfügt, Gifte abzugeben. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts etablierte sich die Drogerie als Fachgeschäft für Gesundheit, Schönheit und Wellness, wie wir sie heute kennen. Das Personal der Fachdrogerie steht für qualifizierte Kundenberatung, die den Konsumenten hilft, sich in der Vielzahl der am Markt angebotenen Produkte zurechtzufinden.

 

Im Drogistenmuseum finden monatlich auch Vorträge von Fachleuten statt. Der Schwerpunkt liegt bei gesundheitsbezogenen Themen aus Sicht der Schul- und Alternativmedizin, Ernährung, Aromatherapie, Kräuter und Gewürze, alte Hausmittel, um nur einige zu nennen. Dazu kommen spannende Reise-Erlebnisberichte und faszinierende Vorträge des Historikers Mag. Georg Hamann. Der Museums-Vortragsraum kann auch für kleine externe Veranstaltungen gemietet werden.

Die Finanzierung des Museums erfolgt überwiegend durch Sponsoren, Einnahmen von Führungen und Vorträgen sowie Eigenleistungen der gegenwärtig 10 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sind besonders zu erwähnen, denn ohne ihren Einsatz wäre ein Aufrechterhalten des Museumsbetriebes nicht möglich.

 

Der Leitgedanke im Drogistenmuseum: Alle Besucher sind herzlich willkommen! Sie sollen das Museum mit mehr Freude, Begeisterung, Wissen und dem Wunsch, wiederzukommen und das Museum weiterzuempfehlen, verlassen.(JT 2017)

Illustration: Gil Elvgren, Fotos © Drogistenmuseum, Niki Lappas

Das Werk der Künstlerin Maria Biljan-Bilger – fast vergessen, doppelt präsent

 

Als Bildhauerin, Keramikerin und Textilkünstlerin schuf Maria Biljan-Bilger (1912-1997) ein unverwechselbares Werk zwischen Archaik und Moderne. Ihr Wirken ist in der zeitgenössischen Öffentlichkeit in Vergessenheit geraten und es ist ihrem Mann, dem Architekten Friedrich Kurrent, und dem Verein der Freunde der Maria Biljan-Bilger-Ausstellungshalle in Sommerein zu verdanken, dass man die absolut großartigen, beeindruckenden Kunstwerke von Biljan-Bilger heute noch besichtigen kann – und unbedingt sollte!

 

Die Ausstellungshalle, von Kurrent an einem ehemaligen Steinbruch errichtet, in der Hauptstraße 61 in 2453 Sommerein am Leithagebirge in Niederösterreich, wo es die Künstlerin 1962 hinzog, ist vom 1. Mai bis Ende Oktober jeden Samstag, Sonntag und Feiertag von 10.00 bis 12.00 und von 14.00 bis 18.00 Uhr (Eintritt € 3, Kinder frei) für Besucher offen.

 

Biljan-Bilger war Mitbegründerin des Art-Clubs und hatte 1952 ihre erste Personalausstellung im legendären „Strohkoffer“, dem Wiener Ausstellungslokal des Art-Clubs, der Wiener Avantgarde. 1965 war sie Gründungsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Architektur. Von 1978 bis 1982 war sie Professorin für Keramik an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Im Jahr 2006 wurde in Wien-Donaustadt die Biljan-Bilger-Gasse nach ihr benannt.

Die Künstlerin erhielt 1972 den Österreichischen Kunstpreis für Bildende Kunst, 1982 das Silberne Ehrenzeichen der Stadt Wien und den Burgenländischen Kulturpreis und 1992 den Kulturpreis für bildende Kunst des Landes Niederösterreich. Ihre Ausstellungen führten sie nach Rom, Turin, Venedig, Sao Paulo, Mailand, Istrien oder München, wo sie am 1. Mai 1997 stirbt. Ihre Grabstätte ist am Ortsfriedhof in Sommerein.

 

Der Just Tampier-Geheimtipp: verbinden Sie einen Besuch der Ausstellungshalle in Sommerein, das von Wien über Schwechat, Schwadorf und Trautmannsdorf ganz schnell zu erreichen ist (weitere Informationen unter www.maria-biljan-bilger.at) mit einem Mittagessen im ortsansässigen Landgasthaus zum Grünen Baum von Gerhard Schiller.

 

(JT 2017)

Fotos: www.maria-biljan-bilger.at, Margherita Spiluttini