Rider in the Storm

 

Die ALBERTINA stellt den Künstler Hans Weigand bis 21. August 2022 mit einer Auswahl seiner aktuellsten Arbeiten vor. Die Schau, kuratiert von Klaus Albrecht Schröder und Co-Kuratorin Constanze Malissa, ist in der Basteihalle zu sehen.

 

Als sensibler Grafiker und Maler greift Weigand alte, traditionsreiche Medien auf und übersetzt sie in die Gegenwart. In gleichem Maße rückt die Präsentation Weigand als vorausschauenden Objektkünstler und Musiker in den Mittelpunkt, der durch seine zumeist sozial- und gesellschaftskritische Sujet- und Titelwahl zutiefst zeitgenössisch ist.

Viele Werke sind nach Songs von Bands wie The Doors oder The Clash benannt.

Bereits seit den frühen 1970er-Jahren – noch bevor Weigand in Wien bei Oswald Oberhuber an der Universität für angewandte Kunst studiert – wird er stark von Pop-Art, Science-Fiction sowie Psychedelic Pop und Rock beeinflusst.

Gemäß dem individuell-anarchistischen Selbstverständnis des damaligen Wiener Kunstkreises reflektiert Weigand in seinen Werken Sehnsüchte, das eigene Scheitern oder Rausch und Entfremdung vom Selbst.

 

Weigand, der in den 1990er-Jahren in Los Angeles lebte, wo er Einblicke in die Surf-Punk-Kultur erhielt, breitet in seinen Werken ein utopisch-klassisches Bildvokabular aus. Exemplarisch verkörpert die Figur des Wellenreiters, die Weigand in vielen seiner Arbeiten aufgreift, Ambivalenz: Sie steht sowohl für Freiheit als auch für Risikobereitschaft und Wagnis, Untergang.

 

Weitere Informationen unter www.albertina.at

(JT Mai 2022)

Fotos:

Hans Weigand. Rider in the Storm..., 2019. Mischtechnik auf Holz (Druckstock). Privatsammlung Wien © Hans Weigand. Foto © Atelier Neumann, Wien

Hans Weigand. Drop City, 2019-2021. Holzschnitt (16-teilig) GABRIELE SENN GALERIE AND THE ARTIST © Hans Weigand, Foto © Atelier Neumann, Wien
Hans Weigand. Barock Wave 2, 2018. Mischtechnik auf Holzdruckstock. Privatsammlung Wien © Hans Weigand, Foto © Atelier Neumann, Wien

Modefotos – zeitlos schön

 

Mit HORST / HUENE. IN STYLE präsentiert das Fotomuseum WestLicht erstmals in Österreich

vom 1. Juni bis 7. August 2022 eine umfassende Werkschau der beiden prägenden Modefotografen des 20. Jahrhunderts.

 

Sie begegneten sich 1930 zufällig in einem Pariser Straßencafé und hätten unterschiedlicher nicht sein können: George Hoyningen-Huene, ein weltgewandter, mondäner russischer Aristokrat und Cheffotograf der französischen Vogue. Und Horst P. Horst, mittelloser Sohn einer deutschen Kaufmannsfamilie, der in Paris Architektur studieren wollte.
Kurz danach waren die beiden ein Paar – und sollten fortan auch beruflich gemeinsame Wege gehen. Huene setzte Horst als Model ein und inspirierte ihn bald, auch selbst zu fotografieren. 
Gemeinsam – und jeder für sich – schufen sie Werke wie „Divers“ oder das „Mainbocher-Korsett“, die auch fast ein Jahrhundert später noch zu den prägendsten in der Geschichte der Fotografie zählen.

Für die Werkschau HORST / HUENE. IN STYLE wurden 120 Fotografien aus mehreren Ländern Europas zusammengetragen und in einen Dialog gestellt. Zudem illustriert eine Auswahl historischer Ausgaben auch die Entwicklung des legendären Modemagazins Vogue in den 30er- und 40er-Jahren.

 

Weitere Informationen unter www.westlicht.com

(JT Mai 2022)

Fotos:

George Hoyningen‐Huene   Divers, Bademode von A.J. Izod, 1930 © The George Hoyningen‐Huene Estate Archives

Horst P. Horst   Mainbocher‐Korsett, Paris, 1939 Courtesy Fondazione Sozzani © Condé Nast / Horst Estate

Horst P. Horst Round the clock, New York, 1987 Courtesy Filippo Passigli, Florenz © Condé Nast / Horst Estate 

Im Warteraum

 

Das Sammeln, Analysieren und Zirkulieren ökologischer, für das menschliche Auge meist unsichtbarer Daten bildet den Grundstein von Jesse Stecklows künstlerischer Praxis. Der in Los Angeles lebende Künstler (geb. 1993) arbeitet mit einem klar definierten Repertoire an Objekten, die zwischen Bild, Text und Sound oszillieren.

Seine Skulpturen treten in einen direkten Dialog mit ihrer Umgebung, verschmelzen gleichsam mit ihr. Dabei geht es Stecklow weniger um das einzelne Objekt als um die unterschiedlichen Narrative, die durch ortsbedingte Kontextverschiebungen entstehen. Stecklow bezeichnet seine Objekte als Charaktere, die je nach Situation unterschiedliche Rollen annehmen und so in Form divergierender Fassungen multiple Identitäten annehmen.

 

In seiner ersten musealen Einzelausstellung in Europa mit dem Titel Terminal vom 20. Mai bis

25. September 2022 verwandelt Stecklow den Ausstellungsraum im mumok, kuratiert von Marianne Dobner, in einen Warteraum.

Die immerwährende Wiederholung seines Formenrepertoires, sprich die Darstellung seiner Objekte in unterschiedlichen Fassungen, strukturiert Stecklow mithilfe von Displays, die eine hybride Form zwischen Gepäckband und Esstisch annehmen. Eine Entscheidung, die sich auf die pandemiebedingte Verschiebung zwischen öffentlichen und privaten Räumlichkeiten zurückführen lässt: während die einst stark bevölkerten Flughafenterminals immer leerer wurden, füllten sich die zuvor vereinsamten Esstische und agieren nun gleichsam als Büro- und Schultische.

 

Weitere Infos unter www.mumok.at

(JT Mai 2022)

Jesse Stecklow. Ear Wiggler, 2016. Dried corn, drawing, aluminum, duct fan parts, powdercoated aluminum, wood, hardware, cables

Jesse Stecklow. Untitled (Air Sampler), 2017. Photo: Jesse Stecklow. Buffed aluminum, steel, piano hinges, magnets, hardware, straw, air sampler 

Literaten im Porträt

 

Mit der Ausstellung Der Blick aus dem Rahmen. Schenkung „Sammlung Klewan“ präsentiert das Leopold Museum auf der Ebene -2 bis 29. August 2022 anhand ausgewählter Werke die großzügige, rund 350 Werke zählende Schenkung des leidenschaftlichen Kunstsammlers, langjährigen Galeristen und Verlegers Helmut Klewan. Im Laufe von 40 Jahren vereinte er hunderte Schriftstellerporträts in einer umfassenden Sammlung. Die Kollektion enthält Arbeiten in den unterschiedlichsten Medien und Techniken, von der Radierung bis zur Fotografie, überwiegend Arbeiten auf Papier.

 

Das von einem Kunstschaffenden angefertigte Bildnis eines Autors ist „ein doppelter Gewinn“, hält Klewan fest. Diese doppelte Lesbarkeit von Schriftstellerporträts steht im Fokus dieser Ausstellung.

Sie enthüllt überraschende Querverbindungen zwischen Literatur und bildender Kunst und spannt auf spielerische Art ein dichtes Netz zwischen den Jahrhunderten, Kontinenten und Kunstdisziplinen.

Die Künstler schöpfen aus dem Vollen der Literaturgeschichte!

 

Weitere Informationen unter www.leopoldmuseum.org

(JT Mai 2022)

Fotos:

ISOLDE OHLBAUM Elfriede Jelinek (geb. 1946), 1979 15,2 × 10,1 cm Leopold Museum, Wien – Schenkung Helmut Klewan Foto: Leopold Museum, Wien © Isolde Ohlbaum

PETER SENGL geb. 1945 Simone de Beauvoir (1908–1986) und Jean-Paul Sartre (1905–1980), 2012 Mischtechnik auf Papier | 61,9 × 46 cm Leopold Museum, Wien – Schenkung Helmut Klewan Foto: Leopold Museum, Wien © Peter Sengl

DODI REIFENBERG geb. 1960 Gertrude Stein (1874–1946), 2006 Collage aus Plastikfolie und Scotch-Tape | 29,5 × 27 cm Leopold Museum, Wien – Schenkung Helmut Klewan Foto: Leopold Museum, Wien © Bildrecht, Wien 2022 

 

Brisant, vielschichtig, sensibel

 

Die Ausstellung „Georg Eisler. Spurensicherung“ im Oberen Belvedere aus der Reihe „Im Blick“ rückt bis 25. September 2022, kuratiert von Kerstin Jesse, die teils brisanten Themen seiner Arbeiten in den Fokus. Sie zeugen von der kritischen Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Politischen und Sozialen. Im Zentrum steht der Mensch: die Beschäftigung Eislers mit Charakter und Verhältnis im sozialen Gefüge.

In seinem künstlerischen Schaffen blieb Georg Eisler dem Figurativen verhaftet. Die zeitgenössischen Strömungen nach 1945 fanden in seinem Œuvre keinen Niederschlag. Persönliche Niederschriften aus den Jahren von 1962 bis 1997 erzählen von der steten Herausforderung, das Sichtbare mit lockerem Pinselstrich in die ihm eigene Bildsprache zu übersetzen.
Im Umfeld der Schau wird gemeinsam mit dem Georg und Alice Eisler-Fonds für bildende Künstler und Komponisten seit 2019 an einem Werkverzeichnis des Künstlers gearbeitet. Im Rahmen der Ausstellung erhielt das Belvedere eine großzügige Schenkung des Eisler-Fonds von 14 Gemälden Georg Eislers.

 

Weitere Informationen unter www.belvedere.at

(JT Mai 2022)

Fotos:

Georg Eisler, Selbstporträt, 1989, Sammlung Konrad, Wien. Foto: Pixelstorm © Bildrecht, Wien, 2022

Georg Eisler, Die Arbeitslosen, 1975. Belvedere, Wien, 2021 Schenkung Georg und Alice Eisler-Fonds für bildende Künstler und Komponisten, Wien. Foto: Dominik Buda / Belvedere, Wien / © Bildrecht,

Wien, 2022

Realistisch und/oder lebensnah

 

Die Ausstellung „Lebensnah“ im Oberen Belvedere zeigt bis 1. November 2022 realistische Malerei von 1850 bis 1950.

Obwohl aus unterschiedlichen Zeiträumen, weisen die Werke erstaunlich viele Gemeinsamkeiten auf: eine anspruchsvolle und präzise Maltechnik, oftmals eine spezifische, kritische Beschäftigung mit der zeitgenössischen Lebensrealität. Diesen Querverbindungen über ein Jahrhundert hinweg geht das Museum im Rahmen einer Sammlungspräsentation im zweiten Stock des Oberen Belvedere nach. Konzipiert wurde die Ausstellung von den Kuratoren Kerstin Jesse und Franz Smola.

 

Der „Réalisme“ etablierte sich von 1850 bis 1950 als eigenständige Stilrichtung, die auf die gesamte europäische und amerikanische Malerei ausstrahlte. Dabei spielte der Einfluss der noch jungen Fotografie eine wesentliche Rolle. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert präsentierte sich die realistische Malerei stets als Gegenpol zu den in dieser Periode rasch wechselnden Stilformen und Avantgarden.

Der Rundgang durch die Sammlung des Belvedere überrascht durch seine Themenvielfalt. Ausgewählte Werke werden in epochenübergreifenden Gegenüberstellungen miteinander konfrontiert. Manche der Arbeiten waren bislang selten oder noch nie zu sehen.

 

Weitere Informationen unter www.belvedere.at

(JT Mai 2022)

Fotos:

Wilhelm Leibl, Kopf eines Bauernmädchens, um 1880, Belvedere, Wien

Anton Filkuka, Holzsammelnde Kinder, 1925, Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

August Eduard Wenzel, Im Museum, 1939, Belvedere, Wien

ÖMSUBM

 

Das Österreichische Museum für Schwarze Unterhaltung und Black Music als neue Dependance des Belvedere versammelt Geschichten von Schwarzen Künstlern und Entertainern, die in der weiß dominierten deutschsprachigen Unterhaltungsindustrie zu Prominenz gekommen sind.

Mit Dalia Ahmed, Joana Tischkau, Anta Helena Recke, Elisabeth Hampe und Frieder Blume steht dem ÖMSUBM ein international erfahrenes Leitungsteam voran. Die Kuratoren, die 2020 bereits das Deutsche Museums für Schwarze Unterhaltung und Black Music gegründet haben, werden ab 15. Mai den Ausstellungspavillon des ehemaligen Belvedere 21 bespielen.

 

Das ÖMSUBM beherbergt eine umfassende und beständig wachsende multimediale Sammlung von Schallplatten, Magazinen, Autogrammen und Erinnerungsstücken, die an einem lebendigen Ort der Vermittlung und Diskussion von Schwarzer Kunst und Geschichte ausgestellt wird. Schenkungen, Leihgaben und Ankäufe von Privatpersonen bilden den Kern des Archivs, das mit seiner kuratorischen Setzung ein neues Feld österreichischer und deutscher Geschichtsschreibung und Museumsgestaltung eröffnet.

 

Jeden Samstag ab 18.00 Uhr bietet das Museum für Schwarze Unterhaltung und Black Music ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Performances, Vorträgen, Panels und Konzerten an. Aktuell in Österreich lebende Schwarze Künstler, Aktivisten und Medienschaffende wie Arabella Kiesbauer, Claudia Unterweger, Tonica Hunter, oder Kim Cooper treten in Dialog mit der Sammlung des Museums und machen das ÖMSUBM zu einem Ort des zukunftsweisenden Austauschs mit der Vergangenheit.

 

Nähere Informationen unter https://omsubm.at

(JT Mai 2022)

Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien; Logo ÖMSUBM

Meister der Zeichenkunst

 

Als phänomenaler Zeichner nimmt Gustav Klimt eine weltweit einzigartige Stellung ein.

Er wurde 1862, vor genau 160 Jahren, geboren, und es hat 125 Jahre gedauert, bis er ans Künstlerhaus und damit an jenen Ort zurückgekehrt ist, von dem er 1897 auszog um mit Gleichgesinnten eine neue Künstlervereinigung, die Wiener Secession, zu gründen, die zur Speerspitze der Wiener Avantgarde um 1900 reifte.

Klimt kehrt nun an dieses Haus zurück, das heute die ALBERTINA MODERN beherbergt, und wird mit einer Personale – seiner ersten in diesem Gebäude – gefeiert. Gezeigt werden die Meisterwerke seiner Zeichenkunst aus der Sammlung der ALBERTINA.


Die Schau „Gustav Klimt. Die Zeichnungen“, kuratiert von Elisabeth Dutz, ist bis 17. Juli 2022 zu sehen und zeigt die Höhepunkte seiner Zeichenkunst aus der Sammlung der ALBERTINA – von Porträts von Damen der Wiener Gesellschaft bis zu erotischen Zeichnung des weiblichen nackten Körpers.

 

Weitere Informationen unter www.albertina.at

(JT Mai 2022)

Fotos:

Gustav Klimt. Studie für die linke der „Drei Gorgonen“ im Beethovenfries, 1901. Schwarze Kreide auf Papier. © ALBERTINA, Wien

Gustav Klimt. Dame mit Federhut, 1908. Tusche, Bleistift, roter Farbstift, weiße Deckfarbe auf Papier.

© ALBERTINA, Wien
Gustav Klimt. Studie für „Diesen Kuss der ganzen Welt“ im Beethovenfries, 1901. Schwarze Kreide auf

Papier. © ALBERTINA, Wien

Fotos aus Berlin

 

Michael Schmidt (1945-2014) ist einer der bedeutendsten deutschen Fotografen der Nachkriegszeit.

In fünf Jahrzehnten fotografierte er ein vielfältiges Werk, das Stadtlandschaften, Porträts, Naturdarstellungen und Stillleben umfasst. Zentrale Themen sind seine Heimatstadt Berlin, die Bedeutung von Geschichte und ihre Folgen für die Gesellschaft.

Die Ausstellung in der Albertina Wien, kuratiert von Walter Moser, ist bis 26. Juni 2022 zu sehen und zeichnet anhand ausgewählter Werkgruppen erstmals in Österreich den Werdegang des Künstlers nach.

 

Weitere Informationen unter www.albertina.at

(JT Mai 2022)

Fotos:

Michael Schmidt. Müller-Ecke Seestraße, aus Berlin-Wedding, 1976-1978. Silbergelatine.

Stiftung für Fotografie und Medienkunst mit Archiv Michael Schmidt © Stiftung für Fotografie und Medienkunst mit Archiv Michael Schmidt
Michael Schmidt. Stadtoberinspektor beim Bezirksamt Wedding, aus Berlin-Wedding, 1976-1978.
Silbergelatine. Stiftung für Fotografie und Medienkunst mit Archiv Michael Schmidt © Stiftung für

Fotografie und Medienkunst mit Archiv Michael Schmidt

Die Werke eines von Katastrophen geprägten Künstlers

 

Das Leopold Museum im MQ Wien zeigt auf der Ebene -1 bis 24. Juli 2022 die Ausstellung

„Alfred Kubin. Bekenntnisse einer gequälten Seele“ - kuratiert von Hans-Peter Wipplinger.

 

Die Kunst des großen Zeichners, Illustrators und Verfassers des Romans „Die andere Seite“ ist gerade jetzt aktueller denn je: Gewalt, kriegerische Zerstörung, Seuchen, Naturkatastrophen, Manipulation der Massen und andere Abgründe des menschlichen Seins prägten seine Arbeiten. Das Werk konfrontiert uns mit pessimistischen Visionen, die – frei nach Schopenhauer – die schlechteste aller denkbaren Welten skizzieren.

Und sie deprimieren auf den ersten Blick durch ihre unglaubliche Düsternis, wenn man vergisst, die Kunst dahinter zu sehen! Denn aufgrund seiner überbordenden Einbildungskraft und seiner schrecklichen Erfahrungen schuf Kubin ein unvergleichliches, geheimnisvoll-fantastisches Werk.

 

Die Ausstellung im Leopold Museum unternimmt den erstmaligen Versuch, die Kunst der Kubinschen Traumwelten in ihrem Bezug zum Unbewussten, zu den Tiefendimensionen des Psychischen zu erfassen. Die Werke Kubins werden dabei in einen Dialog mit Arbeiten von Künstlern des

19. Jahrhunderts wie der klassischen Moderne gesetzt, die als Inspirationsquellen für sein Schaffen dienten. Kubins dystopische Visualisierungen setzen sich aus realer und imaginärer Wirklichkeit zusammen: eine Synthese, in der das Unheimliche der pessimistischen Weltkonstruktionen auch immer wieder mit Humor, Ironie und Übertreibung versehen ist.

 

Weitere Informationen unter www.leopoldmuseum.org

(JT April 2022)

Werkfotos von Alfred Kubin:

Die Dame auf dem Pferd, um 1900/01 Tusche, Feder, Tinte, laviert, gespritzt, Einfassungslinie auf Katasterpapier | 39,6 × 30,9 cm Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München © Eberhard Spangenberg, München/Bildrecht, Wien 2022

Der beste Arzt, um 1901 Tusche, Feder, Aquarell, Spritztechnik auf Katasterpapier | 27,1 × 38,6 cm Leopold Museum, Wien | Foto: Leopold Museum, Wien © Eberhard Spangenberg, München/Bildrecht, Wien 2022

Der Mensch, um 1902 Tusche, Aquarell, Spritztechnik auf Katasterpapier | 38,5 × 31,4 cm Leopold Museum, Wien | Foto: Leopold Museum, Wien © Eberhard Spangenberg, München/Bildrecht, Wien

2022 

Ai Weiwei – Gegen das System

 

Ai Weiwei ist einer der bedeutendsten Künstler unserer Zeit, ein unermüdlicher Aktivist und Kritiker autoritärer Systeme.

Die ALBERTINA MODERN am Wiener Karlsplatz widmet ihm bis 4. September 2022 seine bislang umfangreichste Retrospektive: In Search of Humanity befasst sich eingehend mit dem Aspekt der Menschlichkeit und der künstlerischen Stellungnahme in seinem Schaffen. Immer wieder sind es Machtstrukturen und die Mechanismen der Herrschaftsausübung, die der Künstler thematisiert. Unablässig schaut er stets dort genauer hin, wo er Meinungsfreiheit und Menschenrechte in Gefahr sieht.

Mit Ai Weiweis kulturellen Readymades, seinen Wandarbeiten, Skulpturen, Installationen, Fotografien und zahlreichen Filmen bietet die Ausstellung, kuratiert von Dieter Buchhart und Elsy Lahner, einen beeindruckenden Überblick über die mehr als vier Jahrzehnte währende Karriere des Künstlers und beinhaltet Schlüsselwerke aus allen Schaffensphasen.
Durch die Verlagerung seines Lebensmittelpunkts seit 2015 nach Europa positioniert Ai Weiwei sich  noch stärker als Verfechter von Menschenrechten und demokratischen Grundwerten und bezieht bei aktuellen Ereignissen immer wieder Stellung.

 

Weitere Informationen unter www.albertina.at

(JT April 2022)

Fotos:

Ai Weiwei. S.A.C.R.E.D. (i) S upper, 2013. 1 von 6 Dioramen aus Fiberglas und Eisen. Courtesy of the artist and Lisson Gallery. Foto: Courtesy Ai Weiwei Studio and Lisson Gallery © 2022 Ai Weiwei

Ai Weiwei. Circle of Animals/Zodiac Heads (Gold), 2010. 12 Bronzestatuen, vergoldet, auf Holzgestellen. Privatsammlung. Foto: Albertina, Wien / Lisa Rastl & Reiner Riedler © 2022 Ai Weiwei
Ai Weiwei. Dropping a Han Dynasty Urn, 1995. Schwarz-weiß Fotografien (Triptychon).

Privatsammlung. Foto: Courtesy Ai Weiwei Studio © 2022 Ai Weiwei

Luft

 

Das KUNST HAUS WIEN Museum Hundertwasser zeigt bis 28. August 2022 die Ausstellung

WENN DER WIND WEHT, kuratiert von Verena Kaspar-Eisert (KUNST HAUS WIEN) und Liddy Scheffknecht (Universität für angewandte Kunst Wien).

 

Luft umschließt die Erde wie eine Membran, sie ist lebensnotwendig und allgegenwärtig.

Als verbindendes Element zwischen Orten, auch als Trägerin von Gerüchen und Geräuschen.

Die Beziehungen des Menschen zu den unsichtbaren Elementen Wind, Luft und Atem sind vielschichtig.

 

Die künstlerischen Arbeiten dieser Ausstellung thematisieren neben der Lebensenergie auch die Gefahr von Stürmen, Luftverschmutzung und den Klimawandel.

Obwohl wir permanent von Luft umgeben sind, bleibt das unsichtbare Gasgemisch der menschlichen Wahrnehmung verborgen. Unser erster Atemzug erfolgt mit der Geburt, der letzte mit dem Tod.

Seit der Covid-19 Pandemie fürchten wir den Atem der anderen und versuchen, uns mit Masken vor einer Ansteckung zu schützen.

Im Lauf eines Lebens atmen wir 300 Millionen Liter Luft ein und wieder aus.

 

22 internationale und österreichische Künstler machen die unsichtbaren Elemente Atem, Luft und Wind auf unterschiedliche Weise sichtbar: Hoda Afshar, Bigert & Bergström, Julius von Bismarck, Olafur Eliasson, Karin Fisslthaler, Ana Grilc, Isabelle Ha Eav, Jana Hartmann, Ayumi Ishii, Sophie Jung, Sjoerd Knibbeler, Ulrike Königshofer, Eduardo Leal, Emily Parsons-Lord, Peter Piller, Werner Reiterer, Roman Signer, Lydia Simon, Ulay/Marina Abramović, Nadim Vardag, Niina Vatanen und Susan Walsh.

 

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst Wien.

Weitere Informationen unter www.kunsthauswien.com

(JT März 2022)

Foto:

Eduardo Leal. Aus der Serie Plastic Trees. 2014. © Eduardo Leal 

Köpfe

 

Das Obere Belvedere stellt bis 3. Juli 2022 in der Ausstellung FACE TO FACE MARC QUINN MEETS FRANZ XAVER MESSERSCHMIDT die Werkserie Emotional Detox des britischen Künstlers Marc Quinn den berühmten Charakterköpfen des barocken Bildhauers Franz Xaver Messerschmidt gegenüber.

 

Marc Quinns acht lebensgroße skulpturale Selbstporträts entstanden in einer herausfordernden Phase im Leben des Künstlers, als er Anfang der 1990er-Jahre die körperlichen und seelischen Qualen eines Alkoholentzugs überwinden musste. In dieser Zeit betrachtete er regelmäßig die Messerschmidt-Skulptur Der starke Geruch im Victoria and Albert Museum in London.

 

Der Anspruch, den flüchtigen Ausdruck von Emotion in Mimik und Gestik festzuhalten und mit den Mitteln der Bildhauerei zu fassen, verbindet Marc Quinn und Franz Xaver Messerschmidt über die Zeiten hinweg. Beide Künstler arbeiten mit Blei, einem Material, das für seine Toxizität bekannt und für seine Rolle in dem sagenumwobenen alchimistischen Vorgang, der in einem Prozess der Verwandlung zu Gold führt, essenziell ist. Die autobiografischen Arbeiten beider Künstler thematisieren zutiefst persönliche Lebenseinschnitte und zeigen ergreifende Selbstinszenierungen.

 

Franz Xaver Messerschmidt schuf die Werkgruppe der „Charakterköpfe“ in seinen letzten Lebensjahren von 1770/71 bis 1783, die er zurückgezogen und enttäuscht vom Wiener Kunstbetrieb in Pressburg verbrachte. Die zum Teil ins Groteske verzerrten Gesichter geben bis heute Rätsel auf.

Marc Quinn, 1964 in London geboren, ist einer der ausdrucksstärksten Künstler seiner Generation. Seine Skulpturen, Gemälde und Zeichnungen erforschen das Verhältnis von Kunst und Wissenschaft, die Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur sowie den menschlichen Körper und die Wahrnehmung von Schönheit.

 

Weitere Informationen unter www.belvedere.at

(JT März 2022)

Fotos:

Marc Quinn, Emotional Detox: The Seven Deadly Sins IV, 1995. © Marc Quinn Studio

Image courtesy of Marc Quinn studio

Marc Quinn, Emotional Detox II, 1995 (copyright Marc Quinn Studio) and Franz Xaver Messerschmidt, Character Head No.33, 1777/1783 (copyright Belvedere, Wien)

Image courtesy of Marc Quinn studio

Franz Xaver Messerschmidt, Zweiter Schnabelkopf, 1777/1781. © Belvedere, Wien

Image courtesy of Marc Quinn studio

AusstellungsHöhepunkte 2022 in Krems

 

Die Kunstmeile Krems bildet mit ihrer Vielzahl an Museen, Galerien, Konzerten, Kunst- und Musikfestivals ein einzigartiges Kunst- und Kulturareal.

25 neue Ausstellungen in den sechs zentralen Museen, 4 Festivals, 2 Klangkunstwerke im Klangraum Krems Minoritenkirche, 1 Open Air Kino beim Kesselhaus und 1 Kinder.Kunst.Fest für die ganze Familie werden heuer geboten. Das Forum Frohner feiert 2022 sein 15-jähriges Bestehen. Die Artothek Niederösterreich wird 20 Jahre alt. Das museumkrems ist seit 130 Jahren im ehemaligen Dominikanerkloster am Körnermarkt beheimatet.

 

Gerda Ridler, die neue Direktorin der Landesgalerie Niederösterreich, bringt als ersten Höhepunkt im Ausstellungsjahr eine retrospektive Werkschau zu Isolde Maria Joham (02.04.–09.10.2022) anlässlich ihres 90. Geburtstags.

Die Kunsthalle Krems zeigt die erste monografische Schau zu Helen Frankenthaler in Österreich (23.04.–30.10.2022). Die 2011 verstorbene Amerikanerin zählt zu den wichtigsten Vertreterinnen des abstrakten Expressionismus des 20. Jahrhunderts.

Im museumkrems wirft die aus Japan stammende Künstlerin Haruko Maeda einen persönlichen Blick auf die kunsthistorische und volkskundliche Sammlung der Stadt Krems. Ihre in altmeisterlicher Technik gefertigten Arbeiten setzt sie in Dialog mit selten gezeigten Objekten aus dem Museumsdepot (26.03.–01.11.2022).

Einen großen Auftritt haben die Landessammlungen Niederösterreich ab Ende Mai in der Landesgalerie Niederösterreich (21.05.2022–05.02.2023). Über drei Etagen werden hochkarätige Werke von rund 100 Künstlern aus der Zeit nach 1960 präsentiert.

Die Privatsammler Amir und Shahrokh Shariat stellen für eine Gruppenausstellung in der Kunsthalle Krems figurative Gegenwartskunst aus Afrika zur Verfügung (19.11.2022–12.03.2023).

Das Karikaturmuseum Krems widmet dem Zeichner Paul Flora anlässlich seines 100. Geburtstags ab Februar eine umfassende Retrospektive (20.02.2022–29.01.2023).

Als Highlight für die ganze Familie beleben ab Juli Donald Duck und andere Trickfilmfiguren aus der Hand des Character-Designers Florian Satzinger das Karikaturmuseum Krems (17.07.2022–19.02.2023).

 

Nadja Kayali stellt in ihrer ersten Saison das Festival Imago Dei unter den Titel „Zwischenwelten“ (11.03.–18.04.2022) und lädt zu sechzehn Eigenproduktionen von und mit in Österreich lebenden Künstlern.

Unter dem Titel „Stealing the Stolen“ widmet sich das donaufestival 2022 (29.04.–01.05. und 06.–08.05.) der Kraft von Gegenaneignungen.

Das Festival Glatt&Verkehrt (15.–31.07.2022) präsentiert faszinierende Stimmen aus der ibero-amerikanischen Musikszene, aus den USA und Österreich, die ihre Utopien für eine „neue Welt“ vorstellen.

Die Europäischen Literaturtage (17.–20.11.2022) machen den Klangraum Krems Minoritenkirche zu einem inspirierenden Begegnungsort mit internationalen Autoren.

 

Alle weiteren Informationen unter www.kunstmeile.at

(JT 2022)

Foto: Kunstmeile Krems, 2019 © Kunstmeile Krems by Faruk Pinjo

Ein radikaler Blick in die Seele

 

Mit der Ausstellung „Edvard Munch - Im Dialog“ widmet die ALBERTINA bis 19. Juni 2022 Munch (1863–1944) ihre große Frühjahrsausstellung 2022, kuratiert von Dieter Buchhart und Antonia Hoerschelmann.

 

Über 60 Werke des norwegischen Künstlers am Ausstellungsort Kahn Galerie/Tietze Galerie zeigen das beeindruckende Œuvre, das für die moderne und zeitgenössische Kunst wegweisend ist.

Die Schau konzentriert sich in erster Linie auf Munchs spätere Werke und deren Relevanz für die Kunst der Gegenwart.

Neben ikonischen Fassungen der Madonna, des Kranken Kindes oder der Pubertät, ist es nicht zuletzt das von Unheimlichkeit, Bedrohung und Entfremdung zeugende Naturbild Edvard Munchs, das durch eine Reihe an Landschaftsgemälden dieses Hauptthemas des Symbolismus und Expressionismus in einen Dialog mit Werkgruppen bedeutender Künstler unserer Zeit tritt.

Zu den gezeigten, direkten Variationen von Munchs ikonischen Bildern werden Werke von Künstlern in den Fokus der Ausstellung gerückt, die an Munchs experimentelle und modernistische Erweiterung des Malereibegriffs anknüpfen.

 

Munch bricht radikal mit der sichtbaren Wirklichkeit und wendet sich den verborgenen, unsichtbaren Verletzungen und Erschütterungen der Seele zu. Krankheit, Eifersucht und Angst bleiben zeitlebens wiederkehrende Themen. Ihn interessieren die Narben der psychischen Verarbeitung von Erlittenem.

Auch technisch ist er revolutionär: eine koloristische Übersteigerung seiner Gemälde, die Vereinfachung der Motive, die ikonenhafte Frontalität seiner Figuren bis hin zur scheinbaren Verflüssigung der Landschaft bilden eine unberechenbare, bedrohliche Welt ab.

Der Mensch wird zur Symbolfigur für das Sich-Verlieren des Einzelnen im Ganzen: die Urangst der Gesellschaft am Beginn der Moderne.

 

Die weitreichende Rezeption Munchs in der zeitgenössischen Kunst beweisen sieben bedeutende Künstler der Gegenwart – allesamt Größen des 20. Jahrhunderts – die mit Munch in Dialog treten: Andy Warhol, Jasper Johns, Georg Baselitz, Miriam Cahn, Peter Doig, Marlene Dumas und Tracey Emin.

Die ausgewählten Werkgruppen illustrieren eindrucksvoll den Einfluss, den Edvard Munchs Kunst bis heute auf nachfolgende Generationen ausübt.

 

Weitere Informationen unter www.albertina.at

(JT Feb. 2022)

Fotos:

Edvard Munch. Straße in Aggsgardstrand, 1901. Öl auf Leinwand. Kunstmuseum Basel, Geschenk von Sigrid Schwarz von Spreckelsen und Sigrid Katharina Schwarz, 1979 © Kunstmuseum Basel,

Martin P. Bühler

Edvard Munch. Der Nachtwandler, 1923-1924. Öl auf Leinwand.Munchmuseet.

Foto: Munchmuseet/Ove Kvavik

Edvard Munch. Pubertät, 1914-1916. Öl auf Leinwand. Munchmuseet

Foto:Munchmuseet/Halvor Bjørngård

La Serenissima

 

Bis 4. September 2022 zeigt das Untere Belvedere in Wien die Ausstellung

VIVA VENEZIA! DIE ERFINDUNG VENEDIGS IM 19. JAHRHUNDERT, kuratiert von Franz Smola.

 

Venedig. Der Mythos der Lagunenstadt wurde regelrecht erfunden – auch über zahlreiche bildnerische Darstellungen.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Jahr 1866 waren Venedig und Venetien Teil der Habsburgermonarchie. Lange Zeit blickten die Österreicher sehnsüchtig Richtung Süden auf die Lagunenstadt. Hier glaubte man Unbeschwertheit und einfaches Leben zu finden.

 

In drei thematischen Kapiteln begibt sich die Ausstellung auf die Spuren dieser Inszenierung eines Traums.

Der erste Teil beleuchtet die Historienmalerei des 19. Jahrhunderts: österreichische und italienische Künstler hielten Episoden aus der ruhmreichen tausendjährigen Geschichte Venedigs in opulenten Darstellungen fest. Besonderes Beispiel dafür ist das über zehn Meter lange Gemälde von Hans Makart „Huldigung der Caterina Cornaro“ – wegen seines ungewöhnlichen Formats nur selten zu sehen, ist es eine der besonderen Attraktionen der Schau.

Der zweite Teil wendet sich der engen historischen Verbindung der Stadt mit Österreich zu. Aufgrund der geografischen Nähe hielten sich österreichische Künstler wie etwa Antonietta Brandeis, Leopold Carl Müller, Carl Schuch oder August von Pettenkofen über längere Zeiträume in der Stadt auf um sich Inspiration zu holen.

Auch im Wiener Stadtbild hinterließen venezianische Motive ihre Spuren: Der umfangreiche, in den 1850er-Jahren errichtete Komplex des Wiener Arsenals etwa erinnert nicht nur mit seinem Namen, sondern auch mit seinem eigenwilligen Baustil explizit an das venezianische Vorbild.

Und schließlich wird im dritten Abschnitt Venedig als Sehnsuchtsort beleuchtet.. Maler und vor allem auch Literaten aus Europa und den USA gaben sich der Magie, aber auch der Melancholie der Stadt hin; bis heute sehen manche in Venedig eine Metapher für „Sterben in Schönheit“.

 

Die Ausstellung umfasst rund 80 Gemälde, ein Großteil davon stammt aus der Sammlung des Belvedere. Daneben bieten auch zahlreiche Beispiele aus Literatur und Film weitere Zugänge zur künstlerischen Auseinandersetzung mit dieser faszinierenden Stadt.

Weitere Informationen unter www.belvedere.at

(JT Feb. 2022)

Fotos:

Leopold Carl Müller, Blick von Mestre auf Venedig (Lagunenlandschaft), 1871, Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Anton Romako, Mädchen an einem Fenster zum Markusplatz, Tauben fütternd, um 1875, Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Franz Leo Ruben, Motiv aus Venedig, 1877, © Belvedere, Wien

Ein neues Bild der Wirklichkeit

 

In der großen Frühjahrsausstellung „INSIGHTS. Reflecting the Tate Collection“ widmet das

Bank Austria Kunstforum auf der Wiener Freyung bis 19. Juni 2022 dem britischen Künstler David Hockney (geboren 1937 in Bradford U.K.) erstmals in Österreich eine umfassende Werkschau.

In den Medien Malerei, Zeichnung, Grafik, Fotografie und Film erforscht Hockney die menschliche Wahrnehmung und setzt seine Weltsicht ins Bild.

Die Ausstellung spiegelt und reflektiert anhand von rund 125 Leihgaben aus 24 internationalen Museen und privaten Sammlungen die Schlüsselwerke Hockneys aus der Sammlung der Tate und ermöglicht somit einen Einblick in sieben Dekaden künstlerischer Arbeit.

 

Die Beschäftigung mit der menschlichen Figur zieht sich wie ein roter Faden durch Hockneys Werk. Der Erfindungsreichtum und Stilpluralismus Hockneys ist bereits in seiner Studienzeit am Royal College of Art in London (1959–1962) auszumachen.

Zentrales Thema seiner frühen Arbeiten ist auch die eigene, damals noch verbotene Homosexualität.

Hockneys Praxis ist ein Arbeiten an und mit den klassischen Gattungen der Kunstgeschichte – stets im Bewusstsein, dass Kunst eben keine Darstellung der Wirklichkeit ist oder sein sollte, wie er selbst feststellt: „Ich will damit sagen, dass wir in Wirklichkeit nicht sicher sind, wie die Welt aussieht. Furchtbar viele Leute meinen, wir wissen es, ich aber nicht.“

 

Weitere Informationen auf www.kunstforumwien.at

(JT Feb. 2022)

Fotos:

David Hockney My Parents, 1977 Öl auf Leinwand 183 x 183 cm Tate: Purchased 1981 © David Hockney Foto: Tate

David Hockney George Lawson and Wayne Sleep, 1972–1975 Acryl auf Leinwand 212,5 x 300,8 cm

Tate: Presented by the artist 2014 © David Hockney Foto: Tate

Dalí und die Psychoanalyse

 

Im Unteren Belvedere wird bis 29. Mai 2022 die Ausstellung DALÍ – FREUD, EINE OBSESSION gezeigt.

 

In den surrealistischen Bildwelten des Künstlers lässt sich deutlich eine intensive Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse erkennen.

Die Geschichte rund um Salvador Dalí (11. Mai 1904 Gigueres – 23. Januar 1939 Figueres) und Sigmund Freud (6. Mai 1856 Freiberg – 23. September 1939 London).ist so komplex wie ihre Protagonisten.

Dalí entdeckte in den 1920er-Jahren die Schriften Freuds und war besessen davon! Von ihnen beeinflusst entwickelte er eine bis heute einzigartige Bildsprache. Noch in Madrid kam Dalí ab dem Jahr 1925 mit den Ideen des Surrealismus in Berührung. Die zu diesem Thema im Belvedere gezeigten Werke zeichnen sich durch Anspielungen auf den Traum, auf Schuldgefühle oder auch auf sexuelle Obsessionen aus.

Kurator Jaime Brihuega dazu: „Für Dalí war die Lektüre Freuds eine faszinierende Offenbarung. Durch Freuds Theorien erlangte er Verständnis der Fantasien, Ängste, Wünsche und Frustrationen seiner Innenwelt. Das ermutigte ihn auch, diese in Bilder zu verwandeln, die Teil unseres kunsthistorischen Allgemeinguts geworden sind.“

Freuds Skepsis gegenüber dem Surrealismus war jedoch groß.

In Wien 1937 schließlich versuchte Dalí, sein Idol zu treffen – umsonst. Davon zeugen detaillierte Berichte in Dalís 1942 erschienener exzentrischer Autobiografie. Der Künstler selbst lässt sich ganz nebenbei von der Stadt und ihrer Kunst inspirieren.

Erst im Sommer 1938 kam eine erste und einzige Begegnung in London zustande.

 

Die von Margula Architects gestaltete erste Schau im neu sanierten Unteren Belvedere verzichtet komplett auf Ausstellungswände: sämtliche Exponate werden in eigens angefertigten Objektbibliotheken präsentiert.

 

Weitere Informationen zur Ausstellung unter www.belvedere.at

(JT Feb. 2022)

Fotos:

Luis Buñuel, Salvador Dalí, 1929

© Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí / Bildrecht, Wien 2022

Salvador Dalí, Composició amb tres figures. „Acadèmia neocubista“ (Komposition mit drei Figuren. „Neokubistische Akademie“), 1926, Museu de Montserrat, Barcelona donated by Josefina Cusí

© Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí / Bildrecht, Wien 2022

Salvador Dalí, Bildnis Sigmund Freud, 1938, Freud Museum London

© Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí / Bildrecht, Wien 2022

Neues aus München

 

Das KUNSTLABOR 2 im bayerischen München vereint viele Programmpunkte unter einem Dach und bietet ein umfangreiches Rahmenprogramm für Besucher, die eingeladen werden, aktiv Teil und Mitgestalter des Angebots zu sein.

 

Knapp 10.000 Quadratmeter und sechs Etagen umfasst das KUNSTLABOR 2 in einem ehemaligen Gesundheitshaus in der Maxvorstadt in der Dachauer Straße.

Es wurde als Zwischennutzungsprojekt vom Museum of Urban and Contemporary Art (MUCA) in ein neues Zentrum für Kunst und Kultur umgewandelt.

Besonders spannend für Fans von Street- und Urban Art: Zwei der sechs Etagen wurden und werden von mehr als 100 Künstlern in ein begehbares Kunstwerk verwandelt. Mit dabei sind bekannte Namen wie Loomit oder Rapper Samy Deluxe, aber auch Newcomer wie Pepe (alias Jose Luis Villanueva Contreras).

 

Unbedingt für den nächsten München-Trip vormerken!

Weitere Infos unter www.kunstlabor.org

(JT Jan. 2022)

Foto © MUCA / wunderland media GmbH

Das MAK in Wien und sein Programm 2022

 

Das Wiener Museum MAK bildet vieles ab, was im Alltag der Menschen einen Platz hat.

Das macht es für die Generaldirektorin Lilli Hollein zu einem demokratischen Haus, einem Museum mit großer Zugänglichkeit.

Öffnung – Haltung – Vermittlung – Diversität – Perspektivenwechsel stehen seit ihrem Antritt im September 2021 für ihre Visionen, Pläne und die zukünftige Positionierung des MAK, an deren Umsetzung mit dem gesamten Team bereits intensiv gearbeitet wird und die sich auch deutlich im Programm 2022 widerspiegeln.

Holleins expliziter Wunsch ist es, das MAK, das mit seinen interdisziplinären, interkulturellen Inhalten in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verankert ist, einem breiten Publikum zu öffnen.

 

Zurückgreifend auf den Gründungsgedanken des Museums mit seiner Vorbildersammlung, nimmt das MAK zudem seine Verantwortung wahr, in Fragen der Gestaltung beispielgebend zu sein.

Das Haus sieht sich als wesentliches Gegenüber für Gestalter und als aufgeschlossener Auftraggeber, der explizit eine junge Szene einbindet und dennoch offen für alle KünstlerGenerationen ist – von digitaler Kunst bis hin zur Auseinandersetzung mit klassischen Medien der angewandten Kunst.

 

Hier ein Auszug der künftigen Ausstellungen:

ZINNGLASUR UND BILDKULTUR. Die Majolikasammlung des MAK im Kontext ihrer Geschichte, 6. April bis 7. August 2022

WERKSTÄTTE HAGENAUER. Wiener Metallkunst 1898–1987, 26. Oktober 2022 bis

3. September 2023

100 BESTE PLAKATE 21. Deutschland Österreich Schweiz, 19. Oktober 2022 bis 5. Februar 2023

 

Weitere Informationen unter www.mak.at

(JT Jan. 2022)

Foto © Bueronardin