Die Kunst – ein Mysterium

 

Für Hermann Nitsch stellt die Malerei eine der Disziplinen seines Orgien Mysterien Theaters dar. Sie ist zutiefst in Aktionismus, Performance, in der Multimedialität verankert. Die Malerei ist der Ursprung seiner Aktionen und zugleich deren Ergebnis.

Mit der Ausstellung „NITSCH. Räume aus Farbe“ vom 17. Mai bis 11. August 2019 sollen nun des Künstlers Bilder in der ALBERTINA Wien (www.albertina.at) erstmals nicht als Teil eines größeren Ganzen, sondern als Malerei für sich betrachtet werden.

 

Nitschs Malerei sprengt die Dimensionen des Tafelbilds, erobert flächendeckend die Wand und greift als umfassende Installation in den Raum ein. Die Schau zeigt einen Künstler, der seine Malerei seit den 1960er Jahren kontinuierlich weitergedacht und für jede Malaktion, jede Gruppe an Werken eine eigene spezifische Herangehensweise entwickelt hat, deren Resultate nun als Farbräume und Schüttinstallationen begehbar und erfahrbar sind.

 

Am Mittwoch, 12. Juni um 17.30 Uhr führt die Kuratorin Elsy Lahner durch die Ausstellung. Sie präsentiert die Entwicklung von Nitschs Œuvre: Dominiert in einem Raum das Rot, Schwarz oder Gelb der monochromen Arbeiten, so kommt es im nächsten zu regelrechten Farbexplosionen.
Führungsbeitrag € 4 exkl. Eintritt. Keine Anmeldung möglich | first come, first served

(JT Mai 2019)

Fotos: Albertina

Hermann Nitsch, Schüttbild, 2012, Acryl auf Jute, © Bildrecht, Wien, 2019

Hermann Nitsch, Bodenschüttbild, 2009, Acryl auf Jute © Bildrecht, Wien, 2019

Hermann Nitsch, Schüttbild, 2018, Acryl auf Jute, © Bildrecht, Wien, 2019 

Gotische Meisterwerke

 

Der Stephansdom im Herzen Wiens birgt bedeutende mittelalterliche Werke der Steinmetzkunst. Sechs der eindrucksvollsten Skulpturen, die berühmten Fürstenfiguren der Westfassade und des Hohen Turms, werden ab 14. Mai 2019 im Prunkstall des Unteren Belvedere gezeigt.

 

Die gotischen Meisterwerke der Ausstellung „Wiener Fürstenfiguren“ - Kuratorin ist Veronika Pirker-Aurenhammer - stammen aus der Zeit des Erweiterungsbaus unter Herzog Rudolf IV. um 1359 bis 1365.

Im Zuge der Restaurierung in den Jahren 1858 und 1870/71 wurden sie durch Kopien ersetzt und dem Städtischen Museum übertragen.

Heute zählen sie zu den zentralen Werken des Wien Museums. Während dessen Umbau werden sie als Leihgaben im Belvedere präsentiert.

 

Künstlerisch bemerkenswert sind unter anderem die sinnliche Präsenz und der lebensnahe Ausdruck der hochgewachsenen, modisch gekleideten Gestalten, die in eleganter Bewegung auf symbolträchtigen Löwen stehen.

Wie kein österreichischer Landesfürst vor ihm wusste der ehrgeizige junge Herzog Rudolf IV. Bildkünste zur Selbstdarstellung zu nutzen. Mit seiner Gattin Katharina von Böhmen bildet er den thematischen Mittelpunkt des Figurenensembles. Ihnen zugeordnet finden sich die Elternpaare Herzog Albrecht II. und Johanna von Pfirt sowie Kaiser Karl IV. und Blanche de Valois.

Diese Reihung mit seinen habsburgischen Ahnen und dem in Prag residierenden kaiserlichen Schwiegervater verdeutlicht den hohen politischen Anspruch Rudolfs. Die von ihm „erfundene“ Zackenkrone kennzeichnet ihn im Rang eines Erzherzogs, den er sich durch die Urkundenfälschung des Privilegium Maius selbst zuschrieb.

Als Rudolf IV. nach siebenjähriger Regierung mit 26 Jahren starb, steckte der Ausbau des Langhauses und des Südturms der Stephanskirche noch in den Anfängen. Offen bleibt daher, ob die Figuren tatsächlich für die Standorte geschaffen wurden, an denen sie über Jahrhunderte standen.

 

Weitere Infos unter www.belvedere.at

(JT Mai 2019)

Fotos: Johannes Stoll © Belvedere, Wien 

Nüchtern, objektiv, merkwürdig

 

Neben der Fortführung des malerischen Expressionismus etabliert sich in Österreich in den 1920er-Jahren eine gegenläufige Bewegung: die Neue Sachlichkeit. Die Bezeichnung stammt von der gleichnamigen Ausstellung nachexpressionistischer Kunst in Mannheim 1925. Hauptmerkmal ist die größtmögliche Tilgung des Ausdrucks. Der Pinselstrich ist unsichtbar. Mit großer Nüchternheit widmet man sich der objektiven Wiedergabe der Wirklichkeit. Formal schließt man bei der Renaissance und Meistern wie Albrecht Dürer an.

Die Albertina Wien zeigt innerhalb der Schausammlung "Monet bis Picasso" aus der Sammlung der OenB bis 7. Juli 2019 die Ausstellung „Die Neue Sachlichkeit“ (www.albertina.at).

 

Hierzulande bringt diese Stilrichtung eine größere Vielfalt hervor als in anderen europäischen Ländern. Das Werk von Albin Egger-Lienz mit seinen monumentalen Figuren ebnet einem großen Maler den Weg: Alfons Walde.

Andere Spielarten der Neuen Sachlichkeit sind der Magische Realismus und Fantastische Surrealismus. Einer ihrer wichtigsten Vertreter ist der Linzer Franz Sedlacek. Rudolf Wacker arrangiert die trivialen Gegenstände seines Ateliers ergänzt um ausgestopfte Vögel und Kakteen, Masken und Puppen zu merkwürdigen Stillleben, die er in altmeisterlicher, augentäuschender Manier malt. So entwickelt sich in der Neuen Sachlichkeit eine eigene Bildsprache, in der leblose und beziehungslos angeordnete Gegenstände in Trompe-l’Œil-Manier ausgeführt werden.

Dem Künstler Herbert Reyl-Hanisch geht es vor allem um die Darstellung von Gefühlen als Seelenlandschaften.

Mit ihrem Frühwerk ist Greta Freist ebenfalls der Neuen Sachlichkeit zuzuordnen.

Viktor Planckhs bevorzugte Sujets sind Porträts, Figurenkompositionen, Landschaften und Akte. Robert Kloss malt Blumenstücke, Stadtbilder und Porträts in ungewöhnlichen Ansichten und Perspektiven.

Die Tradition der 1930er-Jahre findet auch nach den Zweiten Weltkrieg ihre Fortsetzung. Angeregt vom französischen Interieurbild entwickelt Josef Floch nach 1945 einen ganz persönlichen Bildtypus: kaum möblierte, von Stille und Melancholie erfüllte Innenräume mit hohen Fenster- und Türöffnungen, in deren Zentrum der Mensch steht.

 

(JT Mai 2019)

Fotos:

Greta Freist, Familie eines Malers, 1938, Öl auf Leinwand, Albertina, Wien. Leihgabe der

Oesterreichischen Nationalbank

Rudolf Wacker, Taubenschlag, Goslar, 1927, Sammlung Oesterreichische Nationalbank

Karl Hauk, Nächtlicher Spaziergang, 1926, Sammlung Oesterreichische Nationalbank

Change is our only Chance

 

Die VIENNA BIENNALE FOR CHANGE 2019: SCHÖNE NEUE WERTE. Unsere Digitale Welt gestalten (29. Mai – 6. Oktober 2019, Eröffnung: 28. Mai 2019, 18:00 Uhr) lenkt den Blick auf die Werte, auf deren Basis die Utopie einer ökonomisch und sozial gerechten sowie ökologisch nachhaltigen Zukunft Realität werden könnte. Künstler, Designer und Architekt aller Kontinente beziehen Position zu einer Zukunft, die wir wirklich wollen.

Neun Ausstellungen, eine übergreifende Konferenz und zahlreiche weitere Projekte und Veranstaltungen fordern mutige Visionen zum Umgang mit künstlicher Intelligenz und neuen Technologien, zur Gestaltung innovativer (städtischer) Arbeitsmodelle, zu neuen Formen des (Zusammen-)Lebens und zu verantwortungsvollem Konsum.

 

Die internationale Mehrspartenbiennale findet heuer bereits zum dritten Mal statt und wird vom MAK, der Universität für angewandte Kunst Wien, der Kunsthalle Wien, dem Architekturzentrum Wien und der Wirtschaftsagentur Wien sowie dem Slovak Design Center als Associate Partner und dem AIT Austrian Institute of Technology als außeruniversitärem Forschungspartner veranstaltet.

 

UNCANNY VALUES. Künstliche Intelligenz & Du (Eine Ausstellung des MAK) erforscht als eines der Herzstücke der VIENNA BIENNALE eines der wichtigsten Themen der kommenden Jahrzehnte, das auf alle Bereiche unseres Lebens folgenreiche Auswirkungen hat: künstliche Intelligenz (KI).

Um die materiellen Welten, die wir durch Technologie schaffen, und die Rolle der Technologie in der Ausbildung lokaler und globaler Konfigurationen von Macht, Identitätsformen und Lebensweisen geht es in HYSTERICAL MINING (Eine Ausstellung der Kunsthalle Wien).

Im Rahmen von Change Was Our Only Chance (Ein Projekt der Universität für angewandte Kunst Wien) gestaltet das KünstlerInnenkollektiv Time's Up in der titelgebenden Installation unter Beteiligung der Angewandten eine Welt im Jahr 2047.

In der Neuaufstellung des MAK DESIGN LABOR (Ein Projekt des MAK in Kooperation mit dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung) schlagen sich die Themen und Ansätze einer Biennale erstmals auf die Konzeption eines permanenten Museumsangebots nieder. Das neu gedachte MAK DESIGN LABOR präsentiert unter vielschichtigen Aspekten ausgewählte Positionen und Projekte, die belegen, dass Design verstärkt als Motor des Wandels agiert.

Mit dem Ausstellungsprojekt KLIMAWANDEL! Vom Massenkonsum zur nachhaltigen Qualitätsgesellschaft (Eine Kooperation des MAK und des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus) umkreist das bekannte Wiener Designstudio EOOS (Martin Bergmann, Gernot Bohmann und Harald Gruendl) den Beitrag, den Transformationsdesign für den notwendigen Turnaround des Klimawandels leisten kann.

Immer mehr Menschen drängen auf der Suche nach Jobs und Zukunftsperspektiven in die Zentren: Städte stehen damit vor der Herausforderung, BewohnerInnen Wohnraum, Arbeit und Erholung zu bieten. FUTURE FACTORY. Urbane Produktion neu denken (Ein Projekt der Wirtschaftsagentur Wien in Zusammenarbeit mit dem MAK und in Kooperation mit der Ottakringer Brauerei) geht der Frage nach: Was macht die Future Factory in einer Future City aus?

Wenn sich Werte in einem Wandel befinden, hat dies Einfluss auf unsere Vorstellungen von Lebensqualität und auf die Anforderungen an Architektur. SPACE AND EXPERIENCE. Architektur für ein besseres Leben (Eine Ausstellung des MAK in Kooperation mit Wienerberger) veranschaulicht durch eine markante Auswahl von realisierten Projekten, welchen Mehrwert Architektur schon heute für ein besseres Leben zu schaffen vermag.

Als Associate Partner der VIENNA BIENNALE zeigt das Slovak Design Center in Bratislava die Ausstellung Human by Design (Eine Ausstellung des Slovak Design Center). Sie präsentiert Konzepte, Methoden, Modellsituationen, Fallstudien und innovative Lösungen, die dieses dringende Bedürfnis nach Veränderung und Nachhaltigkeit zum Ausdruck bringen.

 

Laufend aktualisierte Informationen zu den weiteren Projekten sowie zum Rahmenprogramm finden sich unter www.viennabiennale.org

(JT April 2019)

Fotos:

Logo Vienna Biennale 2019 © buero bauer

UNCANNY VALUES. Künstliche Intelligenz & Du. Heather Dewey-Hagborg und Chelsea E. Manning, Probably Chelsea, 2017. © Heather Dewey-Hagborg, Courtesy of the Artist und Iliya Fridman Gallery New York

HYSTERICAL MINING Frauen präsentieren Teile der ersten vier Armeecomputer. v.l.n.r: Patsy Simmers (Mathematikerin/Programmiererin), hält ENIAC; Frau Gail Taylor, hält EDVAC; Frau Milly Beck, hält ORDVAC; Frau Norma Stec (Mathematikerin/Programmiererin), hält BRLESC-I, 1962
Aus den Archiven der Technischen Bibliothek der ARL. Historische Computerbilder
Foto © U.S. Army Photo

SPACE AND EXPERIENCE Architektur für ein besseres Leben. ecoLogicStudio (Claudia Pasquero und Marco Poletto). H.O.R.T.U.S. XL Astaxanthin.g, 2019. © NAARO

Die Abgründe des Oskar Kokoschkas

 

Die Retrospektive „Oskar Kokoschka – Expressionist, Migrant, Europäer“, die bis zum 8. Juli 2019 im Leopold-Museum im Wiener Museumsquartier zu sehen ist, zeigt die Vielschichtigkeit dieses wichtigen Künstlers des 20. Jahrhunderts, eines zentralen Wegbereiters des Expressionismus. Der Kunstwelt galt er als Enfant terrible und radikaler Erneuerer. Die politischen Wirren seiner Zeit machten aus ihm einen Migranten mit Stationen in Wien, Dresden, Prag, London und Villeneuve in der Schweiz.

 

Die rund 250 Exponate umfassende Retrospektive trägt sämtlichen Schaffensphasen Kokoschkas mit hochkarätigen Leihgaben aus internationalen Museen und Privatsammlungen Rechnung und präsentiert Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle, Druckgrafiken sowie seine Arbeit für Kunstzeitschriften wie „Der Sturm“ oder für das Theater. Vom nationalsozialistischen Regime als „entarteter Künstler“ diffamiert, setzte er sich sein Leben lang für Humanismus und Pazifismus ein.

 

Kokoschkas Leben ist zum Teil stark geprägt vom Verhältnis zu Alma Mahler. Zwei Jahre sind sie ein Paar. Ihre Selbständigkeit und Eigenwilligkeit ist aber nichts für Kokoschka in seiner fragwürdigen Obsession für diese so viele Männer inspirierende Frau, die Trennung ist hart. Eine lebensgroße Alma-Puppe ist danach sein skandalöses FetischObjekt und offenbart die Seele des Künstlers.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich.

 

(JT April 2019)

Fotos:

Selbstbildnis an der Staffelei, 1922 © Leopold Privatsammlung Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger © Fondation Oskar Kokoschka/Bildrecht Wien, 2019

Dresden, Augustusbrücke mit Rückenfigur, 1923 © Museum Folkwang, Essen Foto: Museum Folkwang, Essen/Artothek © Fondation Oskar Kokoschka/Bildrecht Wien, 2019

Doppelbildnis Oskar Kokoschka und Alma Mahler, 1912/13 © Museum Folkwang, Essen Foto: Museum Folkwang, Essen/Artothek © Fondation Oskar Kokoschka/Bildrecht Wien, 2019

 

Aufbruch in die Moderne

 

Die neue Dauerpräsentation „Wien 1900“ im Leopold Museum im MQ Wien (www.leopoldmuseum.org) präsentiert unter der kuratorischen Ägide von Hans-Peter Wipplinger seit Mitte März 2019 den Glanz und die Fülle künstlerischer und geistiger Errungenschaften einer Epoche, die geprägt war vom Aufbruch der Secessionisten bis hin zum Untergang der Monarchie und dem Tod herausragender Künstler der Wiener Moderne wie Gustav Klimt, Egon Schiele, Koloman Moser oder Otto Wagner im Jahr 1918.

Die Neupräsentation zeigt nicht nur Meisterwerke aus der Sammlung des Leopold Museums, sondern auch nationale und internationale Dauerleihgaben jener pulsierenden Zeit.

 

Die Donaumetropole war gleichermaßen die Stadt des Hochadels und der liberalen Intellektuellen, der prachtvollen Ringstraße und endloser Armenviertel, des Antisemitismus und des Zionismus, des starren Konservatismus und der einsetzenden Moderne. Glanz und Elend, Traum und Wirklichkeit, Selbstauflösung und Neuaufbruch bezeichnen den ästhetischen Pluralismus und markieren das Wien jener Zeit als Ideenlaboratorium einer turbulenten Erneuerungsbewegung. In diesem heterogenen Milieu – Arnold Schönberg sprach von der „Emanzipation der Dissonanz“ – fand jene Verdichtung an Kulturleistungen statt, die uns heute von Wien um 1900 als einem Quellgrund der Moderne sprechen lässt. Dieser Aufbruch war in den unterschiedlichsten Disziplinen, von der Malerei und den grafischen Künsten, über Literatur, Musik, Theater, Tanz und Architektur bis hin zu Medizin, Psychologie, Philosophie, Rechtslehre und Ökonomie.

 

Nach einer Ouvertüre zur Makart-Zeit und zu den Ausformungen des Realismus und Stimmungsimpressionismus österreichischer Provenienz, stehen in der Präsentation die Secessionisten (Gustav Klimt, Koloman Moser, Carl Moll etc.) im Fokus der vierten Ausstellungsebene. In der dritten Etage wird die Überwindung der Stilkunst durch die Vertreter des österreichischen Expressionismus (Richard Gerstl, Oskar Kokoschka, Egon Schiele etc.) gezeigt. Den Schlussakkord setzen im Erdgeschoß die facettenreichen künstlerischen Ausformungen, die zwischen abstrahierend- expressionistischem Stil (Anton Kolig, Herbert Boeckl, Marie-Louise von Motesiczky etc.) und Positionen der Neuen Sachlichkeit (Rudolf Wacker, Otto Rudolf Schatz, Greta Freist etc.) oszillieren.

(JT März 2019)

Foto: Sujet Wien 1900, Leopold Museum, Wien

KopfArbeiten

 

Bis 18. August 2019 ist im Unteren Belvedere Wien in der Orangerie die Ausstellung „Talking Heads – zeitgenössische Dialoge mit F.X. Messerschmidt“ zu sehen und zeigt die faszinierende Darstellung psychischer Extremsituationen in den berühmten „Charakterköpfen“ von Franz Xaver Messerschmidt, die zu den Highlights der Belvedere Sammlung gehören. Der starke Ausdruck jedes einzelnen dieser Köpfe fasziniert seit Jahrhunderten immer wieder neu.

 

Ausgehend von diesen Meisterwerken des Barock fokussiert die Ausstellung auf den Kopf als Motiv in der Kunst bei Anna Artaker, Miriam Cahn, Douglas Gordon, Kurt Kren, Maria Lassnig, Mara Mattuschka, Lutz Mommartz, Bruce Nauman, Tony Oursler und Arnulf Rainer. Die Künstler treten direkt oder indirekt in einen Dialog mit Messerschmidt.

Die verwendeten künstlerischen Medien reichen von Malerei und Skulptur bis hin zu Film beziehungsweise Video oder Fotografie. Der Aufbau der Ausstellung stellt die „Charakterköpfe“ in den Mittelpunkt: An einer Wand werden neun von ihnen zentral präsentiert, alle weiteren sind auf Stelen im Raum verteilt.

 

Weitere Informationen unter www.belvedere.at

(JT März 2019)

Fotos:

Franz Xaver Messerschmidt, Der starke Geruch, 1777-83

© Belvedere, Wien, Foto: Johannes Stoll

Mara Mattuschka, Messerschmidt 3, 2018

Courtesy the artist © Bildrecht, Wien, Foto: Pixelstorm, Wien

Miriam Cahn, frau + mann oder umgekehrt, 13.12.1995, 1995

Courtesy des Künstlers und Galerie Meyer Riegger, Berlin/Karlsruhe

Attersee – so hot

 

Bis 18. August 2019 widmet das Belvedere 21 Christian Ludwig Attersee eine große Einzelausstellung, die sein Frühwerk in den Fokus rückt. Die Ausstellung „Attersee. Feuerstelle“ ist eine Rückkehr zu den Wurzeln des Künstlers und zugleich eine Zeitreise in die Gegenwart. Sie erinnert an die Sprengkraft seiner radikalen Bildsprache in den frühen Werkphasen. In seiner fast sechzigjährigen Künstlerkarriere wandert Attersee zwischen Pop und Moderne, zwischen freier und angewandter Kunst. Der 1940 in Pressburg als Christian Ludwig geborene Künstler wählt 1966 den Beinamen Attersee nach dem gleichnamigen See im Salzkammergut, an dem er aufgewachsen ist und zum Meistersegler wurde.

 

Er ist der Gegenpol zum Wiener Aktionismus mit seinen Objekterfindungen und der Atterseesprache“.

Er beschäftigt sich mit Bühnenausstattungen, tritt als Musiker auf (u. a. im heutigen Belvedere 21), kreiert Wandteppiche und Mosaike, verhüllt den Wiener Ringturm und schafft Produkte wie den Kräuterwermut namens Atterbitter und die Attersee-Wurst.

 

Attersee, der Künstler der Erotik und der Schönheit, kokettiert mit dem Kitsch und präsentiert sich selbst androgyn in Fotoserien der 1960er-Jahre. Britta Schmitz, Kuratorin der Ausstellung, sieht in ihm einen Einzelgänger, dessen Welt der Atterseeisierung seiner Umgebung in die Populärkultur eingegangen ist..

 

Weitere Informationen zur Ausstellung unter www.21erhaus.at

(JT März 2019)

Fotos:

Christian Ludwig Attersee, „Das Süßeste vom Süßen“, 1966

Privatbesitz. Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien © Bildrecht, Wien, 2019

Christian Ludwig Attersee, „Feuerstelle“, 2011

Privatbesitz. Foto: Johannes Stoll, © Belvedere, Wien; © Bildrecht, Wien, 2019

Mischtechnik mit Foto aus 1968 auf Karton, 36 x 48 cm

Christian Ludwig Attersee, "Schampferde Schönheit", 1968

 

Sammlung Klewan, © Bildrecht, Wien, 2019

Alte Meister in der Albertina

 

2019 ist für das Fürstentum und das Haus Liechtenstein ein wichtiges Gedenkjahr: Am 23. Jänner 1719 erhob Kaiser Karl VI. die Reichsherrschaft Schellenberg und die Reichsgrafschaft Vaduz zum Reichsfürstentum Liechtenstein. 

Dieses nun 300 Jahre zurückliegende Ereignis zelebriert die Albertina in Wien, der Stadt, wo die Familie bis 1938 lebte, mit der großen Ausstellung „Rubens bis Makart. Die Fürstlichen Sammlung Liechtenstein“ bis 10. Juni 2019.

Werke wie die Venus von Peter Paul Rubens, die lebensgroße Bronzeplastik des Christus im Elend von Adrian de Fries oder die erst jüngst erworbene Bronzebüste des Kaisers Marc Aurel stehen im Mittelpunkt der Schau, wie auch die auserwählten Kunstschätze der weltberühmten Biedermeiersammlung.

 

Der zweite Teil der Jubiläumsausstellung „Rudolf von Alt und seine Zeit. Aquarelle aus den Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein“ widmet sich dem Wiener Aquarell vom Biedermeier bis zum Realismus.

Weitere Informationen zu diesen spektakulären Ausstellungen unter www.albertina.at

 

(JT März 2019)

Fotos:
Quentin Massys der Ältere, Die Steuereintreiber, späte 1520er Jahre, Öl auf Holz
© LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna
Giovanni Antonio Canal gen. Canaletto, Ansicht der Mündung des Canale di Cannaregio, ca.1735-1742, Öl auf der Leinwand
© LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna

Friedrich von Amerling, Porträt der Prinzessin Marie Franziska von Liechtenstein im Alter von zwei Jahren, 1836, Öl auf Karton
© LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna

Rudolf von Alt, Ansicht von Schloss Eisgrub vor dem neugotischen Umbau, um 1830, Aquarell
© LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna
Rudolf von Alt, Salon im Palais Rasumofsky an der Landstraße in Wien, 1836, Aquarell
© LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna
Rudolf von Alt, Am Hafen von Santa Lucia in Neapel, 1835, Aquarell
© LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna

Tief gefallen – hoch geflogen

 

 „FLYING HIGH – Künstlerinnen der Art Brut“ ist die erste Ausstellung, die sich bis 23. Juni 2019 im Bank Austria Kunstforum Wien auf der Freyung „weltumspannend“ den weiblichen Positionen der Art Brut von 1860 bis in die Gegenwart widmet. Die Ausstellung, kuratiert von Ingried Brugger und Hannah Rieger, ist in jeder Hinsicht ein „Höhenflug“: Sie versammelt 316 Werke von 93 Künstlerinnen aus 21 Ländern, die inhaltlich und ästhetisch die Vorstellung, was Kunst ist, sprengen.

Sie nimmt den von Jean Dubuffet 1945 definierten Begriff „Art Brut“ für jene ursprüngliche, nichtakademische Kunst außerhalb des kulturellen Mainstreams als Ausgangspunkt. In der Vielfalt und Heterogenität der präsentierten Werke wird deutlich, dass der Art-Brut-Begriff heute längst über Arbeiten aus Psychiatrien hinausgeht und auch die Produktion von „mediumistischen“ (von einem Geist geführten) Künstlerinnen, „Einzelgängerinnen“ und Künstlerinnen mit Behinderungen umfasst.

 

Die Ausstellung zeigt Highlights aus den historischen Sammlungen der Psychiater Walter Morgenthaler (Stiftung Psychiatrie-Museum Bern) und Hans Prinzhorn (Universitätsklinikum Heidelberg) und Meisterinnenwerke aus der Sammlung von Jean Dubuffet (Collection de l’Art Brut, Lausanne), die Dubuffet zwischen 1945 und 1976 zusammentrug. Eine repräsentative Auswahl von Werken aus der Sammlung L’Aracine (LaM, Lille Métropole Musée d’art moderne, d’art contemporain et d’art brut, Villeneuve d’Ascq) schließt den Überblick über jene Sammlungen ab, die Entstehung und Geschichte der Art Brut entscheidend prägten. Darüber hinaus zeigt die Schau eine Vielzahl von Werken aus bedeutenden internationalen und österreichischen Privatsammlungen.

 

Die Geschichte weiblicher Art-Brut-Künstlerinnen spiegelt die Emanzipationsgeschichte von Frauen auf einer prekären Ebene wider: Diese sind bis heute „Außenseiterinnen der Außenseiter“. Die Art Brut, speziell jene von Frauen, hat nach wie vor keinen gleichberechtigten Platz neben der „Hochkunst“ gefunden.

 

Achtung: Das ist keine Ausstellung, die man einfach so im Vorübergehen bei einem Stadtspaziergang mitnimmt! Speziell dann nicht, wenn man sich noch nie mit Art Brut auseinandergesetzt hat. Die beeindruckenden Arbeiten zeigen die speziellen Lebensumstände von Frauen in Ausnahmesituationen. Wir empfehlen daher eine Führung durch die Schau.

 

Weitere Informationen unter www.kunstforumwien.at

(JT März 2019)

 

Foto: Aloise Corbaz, Brevario Grimani, um 1950 (Ausschnitt), Buntstift auf Papier, abcd/Bruno Decharme collection. Foto Copyright César Decharme

Blitzlicht

 

Die Albertina Wien widmet dem österreichischen Fotografen Manfred Willmann (*1952) bis zum 26. Mai 2019 in der Pfeilerhalle eine umfassende monografische Ausstellung, kuratiert von Dr. Anna Hanreich.

 

Willmann hält in seinen über mehrere Jahre hinweg aufgenommenen Serien alltägliche Szenen aus seinem unmittelbaren Lebensumfeld in Graz und der ländlichen Südsteiermark fest. Die Ausstellung umfasst sechs umfangreiche Werkgruppen, in denen sich seine sehr direkte, subjektive Sichtweise manifestiert. Die Fotografien lassen sich sowohl als autobiografische Introspektion als auch als Studie über soziale Strukturen im ländlichen Raum lesen.

 

Ende der 1970er-Jahre entwickelt Willmann ein spezielles visuelles Vokabular.

Sein Fokus auf Details und enge Bildausschnitte sowie der Einsatz von Blitzlicht. Manfred Willmann setzt seit 1979 in seinen Arbeiten Blitzlicht ein, obwohl es damals für die künstlerische Fotografie als verpönt gilt. Die dadurch bedingten gestalterischen Einflüsse integriert er bis heute in seine Arbeiten: Blitzlicht akzentuiert helle Oberflächen, erzeugt Reflexionen und betont unterschiedliche Texturen. Die Aufmerksamkeit der Betrachtenden wird auf Details gelenkt, die durch das Blitzlicht hervorgehoben werden. Durch die grelle Beleuchtung entstehen Schlagschatten, welche die Motive vom Umraum loslösen. Dies wird dadurch verstärkt, dass die angeleuchteten Objekte oder Personen heller, ihre Umgebung dunkler erscheint. Die Kontraste werden stärker, die Bildschärfe wird gesteigert. Durch seitliche Beleuchtung erhöht sich die Plastizität von Gegenständen. In Willmanns Farbfotografien verleiht Blitzlicht Farben eine höhere Intensität und übersteigerte Wirkung.

 

Die Albertina Wien beleuchtet zentrale Aspekte in Willmanns Schaffen und spannt einen Bogen über sein Werk vom Ende der 1970er-Jahre bis heute. Sämtliche Werke dieser Ausstellung stammen aus der Albertina selbst oder aus dem Besitz des Künstlers.

 

Weitere Informationen unter www.albertina.at

(JT Februar 2019)

Fotos:

Manfred Willmann. Ich träume nie!, Teil 3 aus der Serie „Schwarz und Gold“, 1979-1981. Silbergelatineabzug. Albertina, Wien. © Manfred Willmann
Manfred Willmann. Ohne Titel, aus der Serie „Die Welt ist schön“, 1981-1983. Lambda Print
Besitz des Künstlers. © Manfred Willmann
Manfred Willmann. Ohne Titel, aus der Serie „Das Land“, 1981-1993. Lambda Print. Albertina, Wien- © Manfred Willmann 

Das etwas andere Ausstellungsprogramm der Kunsthalle Wien 2019

 

Das Programm der Kunsthalle Wien im Jahr 2019 widmet sich schwerpunktmäßig anderen, teilweise auch prozesshaft ausgerichteten Formaten des Ausstellens, die das Publikum direkt involvieren oder das Theatrale zum Modell kritischer Repräsentation unserer Gegenwart machen.

 

Den Auftakt machen gleich zwei Ausstellungen mit österreichischen Künstlern: „Heinz Frank. Der Winkel des Endes kommt immer von hinten“ ab 20. Februar thematisiert im gläsernen Ausstellungsraum der Kunsthalle Wien Karlsplatz die Winkel „des Endes“ beziehungsweise seiner vier Ecken ebenso wie die Doppelgesichtigkeit von Bildern an transluziden Grenzen zwischen Kunst- und Stadtraum. In der Kunsthalle Wien Museumsquartier konzentriert sich die Ausstellung „Peter Friedl. Teatro“ ab 22. März auf Modell, Sprache, Geschichte, Übersetzung, Theatralik.

Im Sommer startet zum dritten Mal die Vienna Biennale, die sich erneut den Herausforderungen der digitalen Moderne stellt. Mit dabei ist auch die Kunsthalle Wien mit der umfangreichen Gruppenausstellung „Hysterical Mining“ ab 29. Mai, die sich an beiden Standorten der Frage von Technologie und Geschlecht und insbesondere feministischen Positionen im Spiegel ästhetischer Praxis widmet. 

Ebenfalls im Sommer 2019 verwandeln Gelatin & Liam Gillick mit „Stinking Dawn“ ab 5. Juli die Kunsthalle Wien Museumsquartier in ein Filmset. Liam Gillick liefert das Filmmanuskript und Gelatin baut eine Installation nach Art einer Filmkulisse. Die Dreharbeiten beginnen am Eröffnungsabend und wer möchte, kann auch mitmachen.

Im Herbst begibt sich die Gruppenausstellung „Time is Thirsty“ ab 30. Oktober auf eine Reise durch Zeit und Raum im Gewand einer Ausstellung.

Den Jahresabschluss in der Kunsthalle Wien Karlsplatz bildet „Andreas Fogarasi. Nine Buiildings, Stripped“ ab 13. November. In einer Reihe höchst abstrakter und zugleich durch und durch realistischer Skulpturen dokumentiert der Künstler den Wandel von Gebäuden und der Stadt.

 

Weitere Informationen unter www.kunsthallewien.at

(JT Jänner 2019)

Foto: Kunsthalle Wien

Die Highlights des Kunsthistorischen Museums 2019

 

Zu den ProgrammHöhepunkten im Wiener Kunsthistorischen Museum im Jahr 2019 zählt die groß angelegt Schau über Mark Rothko, dessen Werk in Österreich noch nie gezeigt wurde.  Die Ausstellung vom 12. März bis 30. Juni wird mehr als vierzig wichtige Arbeiten aus Rothkos gesamtem Schaffen umfassen und Vorstellungen des Sakralen, Geistigen, Tragischen und Zeitlosen nachgehen. Rothkos Tochter Kate und sein Sohn Christopher, die von Anfang an in das Projekt eingebunden waren, werden für die Schau zahlreiche bedeutende Werke aus der Sammlung der Familie als Leihgaben zur Verfügung stellen.

 

Im Herbst – vom 15. Oktober 2019 bis 19. Jänner 2020 - widmet das Museum dann dem Maler Caravaggio und dem Bildhauer Bernini die erste große Ausstellung in Österreich. Ihre Meisterwerke werden von ausgewählten Arbeiten ihrer Zeitgenossen, darunter Nicholas Poussin, Orazio Gentileschi, Alessandro Algardi oder Simon Vouet, „kommentiert“. Mit rund 60 Hauptwerken – Malerei wie Skulpturen – wird die revolutionär-neuartige Kunst des beginnenden 17. Jahrhunderts vorgestellt: faszinierende Werke voller Dramatik, intensiver Leidenschaft, starker Bewegung und farbintensiver Theatralik.

 

Weitere Infos unter www.khm.at

(JT Jänner 2019)

Foto © KHM-Museumsverband

MuseumsJuwel

 

Bereits seit 125 Jahren gibt es das Österreichische Pharma- und Drogistenmuseum. Seit 15 Jahren ist es am Standort Währinger Straße 14 in 1090 Wien beheimatet (www.drogistenmuseum.at) – ein durchaus zu feierndes Doppeljubiläum! 

In den liebevoll renovierten Räumlichkeiten im 9. Bezirk hat das Museum einen würdigen Rahmen gefunden um die Raritäten und Kuriositäten der über 10.000 Exponate und Kuriositäten wirkungsvoll zu präsentieren.

 

Die Entwicklung des Berufes „Drogist“ hat eine lebhafte Vergangenheit: Aus Quacksalbern und fahrenden Heilkünstlern, die ihre Waren gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf Jahrmärkten verkauften, entwickelte sich mit der Zeit ein geregelter Drogenhandel. Der Begriff „Droge“ war damals noch positiv besetzt. Aus den Drogenkleinhandlungen entstanden im Laufe der Zeit die Drogerien. Die Drogerie hatte die Aufgabe, Drogen (= getrocknete Kräuter, pflanzliche Arzneimittel) und Chemikalien zu vertreiben. Industriell gefertigte Markenartikel gab es praktisch noch nicht. Auch Fotografie, Farben und Lacke sowie Pflanzenschutz hatten in der Drogerie ihre Kinderstube. Drogisten sind übrigens die einzige Berufsgruppe Österreichs, die über die gesetzliche Erlaubnis verfügt, Gifte abzugeben. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts etablierte sich die Drogerie als Fachgeschäft für Gesundheit, Schönheit und Wellness, wie wir sie heute kennen. Das Personal der Fachdrogerie steht für qualifizierte Kundenberatung, die den Konsumenten hilft, sich in der Vielzahl der am Markt angebotenen Produkte zurechtzufinden.

 

Im Drogistenmuseum finden monatlich auch Vorträge von Fachleuten statt. Der Schwerpunkt liegt bei gesundheitsbezogenen Themen aus Sicht der Schul- und Alternativmedizin, Ernährung, Aromatherapie, Kräuter und Gewürze, alte Hausmittel, um nur einige zu nennen. Dazu kommen spannende Reise-Erlebnisberichte und faszinierende Vorträge des Historikers Mag. Georg Hamann. Der Museums-Vortragsraum kann auch für kleine externe Veranstaltungen gemietet werden.

Die Finanzierung des Museums erfolgt überwiegend durch Sponsoren, Einnahmen von Führungen und Vorträgen sowie Eigenleistungen der gegenwärtig 10 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sind besonders zu erwähnen, denn ohne ihren Einsatz wäre ein Aufrechterhalten des Museumsbetriebes nicht möglich.

 

Der Leitgedanke im Drogistenmuseum: Alle Besucher sind herzlich willkommen! Sie sollen das Museum mit mehr Freude, Begeisterung, Wissen und dem Wunsch, wiederzukommen und das Museum weiterzuempfehlen, verlassen.(JT 2017)

Illustration: Gil Elvgren, Fotos © Drogistenmuseum, Niki Lappas

Das Werk der Künstlerin Maria Biljan-Bilger – fast vergessen, doppelt präsent

 

Als Bildhauerin, Keramikerin und Textilkünstlerin schuf Maria Biljan-Bilger (1912-1997) ein unverwechselbares Werk zwischen Archaik und Moderne. Ihr Wirken ist in der zeitgenössischen Öffentlichkeit in Vergessenheit geraten und es ist ihrem Mann, dem Architekten Friedrich Kurrent, und dem Verein der Freunde der Maria Biljan-Bilger-Ausstellungshalle in Sommerein zu verdanken, dass man die absolut großartigen, beeindruckenden Kunstwerke von Biljan-Bilger heute noch besichtigen kann – und unbedingt sollte!

 

Die Ausstellungshalle, von Kurrent an einem ehemaligen Steinbruch errichtet, in der Hauptstraße 61 in 2453 Sommerein am Leithagebirge in Niederösterreich, wo es die Künstlerin 1962 hinzog, ist vom 1. Mai bis Ende Oktober jeden Samstag, Sonntag und Feiertag von 10.00 bis 12.00 und von 14.00 bis 18.00 Uhr (Eintritt € 3, Kinder frei) für Besucher offen.

 

Biljan-Bilger war Mitbegründerin des Art-Clubs und hatte 1952 ihre erste Personalausstellung im legendären „Strohkoffer“, dem Wiener Ausstellungslokal des Art-Clubs, der Wiener Avantgarde. 1965 war sie Gründungsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Architektur. Von 1978 bis 1982 war sie Professorin für Keramik an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Im Jahr 2006 wurde in Wien-Donaustadt die Biljan-Bilger-Gasse nach ihr benannt.

Die Künstlerin erhielt 1972 den Österreichischen Kunstpreis für Bildende Kunst, 1982 das Silberne Ehrenzeichen der Stadt Wien und den Burgenländischen Kulturpreis und 1992 den Kulturpreis für bildende Kunst des Landes Niederösterreich. Ihre Ausstellungen führten sie nach Rom, Turin, Venedig, Sao Paulo, Mailand, Istrien oder München, wo sie am 1. Mai 1997 stirbt. Ihre Grabstätte ist am Ortsfriedhof in Sommerein.

 

Der Just Tampier-Geheimtipp: verbinden Sie einen Besuch der Ausstellungshalle in Sommerein, das von Wien über Schwechat, Schwadorf und Trautmannsdorf ganz schnell zu erreichen ist (weitere Informationen unter www.maria-biljan-bilger.at) mit einem Mittagessen im ortsansässigen Landgasthaus zum Grünen Baum von Gerhard Schiller.

 

(JT 2017)

Fotos: www.maria-biljan-bilger.at, Margherita Spiluttini