Arakiss von Araki

 

Nobuyoshi Araki (*1940) ist einer der einflussreichsten japanischen Künstler der Gegenwart. Seine Arbeiten sorgen weit über das klassische Fotopublikum hinaus für Aufmerksamkeit und immer wieder auch für Kontroversen. 

Anlässlich seines 80. Geburtstages zeigt das Wiener WestLicht ab dem 29. April in der Ausstellung ARAKISS erstmals Fotografien aus Arakis neuester, 2020 entstandener Serie Paradise. Dabei werden die großformatigen Stillleben, in denen Araki immer wieder Motive vergangener Schaffensperioden aufgreift, in den Kontext seiner Publikationen und seiner Arbeiten aus sechs Jahrzehnten gestellt. So beleuchtet der Ausstellungsparcours stets wiederkehrende Themenkomplexe im Werk des Künstlers: die obsessive Beschäftigung mit Sexualität und Tod, die Vermischung von dokumentarischer und fiktionaler Erzählung, den Bildersturm und Arakis Auseinandersetzung mit der Zensur. 

ARAKISS zeigt die Entwicklung von Arakis Schaffen über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren, von seinen ersten Aufnahmen über die berühmte Serie Sentimental Journey und seine bekanntesten Bondage-Fotografien bis zu seinem neuesten Projekt.

 

Den roten Faden der Ausstellung bilden Arakis Bücher, die einen zentralen Stellenwert in seinem Schaffen einnehmen. Viele seiner Meisterwerke sind heute begehrte Sammlerstücke und veranschaulichen auf eindrückliche Weise, wie das Medium Fotografie im Medium Buch seine kongeniale Ergänzung finden kann. Mit der Präsentation von mehr als 300 Bänden aus der Sammlung OstLicht ist die WestLicht Ausstellung die bislang umfassendste Retrospektive dieses in seinem Umfang und seiner Vielschichtigkeit einzigartigen Œuvres.

 

Um dem unermüdlichen künstlerischen Schaffensdrang Arakis Rechnung zu tragen, ist ARAKISS als häuserübergreifende Doppelausstellung konzipiert. Ab 20. Mai präsentiert die Galerie OstLicht ergänzend zur WestLicht Ausstellung weitere Aspekte in Arakis Schaffen. Dabei wird auch die monumentale Serie Kinbaku Shamaki, ein insgesamt 8 m langes, mehrteiliges Tableau von 53 mit Acryl übermalten Bondage-Fotografien zu sehen sein. Es ist dies das größte Werk Arakis und befindet sich wie die meisten der ausgestellten Exponate im Besitz der Sammlung OstLicht.

Die Ausstellungen werden von Hisako Motoo, Fabian Knierim und Michael Kollmann kuratiert und bleiben bis 1. August 2021 geöffnet.

Weitere Infos unter www.westlicht.com und www.ostlicht.com

(JT Feb. 2021)

Fotos:

002  Untitled, from the series »Paradise«, 2020  © Nobuyoshi Araki 

003  Untitled, from the series »Paradise«, 2020  © Nobuyoshi Araki 

GesichterSchau

 

Die ALBERTINA Wien zeigt in den Tietze Galleries die Ausstellung Faces - Die Macht des Gesichts bis 24. Mai 2021, mit 154 Fotografien, 7 Filmclips und 7 Büchern, kuratiert von Walter Moser.

 

Die Schau widmet sich der radikalen Erneuerung der Porträtfotografie im Deutschland und Österreich der Zwischenkriegszeit. Für die 1920er- und 1930er-Jahre ist eine obsessive Beschäftigung mit dem Gesicht bezeichnend, die das Ende des klassischen Porträts einleitete: Fotografen stellen nicht mehr die Persönlichkeit eines Menschen dar, sondern fassen das Gesicht nun als nach ihren Vorstellungen formbares Material auf.

Die Porträts der Zeit spiegeln die gesellschaftlichen, politischen und künstlerischen Umbrüche der Epoche wider. 

Im sozial aufgeheizten Umfeld der Weimarer Republik, im österreichischen Ständestaat und im Nationalsozialismus diente das Gesicht nicht zuletzt als Projektionsfläche für politische Ideologien, denen durch Stilmittel der Moderne visuell Ausdruck gegeben wurde.

Die bahnbrechenden ästhetischen Neuerungen des sogenannten Neuen Sehens oder der Neuen Sachlichkeit sollten die dynamische Entwicklung der technisierten Welt einfangen und kennzeichnen auch die Inszenierung des Gesichts durch experimentelle Beleuchtung und Nahansichten.

 

Die Frage, ob und wie sich ein Mensch oder gar eine Epoche anhand von Gesichtern entziffern lässt, beschäftigte wissenschaftliche wie künstlerische Disziplinen. Das Interesse an Physiognomie und „Typen“ manifestierte sich in den 1930er-Jahren zunächst in einer kulturkonservativen Heimatfotografie und in der Folge einer im Dienste des Nationalsozialismus stehenden Porträtfotografie.

 

Ausgestellte KünstlerInnen: Gertrud Arndt, Marta Astfalck-Vietz, Irene Bayer, Aenne Biermann, Erwin Blumenfeld, Max Burchartz, Suse Byk, Paul Citroen, Carl Theodor Dreyer, Andreas Feininger, Werner David Feist, Trude Fleischmann, Jozef Glogowski, Paul Edmund Hahn, Lotte Jacobi, Grit KallinFischer, Edmund Kesting, Rudolf Koppitz, Kurt Kranz, Germaine Krull, Erna Lendvai-Dircksen, Helmar Lerski, László Moholy-Nagy, Lucia Moholy, Oskar Nerlinger, Erich Retzlaff, Hans Richter, Leni Riefenstahl, Franz Roh, Werner Rohde, Ilse Salberg, August Sander, Franz Xaver Setzer, Robert Siodmak, Anton Stankowski, Elfriede Stegemeyer, Edgar G. Ulmer, Umbo, Robert Wiene, Stanisław Ignacy Witkiewicz, Willy Zielke

 

Weitere Infos unter www.albertina.at

(JT Feb. 2021)

Fotos:

Helmar Lerski. Verwandlungen durch Licht, 604, 1935–1936. Silbergelatinepapier. ALBERTINA, Wien © Nachlass Helmar Lerski – Museum Folkwang, Essen
August Sander. Jungbauern, 1914. Silbergelatinepapier. © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur - August Sander Archiv, Köln; BILDRECHT, Wien, 2021
Max Burchartz. Lotte (Auge), 1928. Silbergelatinepapier.
Museum Folkwang, Essen © Bildrecht, Wien 2021

Das mumok im Wiener MQ hat wieder geöffnet

 

Im MuseumsQuartier wird wieder Kunst gezeigt. Informationen zu ANDY WARHOL EXHIBITS a glittering alternative, Gelebt – Ingeborg Strobl, Hugo Canoilas. On the extremes of good and evil und zu allen anderen Ausstellungen, die Sie aktuell im mumok sehen können, finden Sie unter https://www.mumok.at/

 

Bitte vergessen Sie nicht Ihre FFP2-Maske mitzubringen und halten Sie die aktuelle Abstandsregel von 2 Metern ein. Um Wartezeiten an der mumok Kassa zu vermeiden, wird empfohlen, schon vorab ein Onlineticket zu buchen unter https://www.mumok.at/de/tickets

 

Bis 30. Mai 2021 ist noch die Schau ANDY WARHOL EXHIBITS zu besichtigen. Ausstellungskünstler, Installationskünstler oder doch verkappter Kurator? ANDY WARHOL EXHIBITS a glittering alternative blickt mit bisher kaum gezeigten Arbeiten hinter die Fassade der weltberühmten Pop-Art-Ikone und entdeckt Warhols Fähigkeit als bahnbrechender Ausstellungs- und Installationskünstler neu. Bei einem Besuch im Februar erhalten mumok Jahreskartenbesitzer ein Ausstellungsplakat ANDY WARHOL EXHIBITS a glittering alternative geschenkt. 

Infos zur Jahreskarte unter https://www.mumok.at/de/mumok-jahreskarte-0

 

(JT Feb. 2021)

Foto: mumok 

Das JubiläumsJahr im Leopold Museum

 

Mit einem vielseitigen Programm startet das Leopold Museum in das bereits 20. Jahr seines Bestehens. Das Jubiläum bietet Anlass zum Rückblick auf äußerst erfolgreiche Jahre, aber auch auf die aufgrund der Corona-Krise hürdenreichsten Monate seit der Eröffnung des Museums am 20.09.2001.

2021 wird wiederum der Bogen zwischen der österreichischen und internationalen Moderne und Gegenwart gespannt.

 

Nach dem Lockdown zeigt das Leopold Museum wieder die mehr als 1.300 Objekte umfassende Dauerpräsentation Wien 1900. Aufbruch in die Moderne, wobei Grafiken, Fotografien und Archivalien regelmäßig getauscht werden und für reichlich Abwechslung innerhalb der Wien 1900-Ausstellung sorgen. Immer wieder wird die Dauerpräsentation auch durch Neuerwerbungen und (Dauer-)Leihgaben ergänzt. Ein neues Highlight stellt das Klimt-Gemälde „Altar des Dionysos“ dar.

Zwei Ausstellungen, die bisher lediglich wenige Tage im Dezember 2020 zu sehen waren – Emil Pirchan. Visuelle Revolution und Inspiration Beethoven. Eine Symphonie in Bildern aus Wien 1900 zum 250. Geburtstag des Komponisten – werden bis 6. Juni verlängert.

Noch bis 7. März ist die Ausstellung der Nominierten zum Ö1 Talentestipendium zu sehen.

 

Gleich zu Beginn des Neustarts präsentiert Leopold Museum-Direktor Hans-Peter Wipplinger die erste neue Ausstellung 2021, die an die letzten Kapitel der Wien 1900-Präsentation anknüpft und die österreichische Moderne zwischen 1918 und 1938 in den Mittelpunkt stellt. Menschheitsdämmerung. Zwischen lyrischer Empfindsamkeit und sachlicher Weltauffassung werden ausgewählte Werke von elf Protagonisten der Malerei der Zwischenkriegszeit, von Egger-Lienz über Faistauer und Kolig bis zu Boeckl und Wacker präsentiert.

 

The Body Electric widmet sich ab 16. April den kaum bekannten Patientendarstellungen von Erwin Dominik Osen und seinem Künstlerfreund Egon Schiele.

Eine umfassende Schau würdigt ab 30. April den bedeutenden Bildhauer Josef Pillhofer anlässlich seines 100. Geburtstages und setzt sein Schaffen in einen Dialog mit KünstlerInnen der internationalen Moderne wie Rodin, Maillol, Lehmbruck, Giacometti oder Wotruba.

 

Der Sommer bringt die bereits für 2020 geplante Fortsetzung der langjährigen Kooperation mit dem ImPulsTanz – Vienna International Dance Festival, in dessen Rahmen Intendant Karl Regensburger u.a. Performances und Ausstellungen der südkoreanischen bildenden Künstlerin und Performerin Geumhyung Jeong, der britisch-amerikanischen Tänzerin und Performerin Ruth Childs und der in Berlin lebenden Choreographin Emmilou Rößling im Leopold Museum präsentieren wird.

 

Im Herbst ermöglicht die Schau Die Sammlung Schedlmayer ab 10. September die Entdeckung einer hochkarätigen, in großen Teilen unbekannten Sammlung zur Kunst der Moderne, die sowohl Objekte des Kunstgewerbes (Prutscher, Moser, Hoffmann) als auch Gemälde des deutschen Expressionismus und der österreichischen Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorstellt.

Ab 24. September widmet sich eine Ausstellung der Foto-Leidenschaft des Philosophen Ludwig Wittgenstein und setzt dessen Fotografien in Dialog mit der fotografischen Praxis und Theorie zeitgenössischer Künstler wie Baldessari, Boltanski, Darboven, Polke, Ruff, Sherman, Sieverding oder Warhol.

Den Abschluss des Ausstellungsprogramms 2021 bildet schließlich ab 19. November die Präsentation Kubin auf der Couch, die sich auf die analytische Spur von Geheimnissen und Traumata der gequälten Seele des großen Zeichners und Verfassers des Romans 'Die andere Seite', Alfred Kubin, begibt. Die Ausstellung unternimmt den erstmaligen Versuch, die Kunst der Kubin‘schen Traumwelten, die oft in alpdrückend-düstere Sphären vordringt, auch in ihrem Bezug zum Unbewussten, zu den Tiefendimensionen des Psychischen zu erfassen. August Ruhs, Psychiater und Psychoanalytiker, interpretiert Werke des Künstlers Alfred Kubin, die Direktor Hans-Peter Wipplinger aus dem umfangreichen Bestand der Sammlung Leopold ausgewählt hat.

 

Weitere Infos unter www.leopoldmuseum.org

(JT Feb. 2021)

Foto: Leopold Museum, Wien / Ouriel Morgensztern

Die Vielschichtigkeit der Kunst im MAK

 

Der Museumsbetrieb im Wiener MAK startet nach dem Lockdown mit den zwei neuen Ausstellungen ZEICHENSPRACHE und ANDREAS DUSCHA. SKY GLOW und ist von 10:00 bis 18:00 Uhr außer an Montagen zugänglich.

 

Neben den beiden Neuöffnungen lädt das MAK zur Besichtigung von vier aktuellen Ausstellungen, die schon im Dezember geöffnet wurden: bis 18. April SHEILA HICKS. Garn, Bäume, Fluss, bis 14. März ADOLF LOOS. Privathäuser, bis 6. Juni FRECH UND FREI! Die Invasion verborgener Objekte und bis 2. Mai 100 BESTE PLAKATE 19. Deutschland Österreich Schweiz.

 

Die Ausstellung ZEICHENSPRACHE. Antunes | Bayrle | Brătescu | Castoro | Pichler (Zentraler Raum MAK DESIGN LAB, 10. Februar – 25. April 2021) untersucht die vielfältigen Mittel der Sprache aus der Perspektive der bildenden Kunst. 17 Zeichnungen, Skulpturen und Installationen der international bekannten Künstler Leonor Antunes, Thomas Bayrle, Geta Brătescu, Rosemarie Castoro und Walter Pichler, die von der Österreichischen Ludwig-Stiftung für Kunst und Wissenschaft angekauft und der MAK-Sammlung Gegenwartskunst als Dauerleihgaben überlassen wurden, öffnen Handlungsräume für Beziehungen, Prozesse und Modelle.

 

In seiner Einzelausstellung ANDREAS DUSCHA. SKY GLOW (CREATIVE CLIMATE CARE GALERIE, 10. Februar – 28. März 2021) zeigt der bildende Künstler eine Serie neuer, analoger Fotografien und Spiegelarbeiten, die sich mit dem Verschwinden des Nachthimmels als Folge der zunehmenden Lichtverschmutzung auseinandersetzen. Visuell eindrucksstark inszeniert Duscha in der CREATIVE CLIMATE CARE GALERIE die zeitlose Schönheit und mysteriöse Vielschichtigkeit der nächtlichen Dunkelheit und ihre beeindruckenden ökologischen Dimensionen.

 

Als weitere Highlights des Programms im ersten Halbjahr öffnet das MAK am 20. April 2021 die Ausstellung DIE FRAUEN DER WIENER WERKSTÄTTE (MAK-Ausstellungshalle, 21. April – 3. Oktober 2021) und am 27. Mai eine Reihe von Ausstellungen im Rahmen der vom MAK initiierten VIENNA BIENNALE FOR CHANGE 2021: PLANET LOVE. Klimafürsorge im Digitalen Zeitalter, darunter der spartenübergreifende Hauptbeitrag des MAK, CLIMATE CARE. Stellen wir uns vor, unser Planet hat Zukunft (MAKAusstellungshalle, 28. Mai – 3. Oktober 2021).

 

Online-Führungen bietet das MAK zu FRECH UND FREI! Die Invasion verborgener Objekte, 100 BESTE PLAKATE 19. Deutschland Österreich Schweiz und ADOLF LOOS. Privathäuser an, zu SHEILA HICKS. Garn, Bäume, Fluss zusätzlich einen 3D-Rundgang.

Zugänglich über den MAK-YouTube-Kanal https://www.youtube.com/makwien (abrufbar auch über www.MAK.at)

Während des gesamten Museumsbesuchs ist verpflichtend eine FFP2-Maske zu tragen und ein Abstand von zwei Metern zwischen den Besuchern einzuhalten.

(JT Feb. 2021)

Foto:  MAK-Außenansicht by Gerald Zugmann/MAK

 

Die Pariser Kommune

 

Wenn der Lockdown zu Ende ist und Museen wieder öffnen, hat auch das Museum „Das Rote Wien im Waschsalon Karl-Marx-Hof“ in 1190 Wien; Waschsalon Nr. 2; Karl-Marx-Hof, Halteraugasse 7, Neues zu bieten.
Neben den regelmässigen Sonntagsführungen durch den Karl-Marx-Hof offeriert die Führungs-Reihe „Aussendienst“ an jedem ersten Sonntag des Monats interessante Stadtspaziergänge durch ausgewählte Wiener Gemeindebauten.

Und eine neue Sonderausstellung vom 11. März 2021 bis 27. Februar 2022 erinnert an die Pariser Kommune: VIVE LA COMMUNE - Die erste „Diktatur des Proletariats“.

 

Am 18. März 1871, vor 150 Jahren, gelangt erstmals in einer Millionenstadt das Proletariat an die Macht – und hält sich dort für 72 Tage.

Der Waschsalon Karl-Marx-Hof zeigt eine Sonderausstellung über die Pariser Kommune, die zwar regelmäßig zitiert, aber selten thematisiert wird: Ihre Entstehungsgeschichte, ihr Bemühen um eine Neugestaltung von Arbeit und Produktion, ihre fortschrittlichen Ansätze in der Fürsorge- und Bildungsarbeit – und auch ihr furioses Scheitern in einem schrecklichen Blutbad.

Ihre Errungenschaften muten vor 150 Jahren geradezu revolutionär an: Die Pariser Kommune begrenzt die tägliche Arbeitszeit auf zehn Stunden, kommunalisiert die Arbeitsvermittlung, legt Mindestlöhne fest und schafft erste Ansätze einer betrieblichen Selbstverwaltung. Sie erlässt ausstehende Mieten, führt einen Pensionsanspruch für die Witwen- und Waisen von gefallenen Nationalgardisten ein und gründet Waisenhäuser.

Im Bereich der Bildung eröffnet die Kommune Berufsschulen für Burschen und Mädchen, führt den Gratisunterricht ein und gleicht die Gehälter von Männern und Frauen an. Auf die Trennung von Kirche und Staat folgt schließlich auch die Säkularisierung der Bildungs- und Krankenpflegeeinrichtungen.

 

Den einen dienen die Pariser Kommune und das Schlagwort von der „Diktatur des Proletariats“ als teuflisches Schreckgespenst, den anderen als leuchtendes Vorbild. Und das bis heute. So verwundert es auch nicht, dass das vom britischen Streetart-Künstler Banksy für die Seenotrettungsorganisation Sea-Watch gestiftete Schiff nach Louise Michel benannt wurde, einer der zentralen Persönlichkeiten der Pariser Kommune.

 

Kontakt und Infos unter Tel.: 0664 88540888, Email an info@dasrotewien-waschsalon.at

www.dasrotewien-waschsalon.at

(JT 2021)

Plakat "Grand Panorama" © Bibliothèque nationale de France

Die künstlerischen Positionen der Kunsthalle Krems 2021

 

Die Kunsthalle Krems ist das Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst. Sie bietet sowohl arrivierten als auch aufstrebenden jungen Positionen aus dem In- und Ausland eine Plattform, auf der innovative, medienübergreifende, gesellschaftsaktuelle und kunstspezifische Beiträge verhandelt werden.

 

Im Jahr 2021 präsentiert die Kunsthalle Krems insgesamt sechs neue Ausstellungen.

Den Anfang macht am 13. März Patricia Piccinini mit ihren cyborgartigen Kreaturen aus Mensch, Tier und Maschine. Es handelt sich um die erste große Werkschau der Künstlerin in Österreich.

Im Rahmen des donaufestivals wird ein multi-vokaler Film-Essay des niederländischen Künstlerkollektivs Metahaven auf eine große LEDLeinwand projiziert.

Im Juli folgt eine Personale der in Österreich lebenden Künstlerin Margot Pilz. Sie arbeitet im Bereich Fotografie, Video, Performance sowie Installation und zählt seit den frühen 1980erJahren international zu den bedeutenden feministischen Künstlerinnen.

Im Gegensatz dazu stehen die ortspezifischen Arbeiten Christian Helwings. Der deutsche Künstler konzipiert eine raumbezogene Installation für die Kunsthalle Krems und die Dominikanerkirche.

Im Herbst werden den künstlerischen Positionen von Angelika Loderer und Andreas Werner zeitgleich zwei Ausstellungen gewidmet. Skulpturen aus Metallguss und Gießsand von Loderer werden den abstrakten Naturzeichnungen Werners gegenübergestellt.

 

Weitere Infos unter https://www.kunsthalle.at/de

(JT 2021)

Fotomontage: Kunsthalle Krems

Das Belvedere und das Belvedere 21 digital und analog erleben

 

Das Belvedere und das Belvedere 21 kommen zu Ihnen nach Hause und bieten via Instagram, Twitter, Youtube und Facebook Kurzführungen online an. Begleiten Sie die Museen auf einem der Social Media Kanäle oder schauen Sie sich die Online-Führungen direkt auf der Webseite an:

https://www.belvedere.at/digital

https://www.belvedere.at/digitale-fuehrungen#OnlineFhrungen

 

Hier ein kurzer Ausblick auf Highlights 2021:

 

Joseph Beuys schuf ab den 1960er-Jahren neue Denkansätze, die in ihrer Vielfalt auch heute noch zeitgenössisch wirken. Mit seiner Erweiterung des Kunstbegriffs und dem Konzept der Sozialen Plastik wurde er weltberühmt. Die Kunst – so Beuys’ Leitgedanke – solle auf der sozialen, politischen, geistigen und wissenschaftlichen Ebene wirksam werden und damit integraler Bestandteil unseres Denkens und Handelns sein. Zum hundertsten Geburtstag des Ausnahmekünstlers ist dessen Werk aktueller denn je. Kurator Harald Krejci gestaltet vom 4. März bis 13. Juni 2021 im Belvedere 21 die Schau Joseph Beuys. Denken. Handeln. Vermitteln.

 

Kuratorin Gabriele Stöger-Spevak gestaltet Fritz Wotruba. Die Kirche in Wien-Mauer ab 15. April 2021 im Belvedere 21

45 Jahre nach der Einweihung der Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit auf dem Georgenberg in Wien-Mauer, der sogenannten Wotruba-Kirche, zeigt das Belvedere erstmals eine Ausstellung, die explizit diesem bedeutenden Werk gewidmet ist. Der damals heftig umstrittene Kirchenbau geht auf den künstlerischen Entwurf des österreichischen Bildhauers Fritz Wotruba (1907–75) zurück und wurde in den Jahren von 1974 bis 1976 nach gemeinsamer Planung mit dem Architekten Fritz Gerhard Mayr errichtet.

 

Lovis Corinth vollzog den Übergang vom Realismus über den Impressionismus zum Expressionismus. Das umfassende Werk des deutschen Malers vereint in sich den Stilwandel vom 19. zum 20. Jahrhundert. Das Obere Belvedere begibt sich auf die Spuren dieses Jahrhundertkünstlers mit der Schau Lovis Corinth Das Leben – ein Fest vom 18. Juni 2021 bis 3. Oktober 2021.

 

(JT 2021)

Fotos: Lukas Schaller

KunstEinblicke

 

Bis 11. April 2021 präsentiert die ALBERTINA mit My Generation - Die Sammlung Jablonka die Sammlung von Rafael und Teresa Jablonka. Diese zählt mit über 400 Werken zu den profiliertesten Sammlungen zur amerikanischen und deutschen Kunst der 1980er Jahre. Erstmals gibt der 1952 geborene Kunsthändler, Galerist und Kurator Rafael Jablonka Einblick in die Kollektion, die seit 2019 in der ALBERTINA beheimatet ist.

Gemälde, Skulpturen, Installationen, Videos und Arbeiten auf Papier lassen die Vielfalt der Sammlung erleben.

Mit der jetzigen Ausstellung konzentriert sich Rafael Jablonka auf die Künstler, die seiner eigenen Generation angehören. Vertreten sind: Miquel Barceló | Ross Bleckner | Francesco Clemente | Richard Deacon | Eric Fischl | Damien Hirst | Roni Horn | Mike Kelley | Sherrie Levine | Cady Noland | Thomas Schütte | Andreas Slominski | Philip Taaffe | Terry Winters

 

Die Schau Schwarz Weiß & Grau bis 14. März 2021 präsentiert großformatige Werke aus der eigenen Sammlung der ALBERTINA. Ob mit Bleistift, Kohle, Tusche, Kreide, Draht oder im bewegten Bild – hier sprengt die Zeichnung alle Dimensionen. So unterschiedlich die vertretenen Künstler arbeiten, so vielfältig sind ihre Themen - alle eint, dass sie allein mittels Hell-Dunkel-Kontrasten bunte, mannigfaltige Welten erschaffen. Die Präsentation mit zahlreichen Schenkungen und Neuerwerbungen aus den letzten Jahren dokumentiert die Vielseitigkeit der Sammlungen der ALBERTINA.

Das Spiel mit den Schattierungen von Schwarz bis Weiß entspricht teilweise einer Gleichmachung und Vereinheitlichung oder sorgt andererseits für eine düstere oder melancholische Stimmung, die zugleich beruhigend und bedrohlich ist. Das Modellieren mit Hell und Dunkel ermöglicht eine Steigerung des Ausdrucks. Vertretene KünstlerInnen: Eduard Angeli I Jim Dine I Sonja Gangl I Hauenschild/Ritter I William Kentridge I Birgit Knoechl I Ulrike Lienbacher I Robert Longo I Alois Mosbacher I Muntean/Rosenblum I Florentina Pakosta I Fritz Panzer I Ugo Rondinone I Max Weiler I Rainer Wölzl

 

Eine neue Ausstellung ist in der ALBERTINA MODERN bis 14. März 2021 zu entdecken.The Essl Collection live und digital. Die Präsentation von 130 Hauptwerken aus der Sammlung Essl bietet Einblick in deren künstlerische Vielfalt, den geografisch weiten Horizont, die Multimedialität der verschiedenen Arbeiten und – vor allem – die Qualität der Kollektion: von Dieter Roth bis Nam June Paik, von Annette Messager bis Heimo Zobernig, von Gilbert und George bis zu Fang Lijun, von Baselitz und Antoni Tàpies bis Neo Rauch und Sarah Morris.

 

Weitere Infos unter https://www.albertina.at/

(JT 2021)

Fotos:

Eric Fischl, Krefeld-Projekt: Schlafzimmer. Szene 1, 2002, Öl auf Leinen, ALBERTINA, Wien – The JABLONKA Collection © Eric Fischl / Bildrecht, Wien, 2020

Sonja Gangl, The End_11111, 2008, Bleistift

Marc Quinn, Mirage, 2009, Bronze, patiniert, ALBERTINA, Wien – Familiensammlung Haselsteiner

© Marc Quinn 

TopKünstler im Bank Austria Kunstforum

 

Das Ausstellungsjahr 2021 steht im Bank Austria Kunstforum Wien im Zeichen der großen Personalen. Die umjubelte Schau „Gerhard Richter: Landschaft“ wird bis 7. März 2021 verlängert, bevor sie anschließend in das Kunsthaus Zürich übersiedelt.

 

Vom 24. März bis 27. Juni 2021 zeigt Direktorin Ingried Brugger eine Retrospektive von Daniel Spoerri. Mit seinen seit 1960 kontinuierlich weiterentwickelten „Fallenbildern“ schrieb sich der in Wien lebende Schweizer und gebürtige Rumäne in die europäische Kunstgeschichte ein. Die Ausstellung erweitert den Blick auf den in nahezu allen künstlerischen Medien tätigen Mitbegründer von Nouveau Réalisme und Eat Art, in dessen vielseitigem Werk seit 60 Jahren soziale Interaktionen und die sinnliche Wahrnehmung des Alltäglichen – insbesondere der menschliche Geschmackssinn – im Fokus stehen.

 

Vom 28. September 2021 bis 23. Jänner 2022 widmet das Ausstellungshaus auf der Freyung Rebecca Horn die erste umfassende Werkschau seit knapp 30 Jahren in Österreich. Horn zählt zu den außergewöhnlichsten und vielseitigsten Künstlerinnen ihrer Generation, Sie wurde 1972 als jüngste Teilnehmerin der epochemachenden Documenta 5 unter dem Titel „Individuelle Mythologien“ bekannt. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der medialen Verflechtung der unterschiedlichsten Genres im Werk Horns und soll einen weitreichenden Einblick in ihre künstlerische Praxis geben.

 

Im Frühjahr 2022 schließlich, vom 10. Februar bis 19. Juni 2022, widmet das Bank Austria Kunstforum Wien dem britischen Künstler David Hockney erstmals in Österreich eine umfassende Werkschau. Hockney, einer der facettenreichsten und einflussreichsten Künstler der Gegenwart, experimentiert seit über 60 Jahren mit den Medien Malerei, Zeichnung und Grafik.

 

Weitere Informationen auf https://www.kunstforumwien.at/

(JT 2021)

Foto: Bank Austria Kunstforum

Visuelle Symphonien

 

Bis 6. Juni 2021 zeigt das LeopoldMuseum EMIL PIRCHAN – VISUELLE REVOLUTION auf Ebene -2. Die Ausstellung, in Kooperation mit dem Museum Folkwang in Essen, ist die erste umfassende Retrospektive zum Werk des Künstlers in Österreich. Mehr als 200 ­Objekte geben Einblick in das Schaffen Emil Pirchans (1884–1957), der als ­Gebrauchsgrafiker ebenso reüssierte wie als Pionier des expressionistischen ­Bühnenbildes. Zudem betätigte er sich als Designer, Architekt, Autor, Buchillustrator und Hochschullehrer. Seinen Einfallsreichtum konnte der vielseitige Gestalter an den Wirkungsorten München (1908–1919), Berlin (1919–1932), Prag (1932–1936) und Wien (1936–1957) entfalten.

 

Anlässlich des 250. Geburtstags von Ludwig van Beethoven im Dezember 2020 ist bis zum 6. Juni 2021 eine Fokus-Ausstellung im Rahmen der Dauerpräsentation Wien 1900: INSPIRATION BEETHOVEN - EINE SYMPHONIE IN BILDERN AUS WIEN 1900, ebenfalls auf Ebene -2.

Im Zentrum der Schau steht das repräsentative Bildprogramm Josef Maria Auchentallers für das Musikzimmer der Villa des Wiener Schmuckfabrikanten Georg Adam Scheid. Dieses besteht aus fünf Gemälden von beinahe zweieinhalb Metern Höhe und rund neun Metern Gesamtlänge, zu denen Auchentaller 1898/99 von Beethovens VI. Symphonie, der Pastorale, inspiriert wurde. Das für die facettenreiche Beethoven-Verehrung um 1900 repräsentative Musikzimmer wird nun im Leopold Museum erstmals in Österreich rekonstruiert – im Dialog mit Werken von Künstlern der Wiener Secession.

 

Bitte informieren Sie sich vor einem Besuch über die Sicherheitsbestimmungen im Museum. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an besucherservice@leopoldmuseum.org

Einen Teil der Sammlungen des Hauses können Sie digital begutachten unter https://www.leopoldmuseum.org/de/sammlung/digitalesmuseum

(JT 2021)

Fotos:

- Emil Pirchan, Plakatentwurf, um 1912 © Sammlung Steffan/Pabst, Zürich, Foto: Sammlung Steffan/Pabst, Zürich © Nachlass Emil Pirchan, Sammlung Steffan/Pabst, Zürich

- Fotoatelier A. Frankl, Berlin, Emil Pirchan mit Masken im Berliner Atelier, 1923 © Sammlung Steffan/Pabst, Zürich, Foto: Sammlung Steffan/Pabst, Zürich © Nachlass Emil Pirchan, Sammlung Steffan/Pabst, Zürich

- Josef Maria Auchentaller, Elfe am Bach. Für das Beethoven-Musikzimmer der Villa Scheid in Wien, 1898/99 © Andreas Maleta, aus der Victor & Martha Thonet Sammlung, Galerie punkt12, Wien Foto: amp, Andreas Maleta press & publication, Wien, 2020

- Anonymer Fotograf, Josef Maria Auchentaller vor Gustav Klimts Die Medizin bei der X. Ausstellung der Wiener Secession, 1901 © Privatsammlung, Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger 

- Leopold Museum

Gegend, Standort, Gelände = Landschaft

 

Bis 7. März 2021 widmet das Bank Austria Kunstforum Wien dem Künstler Gerhard Richter (geb. 1932 in Dresden), der international als der bedeutendste lebende Maler gilt. Die Schau „Landschaft“, kuratiert von Hubertus Butin (Berlin) und Lisa Ortner-Kreil, ist eine umfangreiche Retrospektive seiner Landschaftsbilder. Es handelt sich um die weltweit erste Ausstellung, die dieses Genre umfassend beleuchtet. Neben zahlreichen Ölgemälden werden auch Zeichnungen, Druckgrafiken, Fotoarbeiten, Künstlerbücher und Objekte ausgestellt, die das Thema „Landschaft“ von den 1960er-Jahren bis heute reflektieren.

 

Die Ausstellung gliedert sich in fünf große thematische Abschnitte und setzt mit jenen Landschaften ein, die Richter auf Basis von eigenen oder gefundenen Fotomotiven produziert hat und deren Ausschnitthaftigkeit, Bildaufbau und Farbigkeit eine dezidiert fotografische Ästhetik aufweisen. Eine „Sehnsucht“ und den „Traum nach klassischer Ordnung und heiler Welt“ drückt Richter in zahlreichen atmosphärischen Landschaftsbildern aus, die an die Kunst Caspar David Friedrichs erinnern. Richter überdenkt die verlorenen Möglichkeiten einer Malerei, wie sie noch in der Romantik praktiziert werden konnte. Er nennt seine Bilder „Kuckuckseier“, da sie als romantisch empfunden werden, aber die geistige Tradition Friedrichs nicht mehr fortsetzen können. Die Landschaft spielt auch in Hinblick auf die Entwicklung von Richters abstrakter Malerei eine Schlüsselrolle: Vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren entstanden stark abstrahierte Gebirgs-, Park-, Sternen- und Meeresbilder. Diese Werke changieren zwischen abbildhaft dargestellten Landschaften und einer selbstbezüglichen Farbmaterie in breiten, pastosen Pinselstrichen. In den 1970er- und 1990er-Jahren produzierte Richter Landschaftsbilder auch in Form fiktionaler Konstrukte, die in der Realität kaum oder gar nicht existieren können. Meeres-, Berg- und Wolkenbilder wurden motivisch so zusammengesetzt, dass sie aufgrund ihrer Größe oder Konstellation eine Totalität von Natur suggerieren, die jede reale Erfahrung übersteigt. Richter scheint mit diesen visionären Entwürfen der ästhetischen Kategorie des Erhabenen nachzuspüren. Schließlich präsentiert die Ausstellung auch abstrakte Übermalungen: Auf die Oberfläche landschaftlicher Gemälde, Fotografien und Druckgrafiken wurde Ölfarbe in nicht abbildhafter Form aufgetragen. Die beiden simultanen Wirklichkeitsebenen gehen in jenen Werken paradoxerweise eine enge, raffinierte Verbindung ein; sie erscheinen als eine ineinander verzahnte Einheit, deren Spannung aus dem deutlichen Gegensatz der verschiedenen Produktionsformen herrührt. Dadurch ergibt sich eine überraschende Ambivalenz von Realismus und Ungegenständlichkeit, von Schein und Wirklichkeit.

 

Bedeutende institutionelle Leihgeber und zahlreiche hochkarätige Privatsammlungen unterstützen das langjährig vorbereitete Ausstellungsprojekt. Die Schau wird an die 150 Arbeiten umfassen und mit großzügiger Hilfe von Gerhard Richter sowie in Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich realisiert.

 

Weitere Infos unter https://www.kunstforumwien.at/ und unter

https://www.kunstforumwien.at/de/digital/podcast

(JT 2020)

Fotos:

Piz Surlej, Piz Corvatsch, 1992 
Öl auf Fotografie, 8,9 x 12,6 cm
 Sammlung Peter und Elisabeth Bloch
 Foto: Christof Schelbert, Olten © Gerhard Richter 2020

Venedig, 1986
 Öl auf Leinwand, 86 x 121 cm 
Museum Frieder Burda, Baden-Baden © Gerhard Richter 2020

Die MQ Libelle ist gelandet

 

Am 4. September 2020 eröffnete im MuseumsQuartier am Dach des Leopold Museums die wohl zurzeit schönste Kulturterrasse Wiens.

Die MQ Libelle bietet bei freiem Eintritt einen Überblick über die Innenstadt und einen Ausblick bis zu den Wiener Hausbergen. Als Besucher ist man ganz oben und trotzdem mittendrin im lebhaften Geschehen des größten Kulturareals Europas.

 

Der namensgebende Raum in Form einer Libelle wurde von Laurids und Manfred Ortner, den Architekten, welche Ende der 1990er Jahre das MuseumsQuartier-Areal in seiner heutigen Form realisiert haben, geplant. Mit der MQ Libelle entstand ein neuer Raum für Kunst- und Kulturprojekte über den Dächern Wiens. Zwei der bedeutendsten Künstlerinnen Österreichs gestalteten die zentralen Elemente von Terrasse und Bauwerk. Eva Schlegel hat die Glaswand MQ Libelle entworfen, von Brigitte Kowanz stammen die ikonischen Beleuchtungskörper auf der Terrasse.

 

Öffnungszeiten: täglich von 10.00 bis 22.00 Uhr, letzte Liftfahrt hinauf ist um 21.30 Uhr.

Vom 1. November 2020 bis 31. März 2021 geschlossen wegen Winterpause.

Zum Kiosk „Zur Libelle" gibt es Informationen und Reservierungen unter libelle@cafeleopold.wien 

Informationen für Besucher unter https://www.mqw.at/ihr-besuch/mq-libelle/

 

(JT 2020)

Fotos: Hertha Hurnaus

MuseumsJuwel

 

Bereits seit 125 Jahren gibt es das Österreichische Pharma- und Drogistenmuseum. Seit 15 Jahren ist es am Standort Währinger Straße 14 in 1090 Wien beheimatet (www.drogistenmuseum.at) – ein durchaus zu feierndes Doppeljubiläum! 

In den liebevoll renovierten Räumlichkeiten im 9. Bezirk hat das Museum einen würdigen Rahmen gefunden um die Raritäten und Kuriositäten der über 10.000 Exponate und Kuriositäten wirkungsvoll zu präsentieren.

 

Die Entwicklung des Berufes „Drogist“ hat eine lebhafte Vergangenheit: Aus Quacksalbern und fahrenden Heilkünstlern, die ihre Waren gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf Jahrmärkten verkauften, entwickelte sich mit der Zeit ein geregelter Drogenhandel. Der Begriff „Droge“ war damals noch positiv besetzt. Aus den Drogenkleinhandlungen entstanden im Laufe der Zeit die Drogerien. Die Drogerie hatte die Aufgabe, Drogen (= getrocknete Kräuter, pflanzliche Arzneimittel) und Chemikalien zu vertreiben. Industriell gefertigte Markenartikel gab es praktisch noch nicht. Auch Fotografie, Farben und Lacke sowie Pflanzenschutz hatten in der Drogerie ihre Kinderstube. Drogisten sind übrigens die einzige Berufsgruppe Österreichs, die über die gesetzliche Erlaubnis verfügt, Gifte abzugeben. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts etablierte sich die Drogerie als Fachgeschäft für Gesundheit, Schönheit und Wellness, wie wir sie heute kennen. Das Personal der Fachdrogerie steht für qualifizierte Kundenberatung, die den Konsumenten hilft, sich in der Vielzahl der am Markt angebotenen Produkte zurechtzufinden.

 

Im Drogistenmuseum finden monatlich auch Vorträge von Fachleuten statt. Der Schwerpunkt liegt bei gesundheitsbezogenen Themen aus Sicht der Schul- und Alternativmedizin, Ernährung, Aromatherapie, Kräuter und Gewürze, alte Hausmittel, um nur einige zu nennen. Dazu kommen spannende Reise-Erlebnisberichte und faszinierende Vorträge des Historikers Mag. Georg Hamann. Der Museums-Vortragsraum kann auch für kleine externe Veranstaltungen gemietet werden.

Die Finanzierung des Museums erfolgt überwiegend durch Sponsoren, Einnahmen von Führungen und Vorträgen sowie Eigenleistungen der gegenwärtig 10 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sind besonders zu erwähnen, denn ohne ihren Einsatz wäre ein Aufrechterhalten des Museumsbetriebes nicht möglich.

 

Der Leitgedanke im Drogistenmuseum: Alle Besucher sind herzlich willkommen! Sie sollen das Museum mit mehr Freude, Begeisterung, Wissen und dem Wunsch, wiederzukommen und das Museum weiterzuempfehlen, verlassen.(JT 2017)

Illustration: Gil Elvgren, Fotos © Drogistenmuseum, Niki Lappas

Das Werk der Künstlerin Maria Biljan-Bilger – fast vergessen, doppelt präsent

 

Als Bildhauerin, Keramikerin und Textilkünstlerin schuf Maria Biljan-Bilger (1912-1997) ein unverwechselbares Werk zwischen Archaik und Moderne. Ihr Wirken ist in der zeitgenössischen Öffentlichkeit in Vergessenheit geraten und es ist ihrem Mann, dem Architekten Friedrich Kurrent, und dem Verein der Freunde der Maria Biljan-Bilger-Ausstellungshalle in Sommerein zu verdanken, dass man die absolut großartigen, beeindruckenden Kunstwerke von Biljan-Bilger heute noch besichtigen kann – und unbedingt sollte!

 

Die Ausstellungshalle, von Kurrent an einem ehemaligen Steinbruch errichtet, in der Hauptstraße 61 in 2453 Sommerein am Leithagebirge in Niederösterreich, wo es die Künstlerin 1962 hinzog, ist vom 1. Mai bis Ende Oktober jeden Samstag, Sonntag und Feiertag von 10.00 bis 12.00 und von 14.00 bis 18.00 Uhr (Eintritt € 3, Kinder frei) für Besucher offen.

 

Biljan-Bilger war Mitbegründerin des Art-Clubs und hatte 1952 ihre erste Personalausstellung im legendären „Strohkoffer“, dem Wiener Ausstellungslokal des Art-Clubs, der Wiener Avantgarde. 1965 war sie Gründungsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Architektur. Von 1978 bis 1982 war sie Professorin für Keramik an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Im Jahr 2006 wurde in Wien-Donaustadt die Biljan-Bilger-Gasse nach ihr benannt.

Die Künstlerin erhielt 1972 den Österreichischen Kunstpreis für Bildende Kunst, 1982 das Silberne Ehrenzeichen der Stadt Wien und den Burgenländischen Kulturpreis und 1992 den Kulturpreis für bildende Kunst des Landes Niederösterreich. Ihre Ausstellungen führten sie nach Rom, Turin, Venedig, Sao Paulo, Mailand, Istrien oder München, wo sie am 1. Mai 1997 stirbt. Ihre Grabstätte ist am Ortsfriedhof in Sommerein.

 

Weitere Informationen unter www.maria-biljan-bilger.at

(JT 2017)

Fotos: www.maria-biljan-bilger.at, Margherita Spiluttini