Baum - Bäume - Wald

 

Die Schau „GROW - Der Baum in der Kunst“ im Unteren Belvedere, kuratiert von Miroslav Haľák, zeigt bis 8. Jänner 2023 unsere Sauerstoffquelle, Schattenspender und Ruhepole. Der Baum begleitet unser aller Leben – und nicht nur das der Waldbader oder Baumumarmer!

Kulturell war er zu allen Zeiten symbolbehaftet - als Mysterium, Wissensträger oder Vorbote ökologischer Fehlentwicklungen, als Vermittler zwischen dem Göttlichen und dem Menschlichen, als Objekt der Wissenschaft. 

 

Die Ausstellung schlägt eine thematische Brücke vom Baum der Erkenntnis über den Baum des Wissens bis zum Baum als metaphorischer Achse der Welt. Der Baum steht in der Kunst jeweils für die auf ihn projizierten Eigenschaften.

Die Präsentation stellt in einer Zeit von Waldbränden und -rodungen drängende Fragen zur Klimakrise. Bei ihrer Realisierung wurde bewusst auf Nachhaltigkeit gesetzt: Auf Plastik (Klebebuchstaben) wurde verzichtet, Wandtexte wurden mithilfe von Papierschablonen aufgemalt. Die Objektkärtchen aus Samenpapier sind mit ökologisch abbaubarer Tinte bedruckt. Auf kurze Transportwege wurde geachtet. Der Katalog zur Ausstellung wurde CO2-neutral produziert.

Die Werkauswahl basiert auf der Belvedere-Sammlung, ergänzt durch ausgewählte Leihgaben:

102 Arbeiten – Gemälde, Skulpturen und Installationen – spannen einen Bogen vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Zwei Installationen und eine Wandmalerei wurden speziell für die Ausstellung gefertigt.

 

Weitere Informationen unter www.belvedere.at

(JT Sep. 2022)

Fotos:

Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. Die Breite Föhre nächst der Brühl bei Mödling, 1838.

Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien.

Klemens Brosch. Baumstudie an der Donau, 1926. © Belvedere, Wien.

Josef Čapek. Der Wald, 1912. Dauerleihgabe Sammlung Rotter. Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Zwei österreichische KünstlerKollektive in der Albertina

 

Die Albertina Wien zeigt vom 5. Oktober 2022 bis 15. Jänner 2023 die Werke von zwei interessanten KünstlerDuos: Hauenschild Ritter – Muntean/Rosenblum. Kuratiert wurde die Schau von Elsy Lahner.

 

Großformatige Bleistiftzeichnungen sind das Markenzeichen der Medienkünstler Peter Hauenschild und Georg Ritter. Die beiden Linzer arbeiten seit 1989 intensiv zusammen – für ein Werk oft mehrere Wochen lang.

Den Zeichnungen eigen ist die realistische Bildtradition, die immer auch einen pointierten Blick auf Zeitgeschehen, Gesellschaft und Umwelt ermöglicht und in denen die beiden Künstler ihre eigene Tätigkeit reflektieren.. Es scheint als würde die Linse einer Kamera die Szene bannen, doch die unzähligen Striche, Schraffuren und Raster weisen das Werk als Zeichnung aus.

Als Zeichnung, der ein besonderes Geheimnis innewohnt.

Die Szenen aus dem Alltag transportieren eine magische Aura. Der Wechsel zwischen der Illusion einer Fotografie und dem Erkennen als gezeichnetem Kunstwerk lässt das Gezeichnete als Mysterium erahnen.

 

Markus Muntean und Adi Rosenblum sind seit 1992 ein Künstlerduo und werden zu ihren Werken oftmals durch die Ästhetik und den Lebensstil der Jugendkultur inspiriert. Ihre Zeichnungen, Gemälde, Performances und Installationen führen Motive der Kunstgeschichte und der Populärkultur zusammen. Oft sind Gruppen scheinbar gelangweilter junger Menschen zu sehen, die sich in alltäglichen Räumen, auf öffentlichen Plätzen oder in mysteriösen Landschaften aufhalten. Als Vorlagen für die Figuren und ihre Mimik und Gesten dienen Mode- und Lifestyle-Magazine ebenso wie die bildende Kunst, von der Renaissance bis hinauf ins 19. Jahrhundert.

Mit der Aneignung und Verflechtung von Bildern aus unterschiedlichen Quellen reflektieren Muntean und Rosenblum über die Macht und Manipulierbarkeit von Bildern in den allgegenwärtigen Medien von heute. Die Szenen bleiben aber unklar.

 

Weitere Informationen unter www.albertina.at

(JT Sep. 2022)

Fotos:

Hauenschild Ritter. Goldhauben II, 2008. Pastell auf Papier. Sammlung Klöcker, Bad Homburg v. d. Höhe © Hauenschild Ritter. Foto © Georg Ritter

Muntean / Rosenblum. Untitled ("We look at each other..."), 2002. Acryl auf Leinwand. Sammlung

Philara, Düsseldorf © Muntean/Rosenblum. Foto: Courtesy of Muntean/Rosenblum

Die Hagenbündler“ im Leopold Museum

 

Zum Auftakt des Ausstellungsherbstes widmet das Wiener Leopold Museum im MQ auf der Ebene -1 bis 6. Februar 2023 dem Hagenbund eine umfassende Ausstellung „Hagenbund. Von der gemäßigten zur radikalen Moderne“ - kuratiert von Hans-Peter Wipplinger, Dominik Papst und Stefan Üner.

Die Schau versammelt eine spezifische Auswahl jener herausragenden österreichischen Positionen, welche die künstlerischen Höhepunkte der Vereinigung markieren.

 

Nur drei Jahre nach der Gründung der Wiener Secession formierte sich 1900 mit dem Künstlerbund Hagen eine weitere Gegenbewegung zur renommierten Genossenschaft bildender Künstler Österreichs, der konservativen Künstlerhaus Vereinigung. 22 Künstler kritisierten dadurch die mangelnde Förderung junger Talente seitens der Vereinigung.

Der Künstlerbund Hagen, benannt nach dem Gastwirt Josef Haagen, in dessen Bierlokal „Zum blauen Freihaus” in der Gumpendorfer Straße sich seit 1881 die Haagengesellschaft traf, war eine lose Künstlergruppierung, aus der sowohl die Vereinigung bildender Künstler Österreichs – die Wiener Secession – als auch der Hagenbund hervorgingen.

 

Der Künstlerbund Hagen etablierte sich innerhalb kurzer Zeit als Plattform der Avantgarde. Er war in den 1910er-Jahren bedeutend für junge und progressive zeitgenössische Kunst. Im Hagenbund dominierte die Malerei, doch auch Bildhauerei, Kunsthandwerk, Skulpturen und architektonische Überlegungen fanden sich in den Präsentationen.

Die 1920er-Jahre gelten als die Blütezeit des Hagenbundes, wo letztendlich der Schritt von einer gemäßigten hin zu einer radikalen Moderne gesetzt wurde.

Gerade die Fortschrittlichkeit des Hagenbundes war es, die zu seinem Ende führte. Der Glaube an die Moderne und die kosmopolitische Ausrichtung standen im Gegensatz zu den faschistischen Tendenzen in Europa. Zu liberale künstlerische Ansichten, eine hohe Anzahl an Künstlern mit jüdischen Wurzeln und der linke Flügel innerhalb des Künstlerbundes führten im September 1938 zur Auflösung der Künstlervereinigung durch die Nationalsozialisten.

 

Insgesamt 266 Künstler waren im Laufe der vier Jahrzehnte seines Bestehens Mitglieder des Hagenbundes, rund 180 davon ordentliche Mitglieder, dazu kamen außerordentliche, korrespondierende und Ehrenmitglieder. Von den 74 eigenen Ausstellungen, die der Hagenbund zwischen 1902 und 1937 organisierte, wurden lediglich 17 gänzlich ohne weibliche Beteiligung abgehalten, womit die Präsenz der Künstlerinnen eine (auch heute noch!) bemerkenswerte, essentielle Konstante darstellte.

 

Weitere Informationen unter www.leopoldmuseum.org

(JT Sep. 2022)

Fotos:

HELENE FUNKE, In der Loge, 1907 © Lentos Kunstmuseum Linz, Foto: Lentos Kunstmuseum Linz

OTTO RUDOLF SCHATZ, Die Hoffnung, 1930 © Leopold Privatsammlung, Foto: Leopold Museum, Wien © Bildrecht, Wien, 2022

CARRY HAUSER, Jazzband, 1927 © Familie Goldscheider, Foto: EPIC GmbH, Petra Graf © Bildrecht, Wien 2022

Das Tier in Dir – Kreaturen in und außerhalb der mumok Sammlung

 

Die mumok Sammlung beinhaltet knapp fünfhundert Werke, die mit Tieren zu tun haben – eine beachtliche Anzahl, die die Frage aufwirft, was für ein Zoo eigentlich das Museum ist.

Was wird hier wie dort verwahrt, beforscht und zur Schau gestellt, um die „Freiheit der Kunst“ und das „wild life“ zu schützen? Und in wessen Interesse?

 

Die Jubiläumsausstellung „Das Tier in Dir“ anlässlich des 60. Geburtstages des Museums moderner Kunst Österreichs bis 26. Februar 2023, kuratiert von Manuela Ammer und Ulrike Müller, stellt sich anlässlich des 60. Geburtstages solchen Fragen und nutzt die populäre Anziehungskraft von Tieren um über die Natur von Sex, Hunger und Zuneigung nachzudenken sowie über Familien- und Geschlechterbeziehungen, Sozialisation und Domestizierung und nicht zuletzt über die andauernde Wirkung von Kolonialgeschichte.

Wer nimmt wen an die Kandare? Wer stutzt wem die Flügel? Wer krault wem den Bauch?

 

In der Ausstellung geht es somit mehr um Körper, die sich bewegen oder stillstehen, liegen oder stehen, sich ducken oder kriechen. Das Tier als Motiv dient als Ausgangspunkt um zu einem materialistischen Verständnis von Kunst und Leben zu gelangen.

Denn in der westlichen Welt ist „taming and framing“ das, was wir tun um unser Territorium zu markieren und unsere Subjektivität zu behaupten.

 

Es werden Werke gezeigt von Lothar Baumgarten, Joseph Beuys, Linda Bilda, Helen Chadwick, Friedl Dicker-Brandeis/Franz Singer, VALIE EXPORT, Öyvind Fahlström, Heinz Frank, Gloria Friedmann, Nancy Graves, Karel Havlíček, Jann Haworth, Candida Höfer, Ull Hohn, Anna Jermolaewa, Isolde Maria Joham, Gülsün Karamustafa, Alfred Klinkan, Dominique Knowles, Tetsumi Kudo, Maria Lassnig, Otto Muehl, Herrmann Nitsch, Oswald Oberhuber, Madame d’Ora (Dora Kallmus), Gina Pane, Pino Pascali, Germaine Richier, Susan Rothenberg, Erica Rutherford, Chéri Samba, Cagnaccio di San Pietro, Rudolf Schwarzkogler, Daniel Spoerri, Ursula u. a.

 

Weitere Informationen unter www.mumok.at

(JT Sep. 2022)

Fotos:

Cagnaccio di San Pietro. Zoologia, 1928. Öl auf Leinwand / Oil on canvas. 85 x 106 cm. mumok - Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Erworben | acquired in 1977

Herman Prigann. Begegnung, 1978. Öl auf Leinwand / oil on canvas. 150 x 160 x 2 cm,

mumok - Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien.Erworben / acquired in 1982

© Bildrecht Wien, 2022

Symbolgeladene Meisterwerke

 

Bis 8. Jänner 2023 zeigt die Albertina die erste umfassende Museumsretrospektive des außergewöhnlichen Werks von Jean-Michel Basquiat in Österreich:

Basquiat - Of Symbols and Signs.

 

Der schillernde Künstler repräsentiert die 1980er Jahre der pulsierenden New Yorker Kunstszene.

Mit 17 reißt der 1960 in NY geborene Sohn eines Haitianers und einer Puerto Ricanerin von zu Hause aus. Als Graffiti-Künstler lebt er teilweise auf der Straße. Doch schon bald folgt ein rasanter Aufstieg wie bei einem Film-Schnelldurchlaufs.

Basquiat verkehrt mit den bedeutendsten Künstlern seiner Zeit, darunter Musiker wie David Bowie und Madonna. Mit Andy Warhol verbindet ihn eine inspirierende Freundschaft.

Seine Bilder sind extrem gefragt und werden rasch teurer. 1982 wird er zum jüngsten Teilnehmer der documenta 7 und zum ersten Künstler von Weltruhm mit afro-amerikanisch-karibischen Wurzeln.

Doch der schnelle Erfolg wird für ihn zu einer Herausforderung, der er nicht lange standhält – 1988 stirbt er an einer Überdosis Drogen.

Das durchaus visionär zu nennende Werk Basquiats beschäftigt sich mit den problematischen Hierarchien in der Gesellschaft. Wichtigstes Thema ist ihm der allgegenwärtige Rassismus, der ihn, den Exzentriker und Superstar, auch persönlich betrifft.

 

Die Ausstellung zeigt rund 50 Hauptwerke aus renommierten öffentlichen und privaten Sammlungen, gibt neue Einblicke in die einzigartige Bildsprache Basquiats und entschlüsselt die Inhalte seiner künstlerischen Ideen.

 

Weitere Informationen unter www.albertina.at

(JT Sep. 2022)

Fotos:

Jean-Michel Basquiat. Untitled, 1982. Acryl und Ölstift auf Leinwand. Collection Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam. Foto: Studio Tromp © Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York

Jean-Michel Basquiat. La Hara, 1981. Acryl und Ölkreide auf Holz. Courtesy of Arora Collection © Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York

Jean-Michel Basquiat. Untitled, 1982. Acryl und Ölkreide. Private Collection, Photo: Peter Schuhböck © Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York

So ging einst „Schöner Wohnen“

 

Im Waschsalon Karl-Marx-Hof gibt es eine neue Sonderausstellung bis 17. Dezember 2023: Schöner Wohnen im Roten Wien. 100 Jahre Punktesystem – 100 Jahre Wohnbauprogramm“, konzipiert und kuratiert von Lilli Bauer und Werner T. Bauer. Sponsor der Sonderausstellung ist die Wiener Städtische - Vienna Insurance Group.

 

Einen Wiener Gemeindebau der Ersten Republik erkennt man auf den ersten Blick.

Die Fassaden mit ihren Sprossenfenstern, Balkonen, Loggien und Erkern prägen das Stadtbild bis heute. Doch wie wohnten die ersten Arbeiterfamilien in diesen neuen, gesunden Volkswohnungen?

Der Waschsalon geht auf Wohnungsinspektion.

 

Um 1900 lebte die Mehrheit der Wiener Bevölkerung noch auf Zimmer und Küche. Berüchtigt waren die Gangküchenwohnungen ohne fließend Wasser und ohne Elektrizität.

1922 wurde ein transparentes „Punktsystem“ eingeführt, das die Wohnungswerber in Dringlichkeitsstufen einteilt. 1923 beschloss der Gemeinderat ein erstes Wohnbauprogramm,

Am Ende der Ersten Republik wohnte jeder zehnte Wiener in einer Gemeindebauwohnung.

Die Wohnungsgrößen wurden anfangs häufig als zu klein empfunden. Die Stadt nahm sich die Kritik zu Herzen und plante ab 1927 auch größere Wohneinheiten. Mit den größer dimensionierten Grundrissen hielt auch das bürgerliche Wohnzimmer Einzug in die Arbeiterwohnung.

 

Weitere Informationen unter www.dasrotewien-waschsalon.at

(JT Aug. 2022)

Foto: Interieur, 1928, koloriert © WStLA/Foto Gerlach

Die Expressivität des Künstlers Francesco Clemente

 

In den 1980er Jahren kam es zu einem neuen expressiven Gestus in der Malerei, einer neuen Farb- und Bildsprache. In Italien kann eine eigenständige Bewegung beobachtet werden. Es ist eine Strömung, die ihren Namen nach einer Ausstellung erhält: die Transavanguardia, einer jener Gegenströmungen zu Minimalismus und Konzeptkunst, die mit einer Rückkehr zur figurativen Kunst

und Farbigkeit, zur Symbolik, Mystik und Mythologie einhergehen.

Der 1952 in Neapel geborene Francesco Clemente zählt zu den Hauptvertretern der Transavanguardia, mit einer eigenen, unverwechselbaren Bildsprache.

 

Clemente interessiert neben seiner italienischen Herkunft und seiner sehr frühen neuen Heimat, den USA, auch der ferne Osten und seine Kunst. Hier lernt er Menschen, Kultur, deren Volkskunst und Mythen kennen, die ihm Quelle seiner künstlerischen Ideen sind. Die mediale Vielfalt ist ein weiteres Merkmal des Künstlers. Neben der Lithografie und der Druckgrafik gibt es die Tuschzeichnung, das Gemälde oder auch Fresken in seinem umfassenden Schaffen.

 

Die Idee zu der Personale in der Albertina Wien stammt von Rafael Jablonka, der der Albertina gemeinsam mit seiner Frau Teresa ihre bedeutende Sammlung als Dauerleihgabe übergeben hat. Diese beinhaltet auch wichtige Werke von Francesco Clemente, dem Rafael Jablonka schon lange als Kunstliebhaber, Sammler und Freund nahesteht. Er hat diese Ausstellung, die bis 30. Oktober 2022 in den Tietze Galleries zu sehen ist, in enger Abstimmung mit dem Künstler und Elsy Lahner, der Kuratorin der Albertina, konzipiert. Gehängt wurde sie jedoch vom Künstler selbst.

 

Weitere Informationen unter www.albertina.at

(JT Aug. 2022)

Fotos:

Francesco Clemente. Hermaphrodite, 1985. Gouache auf handgefertigtem pondicherry Papier

ALBERTINA, Wien – The JABLONKA Collection © Francesco Clemente

Francesco Clemente. Amalfi 9, 2007. Auarell auf Papier. Privatsammlung © Francesco Clemente

Kräftig – energetisch - unkonventionell

 

Mit einer Auswahl zentraler Skulpturen und Zeichnungen der letzten zwei Jahrzehnte würdigt die ALBERTINA erstmals das Werk des 1949 in Liverpool geborenen und in Wuppertal und Berlin lebenden Tony Cragg. Die Ausstellung Sculpture: Body and Soul, kuratiert von Antonia Hoerschelmann, ist in der Pfeilerhalle bis 6. November 2022 zu sehen.

 

Tony Craggs Skulpturen sind als Kraftfelder erlebbar und führen vor, dass jeder Körper energetische, spielerische und inspirierende Kräfte birgt.
In seinem skulpturalen Schaffen vollzieht sich eine Entwicklung von der figurativen zur abstrahierten Form, wobei der Umgang Cragg's mit teils unkonventionellen Materialien wie Glasfaser und Kevlar neben Holz, Stein und Edelstahl zu einer sehr unterschiedlich wahrnehmbaren Präsenz der Skulptur im Raum führt.
Ab den 1990er-Jahren wendet sich der mit dem Turner-Preis ausgezeichnete Documenta und Venedig-Biennale Künstler verstärkt auch der Zeichnung zu.


Weitere Informationen unter www.albertina.at

(JT Juli 2022)

Fotos:

Tony Cragg. Compound, 2015. Glas. © Tony Cragg / Bildrecht, Wien 2022. Foto: Francesco Allegretto

Tony Cragg. In Frequencies, 2019. Holz. © Tony Cragg / Bildrecht, Wien 2022

Tony Cragg. Integers, 2021. Holz. © Tony Cragg / Bildrecht, Wien 2022. Foto: Michael Richter

Komplex – frivol – nicht stimmig

 

Seit mehr als zwanzig Jahren zählt Rebecca Warren (* 1965) zu den herausragenden Vertreterinnen der Gegenwartskunst. Internationale Bekanntheit erlangte sie mit ihren Skulpturen, Collagen, Vitrinen- und Neonarbeiten.

Das Belvedere 21 präsentiert bis 16. Oktober 2022 die erste Personale The Now Voyager dieser bedeutenden britischen Bildhauerin in Österreich, kuratiert von Axel Köhne.

Warren's unverwechselbares und komplexes Werk, in dem sich Tradition mit Alltäglichem, Ernsthaftigkeit mit Frivolität, Meisterschaft mit Unstimmigkeit mischt, verkörpert ihre Einstellung zur Kunst und zu deren Geschichte.

 

Die Einzelausstellung besteht aus neun neuen großen handbemalten Bronzeskulpturen auf verschiedenfarbigen Sockeln und einer Reihe neuer wandbasierter Neoncollagen. Die meisten Skulpturen – die Warren in ihrer Vielfalt mit dem Ensemble Außerirdischer in der berühmten Star Wars-Barszene vergleicht – sind weitgehend figurativ. Einige sind zudem kopflastig, lehnen sich an, arbeiten gegen die Schwerkraft, stemmen sich gegen ihre eigene Masse und ihr eigenes Gewicht. Die Collagen aus Neon, handelsüblichen Farben, Wolle und anderen Elementen sind Präsenzen einer anderen Ordnung. Sie suggerieren ein sonderbares Kommunikationssystem, das sich als Glyphen, seltsam vertraute Augenblicke und ferne nächtliche Ausblicke manifestiert.

 

Weitere Informationen zur Schau unter www.belvedere.at

(JT Juli 2022)

Fotos:

Rebecca Warren, We R the Batique, 2019. Mixed Media, 154 x 70 x 8 cm

Rebecca Warren, The Now Voyager, 2021/2022. Handbemalte Bronze auf bemaltem MDF Sockel, Bronze: 191 x 70 x 70 cm, Sockel: 27 x 120 x 120 cm

Rebecca Warren, "The inscrutable passage of an alien or godly intelligence", 2019 (Detail).

Mischtechnik auf Sperrholz , 30 x 43 x 8 cm

Medienkünstler Hans Kupelwieser stellt in Krems aus

 

Hans Kupelwieser belebt mit seiner Kunst bis 30. Oktober 2022 die Dominikanerkirche Krems, den Museumsplatz und die Kunsthalle Krems. Kuratiert wurde die Ausstellung von Andreas Hoffer.

 

Der 1948 in Lunz am See (NÖ) geborene Bildhauer, Grafiker und Medienkünstler Kupelwieser zählt zu den wichtigsten österreichischen Künstlern seiner Generation. Seine Arbeiten reichen von Fotogrammen über Skulpturen bis hin zu raumfüllenden Installationen. Dafür verwendet er unterschiedlichste Medien und Materialien. Das Spektrum reicht von Papier über Metall, Kunststoff, Beton, Gummi bis Plexiglas.

 

Für die Dominikanerkirche Krems hat Kupelwieser eine temporäre Installation entwickelt. Er spiegelt die Kreuzrippenkonstruktion der Decke des gotischen Sakralbaus auf den Boden des Mittelschiffs mittels einer raumgreifenden Holzskulptur. Die mittelalterlichen Bauelemente werden zu einem begehbaren Kunstwerk und machen die historische Architektur des Kirchenraums erlebbar. 

In der Kunsthalle Krems zeigt Kupelwieser zehn großformatige Werke. Sie sind Ergebnis seines experimentellen Arbeitens mit dem Fotogramm. Er lässt mit dieser Technik Gegenstände, ganz unmittelbar und ohne Kamera, nur durch Licht mit dem Fotopapier verschmelzen.

Am Museumsplatz platziert Kupelwieser zwei Skulpturen: einen übergroßen, mit Hochdruck aufgeblasenen Polster aus Aluminium und eine dynamische Arbeit aus poliertem Edelstahl. Erweitert wird diese Skulpturengruppe durch ein Augmented-Reality-Objekt im Rahmen der Initiative Artificial Museum. Die Holzskulptur aus der Dominikanerkirche wird mittels Smartphone auf den Museumsplatz projiziert. Wie in der Dominikanerkirche können Besucherin Echtzeit die virtuelle Skulptur begehen und mit ihr interagieren.

 

Weitere Informationen unter www.kunsthalle.at

(JT Juli 2022)

Fotos:

Hans Kupelwieser. Ohne Titel. 2022. © Kunstmeile Krems

Hans Kupelwieser. Gonflable H, 2021. Aluminium, aufgeblasen, Courtesy: Künstler, © Kunstmeile Krems

Die unbeirrbare Katrina Daschner

 

BURN & GLOOM! GLOW & MOON! Thousand Years of Troubled Genders ist die bisher umfassendste Ausstellung der in Wien lebenden Künstlerin und Filmemacherin Katrina Daschner. Sorgfältig von Övül Ö. Durmuşoğlu kuratiert, umfasst die Schau in der Kunsthalle Wien im Museumsquartier bis 23. Oktober 2022 Werke von 1990 bis zur Gegenwart und verfolgt eine Linie durch mehr als zwei Jahrzehnte intersektionaler queerer Strategien, die (neo-)liberale, heteropatriarchale Auffassungen von Sexualität, Gender, Subjektivität und Beziehungen kontinuierlich untergraben.

 

Daschner arbeitet mit verschiedenen, eng miteinan­der verbundenen Medien, wie Skulptur, Textilien, Musik, Performance, Community-Arbeit und vor allem Film, der das Herzstück von BURN & GLOOM! GLOW & MOON! bildet. Genauso wie die Kollaborationen, die seit langem ein integraler Bestandteil von Daschners Praktiken sind.

Die Künstlerin konfrontiert, berührt, umarmt und träumt. Sie denkt darüber nach, wie die vielstimmigen, aber zumeist unsichtbaren Formen queerer Erfahrung in Ästhetik übersetzt werden können. Ihre Arbeit streut unermüdlich Sand ins Getriebe des patriarchalen Konsenses und seiner Alltagsnormen in der westlichen Gesellschaft, indem sie verschiedene Entwürfe einer fluiden Körperlichkeit in Inszenierungen umsetzt. In ihren Drehbüchern ist die Entblößung des Körpers unweigerlich gewaltsam, während sie zu übertreten zur Quelle der Lust wird.

 

Weitere Informationen unter www.kunsthallewien.at

(JT Juni 2022)

Fotos:

Katrina Daschner, Flaming Flamingos, 2011 (Filmstill), Courtesy die Künstlerin / sixpackfilm

Katrina Daschner, Hiding in the Lights, 2013, Filmstill, Courtesy die Künstlerin / sixpackfilm

Donald Duck made in Austria!

 

Als Österreichs einziges Museum für satirische Kunst nimmt das Karikaturmuseum Krems seit über

20 Jahren eine Sonderstellung in der hiesigen Museumslandschaft ein.

Bis 19. Februar 2023 zeigt das Museum die Ausstellung „Donald made in Austria“ von Florian Satzinger, kuratiert von Künstler selbst und Gottfried Gusenbauer, dem künstlerischen Direktor.

 

Der international renommierte Character-Designer dachte Figuren wie Donald Duck und Micky Maus mit den Stilmitteln der Karikatur für Film und Kino neu. In der Schau geben zentrale Stationen im Schaffen Satzingers Aufschluss über seine Design- und Arbeitsweise.

Entscheidend für ein gelungenes Design ist, dass der Charakter in seiner fantastischen Form glaubwürdig und nachvollziehbar bleibt. Dafür entwirft Satzinger sogenannte Baupläne für Figuren um sie auf wenige Grundformen herunterzubrechen und eine Vielzahl von Posen und Gesichtsausdrücken auszuarbeiten.

Der gebürtige Grazer arbeitete bereits für eine Reihe von Filmstudios und Medienhäusern wie Warner Bros. und Disney.

Begleitet wird die Schau von einem Exkurs der Diversitätsexpertin Maryam Laura Moazedi über aktuelle Fragestellungen zur Vermeidung von Stereotypen im Character-Design.

 

In Kooperation mit dem Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten zeigt das Karikaturmuseum Krems die Schau „Donald Made in Austria!" weltweit an weiteren Ausstellungsorten.

Weitere Informationen unter www.karikaturmuseum.at

(JT Juni 2022)

Fotos © Florian Satzinger

Ein neues Museum für das KunstGenießen

 

Das Museum für die Heidi Horten Collection eröffnete am 3. Juni 2022 nach knapp zwei Jahren umfangreicher Bauarbeiten in der Wiener Innenstadt zwischen Staatsoper, Albertina und Burggarten. Dafür haben the next ENTERprise architects das ehemalige erzherzogliche Kanzleigebäude mit ambitionierter Architektur zu einem zeitgenössischen Museum umgestaltet.

Unter dem Titel OPEN werden Besucher dieses erstmals in seiner ganzen Strahlkraft erleben können als Ort des des KunstGenießens mit Agnes Husslein-Arco als Direktorin der Heidi Horten Collection.

 

Heidi Goëss-Horten erlebte noch die Eröffnung ihres Herzensprojektes. Kurz danach starb diese wunderbare Sammlerin und Mäzenin.

Nachdem sie Teile ihrer umfangreichen exquisiten Kollektion mit Meisterwerken von der Klassischen Moderne bis zur Pop Art und zeitgenössischen Kunst 2018 im Wiener Leopold Museum präsentiert hatte, gab das überwältigende Publikumsinteresse den Anstoß dazu, die umfangreiche Sammlung für künftige Generationen zu bewahren und mit der Gesellschaft zu teilen. Hauptaufgabe des neuen Museums wird es sein, die Sammlung in all ihren unterschiedlichen Facetten erlebbar zu machen und Sonderausstellungen zu sammlungsinhärenten Themen zu präsentieren.

 

Drei Ausstellungsebenen, die durch freischwebende Treppen verbunden sind, bieten auf rund 1.500 m2 großzügige Ausstellungsflächen. Ein Atelier mit Terrasse ist kreativen Vermittlungsaktivitäten gewidmet, die Heidi Goëss-Horten ein großes Anliegen waren. Ein besonderer Ort im Museum mit historischem Bezug ist der Tea Room. Gestaltet von den Künstlern Markus Schinwald und Hans Kupelwieser, lädt er dazu ein, in den Kosmos der Sammlerin einzutauchen und nach dem Museumsbesuch zu entspannen. Ein kleiner Museumsgarten eignet sich zur Aufstellung von Skulpturen der Sammlung und bildet eine unerwartete Ruheinsel im Getriebe der Stadt.

 

Zur Eröffnung erschien ein Katalog zur Architektur des Hauses und seiner Geschichte sowie eine Publikation zur Ausstellung.

Weitere Informationen unter www.hortencollection.com

(JT Juni 2022)

Fotos:

Heidi Goëss-Horten vor einem Werk Francis Bacons, 2019 Foto: Ouriel Morgensztern, © Heidi Horten Collection

Heidi Horten Collection. Foto: Rupert Steiner, © Heidi Horten Collection

Ausstellungsansichten OPEN, Heidi Horten Collection, 2022, Foto: © kunst-dokumentation.com/Manuel Carreon Lopez (Affe + Hase vom Künstlerpaar Claude und François-Xavier Lalanne, Vibrosauria von Constantin Luser)

Das Miteinander

 

Ausgehend von den Schwerpunkten der mumok Sammlung in den Avantgarden der 1960er- und 1970er-Jahre sowie den konzeptuellen und gesellschaftsanalytischen Ansätzen der Gegenwartskunst untersucht die Ausstellung Kollaborationen“, kuratiert von Heike Eipeldauer und Franz Thalmair, bis 6. November 2022 unterschiedliche Strategien kollektiver Autorenschaft.

Der Bogen, den die Schau dabei spannt, reicht von der kleinsten zur größten Einheit des Miteinanders: von der internen Verbundenheit des Kollektivs zum punktuellen Zusammenschluss des Konnektivs, vom Paar zur Gesellschaft – und nicht zuletzt von der Liebesbeziehung zur Allverbundenheit. 

 

Kollaborationen“ geht der Frage nach, wie künstlerische Modellformen eines „Wir“ für das gesellschaftliche Zusammenleben fruchtbar gemacht werden können:

Was bedeutet Kollaboration im 21. Jahrhundert, wenn sich grundlegende Gesellschaftsstrukturen zusehends auflösen und wie reagieren Künstler darauf?

 

Künstler: Marina Abramovic & Ulay, Ant Farm, Art & Language, Martin Beck, Bernadette Corporation, Anna & Bernhard Blume, George Brecht, Günter Brus, John Cage, Merce Cunningham, Chto Delat, Leidy Churchman, Clegg & Guttmann, Phil Collins, Bruce Conner, DIE DAMEN, Jean Dupuy, VALIE EXPORT, Peter Faecke und Wolf Vostell, Robert Filliou, Rimma Gerlovina & Valeriy Gerlovin, Gilbert & George, Manfred Grübl, Andreas Gursky, Richard Hamilton und Dieter Roth, Haus-Rucker-Co., Christine & Irene Hohenbüchler, IRWIN, Ray Johnson und Berty Skuber, On Kawara, Friedrich Kiesler, Alison Knowles, Brigitte Kowanz und Franz Graf, Louise Lawler, Lucy R. Lippard, Sharon Lockhart, George Maciunas, Larry Miller, Ree Morton, Otto Muehl, museum in progress, Moriz Nähr, Natalia L.L., Otto Neurath, Yoko Ono, Nam June Paik, Stephen Prina, Jörg Schlick, Hubert Schmalix, Secession, Seth Siegelaub, Christian Skrein, Daniel Spoerri, Petr Štembera und Tom Marioni, Thomas Struth, Timm Ulrichs, VBKÖ, Kerstin von Gabain und Nino Sakandelidze, Franz Erhard Walther, Robert Watts, Franz West, Wiener Gruppe, Oswald Wiener, Heimo Zobernig u.a.m. ; mit der Videoreihe lumbung calling der documenta fifteen, kuratiert von ruangrupa

Die Ausstellung wird gestaltet von Anetta Mona Chişa und Lucia Tkáčová.

 

Weitere Informationen unter www.mumok.at

(JT Juni 2022)

Fotos:

Andreas Gursky. Nha Trang, 2004. Farbfotografie / Color photograph. 295,7 × 207 cm. mumok - Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, erworben/acquired 2004. © Andreas Gursky / Courtesy Sprüth Magers / Bildrecht, Wien 2022

Kerstin von Gabain, Nino Sakandelidze. DOLLHOUSE OF A POEM, 2017 Diverse Materialien / various materials. 163 × 70 × 70 cm. mumok - Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Schenkung / donation from Kerstin von Gabain, 2017. © Kerstin von Gabain / Nino Sakandelidze

IRWIN. NSK Panorama, 1997. aus: Transcentrala, New York, Moscow, Ljubljana 1992 – 1997

c-print. Photo: Michael Schuster. mumok - Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, erworben/acquired 2005. © IRWIN

Bild im Licht – Licht im Bild

 

Joseph Rebell brachte Licht ins Bild. Der Mann mit dem interessanten Namen brachte das Licht Italiens auf die Leinwand.

Der 1787 in Wien geborene Landschaftsmaler lebte viele Jahre in Mailand, in Rom und vor allem am Golf von Neapel.

 

Bekannt wurde er nicht nur als einflussreicher Künstler und Impulsgeber, sondern auch als zukunftsweisender Direktor, der mit der Umgestaltung des Belvedere in ein modernes Museum begann. Mit der ersten Einzelausstellung „Im Licht des Südens“ schließt das Belvedere eine Forschungslücke zu Joseph Rebell und widmet sich zugleich seiner eigenen Geschichte als Institution.

In dieser ersten Einzelausstellung zu Rebell widmet sich das Museum Rebell's Ansichten aus Süditalien, sowie frühen Zeichnungen und arkadische Landschaften.


Die Ausstellung ist bis 13. November 2022 im Unteren Belvedere zu sehen.

Weitere Informationen unter www.belvedere.at

(JT Juni 2022)

Fotos:

Joseph Rebell, Küste von Capri bei Sonnenuntergang, 1817. Bayerische Staatsgemäldesammlungen München - Sammlung Schack

Joseph Rebell, Selbstporträt, undatiert. © Belvedere, Wien

Joseph Rebell, Sonnenuntergang über den Campi Flegrei gegen die Inseln Procida und Ischia, 1819

(Detail). Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Realistisch und/oder lebensnah

 

Die Ausstellung „Lebensnah“ im Oberen Belvedere zeigt bis 1. November 2022 realistische Malerei von 1850 bis 1950.

Obwohl aus unterschiedlichen Zeiträumen, weisen die Werke erstaunlich viele Gemeinsamkeiten auf: eine anspruchsvolle und präzise Maltechnik, oftmals eine spezifische, kritische Beschäftigung mit der zeitgenössischen Lebensrealität. Diesen Querverbindungen über ein Jahrhundert hinweg geht das Museum im Rahmen einer Sammlungspräsentation im zweiten Stock des Oberen Belvedere nach. Konzipiert wurde die Ausstellung von den Kuratoren Kerstin Jesse und Franz Smola.

 

Der „Réalisme“ etablierte sich von 1850 bis 1950 als eigenständige Stilrichtung, die auf die gesamte europäische und amerikanische Malerei ausstrahlte. Dabei spielte der Einfluss der noch jungen Fotografie eine wesentliche Rolle. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert präsentierte sich die realistische Malerei stets als Gegenpol zu den in dieser Periode rasch wechselnden Stilformen und Avantgarden.

Der Rundgang durch die Sammlung des Belvedere überrascht durch seine Themenvielfalt. Ausgewählte Werke werden in epochenübergreifenden Gegenüberstellungen miteinander konfrontiert. Manche der Arbeiten waren bislang selten oder noch nie zu sehen.

 

Weitere Informationen unter www.belvedere.at

(JT Mai 2022)

Fotos:

Wilhelm Leibl, Kopf eines Bauernmädchens, um 1880, Belvedere, Wien

Anton Filkuka, Holzsammelnde Kinder, 1925, Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

August Eduard Wenzel, Im Museum, 1939, Belvedere, Wien

AusstellungsHöhepunkte 2022 in Krems

 

Die Kunstmeile Krems bildet mit ihrer Vielzahl an Museen, Galerien, Konzerten, Kunst- und Musikfestivals ein einzigartiges Kunst- und Kulturareal.

25 neue Ausstellungen in den sechs zentralen Museen, 4 Festivals, 2 Klangkunstwerke im Klangraum Krems Minoritenkirche, 1 Open Air Kino beim Kesselhaus und 1 Kinder.Kunst.Fest für die ganze Familie werden heuer geboten. Das Forum Frohner feiert 2022 sein 15-jähriges Bestehen. Die Artothek Niederösterreich wird 20 Jahre alt. Das museumkrems ist seit 130 Jahren im ehemaligen Dominikanerkloster am Körnermarkt beheimatet.

 

Gerda Ridler, die neue Direktorin der Landesgalerie Niederösterreich, bringt als ersten Höhepunkt im Ausstellungsjahr eine retrospektive Werkschau zu Isolde Maria Joham (02.04.–09.10.2022) anlässlich ihres 90. Geburtstags.

Die Kunsthalle Krems zeigt die erste monografische Schau zu Helen Frankenthaler in Österreich (23.04.–30.10.2022). Die 2011 verstorbene Amerikanerin zählt zu den wichtigsten Vertreterinnen des abstrakten Expressionismus des 20. Jahrhunderts.

Im museumkrems wirft die aus Japan stammende Künstlerin Haruko Maeda einen persönlichen Blick auf die kunsthistorische und volkskundliche Sammlung der Stadt Krems. Ihre in altmeisterlicher Technik gefertigten Arbeiten setzt sie in Dialog mit selten gezeigten Objekten aus dem Museumsdepot (26.03.–01.11.2022).

Einen großen Auftritt haben die Landessammlungen Niederösterreich ab Ende Mai in der Landesgalerie Niederösterreich (21.05.2022–05.02.2023). Über drei Etagen werden hochkarätige Werke von rund 100 Künstlern aus der Zeit nach 1960 präsentiert.

Die Privatsammler Amir und Shahrokh Shariat stellen für eine Gruppenausstellung in der Kunsthalle Krems figurative Gegenwartskunst aus Afrika zur Verfügung (19.11.2022–12.03.2023).

Das Karikaturmuseum Krems widmet dem Zeichner Paul Flora anlässlich seines 100. Geburtstags ab Februar eine umfassende Retrospektive (20.02.2022–29.01.2023).

Als Highlight für die ganze Familie beleben ab Juli Donald Duck und andere Trickfilmfiguren aus der Hand des Character-Designers Florian Satzinger das Karikaturmuseum Krems (17.07.2022–19.02.2023).

 

Nadja Kayali stellt in ihrer ersten Saison das Festival Imago Dei unter den Titel „Zwischenwelten“ (11.03.–18.04.2022) und lädt zu sechzehn Eigenproduktionen von und mit in Österreich lebenden Künstlern.

Unter dem Titel „Stealing the Stolen“ widmet sich das donaufestival 2022 (29.04.–01.05. und 06.–08.05.) der Kraft von Gegenaneignungen.

Das Festival Glatt&Verkehrt (15.–31.07.2022) präsentiert faszinierende Stimmen aus der ibero-amerikanischen Musikszene, aus den USA und Österreich, die ihre Utopien für eine „neue Welt“ vorstellen.

Die Europäischen Literaturtage (17.–20.11.2022) machen den Klangraum Krems Minoritenkirche zu einem inspirierenden Begegnungsort mit internationalen Autoren.

 

Alle weiteren Informationen unter www.kunstmeile.at

(JT 2022)

Foto: Kunstmeile Krems, 2019 © Kunstmeile Krems by Faruk Pinjo

Neues aus München

 

Das KUNSTLABOR 2 im bayerischen München vereint viele Programmpunkte unter einem Dach und bietet ein umfangreiches Rahmenprogramm für Besucher, die eingeladen werden, aktiv Teil und Mitgestalter des Angebots zu sein.

 

Knapp 10.000 Quadratmeter und sechs Etagen umfasst das KUNSTLABOR 2 in einem ehemaligen Gesundheitshaus in der Maxvorstadt in der Dachauer Straße.

Es wurde als Zwischennutzungsprojekt vom Museum of Urban and Contemporary Art (MUCA) in ein neues Zentrum für Kunst und Kultur umgewandelt.

Besonders spannend für Fans von Street- und Urban Art: Zwei der sechs Etagen wurden und werden von mehr als 100 Künstlern in ein begehbares Kunstwerk verwandelt. Mit dabei sind bekannte Namen wie Loomit oder Rapper Samy Deluxe, aber auch Newcomer wie Pepe (alias Jose Luis Villanueva Contreras).

 

Unbedingt für den nächsten München-Trip vormerken!

Weitere Infos unter www.kunstlabor.org

(JT 2022)

Foto © MUCA / wunderland media GmbH

Das MAK in Wien und sein Programm 2022

 

Das Wiener Museum MAK bildet vieles ab, was im Alltag der Menschen einen Platz hat.

Das macht es für die Generaldirektorin Lilli Hollein zu einem demokratischen Haus, einem Museum mit großer Zugänglichkeit.

Öffnung – Haltung – Vermittlung – Diversität – Perspektivenwechsel stehen seit ihrem Antritt im September 2021 für ihre Visionen, Pläne und die zukünftige Positionierung des MAK, an deren Umsetzung mit dem gesamten Team bereits intensiv gearbeitet wird und die sich auch deutlich im Programm 2022 widerspiegeln.

Holleins expliziter Wunsch ist es, das MAK, das mit seinen interdisziplinären, interkulturellen Inhalten in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verankert ist, einem breiten Publikum zu öffnen.

 

Zurückgreifend auf den Gründungsgedanken des Museums mit seiner Vorbildersammlung, nimmt das MAK zudem seine Verantwortung wahr, in Fragen der Gestaltung beispielgebend zu sein.

Das Haus sieht sich als wesentliches Gegenüber für Gestalter und als aufgeschlossener Auftraggeber, der explizit eine junge Szene einbindet und dennoch offen für alle KünstlerGenerationen ist – von digitaler Kunst bis hin zur Auseinandersetzung mit klassischen Medien der angewandten Kunst.

 

Hier ein Auszug der künftigen Ausstellungen:

WERKSTÄTTE HAGENAUER. Wiener Metallkunst 1898–1987, 26. Oktober 2022 bis

3. September 2023

100 BESTE PLAKATE 21. Deutschland Österreich Schweiz, 19. Oktober 2022 bis 5. Februar 2023

 

Weitere Informationen unter www.mak.at

(JT 2022)

Foto © Bueronardin