Die Lässigkeit des Martin Grandits

 

Im tresor im Bank Austria Kunstforum Wien ist vom 11. bis 24. September 2019 die Ausstellung ABSOLUT GRANDITS bei freiem Eintritt zu sehen.

 

Die Ästhetik des Alltags spielt eine wichtige Rolle im Werk des Künstlers Martin Grandits.

Ein Logo, ein Brotaufstrich oder eine Bierbank – alles kann Grundlage für eine künstlerische Idee sein – und ein T-Shirt ist dabei als Trägermedium nicht weniger geeignet als eine auf Keilrahmen gespannte Leinwand.

 

Mit präziser Nonchalance arbeitet sich Grandits zwischen Tinder und Picasso quer durch die Popkultur und Kunstgeschichte und macht meistens dort Halt, wo man es am wenigsten von ihm erwartet. Sein Weggefährte ist dabei stets der kritische Blick und immer auch der Humor, einerseits als Stilmittel und andererseits als Waffe gegen das Pathetische.

 

Martin Grandits wurd 1982 in Wien geboren und studierte an der Universität für angewandte Kunst, Klasse Transmediale Kunst bei Brigitte Kowanz.

 

Die Ausstellung im tresor ist eine Kooperation mit der HO GALLERY und wird von Ema Kaiser-Brandstätter (Wiener Achse) kuratiert.

Weitere Informationen auf https://www.kunstforumwien.at/

(JT Aug. 2019)

Foto: Bjoern Segschneider

Die Kunst der Maria Lassnig

 

Zum hundertsten Geburtstag würdigt die ALBERTINA Wien Maria Lassnig (1919–2014) mit einer umfassenden Retrospektive.

Die Ausstellung „Ways of Being“ vom 6. September bis 1. Dezember 2019 zeigt die Haupt- und Schlüsselwerke einer der bedeutendsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts.

 

Lassnig widmete sich zeitlebens dem Selbstportrait, der ScienceFiction, den Beziehungen zu Menschen, Tieren und Technik, dem Verhältnis zu Gewalt und Krieg. Als roter Faden dominiert in ihrem Schaffen das Sichtbarmachen ihres Körperbewusstseins.

Bereits ab Ende der 1940er Jahre machte Lassnig den eigenen Körper zum Mittelpunkt ihrer Kunst, lange bevor Körpergefühl, Körpersprache und das Verhältnis von Mann und Frau zentrale Themen der internationalen Avantgarde wurden.

Sie markierte damit einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte der modernen Kunst, dessen Nachhall bis heute spürbar ist. Humorvoll und ernst, sehnsuchtsvoll und gnadenlos bannt die Künstlerin ihre Selbstempfindung auf den Malgrund.

Nicht was sie sieht, sondern wie sie sich spürt, wird zum Bild.

 

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Stedelijk Museum Amsterdam.

(JT Aug. 2019)

Fotos:

Maria Lassnig
Mit einem Tiger schlafen, 1975, Öl auf Leinwand, Albertina, Wien – Dauerleihgabe der Oesterreichischen Nationalbank © Maria Lassnig Stiftung
Selbstporträt mit Stab, 1971, Öl auf Leinwand, Maria Lassnig Stiftung © Maria Lassnig Stiftung
Woman Power, 1979, Öl auf Leinwand, Albertina, Wien | Sammlung Essl © Maria Lassnig Stiftung, © Graphisches Atelier Neumann, Wien

Der Weg des Fotos ins Buch

 

Die Ausstellung „Foto.Buch.Kunst“ - Umbruch und Neuorientierung in der Buchgestaltung in Österreich 1840–1940 - zeigt bis 22. September 2019 ein breites Spektrum früher Fotobände.

Die Albertina Wien präsentiert hier erstmals faszinierende Kombinationen aus überzeugender Fotografie, raffinierter Buchgestaltung und handwerklicher Perfektion.

 

Während die Fotografie heute fast jede Art von Publikation dominiert, gerieten die Ursprünge dieses Zusammenwirkens in Vergessenheit: Der Weg des Fotos ins Buch gestaltete sich lang und war von zahlreichen technischen Problemen begleitet, umso erstaunlicher sind die unterschiedlichen kreativen Lösungsvorschläge der Pioniere.

 

Originalfotografien, Probedrucke oder Buchmaquetten (originale Buchentwürfe) zum großen Teil aus den Sammlungen der Albertina eröffnen einen neuen Blick auf einen bisher unbeachteten Aspekt österreichischer Kulturgeschichte, der durch vielfältige Querverbindungen zwischen wissenschaftlicher Neugier, industriellen Interessen, künstlerischen Experimenten und einer dem Projekt Aufklärung verpflichteten Bildungspolitik gekennzeichnet ist.

In der Ausstellung mit rund 300 Exponaten entwickelt sich ein außergewöhnliches Panorama innovativer Leistungen entlang von Prachtbänden und Werbebroschüren, Reiseberichten und wissenschaftliche Atlanten, Künstlerentwürfen und Industriedokumentationen.

 

Weitere Infos unter www.albertina.at

(JT Juli 2019)

Fotos:

Umschlag von C. Angerer & Göschl Wien, Sechzig Jahre, 1932, Fotograf: Angerer & Göschl

Österreichische Staatsdruckerei, "Der Eisbär" und "Der Schimpanse", Aus: Die neue Arche. Dreißig Tierbilder nach photographischen Naturaufnahmen, Wien: Österreichische Staatsdruckerei, 1923,
Photoinstitut Bonartes
Bucheinband zu Alexander Niklitschek, Ratschläge für Amateurphotographen, Leipzig, Wien, Berlin: Steyrermühl, 1934, Albertina Wien, Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt

 

FlowerPower

 

Das Leopold Museum in Wien präsentiert bis 21. Oktober 2019 die erste umfassende Personale der Malerin Olga Wisinger-Florian. Die Ausstellung wird ergänzt mit Fotografien, Dokumenten und den akribisch geführten Tagebüchern der Künstlerin.

 

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelang es drei Frauen, sich als unabhängige Malerinnen Anerkennung und Ruhm zu erwerben. Neben Tina Blau und Marie Egner war es vor allem Olga Wisinger-Florian (1844–1926), deren künstlerisches OEuvre zur Avantgarde der Landschaftsmalerei gehörte. Vielseitig begabt, verfolgte die aus gutbürgerlichem Hause stammende Olga Florian zunächst eine Karriere als Pianistin, die sie 1874 wegen eines Handleidens abbrechen musste. Nach ihrer Heirat mit dem Wiener Apotheker Franz Wisinger wandte sie sich der Malerei zu, erhielt wie üblich Privatunterricht und gehörte schließlich ab 1880 zum engeren Kreis um Emil Jakob Schindler (1842–1892).

Neben Landschaften und Interieurs setzte sich die Malerin vor allem mit dem Motiv der Blume auseinander. Detailgenau, ungewöhnlich, wegweisend war und ist ihr wunderbarer Stil.

 

Wisinger-Florian, die sich auch engagiert für die Rechte der Frauen einsetzte, war eine der meist ausgezeichneten Künstlerinnen ihrer Zeit und zählte Adel und Kaiserhaus zu ihren Kunden. Ihre Werke befinden sich heute u.a. im Belvedere, im Leopold Museum, im Museum Niederösterreich, in der Neuen Pinakothek in München und in bedeutenden privaten Sammlungen in Österreich und Deutschland.

 

Weitere Infos unter www.leopoldmuseum.org

(JT Juni 2019)

Fotos:

Der Strand von Étretat (Normandie), 1893/94 Öl auf Karton 16 × 26 cm Privatsammlung Foto: Auktionshaus im Kinsky, Wien

Rosengarten in Grafenegg, 1904 Öl auf Karton 50 × 73 cm Sammlung Eisenberger, Wien Foto: Vera Eisenberger KG, Wien

Ulmenallee am Schwarzen Meer, 1911 Öl auf Leinwand 147,5 × 266 cm Privatsammlung, Oberösterreich Foto: Enzlmüller Fotografie, Pettenbach

Der Posthof in Karlsbad, 1895 Öl auf Holz 12,5 × 21,3 cm Leopold Museum, Wien Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger 

SchauWald - WaldSchau

 

Im Herbst 2019 wird im Klagenfurter Wörthersee Stadion das größte bisher in Österreich realisierte Kunstprojekt im öffentlichen Raum stattfinden. „For Forest“ ist einfach spektakulär!

 

Alles begann mit Max Peintner's Zeichnung „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ aus den beginnenden 1970iger Jahren, die im Laufe der Zeit zu einer Ikone für die Zurückdrängung der Natur durch den Menschen geworden ist.

Klaus Littmann wollte das Bild vor 30 Jahren kaufen, musste aber erfahren, dass es bereits im Besitz eines Kunstsammlers in den USA ist. Daraufhin wurde die Idee geboren, jenes kraftvolle Bild – wenn schon nicht als Betrachter an der Wand, so als Schöpfer in der Wirklichkeit - in die Realität umzusetzen.

Inspiriert von dieser Zeichnung bespielt Littmann Kulturprojekte Basel vom 9. September bis 27. Oktober 2019 nach langjähriger Vorbereitung das Stadion.

Der Zufall spielte Regie und ließ Klaus Littmann mit einer kleinen Künstlergruppe aus Klagenfurt – den Lendhauern – in Kontakt treten, die von einem Stadion wussten, das ideale Voraussetzungen bot um seine Idee endlich Wirklichkeit werden zu lassen. Nach mehreren Kontakten mit der Stadion-Gesellschaft und politischen Vertretern der Stadt Klagenfurt als Eigentümerin konnte 2017 grünes Licht zur Realisierung des Projekts gegeben werden.

 

Das Fußballfeld wird – so der Wunsch Peintners – gänzlich mit einem Mischwald überdeckt.

Das Projekt ist eine Kunstinstallation, eine riesige temporäre Skulptur, die es dem Betrachter erlaubt, sich dem Thema – im wahrsten Sinn des Wortes – anzunähern, es zu betrachten und sich damit auseinanderzusetzen. Von den Rängen aus können die Zuschauer das Baumspektakel Tag und Nacht (von 10.00 bis 22.00 Uhr) – bei Natur- oder Flutlicht – bei freiem Eintritt im Stadion bestaunen.          

Der Wald im Stadion ist allerdings kein Streichelzoo und kann nicht begangen werden. Das Projekt versteht sich auch als Mahnmal, dass die Selbstverständlichkeit der Natur eines Tages nur noch in ihr speziell zugewiesenen Gefäßen zu bestaunen sein könnte. Vielleicht werden die Menschen dann Wald nur noch wie ein vom Aussterben bedrohtes Tier im Zoo anschauen können.

Weitere Infos unter www.forforest.net

(JT Mai 2019)

Image credit Max Peintner, The Unending Attraction of Nature, pencil drawing, 1970/71, hand-coloured by Klaus Littmann in 2018, unique print from series

Portrait of Klaus Littmann 2019, Photo credit Emmanuel Fradin, Courtesy For Forest

For Forest Modell

Change is our only Chance

 

Die VIENNA BIENNALE FOR CHANGE 2019: SCHÖNE NEUE WERTE. Unsere Digitale Welt gestalten (29. Mai – 6. Oktober 2019, Eröffnung: 28. Mai 2019, 18:00 Uhr) lenkt den Blick auf die Werte, auf deren Basis die Utopie einer ökonomisch und sozial gerechten sowie ökologisch nachhaltigen Zukunft Realität werden könnte. Künstler, Designer und Architekt aller Kontinente beziehen Position zu einer Zukunft, die wir wirklich wollen.

Neun Ausstellungen, eine übergreifende Konferenz und zahlreiche weitere Projekte und Veranstaltungen fordern mutige Visionen zum Umgang mit künstlicher Intelligenz und neuen Technologien, zur Gestaltung innovativer (städtischer) Arbeitsmodelle, zu neuen Formen des (Zusammen-)Lebens und zu verantwortungsvollem Konsum.

 

Die internationale Mehrspartenbiennale findet heuer bereits zum dritten Mal statt und wird vom MAK, der Universität für angewandte Kunst Wien, der Kunsthalle Wien, dem Architekturzentrum Wien und der Wirtschaftsagentur Wien sowie dem Slovak Design Center als Associate Partner und dem AIT Austrian Institute of Technology als außeruniversitärem Forschungspartner veranstaltet.

 

UNCANNY VALUES. Künstliche Intelligenz & Du (Eine Ausstellung des MAK) erforscht als eines der Herzstücke der VIENNA BIENNALE eines der wichtigsten Themen der kommenden Jahrzehnte, das auf alle Bereiche unseres Lebens folgenreiche Auswirkungen hat: künstliche Intelligenz (KI).

Um die materiellen Welten, die wir durch Technologie schaffen, und die Rolle der Technologie in der Ausbildung lokaler und globaler Konfigurationen von Macht, Identitätsformen und Lebensweisen geht es in HYSTERICAL MINING (Eine Ausstellung der Kunsthalle Wien).

Im Rahmen von Change Was Our Only Chance (Ein Projekt der Universität für angewandte Kunst Wien) gestaltet das KünstlerInnenkollektiv Time's Up in der titelgebenden Installation unter Beteiligung der Angewandten eine Welt im Jahr 2047.

In der Neuaufstellung des MAK DESIGN LABOR (Ein Projekt des MAK in Kooperation mit dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung) schlagen sich die Themen und Ansätze einer Biennale erstmals auf die Konzeption eines permanenten Museumsangebots nieder. Das neu gedachte MAK DESIGN LABOR präsentiert unter vielschichtigen Aspekten ausgewählte Positionen und Projekte, die belegen, dass Design verstärkt als Motor des Wandels agiert.

Mit dem Ausstellungsprojekt KLIMAWANDEL! Vom Massenkonsum zur nachhaltigen Qualitätsgesellschaft (Eine Kooperation des MAK und des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus) umkreist das bekannte Wiener Designstudio EOOS (Martin Bergmann, Gernot Bohmann und Harald Gruendl) den Beitrag, den Transformationsdesign für den notwendigen Turnaround des Klimawandels leisten kann.

Immer mehr Menschen drängen auf der Suche nach Jobs und Zukunftsperspektiven in die Zentren: Städte stehen damit vor der Herausforderung, BewohnerInnen Wohnraum, Arbeit und Erholung zu bieten. FUTURE FACTORY. Urbane Produktion neu denken (Ein Projekt der Wirtschaftsagentur Wien in Zusammenarbeit mit dem MAK und in Kooperation mit der Ottakringer Brauerei) geht der Frage nach: Was macht die Future Factory in einer Future City aus?

Wenn sich Werte in einem Wandel befinden, hat dies Einfluss auf unsere Vorstellungen von Lebensqualität und auf die Anforderungen an Architektur. SPACE AND EXPERIENCE. Architektur für ein besseres Leben (Eine Ausstellung des MAK in Kooperation mit Wienerberger) veranschaulicht durch eine markante Auswahl von realisierten Projekten, welchen Mehrwert Architektur schon heute für ein besseres Leben zu schaffen vermag.

Als Associate Partner der VIENNA BIENNALE zeigt das Slovak Design Center in Bratislava die Ausstellung Human by Design (Eine Ausstellung des Slovak Design Center). Sie präsentiert Konzepte, Methoden, Modellsituationen, Fallstudien und innovative Lösungen, die dieses dringende Bedürfnis nach Veränderung und Nachhaltigkeit zum Ausdruck bringen.

 

Laufend aktualisierte Informationen zu den weiteren Projekten sowie zum Rahmenprogramm finden sich unter www.viennabiennale.org

(JT April 2019)

Fotos:

Logo Vienna Biennale 2019 © buero bauer

UNCANNY VALUES. Künstliche Intelligenz & Du. Heather Dewey-Hagborg und Chelsea E. Manning, Probably Chelsea, 2017. © Heather Dewey-Hagborg, Courtesy of the Artist und Iliya Fridman Gallery New York

HYSTERICAL MINING Frauen präsentieren Teile der ersten vier Armeecomputer. v.l.n.r: Patsy Simmers (Mathematikerin/Programmiererin), hält ENIAC; Frau Gail Taylor, hält EDVAC; Frau Milly Beck, hält ORDVAC; Frau Norma Stec (Mathematikerin/Programmiererin), hält BRLESC-I, 1962
Aus den Archiven der Technischen Bibliothek der ARL. Historische Computerbilder
Foto © U.S. Army Photo

SPACE AND EXPERIENCE Architektur für ein besseres Leben. ecoLogicStudio (Claudia Pasquero und Marco Poletto). H.O.R.T.U.S. XL Astaxanthin.g, 2019. © NAARO

 

Aufbruch in die Moderne

 

Die neue Dauerpräsentation „Wien 1900“ im Leopold Museum im MQ Wien (www.leopoldmuseum.org) präsentiert unter der kuratorischen Ägide von Hans-Peter Wipplinger seit Mitte März 2019 den Glanz und die Fülle künstlerischer und geistiger Errungenschaften einer Epoche, die geprägt war vom Aufbruch der Secessionisten bis hin zum Untergang der Monarchie und dem Tod herausragender Künstler der Wiener Moderne wie Gustav Klimt, Egon Schiele, Koloman Moser oder Otto Wagner im Jahr 1918.

Die Neupräsentation zeigt nicht nur Meisterwerke aus der Sammlung des Leopold Museums, sondern auch nationale und internationale Dauerleihgaben jener pulsierenden Zeit.

 

Die Donaumetropole war gleichermaßen die Stadt des Hochadels und der liberalen Intellektuellen, der prachtvollen Ringstraße und endloser Armenviertel, des Antisemitismus und des Zionismus, des starren Konservatismus und der einsetzenden Moderne. Glanz und Elend, Traum und Wirklichkeit, Selbstauflösung und Neuaufbruch bezeichnen den ästhetischen Pluralismus und markieren das Wien jener Zeit als Ideenlaboratorium einer turbulenten Erneuerungsbewegung. In diesem heterogenen Milieu – Arnold Schönberg sprach von der „Emanzipation der Dissonanz“ – fand jene Verdichtung an Kulturleistungen statt, die uns heute von Wien um 1900 als einem Quellgrund der Moderne sprechen lässt. Dieser Aufbruch war in den unterschiedlichsten Disziplinen, von der Malerei und den grafischen Künsten, über Literatur, Musik, Theater, Tanz und Architektur bis hin zu Medizin, Psychologie, Philosophie, Rechtslehre und Ökonomie.

 

Nach einer Ouvertüre zur Makart-Zeit und zu den Ausformungen des Realismus und Stimmungsimpressionismus österreichischer Provenienz, stehen in der Präsentation die Secessionisten (Gustav Klimt, Koloman Moser, Carl Moll etc.) im Fokus der vierten Ausstellungsebene. In der dritten Etage wird die Überwindung der Stilkunst durch die Vertreter des österreichischen Expressionismus (Richard Gerstl, Oskar Kokoschka, Egon Schiele etc.) gezeigt. Den Schlussakkord setzen im Erdgeschoß die facettenreichen künstlerischen Ausformungen, die zwischen abstrahierend- expressionistischem Stil (Anton Kolig, Herbert Boeckl, Marie-Louise von Motesiczky etc.) und Positionen der Neuen Sachlichkeit (Rudolf Wacker, Otto Rudolf Schatz, Greta Freist etc.) oszillieren.

(JT März 2019)

Foto: Sujet Wien 1900, Leopold Museum, Wien

Das etwas andere Ausstellungsprogramm der Kunsthalle Wien 2019

 

Das Programm der Kunsthalle Wien im Jahr 2019 widmet sich schwerpunktmäßig anderen, teilweise auch prozesshaft ausgerichteten Formaten des Ausstellens, die das Publikum direkt involvieren oder das Theatrale zum Modell kritischer Repräsentation unserer Gegenwart machen.

 

Den Auftakt machen gleich zwei Ausstellungen mit österreichischen Künstlern: „Heinz Frank. Der Winkel des Endes kommt immer von hinten“ ab 20. Februar thematisiert im gläsernen Ausstellungsraum der Kunsthalle Wien Karlsplatz die Winkel „des Endes“ beziehungsweise seiner vier Ecken ebenso wie die Doppelgesichtigkeit von Bildern an transluziden Grenzen zwischen Kunst- und Stadtraum. In der Kunsthalle Wien Museumsquartier konzentriert sich die Ausstellung „Peter Friedl. Teatro“ ab 22. März auf Modell, Sprache, Geschichte, Übersetzung, Theatralik.

Im Sommer startet zum dritten Mal die Vienna Biennale, die sich erneut den Herausforderungen der digitalen Moderne stellt. Mit dabei ist auch die Kunsthalle Wien mit der umfangreichen Gruppenausstellung „Hysterical Mining“ ab 29. Mai, die sich an beiden Standorten der Frage von Technologie und Geschlecht und insbesondere feministischen Positionen im Spiegel ästhetischer Praxis widmet. 

Ebenfalls im Sommer 2019 verwandeln Gelatin & Liam Gillick mit „Stinking Dawn“ ab 5. Juli die Kunsthalle Wien Museumsquartier in ein Filmset. Liam Gillick liefert das Filmmanuskript und Gelatin baut eine Installation nach Art einer Filmkulisse. Die Dreharbeiten beginnen am Eröffnungsabend und wer möchte, kann auch mitmachen.

Im Herbst begibt sich die Gruppenausstellung „Time is Thirsty“ ab 30. Oktober auf eine Reise durch Zeit und Raum im Gewand einer Ausstellung.

Den Jahresabschluss in der Kunsthalle Wien Karlsplatz bildet „Andreas Fogarasi. Nine Buiildings, Stripped“ ab 13. November. In einer Reihe höchst abstrakter und zugleich durch und durch realistischer Skulpturen dokumentiert der Künstler den Wandel von Gebäuden und der Stadt.

 

Weitere Informationen unter www.kunsthallewien.at

(JT Jänner 2019)

Foto: Kunsthalle Wien

Die Highlights des Kunsthistorischen Museums 2019

 

Zu den ProgrammHöhepunkten im Wiener Kunsthistorischen Museum im Jahr 2019 zählt die groß angelegt Schau über Mark Rothko, dessen Werk in Österreich noch nie gezeigt wurde.  Die Ausstellung vom 12. März bis 30. Juni wird mehr als vierzig wichtige Arbeiten aus Rothkos gesamtem Schaffen umfassen und Vorstellungen des Sakralen, Geistigen, Tragischen und Zeitlosen nachgehen. Rothkos Tochter Kate und sein Sohn Christopher, die von Anfang an in das Projekt eingebunden waren, werden für die Schau zahlreiche bedeutende Werke aus der Sammlung der Familie als Leihgaben zur Verfügung stellen.

 

Im Herbst – vom 15. Oktober 2019 bis 19. Jänner 2020 - widmet das Museum dann dem Maler Caravaggio und dem Bildhauer Bernini die erste große Ausstellung in Österreich. Ihre Meisterwerke werden von ausgewählten Arbeiten ihrer Zeitgenossen, darunter Nicholas Poussin, Orazio Gentileschi, Alessandro Algardi oder Simon Vouet, „kommentiert“. Mit rund 60 Hauptwerken – Malerei wie Skulpturen – wird die revolutionär-neuartige Kunst des beginnenden 17. Jahrhunderts vorgestellt: faszinierende Werke voller Dramatik, intensiver Leidenschaft, starker Bewegung und farbintensiver Theatralik.

 

Weitere Infos unter www.khm.at

(JT Jänner 2019)

Foto © KHM-Museumsverband

MuseumsJuwel

 

Bereits seit 125 Jahren gibt es das Österreichische Pharma- und Drogistenmuseum. Seit 15 Jahren ist es am Standort Währinger Straße 14 in 1090 Wien beheimatet (www.drogistenmuseum.at) – ein durchaus zu feierndes Doppeljubiläum! 

In den liebevoll renovierten Räumlichkeiten im 9. Bezirk hat das Museum einen würdigen Rahmen gefunden um die Raritäten und Kuriositäten der über 10.000 Exponate und Kuriositäten wirkungsvoll zu präsentieren.

 

Die Entwicklung des Berufes „Drogist“ hat eine lebhafte Vergangenheit: Aus Quacksalbern und fahrenden Heilkünstlern, die ihre Waren gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf Jahrmärkten verkauften, entwickelte sich mit der Zeit ein geregelter Drogenhandel. Der Begriff „Droge“ war damals noch positiv besetzt. Aus den Drogenkleinhandlungen entstanden im Laufe der Zeit die Drogerien. Die Drogerie hatte die Aufgabe, Drogen (= getrocknete Kräuter, pflanzliche Arzneimittel) und Chemikalien zu vertreiben. Industriell gefertigte Markenartikel gab es praktisch noch nicht. Auch Fotografie, Farben und Lacke sowie Pflanzenschutz hatten in der Drogerie ihre Kinderstube. Drogisten sind übrigens die einzige Berufsgruppe Österreichs, die über die gesetzliche Erlaubnis verfügt, Gifte abzugeben. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts etablierte sich die Drogerie als Fachgeschäft für Gesundheit, Schönheit und Wellness, wie wir sie heute kennen. Das Personal der Fachdrogerie steht für qualifizierte Kundenberatung, die den Konsumenten hilft, sich in der Vielzahl der am Markt angebotenen Produkte zurechtzufinden.

 

Im Drogistenmuseum finden monatlich auch Vorträge von Fachleuten statt. Der Schwerpunkt liegt bei gesundheitsbezogenen Themen aus Sicht der Schul- und Alternativmedizin, Ernährung, Aromatherapie, Kräuter und Gewürze, alte Hausmittel, um nur einige zu nennen. Dazu kommen spannende Reise-Erlebnisberichte und faszinierende Vorträge des Historikers Mag. Georg Hamann. Der Museums-Vortragsraum kann auch für kleine externe Veranstaltungen gemietet werden.

Die Finanzierung des Museums erfolgt überwiegend durch Sponsoren, Einnahmen von Führungen und Vorträgen sowie Eigenleistungen der gegenwärtig 10 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sind besonders zu erwähnen, denn ohne ihren Einsatz wäre ein Aufrechterhalten des Museumsbetriebes nicht möglich.

 

Der Leitgedanke im Drogistenmuseum: Alle Besucher sind herzlich willkommen! Sie sollen das Museum mit mehr Freude, Begeisterung, Wissen und dem Wunsch, wiederzukommen und das Museum weiterzuempfehlen, verlassen.(JT 2017)

Illustration: Gil Elvgren, Fotos © Drogistenmuseum, Niki Lappas

Das Werk der Künstlerin Maria Biljan-Bilger – fast vergessen, doppelt präsent

 

Als Bildhauerin, Keramikerin und Textilkünstlerin schuf Maria Biljan-Bilger (1912-1997) ein unverwechselbares Werk zwischen Archaik und Moderne. Ihr Wirken ist in der zeitgenössischen Öffentlichkeit in Vergessenheit geraten und es ist ihrem Mann, dem Architekten Friedrich Kurrent, und dem Verein der Freunde der Maria Biljan-Bilger-Ausstellungshalle in Sommerein zu verdanken, dass man die absolut großartigen, beeindruckenden Kunstwerke von Biljan-Bilger heute noch besichtigen kann – und unbedingt sollte!

 

Die Ausstellungshalle, von Kurrent an einem ehemaligen Steinbruch errichtet, in der Hauptstraße 61 in 2453 Sommerein am Leithagebirge in Niederösterreich, wo es die Künstlerin 1962 hinzog, ist vom 1. Mai bis Ende Oktober jeden Samstag, Sonntag und Feiertag von 10.00 bis 12.00 und von 14.00 bis 18.00 Uhr (Eintritt € 3, Kinder frei) für Besucher offen.

 

Biljan-Bilger war Mitbegründerin des Art-Clubs und hatte 1952 ihre erste Personalausstellung im legendären „Strohkoffer“, dem Wiener Ausstellungslokal des Art-Clubs, der Wiener Avantgarde. 1965 war sie Gründungsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Architektur. Von 1978 bis 1982 war sie Professorin für Keramik an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Im Jahr 2006 wurde in Wien-Donaustadt die Biljan-Bilger-Gasse nach ihr benannt.

Die Künstlerin erhielt 1972 den Österreichischen Kunstpreis für Bildende Kunst, 1982 das Silberne Ehrenzeichen der Stadt Wien und den Burgenländischen Kulturpreis und 1992 den Kulturpreis für bildende Kunst des Landes Niederösterreich. Ihre Ausstellungen führten sie nach Rom, Turin, Venedig, Sao Paulo, Mailand, Istrien oder München, wo sie am 1. Mai 1997 stirbt. Ihre Grabstätte ist am Ortsfriedhof in Sommerein.

 

Der Just Tampier-Geheimtipp: verbinden Sie einen Besuch der Ausstellungshalle in Sommerein, das von Wien über Schwechat, Schwadorf und Trautmannsdorf ganz schnell zu erreichen ist (weitere Informationen unter www.maria-biljan-bilger.at) mit einem Mittagessen im ortsansässigen Landgasthaus zum Grünen Baum von Gerhard Schiller.

 

(JT 2017)

Fotos: www.maria-biljan-bilger.at, Margherita Spiluttini