Peace & Plenty

 

Erwin Wurm zählt längst zu den Weltstars der zeitgenössischen Kunst. Die ALBERTINA Wien (www.albertina.at) widmet dem Österreicher nun eine Ausstellung seiner thematisch wie technisch sehr vielseitigen Zeichnungen der letzten Jahre.

 

Ob daheim oder unterwegs: Erwin Wurm zeichnet fast täglich. Dabei arbeitet er mit dem vor Ort verfügbaren Papier, in verschiedenen Qualitäten und Formaten, mit Bleistift, Farbstift, Kugelschreiber oder auch Wasserfarbe. Die Zeichnungen sind Reflexion, Weltkommentar sowie Ideenspeicher und umfassen den gesamten Werkkosmos des Künstlers.

Thematisch gleichen sie einem Tagebuch, tauchen darin neben Selbstporträts doch vor allem Menschen auf, mit denen Erwin Wurm in Kontakt ist - Künstlerfreunde sowie Familienmitglieder. Darüber hinaus beschäftigen ihn in seinen Arbeiten auf Papier auch bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Kunst- und Kulturgeschichte. Gemeinsam ist den Zeichnungen Wurms bissig-humorvoller Blick auf die Welt und den Menschen mit all seinen Unzulänglichkeiten sowie sein Sinn für Situationskomik und prekäre Momente.

 

Die Ausstellung ist von 21. November 2018 bis 10. Februar 2019 zu sehen.

(JT November 2018)

Fotos:

Erwin Wurm | Staubsauger, 2017 | Aquarell, Buntstift, Papier © Studio Erwin Wurm

Erwin Wurm | Asthma2finger, 2017 | Quarell, Buntstift, Papier © Studio Erwin Wurm

Erwin Wurm | Petrol Asthma, 2017/2018 | Zeichnung, Albertina, Wien © Studio Erwin Wurm

Komplexes im Belvedere21

 

Im Belvedere21 läuft „overturn“ bis 6. Jänner 2019. Werner Feiersinger verbindet in seinen Werken das Wissen über Kunst-, Design- und Architekturgeschichte mit einer lakonisch-reduzierten Formensprache. Der österreichische Bildhauer formuliert den Ausstellungsraum im Belvedere 21 mit einem umfassenden skulpturalen Eingriff neu und bezieht sich dabei auf die Geschichte des Gebäudes, in dem sie gezeigt wird.

Es wurde vom Wiener Architekten Karl Schwanzer als Österreichpavillon für die Weltausstellung 1958 in Brüssel geplant und mit dem Grand Prix d’Architecture ausgezeichnet.

Die Einzelteile der Arbeit Feiersingers lassen durch unterschiedliche Bezüge verschiedene Interpretationen zu und können referenziell nicht eindeutig verortet werden. Die Notwendigkeit der Abstützung ist zum Beispiel ein zentrales Merkmal seiner Kunst. So erinnert das gekippte Gerüst am Boden des Ausstellungsraums an zusammengefügte Leitern und mit seinen Löchern gleichzeitig an ein überdimensionales Spielzeug.

 

Ebenfalls im Belvedere21 läuft die Schau „Der Wert der Freiheit“ bis 10. Februar 2019. Welchen Stellenwert hat Freiheit heute? Wie kann der gesellschaftliche Balanceakt zwischen individueller Selbstbestimmung und sozialer Verantwortung gelingen? Werke von mehr als fünfzig Künstlerinnen und Künstlern nähern sich diesem komplexen Thema aus unterschiedlichen Perspektiven und schaffen ein Bewusstsein für die Fragilität der Freiheit.

Der Begriff Freiheit unterliegt einem stetigen Wandel. Historisch wird er seit der antiken Polis von wechselnden Gegenspielern geprägt und beschreibt eine wichtige Grundlage der Demokratie. Seit den 1990er Jahren stellt sich die Demokratie als Staatsform im Zusammenspiel mit der Marktwirtschaft zunehmend als alternativlos dar, während es mit der Globalisierung vermehrt zu Spannungen zwischen den beiden kommt. Heute scheint das Denken des Neoliberalismus die errungenen, selbstverständlich wirkenden Freiheiten nach und nach wieder aufzulösen und die Demokratie langsam auszuhöhlen.

 

Weitere Informationen zu den Ausstellungen unter www.belvedere21.at

(JT Oktober 2018)

Fotos:

Ausstellungsansicht „Werner Feiersinger. Overturn“, Courtesy Galerie Martin Janda, Wien; Foto: Johannes Stoll, © Belvedere, Wien. Alle Werke: Werner Feiersinger, Ohne Titel, 2018

Šejla Kamerić, "Liberty", 2015, Courtesy Galerie Tanja Wagner, Berlin. Plexiglas, Leuchtdioden, Metallstachel, 51 × 293 × 20 cm

 

 

Rousseau des Ostens

 

Die Albertina Wien (www.albertina.at) zeigt vom 26. Oktober 2018 bis zum 27. Jänner 2019 die Ausstellung „Niko Pirosmani - Wanderer zwischen den Welten“.

Der georgische Maler Niko Pirosmani (1862–1918) war ein Autodidakt, der einst seine leuchtenden, eindringlichen Bilder für die georgischen Gasthäuser,Tavernen und Schenken der Jahrhundertwende malte.

1913 wurde er in der legendären Ausstellung Zielscheibe in Moskau gemeinsam mit Natalia Gontscharowa, Michail Larionow, Kasimir Malewitsch und Marc Chagall als „Rousseau des Ostens“ präsentiert. Heute gilt es, den Avantgardisten neu zu entdecken.

 

Kunst war für Pirosmani ein weites, offenes Feld, er selbst soll ein Außenseiter und Vagabund gewesen sein. Ein Wanderer zwischen des Welten, zwischen Stadt und Land, Gaststuben und Tierställen, der sich gleichzeitig im Zentrum der Gemeinschaft aufhielt. Seine Werke sprechen die Betrachtenden direkt an. In die rurale Welt seiner Bilder haben bereits die Eisenbahn und die illustrierten Zeitschriften Einzug gehalten. In seinen Bildern preist er eine strahlend harmonische Ordnung, die er selbst als „der Vagabund“ mehr erträumt als erfahren hat.

(JT Oktober 2018)

Fotos:

Niko Pirosmani, Tatar camel driver, Öl auf Karton, © Infinitart Foundation

Niko Pirosmani, The Kakhetian Train, Öl auf Karton, © Infinitart Foundation

Niko Pirosmani, Giraffe,  Öl auf Wachstuch, © Infinitart Foundation

Schiele unterm Mikroskop

 

Wer glaubt, er hätte schon alle Werke von Egon Schiele gesehen und wüsste einfach alles über dieses Genie, der irrt! Die Ausstellung „Egon Schiele. Wege einer Sammlung“ in der Orangerie im Unteren Belvedere zeigt bis 17. Februar 2019, einhundert Jahre nach dem Tod des Künstlers, einen der innovativsten Beiträge zum diesjährigen Gedenkjahr.

 

Im Mittelpunkt der Schau steht die hauseigene Schiele-Sammlung. Zum einen wird der Fokus auf die Sammlungsgenese gelegt, zum anderen wird die Geschichte hinter den Bildern erzählt. Die Ergebnisse modernster kunsttechnologischer Untersuchungen ermöglichen neue Einblicke in die Arbeitsweise des Künstlers und enthüllen bislang unbekannte Facetten der Entstehung seiner Meisterwerke.

Die Schiele-Sammlung des Belvedere umfasst heute zwanzig Werke, darunter 16 Gemälde. Die Ausstellung geht den Wegen dieser Werke nach, von der Entstehung im Atelier des Künstlers bis zur Aufnahme in die Sammlung des Belvedere. Ankäufe, Schenkungen, Tauschgeschäfte, Museumreformen oder auch Restitutionen prägen die Wege dieser Bilder, in deren Geschichten auch die abwechslungsreiche Sammlungsgeschichte des Belvedere offenkundig wird.

 

In der Ausstellung sind alle Gemälde zu sehen, die sich jemals im Bestand des Belvedere befunden haben, darunter prominente Leihgaben wie Bildnis Wally Neuzil oder Kardinal und Nonne (Liebkosung) aus dem Leopold Museum, Zeichnungen und Aquarelle aus der Albertina und weitere Arbeiten aus privaten Sammlungen im In- und Ausland, etwa auch einige Vorstudien.

Durch Archivalien – Inventarbücher, Korrespondenzen, Tauschprotokolle und Rechnungen – wird darüber hinaus die seltene Möglichkeit geboten, hinter die Kulissen eines Museums zu blicken.

 

In Vorbereitung der Ausstellung wurden umfangreiche maltechnische Forschungsarbeiten durchgeführt. Erstmals wurde der gesamte Schiele-Bestand eines Museums mit digitalem Röntgen, UV-Strahlung, Infrarotreflektografie, Mikroskop- und Makroaufnahmen genau untersucht. Die gezeigten Detailaufnahmen der Gemälde bieten eine ungewohnte wie eindrucksvolle Nahsicht auf Schieles Malerei.

 

Weitere Infos unter www.belvedere.at

(JT Oktober 2018)

Fotos:

Kauerndes Menschenpaar (Die Familie),1918, Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien, Öl auf Leinwand, 150 x 160,8 cm

Egon Schiele Mann und Frau (Umarmung), 1917, Yageo Foundation Collection, Taiwan, Foto: © Richard Nagy Ltd., London, Gouache und Kreide auf Papier, 45 × 29,5 cm

Egon Schiele, Hauswand (Fenster), 1914, © Belvedere Wien, Öl auf Leinwand, 111 x 142 cm

Egon Schiele, Vier Bäume, 1917, © Belvedere, Wien, Öl auf Leinwand, 110 × 140 cm

Egon Schiele, Mutter mit zwei Kindern III, 1915-17, Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien, Öl auf Leinwand, 150 × 159,8 cm

Makroaufnahme aus Egon Schiele, Die Frau des Künstlers, Edith Schiele, 1918, © Belvedere Wien, Abteilung Restaurierung

Schönheit

 

Eine Ausstellung des MAK, Wien, und des Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main, zeigt vom 24. Oktober 2018 bis 31. März 2019 SAGMEISTER & WALSH (www.mak.at).

 

Mit ihrem faszinierenden Ausstellungsprojekt Beauty liefern Stefan Sagmeister und Jessica Walsh ein multimediales, höchst sinnliches Plädoyer für die Lust am Schönen.

Nahezu im gesamten 20. und 21. Jahrhundert war und ist Schönheit im Designdiskurs eher negativ besetzt. Dieser Antipathie setzen Sagmeister & Walsh beeindruckende Argumente entgegen und machen Schönheit als einen zentralen, funktionalen Aspekt ansprechender Gestaltung erlebbar. Die Schau spielt mit allen Sinnen der Besucher und zeigt deutlich auf: Schönheit ist mehr als eine rein oberflächliche Strategie. Unterstützt von Erkenntnissen aus der psychologischen Ästhetik treten Sagmeister & Walsh den Beweis an, dass schön gestaltete Arbeiten die menschliche Wahrnehmung stimulieren und damit besser funktionieren.

 

Ein Mix aus eigens für die Ausstellung produzierten Installationen und Beispielen aus Produktdesign, Stadtplanung, Architektur und Grafikdesign animiert in der MAKSäulenhalle, im MAK DESIGN LABOR, in der MAK GALERIE, im MAKKunstblättersaal und in der MAK-Schausammlung Gegenwartskunst zum Sehen, Riechen und Fühlen. Gegliedert in sechs Ausstellungsthemen – „Was ist Schönheit?“, „Die Geschichte der Schönheit“, „Im Auge des Betrachters“, „Schönheit erleben“, „Transformierende Schönheit“ und „Das Schönheitsarchiv“ – entfachen rund 70 Objektgruppen einen ästhetischen Diskurs zur Schönheit als Paradigma für hochwertige Gestaltung.

(JT Oktober 2018)

Fotos:

Sagmeister & Walsh, Logo SAGMEISTER & WALSH: Beauty, 2018 © Sagmeister & Walsh, New York

Stefan Sagmeister & Jessica Walsh, Porträt, 2013 © John Madere

Sagmeister & Walsh, Yes!, Unterführung, Brooklyn-Queens Expressway, 2016 © Maggie Winters Gaudaen for Pop! Wed Co.

Street-Photography

 

Helen Levitt (1913–2009) ist eine der wichtigsten Vertreterinnen der Street-Photography. Als leidenschaftliche Beobachterin und Chronistin des New Yorker Straßenlebens fotografierte sie ab den 1930er-Jahren die Bewohner der armen Stadtviertel, wie etwa Lower East Side, Bronx und Harlem. Mit einem Blick für surreale und ironische Details hielt sie die Menschen in dynamischen Kompositionen fest. Ihre unsentimentale Bildsprache eröffnet ein humorvolles und theatralisches Schauspiel abseits moralischer und sozial-dokumentarischer Klischees.

 

Die ALBERTINA widmet der amerikanischen Fotografin vom 12. Oktober 2018 bis 27. Jänner 2019 eine Retrospektive und führt rund 130 ihrer ikonischen Werke zusammen. Vertreten sind Werke von ihren frühen vom Surrealismus beeinflussten Fotografien von Kreidezeichnungen, über ihre 1941 entstandenen Aufnahmen aus Mexiko bis hin zu den 1938 von Walker Evans angeregten, heimlich aufgenommenen Porträts von Passagieren in der New Yorker U-Bahn.

Revolutionär ist Helen Levitt auch in ihrer Farbfotografie. Bereits 1959 etabliert sie Farbe als künstlerisches Ausdrucksmittel und zählt somit zu den frühesten Vertretern der New Color Photography. Levitt war 1974 die erste Farbfotografin, die im Museum of Modern Art eine Ausstellung erhielt.

 

(JT Oktober 2018)

Fotos:

Helen Levitt

New York, 1945, Silbergelatinepapier, Albertina, Wien. Dauerleihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung für Kunst und Wissenschaft © Film Documents LLC / Courtesy Galerie Thomas Zander, Köln

New York, 1973, Dye-Transfer-Print, Film Documents LLC © Film Documents LLC / Courtesy Galerie Thomas Zander, Köln

New York, ca. 1940, Silbergelatinepapier, Film Documents LLC © Film Documents LLC / Courtesy Galerie Thomas Zander, Köln

GeschichtenMaler

 

Das Kunsthistorische Museum Wien (www.khm.at) zeigt vom 2. Oktober 2018 bis zum 13. Jänner 2019 die weltweit erste große monografische Ausstellung zum Werk des bedeutendsten niederländischen Malers des 16. Jahrhunderts: Pieter Bruegel der Ältere (1525/30–1569). Anlass dafür ist der 450. Todestag des Künstlers.

Pieter Bruegel der Ältere war schon zu seinen Lebzeiten einer der begehrtesten Künstler, weshalb seine Werke bereits damals ungewöhnlich hohe Preise erzielten. Nur knapp über vierzig Gemälde und sechzig Grafiken haben sich überhaupt von der Hand des Meisters erhalten.

Mit 12 Tafelbildern besitzt das Kunsthistorische Museum die weltweit größte Sammlung an Bruegel-Gemälden.

 

Mit rund 90 seiner Werke zeigt die Ausstellung in Wien nun zum ersten Mal einen Überblick über das Gesamtwerk von Pieter Bruegel dem Älteren: eine Jahrhundertchance, in die komplexe Bildwelt des Künstlers einzutauchen und seine einzigartige Erzählgabe kennenzulernen.

Unter den Highlights, die in der Ausstellung zu sehen sein werden, ist auch der Turmbau zu Babel aus dem Museum Boijmans van Beuningen in Rotterdam.

Durch die Kombination einer sowohl chronologischen als auch thematischen Präsentation von Bruegels Kunst sind Entwicklung und Vielseitigkeit seines Werkes nachzuvollziehen. Die Anfänge von Bruegels Karriere als Zeichner und Grafiker werden ebenso gezeigt wie seine Landschaftsmalerein. Ein weiterer Teil der Schau ist seinen religiösen Werken gewidmet, mit einer Fülle an Meisterwerken. Als Besonderheit wird die Kreuztragung Christi als größte und im Format unveränderte Tafel Bruegels ohne Rahmen und beidseitig sichtbar ausgestellt, als würden die BetrachterInnen dem Maler über die Schulter schauen.

Ein Saal der Ausstellung ist Bruegels Spätwerk gewidmet, wobei eine differenziertere Sicht auf den ehemals als „BauernBruegel“ bezeichneten Künstler geboten wird. Neben Bauernhochzeit und Bauerntanz wird das legendäre mutmaßliche Vermächtnisgemälde Elster auf dem Galgen präsentiert.

Über die Dauer der Ausstellung hinaus wird zusätzlich die frei zugängliche Website www.insidebruegel.net erstmals tiefgehende Einblicke in die Gemälde Pieter Bruegels des Älteren auf Basis der jüngsten technologischen Untersuchungen ermöglichen. Dort wird die Möglichkeit bestehen, den Werken des Meisters in modernster Technik interaktiv zu begegnen, durch die Sammlung zu navigieren und Bruegels Bilderwelt bis ins kleinste Detail zu erforschen.

 

Bruegel – damals und jetzt ein einzigartiger Maler mit Ausnahmestatus.

(JT September 2018)

Fotos:

Turmbau zu Babel 1563, Öl auf Holz, 114 x 155 cm Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Zwei angekettete Affen 1562 Eichenholz, 19,8 × 23,3 cm Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Christoph Schmidt

Turmbau zu Babel nach 1563? Eichenholz, 59,9 × 74,6 cm Museum Boijmans Van Beuningen © Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam Photographer: Studio Tromp, Rotterdam 

 

Genialer Grenzgänger

 

2018, 100 Jahre nach seinem Tod, ist dem zentralen Künstler aus der Sammlung des Leopold Museum, Egon Schiele (1890–1918), bis 10. März 2019 eine besondere Ausstellung gewidmet.

 

Einzigartig durch die Kombination von Gemälden, Papierarbeiten und zahlreichen Archivalien präsentiert die Schau seit Februar die wichtigsten Themen im Schaffen des Künstlers: zunächst sein selbstbewusstes Heraustreten aus der Tradition und seine Findung als Ausdruckskünstler, in der Folge Motivgruppen wie die ambivalente Figur der Mutter oder die Tabubrüche in Form der Darstellung junger Mädchen und Buben, des weiteren Themen wie Spiritualität und Verwandlung, seine enigmatischen Häuser und Landschaften oder etwa seine spannungsvoll komplexe Analyse in seinen Porträtdarstellungen.

 

Die Gewichtung der Ausstellung ergibt sich aus jener der Sammlungen Leopold, die Kunstgeschichte schrieben: bei den Ölbildern wie den Papierarbeiten liegt der Schwerpunkt auf den expressionistischen Jahren 1910–1914, wobei die Blätter zu je einem Drittel den Selbstdarstellungen, den Porträts und Akten der Mädchen und schließlich jenen erwachsener Frauen gewidmet sind. Demgegenüber umfassen die Gemälde alle oben genannten Themen. Neben dem umfassenden Sammlungsbestand, deren Papierarbeiten aus restauratorischen Gründen in drei Durchläufen gezeigt werden, sind einzelne herausragende Schiele-Werke von internationalen Sammlungen als „noble Gäste“ in die Jubiläumsausstellung integriert.

 

Ab 29. September 2018 ist die Schau reloaded zu sehen.

 

Schiele war ein obsessiv Suchender, fasziniert von Frauen wie seiner Muse Wally Neuzil, inspiriert von der Seele der Dinge und der Natur, ein Selbstdarsteller, der extreme Posen und Grimassen als Spiegelung seines eigenen Innenlebens und prägnante, knöchrig-kantige Darstellungen liebte.  

Der Meister ist viel zu früh gestorben. Uns bleibt seine betörend schöne und zugleich tragisch hässliche, aber immer scharfkantige Kunst.

(JT September 2018)

Selbstbildnis mit Lampionfrüchten, 1912. Öl, Deckfarbe auf Holz. 32,2x39,8cm. Leopold Museum, Wien. Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger.

Kardinal und Nonne („Liebkosung“), 1912. Öl auf Leinwand. 70X80,5cm. Leopold Museum, Wien. Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger.

Kauernde mit grünem Kopftuch, 1914. Bleistift, Gouache auf Papier. 47X31cm. Leopold Museum, Wien. Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger

Faszination Japan

Die Herbstausstellung des Kunstforums auf der Freyung (www.kunstforumwien.at) widmet sich unter dem Titel „Faszination Japan. Monet – Van Gogh – Klimt“ vom 10. Oktober 2018 bis zum 20. Jänner 2019 der „Japomanie“ – der Begeisterung der westlichen Welt für die Ästhetik und die Bilderwelt des Fernen Ostens.

Schon in den 1860er Jahren erobern die elegant-exotische Ästhetik der Alltagsgegenstände, die exquisiten Textilien und vor allem die fantasievollen Ukiyo-e, die leuchtend bunten Farbholzschnitte, den europäischen Markt und erfüllen die Sehnsüchte nach einer unbekannten Kultur.

 

Vor allem Künstler beginnen zu sammeln und die fremdartigen Motive in ihre Bildsprache zu integrieren. Monet, Manet, Van Gogh und Degas sind die ersten, ihnen folgen die jüngeren – Toulouse-Lautrec, Bonnard, Vuillard oder Vallotton, Franz Marc und Wassily Kandinsky, um nur die wichtigsten zu nennen. Von Paris aus erobert die Japomanie ganz Europa – auch in Österreich entwickelt sich, ausgehend von der Wiener Weltausstellung 1873, ein regelrechter Hype um die fernöstliche Ästhetik, an der sich auch Gustav Klimt und Egon Schiele inspirieren.

 

Die Ausstellung, kuratiert von Evelyn Benesch, zeigt Gemälde und Druckgrafiken, aber auch Objekte und Möbel, und stellt die von fernöstlicher Ästhetik beeinflusstenen Werke von Monet, Degas, Klimt oder Henri de Toulouse-Lautrec, den Nabis und dem Blauen Reiter, den japanischen Holzschnitten, Paravents und Objekten gegenüber. An die 100 Exponate aus internationalen öffentlichen und privaten Sammlungen geben einen breiten Überblick über das Phänomen des „Japonismus“ vom späten 19. Jahrhundert bis zum Beginn der Avantgarden.

(JT September 2018)

Foto: Alfred Stevens, Die japanische Pariserin, 1872, Öl auf Leinwand, 150 x 105 cm, Musée des Beaux-Arts de La Boverie, Liège © Liège, Musée des Beaux-Arts – La Boverie 

Meister des Lichts

 

Vom 21. September 2018 bis 6. Jänner 2019 zeigt die Albertina Wien die erste umfassende Präsentation von Claude Monet (1840–1926) seit über 20 Jahren in Österreich. Die Ausstellung, kuratiert von Dr. Heinz Widauer, spannt den Bogen von seinen ersten vorimpressionistischen Werken bis hin zu seinen allerletzten Gemälden, die in seinem Garten in Giverny entstanden sind. Die Retrospektive ist mit fast 100 Gemälden von über 40 Leihgebern aus der ganzen Welt bestückt und ist ein Highlight im Wiener AusstellungsHerbst.

 

Monet steht wie kein anderer für die Malerei des Impressionismus. Der französische „Meister  des Lichts“ malte am Meer, an der Steilküste der Normandie und an den Ufern der Seine. Die Wasseroberflächen seiner Bilder reflektieren die leuchtenden Farben üppiger Vegetation im Sommer und den geheimnisvoll grau und blau gefrierenden Dunst seiner Landschaften im Winter. Um sie in ihrer Erscheinungsvielfalt zu erfassen, malt er viele seiner Motive in Serien.

 

Die Schau zeigt Claude Monets Auseinandersetzung mit der Pflanzen- und Wasserwelt im Garten seines Landhauses in Giverny und seinen Werdegang vom Realismus über den Impressionismus bis hin zu einer Malweise, bei der sich die Farben und das Licht allmählich vom Gegenstand lösen und das Motiv von der Naturbeobachtung unabhängig wird.

Mit seinem Spätwerk bereitet Monet erst nach seinem Tod dem abstrakten Expressionismus den Boden.

Weitere Informationen unter www.albertina.at

(JT August 2018)

Fotos:

Seerosen, 1914−1917, Öl auf Leinwand, Musée Marmottan Monet, Paris / The Bridgeman Art Library

Junge Mädchen in einem Boot, 1887, Öl auf Leinwand, Tokyo, National Museum of Western Art

Das Atelierboot, 1874, Öl auf Leinwand, © Collection Kröller-Müller Museum, Otterlo

MuseumsJuwel

 

Bereits seit 125 Jahren gibt es das Österreichische Pharma- und Drogistenmuseum. Seit 15 Jahren ist es am Standort Währinger Straße 14 in 1090 Wien beheimatet (www.drogistenmuseum.at) – ein durchaus zu feierndes Doppeljubiläum! 

In den liebevoll renovierten Räumlichkeiten im 9. Bezirk hat das Museum einen würdigen Rahmen gefunden um die Raritäten und Kuriositäten der über 10.000 Exponate und Kuriositäten wirkungsvoll zu präsentieren.

 

Die Entwicklung des Berufes „Drogist“ hat eine lebhafte Vergangenheit: Aus Quacksalbern und fahrenden Heilkünstlern, die ihre Waren gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf Jahrmärkten verkauften, entwickelte sich mit der Zeit ein geregelter Drogenhandel. Der Begriff „Droge“ war damals noch positiv besetzt. Aus den Drogenkleinhandlungen entstanden im Laufe der Zeit die Drogerien. Die Drogerie hatte die Aufgabe, Drogen (= getrocknete Kräuter, pflanzliche Arzneimittel) und Chemikalien zu vertreiben. Industriell gefertigte Markenartikel gab es praktisch noch nicht. Auch Fotografie, Farben und Lacke sowie Pflanzenschutz hatten in der Drogerie ihre Kinderstube. Drogisten sind übrigens die einzige Berufsgruppe Österreichs, die über die gesetzliche Erlaubnis verfügt, Gifte abzugeben. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts etablierte sich die Drogerie als Fachgeschäft für Gesundheit, Schönheit und Wellness, wie wir sie heute kennen. Das Personal der Fachdrogerie steht für qualifizierte Kundenberatung, die den Konsumenten hilft, sich in der Vielzahl der am Markt angebotenen Produkte zurechtzufinden.

 

Im Drogistenmuseum finden monatlich auch Vorträge von Fachleuten statt. Der Schwerpunkt liegt bei gesundheitsbezogenen Themen aus Sicht der Schul- und Alternativmedizin, Ernährung, Aromatherapie, Kräuter und Gewürze, alte Hausmittel, um nur einige zu nennen. Dazu kommen spannende Reise-Erlebnisberichte und faszinierende Vorträge des Historikers Mag. Georg Hamann. Der Museums-Vortragsraum kann auch für kleine externe Veranstaltungen gemietet werden.

Die Finanzierung des Museums erfolgt überwiegend durch Sponsoren, Einnahmen von Führungen und Vorträgen sowie Eigenleistungen der gegenwärtig 10 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sind besonders zu erwähnen, denn ohne ihren Einsatz wäre ein Aufrechterhalten des Museumsbetriebes nicht möglich.

 

Der Leitgedanke im Drogistenmuseum: Alle Besucher sind herzlich willkommen! Sie sollen das Museum mit mehr Freude, Begeisterung, Wissen und dem Wunsch, wiederzukommen und das Museum weiterzuempfehlen, verlassen.(JT 2017)

Illustration: Gil Elvgren, Fotos © Drogistenmuseum, Niki Lappas

Das Werk der Künstlerin Maria Biljan-Bilger – fast vergessen, doppelt präsent

 

Als Bildhauerin, Keramikerin und Textilkünstlerin schuf Maria Biljan-Bilger (1912-1997) ein unverwechselbares Werk zwischen Archaik und Moderne. Ihr Wirken ist in der zeitgenössischen Öffentlichkeit in Vergessenheit geraten und es ist ihrem Mann, dem Architekten Friedrich Kurrent, und dem Verein der Freunde der Maria Biljan-Bilger-Ausstellungshalle in Sommerein zu verdanken, dass man die absolut großartigen, beeindruckenden Kunstwerke von Biljan-Bilger heute noch besichtigen kann – und unbedingt sollte!

 

Die Ausstellungshalle, von Kurrent an einem ehemaligen Steinbruch errichtet, in der Hauptstraße 61 in 2453 Sommerein am Leithagebirge in Niederösterreich, wo es die Künstlerin 1962 hinzog, ist vom 1. Mai bis Ende Oktober jeden Samstag, Sonntag und Feiertag von 10.00 bis 12.00 und von 14.00 bis 18.00 Uhr (Eintritt € 3, Kinder frei) für Besucher offen.

 

Biljan-Bilger war Mitbegründerin des Art-Clubs und hatte 1952 ihre erste Personalausstellung im legendären „Strohkoffer“, dem Wiener Ausstellungslokal des Art-Clubs, der Wiener Avantgarde. 1965 war sie Gründungsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Architektur. Von 1978 bis 1982 war sie Professorin für Keramik an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Im Jahr 2006 wurde in Wien-Donaustadt die Biljan-Bilger-Gasse nach ihr benannt.

Die Künstlerin erhielt 1972 den Österreichischen Kunstpreis für Bildende Kunst, 1982 das Silberne Ehrenzeichen der Stadt Wien und den Burgenländischen Kulturpreis und 1992 den Kulturpreis für bildende Kunst des Landes Niederösterreich. Ihre Ausstellungen führten sie nach Rom, Turin, Venedig, Sao Paulo, Mailand, Istrien oder München, wo sie am 1. Mai 1997 stirbt. Ihre Grabstätte ist am Ortsfriedhof in Sommerein.

 

Der Just Tampier-Geheimtipp: verbinden Sie einen Besuch der Ausstellungshalle in Sommerein, das von Wien über Schwechat, Schwadorf und Trautmannsdorf ganz schnell zu erreichen ist (weitere Informationen unter www.maria-biljan-bilger.at) mit einem Mittagessen im ortsansässigen Landgasthaus zum Grünen Baum von Gerhard Schiller.

 

(JT 2017)

Fotos: www.maria-biljan-bilger.at, Margherita Spiluttini